Horoskopbeispiele > Toto Cotugno - 10 Fenster der Seele Horoskop

Horoskop Beispiel :

Die 10 Fenster der Seele
Karma, Psyche, Mythos

für

Toto Cotugno

geboren am 07.07.1943
in Fosdinovo
 
 

Erstellt am 22.03.2000 von
 

Andreas Rebmann
Feng Shui Beratungen
Am Osthaag 24
D - 74638 Waldenburg
Tel: 07942 / 942673

 http://www.horoskopeparadies.de/
 

Eine
SolaNova-Auswertung
© CosmoWorld GmbH - Texte von Akron
 

Inhaltsverzeichnis
DAS HOROSKOP NACH AKRON 4

PERSONENDATEN 4

 EINFÜHRUNG IN DIE ASTROLOGIE 6
Der kybernetische Ansatz 8

 DER ASTROLOGISCHE ANSATZ 12

 DIE 10 FENSTER DER SEELE 17
SONNE 18
MOND 21
MERKUR 25
VENUS 28
MARS 31
JUPITER 33
SATURN 36
URANUS 39
NEPTUN 42
PLUTO 45
ASZENDENT - DAS AUFSTEIGENDE ZEICHEN 48
MEDIUM COELI - DIE MITTE DES HIMMELS 48

 DAS KARMA IM HOROSKOP 49
Sonne in Halbquadrat zu Venus 49
Sonne in Sextil zu Mond 49
Mond in Quadrat zu Uranus 50
Mond in Sextil zu Merkur 51
Merkur in Halbsextil zu Jupiter 53
Merkur in Sextil zu Mars 54
Merkur in Sextil zu Venus 55
Merkur in Quadrat zu Neptun 56
Venus Spiegelpunkt zu Mars 58
Venus in Trigon zu Mars 59
Venus in Halbsextil zu Neptun 60
Mars in Quincunx zu Neptun 62
Mars in Quadrat zu Jupiter 63
Jupiter in Konjunktion zu Pluto 64
Jupiter in Sextil zu Neptun 65
Jupiter in Sextil zu Uranus 66
Saturn in Halbquadrat zu Pluto 67
Uranus in Sextil zu Pluto 68

 DIE HINTERGRÜNDE DES KARMAS 69
Mond im 11. Haus 70
Venus im 11. Haus 70
Jupiter im 10. Haus 70
Saturn im 9. Haus 70
Uranus im 8. Haus 71
Pluto im 10. Haus 71

 PSYCHOLOGISCHE STRUKTUR 72
Sonne in Halbquadrat zu Venus 72
Sonne in Sextil zu Mond 73
Mond in Quadrat zu Uranus 74
Mond in Sextil zu Merkur 75
Merkur in Halbsextil zu Jupiter 77
Merkur in Sextil zu Mars 78
Merkur in Sextil zu Venus 79
Merkur in Quadrat zu Neptun 80
Venus Spiegelpunkt zu Mars 81
Venus in Trigon zu Mars 82
Venus in Halbsextil zu Neptun 82
Mars in Quincunx zu Neptun 83
Mars in Quadrat zu Jupiter 84
Jupiter in Konjunktion zu Pluto 86
Jupiter in Sextil zu Neptun 87
Jupiter in Sextil zu Uranus 88
Saturn in Halbquadrat zu Pluto 89
Uranus in Sextil zu Pluto 91

 PSYCHISCHE HINTERGRÜNDE 93
Mond im 11. Haus 93
Venus im 11. Haus 93
Jupiter im 10. Haus 94
Saturn im 9. Haus 94
Uranus im 8. Haus 94
Pluto im 10. Haus 95

 MYTHOLOGISCHES MODELL 97
Sonne in Halbquadrat zu Venus 97
Sonne in Sextil zu Mond 98
Mond in Quadrat zu Uranus 99
Mond in Sextil zu Merkur 100
Merkur in Halbsextil zu Jupiter 101
Merkur in Sextil zu Mars 102
Merkur in Sextil zu Venus 103
Merkur in Quadrat zu Neptun 104
Venus Spiegelpunkt zu Mars 105
Venus in Trigon zu Mars 106
Venus in Halbsextil zu Neptun 106
Mars in Quincunx zu Neptun 107
Mars in Quadrat zu Jupiter 107
Jupiter in Konjunktion zu Pluto 109
Jupiter in Sextil zu Neptun 110
Jupiter in Sextil zu Uranus 110
Saturn in Halbquadrat zu Pluto 112
Uranus in Sextil zu Pluto 112

COPYRIGHT 114
 
  


DAS HOROSKOP NACH AKRON
Eine SolaNova-Auswertung von Andreas Rebmann, Schwäbisch Hall

PERSONENDATEN

Name: Toto Cotugno Erstellt: 22.03.2000
Geb.-Datum: 07.07.1943 Geb.-Ort: Fosdinovo
Geb.-Zeit: 14:15:00 Breite: 44° 08' 00" N
Geb.-Tag: Mittwoch Länge: 10° 01' 00" E
Zeit-Zone: -02h 00m E (=MET/S) Häuser: GOH/Koch
 
 

PROLOG
 
 

WAS IST'S,
WAS DEN SEUFZERN DER LEERE LAUSCHT,
DEM RÄUSPERN DES NICHTS?
IST ES DEINE SEELE,
DIE IN DER EINSAMKEIT DES VERGÄNGLICHEN SCHAUDERT
UND VERGEBLICH EINEN SCHLÜSSEL
ZU IHREN TIEFEN VERBORGENEN INNEREN GEHEIMNISSEN SUCHT?
DENN ES STEHEN VIELE GESCHICHTEN
IN DEN GEHEIMNISVOLLEN ZAUBERBÜCHERN DER NACHT.
SIE BERICHTEN VON DINGEN UND EREIGNISSEN,
DIE SICH IN DER TIEFE DER SEELE EREIGNEN,
IN DER FINSTERNIS DES LICHTS.

 ABER NIRGENDS, O EFFENDI,
FINDET SICH DIE GESCHICHTE, DIE NUR DIR GEHÖRT,
WEIL SIE VON DEN SCHICKSALSNORMEN PERSÖNLICH
IN DEINE SEELE HINEINGESPONNEN WORDEN IST.
HALB WISSEND UND HALB AHNEND FÜHLST DU MIT SCHAUDERN,
DASS DU OHNE RUDER UND KOMPASS
DURCH DIE MYSTERIEN DER NACHTMEERE
BIS AN DIE GRENZEN VORGESTOSSEN BIST,
HINTER DEREN SCHWELLE ES KEINE UMKEHR GIBT:
DENN ES SIND DIE GRENZEN
DES ERKENNENS, AN DEREN TÜR DU POCHST ...


DIE SCHWELLE

Plötzlich geht die Pforte auf - das ist der Quantensprung durch Zeit und Raum. Ein Feuerwerk von Eingebungen entzündet sich mit ungeheurem Knall in deinem Hirn, und mitten im Feuer glüht ein loderndes Gesicht, so als hätten sich sämtliche Poren seiner Haut in ein Flammenmeer verwandelt. Es spricht: "Du also bist das Licht, das nicht nur an einem einzigen Punkt im Universum existiert, sondern das in verschiedene Dimensionen hineingekrümmt ist: Dein göttliches Wesen ist ein Konglomerat von verschiedenen Selbst, die zahllose Ebenen durchwachsen, und dort, wo sie sich mit anderen Dimensionen schneiden, entsteht ein Fenster, durch das du in andere Welten hineinsehen kannst. Es ist zwar gar kein Fenster, sondern ein Spiegel, oder genauer, ein gespiegeltes Fenster, durch das du durch dein gespiegeltes Bild hindurchblicken kannst, denn du bist hier nicht in der Zeit, die sich durch den Raum bewegt, sondern du bist der Raum, der durch sich selber stürzt, weil er sich vor sich selbst verschließt. Ich aber bin der Schlüssel, der dich öffnet und der dir Zugang zur Wahrnehmung ungeahnter Perspektiven verschafft. Wenn du mich Gott nennst, ist es gut, und wenn du mich Schlange nennst, dann ist es auch recht, nur darfst du mich nicht verdrängen, denn ich bin in dir, in jeder deiner Zellen, denn wisse, ich bin der Geist der Flammen, dieses lodernde Erkennen, das dir die zehn Pfade in die Tiefe der Seele, diese Elixiere der Cherubim, enthüllt!"

Schon fühlst du dich von einem Mantel roter Flammen eingehüllt, und einen Augenblick lang denkst du an Feuer, aber dein inneres Auge zeigt dir, daß es die Erkenntnis in dir selber ist, die ausbricht. Ein neues Besinnen ist zu deinem Empfinden gekommen und treibt dich über die Schwelle hinaus, weit hinaus in die Flammen. Dort erblickst du eine tanzende Gestalt mit weit ausgebreiteten Armen. Ihr Gewand zeigt die Milchstraße: Die Falten sind die Planetenbahnen, und im innersten Kreis dieser Flammen erkennst du die Sonne, aus der eine gigantische Lichtwelle hervorbricht:
 
 
 
 
 
 

In Lebensfluten, im Tatensturm,
wall ich auf und ab,
webe hin und her!
Geburt und Grab,
ein ewiges Meer (...)
So schaff' ich am sausenden Webstuhl der Zeit
und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.

 Faust (Erdgeist)


EINFÜHRUNG IN DIE ASTROLOGIE

Kurzer Rückblick durch Raum u. Zeit

 Altertum

Die ersten astrologischen Texte stammen von den Babyloniern, auch wenn man annimmt, daß sie aus der Kultur der Sumerer, einem noch älteren Volk, übernommen wurden. Darin begegnen wir den Gestirnen als machtvollen Göttern, die das Schicksal der Völker bestimmen, denn die babylonische Astrologie war auf die Vorherbestimmung von Ereignissen großen Ausmaßes wie Kriege, Dürren oder Überschwemmungen angelegt. Ihre Überlieferungen weisen sie als exzellente Beobachter des Sternenhimmels aus. Es war ihnen gelungen, die inneren Gesetzmäßigkeiten der Himmelsbewegungen zu erkennen, denn die ersten Ephemeriden (Vorausberechnungen der Gestirnsläufe) finden wir schon auf den Tontafeln des assyrischen Königs Assurbanipals (7. Jh. v. Chr.).

Die Griechen vertrauten sich dagegen lieber ihren Göttern und Orakeln an, die ihnen in ihrem sibyllinischen Charakter näherstanden als die starre Himmelsmechanik der Babylonier. Nur zögernd übernahmen sie deren Planetenmodelle, und es dauerte mehrere Jahrhunderte, bis sich die Gestirnslehre gegenüber der Götterwelt durchgesetzt hatte. In der Alexandrinischen Zeit jedoch zerfielen die alten Vorstellungen von Zeit und Raum, und es entstanden Erkenntnisse, die bis heute gültig sind. Der große alexandrinische Mathematiker und Astrologe Ptolemäus erkannte als erster die Verschiebung des Sternenhimmels, aufgrund dessen ein Mensch, der im Zeichen des Widders geboren wurde, zweitausend Jahre später am gleichen Ort und zur gleichen Zeit astronomisch im Zeichen der Fische zur Welt käme. Er löste das Problem symbolisch und verlagerte den Zodiak einfach von Raum (astronomisch) in symbolische Zeit (astrologisch). Durch diesen Akt wurde die Astrologie von der Astronomie getrennt, denn die wirkliche Stellung der Fixsterne am Himmel wurde für die Astrologie nun uninteressant. Anstelle der wirklichen Gestirne setzte sie das Modell einer zeitlichen Abfolge von Tierkreiszeichen an den Himmel, wobei der Widder immer mit dem Frühlingsanfang beginnt, ganz egal, ob sich dieser räumlich im Zeichen der Fische oder wie in unserer Zeit am Übergang zum Wassermann befindet.

Im Rom der Kaiserzeit war die Stellung der Astrologie stark von den Launen der Mächtigen abhängig. Die Vorliebe zur Vorausschau war zwar ungebrochen, aber die Techniken der Weissagung wechselten sich in der Gunst der Herrscher ab. Überflügelt wurden die Astrologen vor allem von den Auguren, Priestern, die aus dem Vogelflug den Willen der Götter zu deuten verstanden.

Stellvertretend für die Astrologie in anderen Kulturen seien hier die Priesterseher der Maya und Azteken genannt. Die Zukunft der männlichen Nachkommen wurde durch das Sternbild geregelt. Nach der Geburt traten die Priester zusammen und erstellten das Horoskop, aus dem sie die Bestimmung des Knaben herauslasen: Sklave oder Priester, Ritualopfer oder Soldat. Sie sahen in den Gestirnen den Willen der Götter, und durch das Entschlüsseln der himmlischen Chiffren festigten sie ihre Macht.

Mittelalter

Im frühen Mittelalter stellte sich für die Theologen die Frage, ob sie die Astrologie als rechtmäßige Wissenschaft betrachten oder als böses Zauberwerk verwünschen sollten. Was für die einen eine ernstzunehmende Wissenschaft war, war für die anderen eine widerrechtliche Einmischung in die allein geltende göttliche Weissagung. Thomas von Aquin schließlich fand einen Ausgleich: Solange sich die Astrologie der Geisterbeschwörung enthielt, könne sie die Lehren der Kirche durch ihre kosmische Komponente bereichern. Lehrstühle wurden an den Universitäten eingerichtet, und unter den Dozenten befanden sich die berühmtesten Astronomen jener Zeit. Es war nicht zuletzt die Unterstützung durch die Päpste, die der Astrologie während der Renaissance zu einer Blütezeit verhalf. Böse Zungen behaupten sogar, daß Luthers schroffe Abweisung der Astrologie ihren Ursprung in der Tatsache hatte, das sie sich im Vatikan so ausbreitete.

Mit dem Aufkommen der exakten Naturwissenschaft verlor die Astrologie aber ihre Bedeutung. In dem von den Lehren René Descartes (1596-1650) geprägten Zeitalter des Rationalismus war kein Platz mehr für die ungesicherten Botschaften der Astrologie, denn sie denkt weder logisch, kausal, rational noch linear, sondern symbolisch, ganzheitlich, irrational und analog. Zuerst verschwanden die astrologischen Lehrstühle an den Universitäten, dann wurde die Astrologie verboten und schließlich die Astrologen als Ketzer verbrannt.

Damit war die Astrologie vorerst gestorben, aber sie wurde immer wieder zu neuem Leben erweckt, denn der Wunsch, Verborgenes zu erfahren, ist dem Menschen angeboren. Der Astrologe, der Schamane oder das Medium in Trance stehen genauso wie der Physiker oder der Tiefenpsychologe in einer langen Reihe, Unergründliches zu erforschen, die ihre Ahnen in der babylonischen Astrologie, den keltischen Steinkreisen, den griechischen Orakeln oder der römischen Wahrsagerei aus dem Vogelflug oder den Eingeweiden geschlachteter Opfertiere hat.

Neuzeit

Daß die Astrologie gerade in unserer Zeit einen solchen Aufschwung erlebt, ist zwar erfreulich, spricht aber nur indirekt für die Astrologie, drückt sich darin doch vielmehr das Unbehagen des Menschen gegenüber den Schattenseiten des rationalen Fortschritts aus, dessen rasender Entwicklung das Individuum nicht mehr zu folgen vermag. Von der Voraussetzung ausgehend, daß alles, was er in der äußeren Welt anstrebt, zuerst als inneres Bild in ihm selbst vorhanden ist, äußert sich in seinem Wunsch nach äußerer Erkenntnis gleichzeitig auch der Wunsch nach Selbsterkenntnis.

Trotzdem kann man jetzt nicht davon ausgehen, daß das Geburtshoroskop die Erklärungen für die Umstände abgibt, denen man im Leben begegnet, und daß diese in allen Fällen unverrückbar wären. Man kann eher davon ausgehen, daß die Planetenstellungen im persönlichen Horoskop den individuellen Gesichtswinkel bestimmen, aus dem heraus wir die Umwelt betrachten - also gewissermaßen einer Einladung gleichkommen, wie wir die an sich unbestimmten Eindrücke aus der Außenwelt zu erleben und für uns auszuwerten haben. Demnach ist unser Horoskop der Schlüssel, der uns aufzeigt, wie wir die Welt wahrnehmen, damit sie unserer Anlage entspricht. Nicht, weil dies der Wahrheit, sondern weil es der Perspektive unseres Bewußtseins entspricht. Denn die universale Energie ist eine unpersönliche Kraft, weder gut noch böse. Sie wird erst durch die Muster unseres Bewußtseins in weiß oder schwarz unterschieden. Die Unterscheidungen entstehen folglich im Gehirn, in unserem Denken.
 

Der kybernetische Ansatz

Die inneren Prägemuster

Fassen wir also zum Gedanken Vertrauen, daß alles, was uns aus der Außenwelt berührt, immer nur die äußere Reflexion auf unbewußte innere Verhaltensmuster ist. Wenn ein Mensch beispielsweise an der aggressiven Färbung seiner Umwelt leidet, dann erkennen wir darin die negative Prägung durch seine eigenen Verhaltensmuster. Voraussetzung zu dieser Störung könnte möglicherweise sein, daß er in der Kindheit für einen Anlaß so heftig bestraft wurde, daß fortan die Angst, wieder Prügel zu bekommen, stärker wurde als der Mut, die eigenen Aggressionen loszuwerden. Die Angst aber, Prügel zu erhalten, entspricht der inneren Vorstellung, Prügel zu verteilen. Mit anderen Worten, nur wenn ich mir selbst vorstellen kann, andere brutal zusammenzuschlagen, kann ich die gleiche Vorstellung umgekehrt dazu benutzen, mir das Beziehen von Prügeln durch andere aufregend auszumalen.

Versuchen wir uns dies an einem ausführlicheren Beispiel zu erhellen. Der kleine Peter, der sich von seiner Mutter nicht geliebt fühlt, reagiert darauf, indem er sich als unliebsam empfindet. Da er auf die Gefühle der Mutter aber nicht verzichten kann, liefert er sich eben den Gefühlen aus, keine Liebe zu bekommen, weil er sich mit der Mutter gegen sich selbst verbündet, um wenigstens das Gefühl der Schuld zu bekommen, wenn er schon das Gefühl der Liebe nicht erhält:

Ich bin nicht liebenswert, weil ich nicht so sein kann, wie meine Mutter mich liebt!

Ist der kleine Peter aber groß geworden, dann ist diese negative Fixierung immer noch vorhanden, denn jetzt interessiert er sich nur für Frauen, die ihm seinen negativen Gefühlswert bestätigen (die ihn also auch nicht lieben können, weil er nicht so ist, wie seine Mutter ihn liebt).
 
 

Trotzdem kann man nicht behaupten, daß der große Peter keine Gefühle kennt, sind es doch ganz im Gegenteil sehr starke Gefühle, die er ausdrückt, nur eben auf der Haben-Seite, auf der Schuldebene, im Schattenbereich. Darum müssen wir uns hüten, falsche Schlüsse zu ziehen, indem wir zum Beispiel annehmen, daß sich diese Gefühle auf der unerlösten Ebene negativ in Peters Leben auswirken, denn damit würden wir die Werte polarisieren. Die Werte folgen in ihren Auswirkungen den Ursachen, auf die sie sich beziehen. Wie wir das beurteilen, ist unsere Sache, aber wir müssen auch wissen, daß Menschen in ihrer Geschichte mehr Leid durch die negative Fixierung des Leidens als durch das Leid selbst entfacht haben. (Mit anderen Worten, die soziale Gewichtung des Umfeldes bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit kann das Individuum mehr belasten als das Problem selbst.)

Die Schwierigkeit ist vielfach die, etwas ändern zu wollen, ohne die Zusammenhänge zu erkennen. Peter wird nicht krank, wenn er seine Gefühle auf der unerlösten Ebene ausleben kann, weil dieses Syndrom ja nicht nur Strafe, sondern gleichzeitig auch der Versuch der Psyche ist, sich durch Einbeziehung des Schattens wieder in Harmonie zu bringen. Anders ausgedrückt, Peters negatives Muttergefühl zwingt ihn dazu, sich im Leben Frauen zuzuwenden, die ihm keine Liebe geben können - was in sich stimmig ist, denn nur in diesen Frauen kann er sein eigenes Mutterbild finden, weil dies der logischen Wirkung auf die vorhandenen Ursachen entspricht. Damit ist Peter mit seinen eigenen Problemen auf eine unerlöste Art in Harmonie. Krank wird Peter erst, wenn man ihm erklärt, daß sein Frauenbild nicht stimmt und man eine Änderung herbeiführen will, ohne die Voraussetzungen in seiner Psyche zu berücksichtigen.

Die rückwärts wirkende Kausalität

Um das Problem aber in seinem inneren Zusammenhang zu betrachten, müssen wir das Prinzip von Ursache und Wirkung verlassen. Dieses Prinzip ist nur der Kunstgriff unseres Verstandes, um uns die Strukturen in der Welt einsichtiger zu machen (denn die Voraussetzungen unseres Verstandes zwingen uns, die Welt nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung zu betrachten).

Wir müssen begreifen, daß die Ursachen, aus denen sich die Wirkungen ergeben, selbst nur Wirkungen davorliegender Ursachen sind, die sich auf immer weiter zurückliegende Voraussetzungen zurückführen lassen. Die Ursache von Peters Frauentrauma, sein Mutterbild, ist lediglich die Wirkung weiter zurückliegender Ursachen, die wiederum Wirkungen noch tieferer Ursachen sind. Peter muß sich zumindest Gedanken über die Gesamtzusammenhänge machen, um sich mit seinem Problem spirituell auseinandersetzen zu können.

Es ist also wichtig zu wissen, daß Peters Probleme eine Folge von Wirkungsprinzipien sind, die auf Ursachen folgen, deren Grundlagen in Peter selbst zu suchen sind. Und ähnlich, wie die Menschheit keinen Frieden finden wird, solange sie ihr Verhalten nicht ändert, weil der Krieg exakt den Auswirkungen menschlicher Verhaltensmuster entspricht, so wird sich Peters Frauenbild nicht ändern, indem er der Mutter jetzt die Schuld gibt. Die Mutter ist nicht nur Ursache, sondern auch Wirkung in Peters traumatischem Verhalten, das gleichzeitig in die Vergangenheit und in die Zukunft weist.

Versuchen wir einmal, die Ursachen in unserem Beispiel umzustellen. Dann ist Peters Frauenbild nicht mehr gestört, weil er von der Mutter keine Liebe empfing, sondern er benutzte im Gegenteil die Mutter, die ihm keine Liebe geben konnte, um sein eigenes, inneres Frauenbild in der Außenwelt zu gestalten. Oder noch drastischer: Peters Mutter will ihm alle Liebe geben, doch sein inneres Empfinden ist nicht auf diese Schwingung eingestellt, und so erhält er keine Mutterliebe. Er empfängt auf einer Frequenz, auf der die Liebe der Mutter nicht durchdringt oder umgekehrt, dort, wo die Muttergefühle fließen, erhält er keine Signale.

Solche Beobachtungen helfen uns zu erkennen, daß unsere objektive Wirklichkeit einem Denken entspricht, das sich aus seinen Beobachtungen selbst ausschließt, weil es glaubt, außerhalb zu stehen und die Welt getrennt von der eigenen Wahrnehmung zu sehen. In Wirklichkeit gibt es nur die Wechselwirkung zwischen dem Beobachter und dem Beobachteten, wobei der Beobachter das, was er sehen will, in das zu Beobachtende einfließen läßt, um in der Außenwelt die Bestätigung für das zu erhalten, was er sehen will.

Erst wenn er die Mutter von seinem inneren Bild abzieht, kann er die äußere Frau rehabilitieren, die sonst nur zum Opfer seiner inneren Vorstellung wird. Wenn er seine Kindheit mittels dieser Perspektive nochmals nachvollzieht, kann er vielleicht den unbewußten Mechanismus erkennen, immer dann Liebe von der Mutter gefordert zu haben, wenn diese durch äußere Umstände verhindert war. Dieses unbewußte Verhalten, in den unpassendsten Momenten Gefühle auszudrücken oder zu erwarten, entspricht dem Senden und Empfangen auf verschiedenen Frequenzen, was aber nicht die Schuld der Mutter, sondern eine gewisse Nicht-Übereinstimmung in den Gefühlen von Kind und Mutter ist.

Die individuelle Perspektive (Der Mechanismus der Zuneigung)

Wir haben an Peters Mutterproblemen gesehen, daß die Probleme nicht von der äußeren Erscheinung, sondern vom inneren Bild herrühren, das über die Mutter nur ausgelöst wird. So können wir erkennen, daß wir eine Sache nicht so sehen, wie sie ist, sondern nur, wie die Bereitschaft, sie zu sehen, in uns selbst vorhanden ist. Wenn Disharmonien zur Mutter in der Psyche des Kindes angelegt sind, dann kann sich die Mutter verhalten, wie sie will - immer wird sie vom unbewußten Verhalten des Kindes in eine Lage gezwungen, in der sich die Spannungen auch auslösen.

Immer sind es die Gefühle uns selbst gegenüber, die uns Menschen zwingen, die Welt aus jener Perspektive zu beurteilen, die den Gefühlen entspricht, mit denen wir uns identifizieren. Es sind die Gefühle, die uns anziehen, an die wir uns je nach Anlagen zu binden haben und die dann über diese Bindungen die Funktionen oder Wirkungen in unserem Leben festlegen, die wir aufgrund unserer Veranlagungen in unser persönliches Schicksal übernehmen.

Die Gefühle sind die individuellen Vorstellungen, sich genau von jenen Vorstellungen in der Welt anziehen zu lassen, die auf der gleichen Wellenlänge liegen. Hieraus können wir lernen, daß die Schöpfer aller Bilder unsere inneren Gefühle sind, ein System von individuellen Vorstellungen, die einerseits auf angeborene Charakteranlagen zurückzuführen sind, andererseits aber auch auf anerzogene Verhaltensmuster, welche wiederum das Konglomerat von Erbanlagen sind.

Es ist genau dieses Beziehungsgeflecht, das sich durch die Geschichte der Menschen zieht und gleichsam zu der Straße wird, auf welcher Generationen vererbter Vorstellungen sich bewegen. Dieses Geflecht, das dem Verhalten der menschlichen Psyche entspricht, sich immer auf irgend etwas zu beziehen, ist die Welt, die sich aus dem Bewußtsein dieser Bilder nährt.

Die Auslösung des Schicksals

Somit kann das Kind seine Eltern für den Mangel an Übereinstimmung nicht mehr verantwortlich machen, weil nur der Mangel an Übereinstimmung in den Alltag übertragen werden kann, der sich im Kind selbst befindet. Man kann das Auto auch nicht verurteilen, das einem über die Füße fährt, weil es einem nur dann über den Fuß fahren kann, wenn die Bereitschaft, dies zu erleiden, in einem selbst vorhanden ist.

Im Schicksal spiegelt sich immer die Vollstreckung einer bestimmten Entwicklung. Ist man sich dieser Entwicklung nicht bewußt, so kann man das erlittene Schicksal nur schwer akzeptieren, weil man die Voraussetzung der Schicksalserfüllung nicht in sich selbst sieht. Wenn ich aber die Voraussetzungen zur Schicksalserfüllung nicht in mir selber sehe, werde ich keine Verantwortung für das übernehmen können, was mir passiert.

Das, was mir begegnet, wird scheinbar ausgelöst von der Umwelt, die mich umgibt. Es sind jedoch die inneren, unerlösten Bilder in mir, die mich zwingen, mich denjenigen Umständen in der Umwelt auszuliefern, die mich dorthin dirigieren, wo mich mein verdrängtes, unakzeptiertes Schicksal von außen zwangsweise wieder einholt. Wenn ich das, was in mir angelegt ist, nicht selber erfülle, dann wird das Zu-Erfüllende von außen bewirkt, wobei allerdings das, was mir zur Schicksalserfüllung verhilft, vielleicht nicht immer sehr angenehm ist.

Wir können davon ausgehen, daß wir selbst die Verursacher unserer Erlebnisse sind. Aufgrund unserer Vorstellungszwänge, wie wir die Welt wahrzunehmen haben, binden wir uns an das Ereignis Leben. Gleichzeitig beschweren wir uns aber über diese Bindung und beklagen sie als böses Schicksal, das uns von den Göttern aufgezwungen wurde, beneiden unsere Nachbarn, eifern fernen Helden nach und streben nach Profit. Damit erschaffen wir eine Welt, in der Kampf, Leistung und Rücksichtslosigkeit vorherrschen. Von der Wiege bis zur Bahre wählt jeder aus dem unerschöpflichen Trog von Perspektiven diejenigen Sichtweisen heraus, die seiner inneren Ausrichtung an die Geschehnisse in der äußeren Welt entsprechen.

Viele sprechen dann von schwerem Schicksal, wo es sich doch um die Kompensationsmechanismen der Seele handelt, um das eigene Schicksal zu erfüllen. Ob das die Pleite ist, die sich abzeichnet, oder die Ehefrau, die wegläuft, ob es das Auto ist, das einem über die Füße fährt oder der Blumentopf, der einem auf den Kopf fällt: Wichtig ist zu akzeptieren, daß einem auf dem Schicksalsweg nichts anderes begegnen kann als das, was in einem selbst angelegt ist. Auch wenn wir uns im Glauben wiegen, unser eigenes Leben zu kontrollieren, weil uns die Verplanung der materiellen Realität dies suggeriert: In Wirklichkeit werden wir von den Wirkungen unserer Handlungen herumgeworfen, in denen die unsichtbaren Keime künftiger Entwicklung schon eingegossen sind!

Die mehrdimensionale Perspektive

Die Welt, so wie sie sich uns darstellt, entspricht der Summe unserer Erfahrungen, die wir durch unsere Taten mit eben dieser Welt gemacht haben. Das entspricht gleichzeitig auch unserem Denken, in das beständig neue Erfahrungen einfließen, was sich in einem immer wieder leicht modifizierten Weltbild niederschlägt. Nun müssen wir aber wissen, daß wir nicht generell Erfahrungen anziehen, sondern uns nur von Erfahrungsmustern anziehen lassen, die zu unserer Weltanschauung irgendwie in Verbindung stehen. Da diese Weltanschauung sich wechselwirkend aus den gemachten Erfahrungen zusammensetzt, ist hier leicht nachvollziehbar, daß das menschliche Bestreben nicht darauf zielt, die Welt kennenzulernen, sondern sich immer mehr in seinen eigenen Erfahrungen zu bestätigen.

Setzen wir weiter voraus, daß unsere persönliche Erfahrung unserem persönlichen Wirken in der Welt entspricht und dieses Wirken unseren ererbten Anlagen, so können wir vermuten, daß die Schaltzentrale für unsere Taten nicht in unserem Bewußtsein sitzt, sondern in jener vieldimensionalen Persönlichkeit, in die wir uns mit unserer ganzen Ahnenreihe (Inkarnationskette) teilen.

Unsere Horoskop-Persönlichkeit stellt also nur einen Ausschnitt unseres Gesamtwesens dar, das wir innerhalb unseres Raum- Zeit-Kontinuums zum Ausdruck bringen. Unsere individuellen Anlagen ziehen dabei die noch fehlenden Erlebnismuster an, um sie über den Filter des bewußten Erlebens in die Gesamtperson zu integrieren.

Wir können nun versuchen, diese Gesamtpersönlichkeit als etwas zu erfassen, das sich durch seine eigenen Teilausschnitte (Fragmente) selbst erfährt. Genauso, wie sich der Mensch über seine Erlebnisse in der Welt (Berührungen mit der Kollektivpsyche) selbst zu erkennen sucht, genauso sucht sich die Gesamtwesenheit durch die Erlebnisse ihrer Fragmentpersönlichkeiten selbst zu erfahren.

Nicht nur die Gesamtpersönlichkeit prägt unser Wesen, sondern auch die Summe unserer Erfahrungen auf allen Realitätsebenen: Das Ich entspricht dem Geist des Ewigen, sich in die Dualität zu übertragen, und wird deshalb zum verkleinerten Rahmen, in dessen Reflexionen sich der Kosmos erkennt! (Der Geist der Schöpfung)
 

DER ASTROLOGISCHE ANSATZ

Der Zustand äußerer Dunkelheit ist ein Zustand der Entfremdung vom inneren Licht.

Ronald D. Laing

Die Astrologie hat in den vergangenen Jahrzehnten einen wahren Höhenflug erlebt. Das mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen, in einer Zeit, in der gerade die Hervorhebung des bewußten Verstandes, die Abhängigkeit von intellektuellen Schlüssen, die sich am objektiv Gegebenen zu orientieren haben, von unserer Leistungsgesellschaft gefordert werden.

Oder hat die Astrologie gerade deswegen zu ihrer Renaissance gefunden, weil sich das Herausheben der Individualität des Einzelnen und das Bekräftigen seiner unauswechselbaren Persönlichkeit vor einem allumfassenden, durch Symbole übertragenen Hintergrund kompensativ zum betonten Realismus der Welt verhält?

Denn dem Triumph des rationalen und technokratischen Geistes stehen die innere Unsicherheit und die bedrängenden Zweifel des Menschen gegenüber: der Zweifel an den Werten der immer größeren Eingriffe in natürliche Lebensbedingungen und die innere Sehnsucht als kompensatorisches Ventil zu einem Verständnis zu sich selbst, nach einem Weg zu der Begegnung mit sich selbst. Im Zeichen von New Age wurden das Licht, das Positive bis zur Realitätsferne beschworen; die Zukunft wird auch die dunklen Seiten beleuchten. Es kommt zu einem Zusammenbruch der Traditionen und der Auflösung der Werte, weil das Fehlen einer globalen Vision zur Flucht aus der Gesellschaft animiert. Nur wenn wir die innere Zerrissenheit integrieren, erlangen wir unsere körperliche Integrität. Zumindest nähern wir uns der größten Herausforderung, die die Menschheit je erlebt hat. Denn jetzt gilt es, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Ich und Du, Ratio und Herz, Ökologie und Ökonomie, Nord und Süd.

Es wird also Zeit, die Verantwortung für unsere Handlungen selbst zu übernehmen. Denn die jüngere Entwicklung ist auch der ungeliebte Spiegel unserer selbst, in dem wir unser kurzsichtiges Verhalten erkennen können, wenn wir um des materiellen Vorteils willen unseren Mutterplaneten plündern und zerstören und gleichzeitig verdrängen, daß es in der Logik unseres Verhaltens liegt, wirtschaftlich davon zu profitieren. Denn die primitive, ursprüngliche und naturgesteuerte Instinktgebundenheit wollten wir nicht haben. Wir haben sie davongejagt aus den Katakomben unserer Entwicklung und an ihrer Stelle ein eigenes Wirklichkeitssystem gepflanzt, das uns vor der Anarchie jetzt schützt: ein System, das Krankheit mit Versicherungsprämien verdrängt, das Schicksale unter Gesichtspunkten der Marktwirtschaft verplant und das - als Nonplusultra der gesammelten Kulturleistungen der menschlichen Rasse - den Krieg in die Strategie zu seiner Selbsterhaltung fest einprogrammiert hat.

Der kollektive Schatten
 
 

Die Implikationen des Beobachtereffektes, eines Hauptlehrsatzes aus der Quantenphysik besagt, daß der Akt der Beobachtung selbst die scheinbar objektive Wirklichkeit, die beobachtet wird, verändert. Ein Atom nimmt, bis es beobachtet wird, eine unendliche Zahl möglicher Zustände ein, bis es schließlich in der möglichen Form erkannt wird, in der es vom Beobachter aus dessen Perspektive wahrgenommen werden kann. Damit zeigt die wahrgenommene Wirklichkeit im Grunde nur die Sichtweise des Betrachters an, der sich prinzipiell seine eigene Realität erschafft, denn wenn die Lokalisierung eines Teilchens im Raum unbestimmt ist, dann hängt es von der Sichtweise des Beobachters ab, wann und wo es sich manifestiert. Das bedeutet analog: Wenn der Sinn des Lebens unbestimmt ist, dann hängt es von der Sichtweise des Beobachters ab, wie und wo er den Sinn des Lebens definiert. Wahrnehmung manifestiert Wirklichkeit, und Wirklichkeit manifestiert Wahrnehmung. Das war es, was schon die alten Griechen und christlichen Mystiker wußten: Unsere Beobachtungsweise bestimmt die Wirklichkeit, die wir wahrnehmen. Verändern wir das Wie, verändern wir das Was.

Wenn wir also verstehen wollen, warum die Welt so ist, wie sie ist, müssen wir zu den Anfängen der Menschen zurückblenden, zu den Ursprüngen, als der Mensch begann, zu denken und sich mit seiner Umwelt bewußt auseinanderzusetzen, denn am Anfang reagierte die Instinktnatur: Fressen und Gefressenwerden. Mit der evolutionären Entwicklung hat sich der Mensch sozialisiert und damit seine Instinkte kultiviert. Man kann auch sagen, er hat seine Sexualbedürfnisse geregelt, weil die unkontrollierte Triebnatur die sozialen Grundlagen gefährdet. Der Lustbereich wurde bewußt ausgegrenzt und damit aus dem Licht des Bewußtseins verbannt. Je straffer die moralische Ordnung, je verdrängter die Sexualität, denn die Disziplinierung der Instinktnatur hängt mit der sozialen und kulturellen Entwicklung zusammen. Der Mensch wurde zum vernunftbegabten Wesen, weshalb von ihm erwartet wird, daß er seine Antriebe steuern kann, daß er für andere berechenbar ist, Zuverlässigkeit zeigt.

Doch heute, an den Grenzen des Wachstums angekommen, kann man erahnen, daß dieser Weg auch nicht in den Himmel führt. Am Wendepunkt unserer Entwicklung angelangt, da, wo uns die Errungenschaften unserer eigenen Kultur plötzlich gefährden, mag manch einer erahnen, zu welchem Preis wir dem Teufel unsere Instinkte verkauft haben. Denn das, was uns bedroht, ist gleichzeitig das, was uns nährt: Ohne den zerstörenden Wachstumsmechanismus, dem wir ausgeliefert sind, wären wir schon heute nicht mehr lebensfähig. Unter dem Vorwand des Fortschritts haben wir die in den Atomen schlummernden Urkräfte geweckt und den Entdeckern dafür reihenweise Nobelpreise verliehen. Heute nennen wir die Entdeckung böse, dabei ist sie weder gut noch böse, sondern nichts anderes als die natürliche Fortsetzung des im Kinde wirkenden Urtriebes, seinen Teddy zu zerstören, um zu sehen, wie er innen aussieht. Es ist das krampfhafte Streben nach Fortschritt, das uns Menschen zwingt, uns immer weiter zu entwickeln, selbst wenn diese Entwicklung in eine Sackgasse führt. Dieses Streben hat seine eigene Dynamik, die uns über die Grenzgebiete der Gegenwart hinaus in das Niemandsland der Zukunft trägt. Die furchtbare Bedrohung durch eine Technologie, die alles Leben vernichten kann, wenn sie in falsche Hände gerät, löst längst vergessen geglaubte Urängste aufs neue aus. Das ist der Preis für den Fortschritt, für die Atombombe und den Retortenmenschen, für den Computer, der den Menschen überflüssig macht, für die digitalen Träume virtueller Realitäten, die langsam in die Wirklichkeit eindringen. Wir haben der menschlichen Entwicklung buchstäblich unsere Seele versprochen, wenn sie uns dafür Fortschritt und Wohlstand beschert. Da wir an den Grenzen unseres Wachstums angekommen sind und plötzlich erkennen, daß die menschliche Entwicklung ohne Risiko und Zerstörung gar nicht denkbar ist, erinnern wir uns plötzlich wieder unserer Wurzeln und möchten in den geheimnisvollen Urschoß zurück: Wir möchten die Grundlagen erkennen, auf welchen sich unsere Entwicklung vollzieht und möchten wissen, wer wir sind und warum wir sind, wer wir sind.

Zum Umgang mit Akrons astrologischem Ansatz

Die energetischen Strukturen der Planetenstellungen und -anordnungen geben dem Leser einen Schlüssel in die Hand, anhand seiner persönlichen Konfigurationen eine Bestandsaufnahme nicht nur seiner bewußten Ebene, sondern auch seiner unbewußten Instinktnatur vorzunehmen. Daß die Sichtung der durch unsere Kultur seit Jahrtausenden verdrängten psychischen Anteile sich natürlich nicht ohne Schmerzen vollziehen kann, wird jeder nachvollziehen können. Trotzdem möchte dieser Text nicht auf die Chance verzichten, in die unbewußten Vernetzungen unserer Psyche vorzudringen, denn er repräsentiert die Astrologie nicht nur aus der traditionellen Sicht, sondern auch aus einer seelischen und geistigen Unterwelt, die den wahren Schatten im Verdrängen des Schattens - nämlich im Streben nach Licht - erkennbar werden läßt. Denn dazu eignet sich der Symbolgehalt der Astrologie ausgezeichnet. Unsere Absicht kann damit nur die sein, über die Bilder unserer Vorstellungen hinaus weiter in die Energien zu dringen, deren Schwingungen wir zwar nach unseren Gesichtspunkten beschriftet haben, deren Existenz aber jenseits unserer Etiketten liegt. Deshalb dürfen wir die Aussagen auch nicht auf der bewußten Ebene persönlich nehmen, sondern uns mit unserer Seele an die Empfindungen herantasten, welche die Inhalte der Themen in uns auslösen.

Dieser Text ist für Menschen geschrieben, die nach Wahrheit suchen, nach der Erklärung dessen, warum sie sind, was sie sind. Er ist nicht für jene geeignet, die sich wie Süchtige auf die Suche nach dem Licht begeben, indem sie den bei sich selbst längst überwunden geglaubten Schatten ausschließlich beim anderen suchen - und finden. Die Suche nach dem Licht ist in der Tat wie eine Sucht: Die Droge, die einem dabei im Nacken sitzt, ist der Schatten selbst! Denn viele von uns befinden sich noch immer in der Situation der Ratsuchenden, die den Ratgeber nicht benutzen, um an ihr Problem heranzukommen, sondern - ganz im Gegenteil - um von ihrem Problem abzulenken. Wir bezahlen den Therapeuten oder andere seelische Begleiter (Astrologen, Tarotleger, Wahrsager) für die Dienstleistung, unser Problem symbolisch in einem Bild zu bearbeiten, das wir von uns weghalten können, damit wir es verstandesmäßig bearbeiten können, ohne daß es uns wirklich seelisch schmerzt.

In diesen Bildern kann der Teufel gefahrlos erkannt werden, ohne daß man seinem eigenen Schatten wirklich begegnen muß. Und deshalb ist Therapie und Schattenarbeit oft nur ein erfolgreicher Verhinderungsmechanismus, vom Schatten erfolgreich abzulenken und ihn dort zu bearbeiten, wo er die Therapie nicht stört (der getroffene Schatten würde sich sofort auf den Therapeuten stürzen). Das war schon im Mittelalter so, als die Kirche gerade aus der Bekämpfung des Teufels ihre Legitimität bezog, und ist auch noch heute nicht anders: Böses wird verdrängt und auf andere projiziert, und die negativen Prägungen des eigenen Selbst werden vor sich selbst und anderen versteckt. Das entspricht der Sichtweise des Esoterikers, der nach dem Licht strebt, um von seinem unerkannten Schatten abzulenken, ohne sich bewußt zu sein, daß sich in diesem Licht sein Schatten reflektiert, den er aus der Position seiner eigenen Erlöstheit jetzt durch seine Umwelt lebt. Also würden alle diejenigen unter den Sinnfindern und Wegverkündern, die ihre eigene Erlösung aus der eigenen Verdrängung des Teufels und dessen Bearbeitung im Schatten der anderen beziehen, lieber selbst den Teufel beschwören, als zu erlauben, daß der Mensch außerhalb ihrer Dogmen Sinnerfüllung erfährt. Unter diesen Vorzeichen muß man alle Äußerungen und Beiträge der Anbieter zur Erlösung des Menschen betrachten, denn es kann sicher nicht im Interesse der Modelle liegen, die Seele wirklich zu erlösen. Schließlich würde ein erlöster Mensch kaum Sinnfindungs-Modelle finanzieren, die ihn an sich binden. Das gilt auch für die Astrologie.

Zur Beschäftigung mit Astrologie

Demzufolge richtet sich dieser Text an Menschen, die zuerst herausfinden wollen, warum sie überhaupt die Wahrheit suchen, bevor sie die Wahrheit selbst zu finden versuchen. Denn die Beschäftigung mit Astrologie verschafft uns zunächst einmal die Möglichkeit, die Welt im Spiegel unserer inneren Erwartungen zu betrachten und sie dabei als ein getreues Abbild unserer Ideen und unserer Überzeugungen zu erkennen, die unsere äußere Sichtweise prägen. Doch wenn wir uns dem System der Astrologie nicht blindlings ausliefern wollen, müssen wir uns auch fragen, warum wir suchen. Wir müssen uns fragen, welche innere Sehnsucht uns zwingt, aus einem in Wahrheit unendlichen Chaos von stellaren Einflüssen ein paar Ähnlichkeiten auszuwählen und durch ihre Strukturierung und Vernetzung Cluster von Weltvorstellungen herbeizuzaubern. Die Antwort ist klar: Um durch die Astrologie Antworten auf unser Schicksal zu bekommen, die wir uns aus unserer rationalen Beschränkung nicht zutrauen. Das muß nicht falsch sein: Astrologie darf ein Wegweiser, ein Treppengeländer sein, um in die Tiefe unserer Psyche hinabzusteigen und uns anhand der Bilder dort einen Überblick zu verschaffen, unter welchen Umständen und zu welchen Zielen wir gewissen dunklen Teilen unserer Psyche im Laufe unserer Entwicklung zu begegnen haben. Doch darf Astrologie niemals zum spirituellen Überbau werden, unter dessen schützendem Dach wir unser Leben verhindern (und die Verhinderung bebildern), weil wir, statt des schmerzenden Lebens dann unsere dramatischen Erklärungen leben, also die Bilder, wie wir uns vorstellen, daß unser Leben so aussähe.
 
 

Jede hierarchisch aufgebaute Glaubens-Architektur gibt ihren Mitgliedern Sicherheit und Wissen nicht umsonst, sondern verlangt im Gegenzug deren Seelen, denn sie bindet sie an ein verbindliches Konzept der Wahrheit, das in der Dualität von Gut und Böse den letzten Ratschluß göttlicher Weisheit formuliert. Deshalb ist jede absolute Überzeugung, ob Astrologie, Religion oder spirituelles Modell, letztlich eine Täuschung, die nicht nur jene, die daran glauben, in die Irre führt, sondern auch die, welche die Lehre predigen. Da jeder Gläubige, der sich mit seinem Glauben identifiziert, seinen Glauben nur aus der Sichtweise erkennen kann, wie dieser das Vakuum seiner inneren Leere ausfüllt, kann er die Wurzel seines menschlichen Glaubens natürlich niemals dort erkennen, wo sie sitzt, nämlich in der Leere und Trostlosigkeit der rationalen Angst vor dem Tod, sondern er wird sie immer in der himmlischen Botschaft reflektieren, die ihm gleichfalls von oben einen Weg aus seinem irdischen Jammertal zeigt. Aus der Position seiner Blindheit wird er deshalb in der Leere stets die Hölle, im himmlischen Sinnbringer (Guru) den Messias und in dessen Botschaft (Erklärungsmodell) die Heilslehre erkennen. Zwar ist es das Ziel jedes Einweihungsweges, danach zu suchen, was wir sind; aber wir ahnen dabei nicht, daß das wirkliche Ziel nicht darin besteht, zu finden, was wir sind, sondern nur die Voraussetzungen dafür zu erfahren, warum wir nicht erfahren können, was wir sind. Deshalb führt uns jede Selbsterkenntnis in Wahrheit vom Weg des Suchens ab. Denn alles, was wir finden, sind immer nur die Prägungen, die innerhalb der Strukturen unseres Vorstellungsvermögens liegen also innerhalb des Bewußtseinsinventars, das unsere Vorstellung der Welt konstelliert. Schon die alten Priester erlangten mit Hilfe ihrer inneren Überzeugung Macht über Gott oder Macht über das Bild ihrer Vorstellung, die sie die höchste Einsicht nannten - die aber mehr das Bild ihrer kompensierten inneren Trostlosigkeit als die Wahrheit über Gott war. Weder sie selbst noch die Gläubigen erkannten den Mechanismus dieser Wahrheitsfindung, denn der Maßstab des Erkennens, mit dem das Bewußtsein die durch sich selbst erkannte Wahrheit maß, war ja die Ausrichtung oder die Sinnsuche des Menschen selbst.

So auch hier: Die Planeten können niemals Schicksal sein; sie zeigen lediglich an, was unser inneres Empfinden an die Welt heranträgt. Sie stellen einen eigenen Kosmos, ein symbolisches Abbild unserer Energien dar und liefern uns die Formeln zu unserer Realität, wie wir die Welt durch die Muster unserer Gestirne wahrzunehmen haben. Da die Welt für uns erst durch die Aspekte zu dem wird, was sie für uns ist, können wir unsere Realität als ein komplexes Gewebe betrachten, das aus dem Zusammenspiel aller seiner Komponenten erst wird. Erst wenn wir wissen, daß sich im Denken nur das Denken selbst erkennt, und wenn wir die Symbole als die Werkzeuge sehen, um unserer Kreativität Ausdruck zu verleihen, sozusagen als einen Spiegel dessen, was wir aus der unbewußten Ebene in die bewußte übertragen, dann können uns unsere astrologischen Dispositionen dazu einladen, uns über das astrologische Weltbild hinauszuheben und unsere täglichen Erfahrungen und Beziehungen auch in anderen analogen Bewußtseins-Schubladen und Denkmodellen zu reflektieren, die alle - je nach der Sichtweise des Beurteilenden - gleichermaßen richtig und falsch sein können. Dazu ein Beispiel.

Die Relativität der Wirklichkeit

Eine Frau leidet an einer Allergie und Sauberkeitsmanie. Der Arzt behandelt sie gegen Hausstauballergie (äußere Ebene), der Psychologe diagnostiziert seelische Berührungsangst (innere Ebene), der Magnetiseur rät zur Vermehrung der Lebenskraft (Störungen im Ätherleib), die esoterische Lebensberaterin zum Bauchtanz (Mut zur Weiblichkeit), die okkulte Kartenlegerin empfiehlt eine neue Partnerschaft (das Problem liegt in der Außenwelt) und der theosophische Freund redet von vorgeburtlichen Umständen (kosmische Ursachen). Der Pfarrer erkennt in der seelischen Unberührbarkeit die Stigmen der Jungfräulichkeit, der Astrologe spricht von einem Neptun/Venus-Quadrat, der Schamane sieht eine Verletzung der schützenden Lebenshülle, die Hexe den magischen Angriff der Nachbarin und der Ehemann schließlich eine übertriebene Hysterie. So fällt jeder sein Urteil aus der Sicht, wie sich ihm der Zusammenhang der Dinge darstellt. Wer hat nun recht? Jeder hat recht, weil jeder die Wahrheit auf seiner Ebene erkennt, und keiner hat recht, weil sich die Wahrheit auf jeder Ebene anders ausdrückt. Damit sind wir wieder beim Kernpunkt Astrologie. Der Astrologe hat recht, weil sich in seiner Sicht der Dinge ein Stück Wahrheit ausdrückt. Aber auch der Psychologe, der Philosoph, der Naturwissenschaftler, der Arzt, der Pfarrer, der Magier, der Schamane und der Ehemann: sie alle haben recht, wenn sie sich bewußt sind, daß die Wahrheit relativ ist und sich ihnen immer gerade auf der Ebene spiegelt, auf welcher sie ihr Weltbild montiert haben.

Das Leben ist wie ein Film, und der Betrachter gibt dem Film Sinn, weil das Leben ist, wie er es sieht. Und er sieht die Welt, wie er sie sehen will. Darin liegt letztlich menschliche Erfüllung - oder der Beginn geistiger Erkenntnis. Wie läßt doch Goethe seinen Herrgott sagen:
 
  


Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
Umfass' euch mit der Liebe holden Schranken,
Und was in schwankender Erscheinung schwebt,
Befestiget mit dauernden Gedanken.

 Faust I (Prolog im Himmel)


DIE 10 FENSTER DER SEELE

Die "Zehn Fenster der Seele" sind ein Weg der Beschreibung, um dir die persönliche Ausrichtung deiner Planeten in den Zeichen und Häusern widerzuspiegeln. Sie sind unter der Perspektive formuliert worden, daß jeder Ausblick zuerst einmal nach der Möglichkeit eines Einblicks verlangt. Betrachte daher diesen Text als den Kommentar eines Reiseführers oder - besser noch - als freundliches Gespräch mit deinem Seelenführer, deinem Psychopompos, der dich in deine inneren Seelenkammern hinab begleitet, und dessen Rede stets mit der Aufforderung endet: "Aber hineinschauen in deine Innenwelt mußt du schon selbst!"

Auch wenn du dich noch so tief in den Text einliest, denke bitte immer daran, daß du von ihm keine Vollständigkeit erwarten kannst. Nicht nur, weil es sowieso keine Wahrheit gibt - Wahrheit ist immer nur eine Perspektive im Kopf der Erkennenden, die ihre persönlichen Erfahrungen kommentieren -, sondern auch, weil es sich bei diesen Ausführungen lediglich um den ersten Schritt einer Annäherung an dein inneres Wesen handelt, ans Tor deines Selbst. Die Schilderung der Planeten in den Zeichen und Häusern bedürfen als Ergänzung der Beschreibung der Beziehungen der Gestirne untereinander (Aspekte) sowie, wenn wir ihre Energien durch Raum und Zeit begleiten wollen, der Akzentuierung ihrer Auslösungen durch Direktionen und Transite.

Im weiteren wurde auf eine schmeichelhafte Porträtierung deiner Person absichtlich verzichtet, ging es doch darum, dich möglichst etwas näher ans Licht, und nicht mit esoterischem Geschwafel hinters Licht zu führen. Dünken dich die Ausführungen bisweilen etwas arg übertrieben oder gar unerträglich dunkel, darfst du auch ruhig darüber schmunzeln: über die Texte, die sich in deinen Vorstellungen genauso loswerden wollen wie du dich in ihrem Erkennen, sowie auch über deine bisweilen durchaus sinnvolle Art des Verdrängens. Geben wir es zu: Mit der Wahrheit allein läßt es sich nicht leben, sondern es braucht immer auch einen gewissen Platz für unsere Sehnsüchte und Verdrängungen. Sei dir deshalb darüber klar, daß nicht alles schlecht zu sein braucht was dennoch kritisiert werden kann und darf, denn wenn wir ein Bild für unsere ganze Vollständigkeit bekommen wollen, dann müssen wir uns auch dem stellen, was wir nicht gerne sehen wollen. Darüber können wir erschrecken. Wir können aber auch darüber lächeln, denn damit zeigen wir, wir haben uns erkannt!

Eine gute Reise wünschen
der Psychopompos und deine inneren Gespenster.
 

SONNE

DER SCHÖPFERISCHE WILLE

Die alles überstrahlende Sonne ist das befruchtende Symbol der Lebenskraft. Sie ist der Mittelpunkt, die Schöpfungsnabe, deren Strahlen alles durchdringen und auf deren Schwingen der Mensch zu sich selber findet, denn es ist sein eigener Herzton, der ihn trägt, der ihn mit dem irdischen Schicksal verwebt und durch die Wirren des Karmas führt.

Seit der Urfrühe der Menschheit erkennen wir in ihr das kraftvolle Prinzip, das nach nächtlichem Kampf mit den Mächten der Finsternis jeden Morgen mit unverminderter Kraft wieder aufersteht und ihre siegreiche Bahn über den Himmel zieht. Als Zentrum des Tierkreises ist sie auch ein Symbol des göttlichen Ich. Für die alten Ägypter verkörperte Horus die brennende Morgensonne, Ra die glühende Mittagssonne und Aoum die dämmernde Abendsonne, bis Echnaton den Sonnengott Aton als alleinigen Gott einführte.

Die Sonne entspricht der Suche nach dem Weg oder der Reise des Helden zu sich selbst, denn sie ist das Ziel des persönlichen Strebens und stellt alle Formen von Ich-Verwirklichungen dar. Doch erst in der Gewichtung der ganzen Lebensumstände und der Einsicht in die Ursache-Wirkungs-Prinzipien kann sich das Ich dann als das erkennen, was es ist: eine sich stets wandelnde, vitale Größe mit begrenzter Existenzdauer, die sich aus unbewußten Verhaltensmechanismen und kollektiven Urmustern zusammensetzt.

Mit anderen Worten: Wir projizieren unsere inneren Wünsche und Gedanken in die Außenwelt und erhalten sie von dort in der Verkörperung geeigneter Modelle zurück. Daraus basteln wir dann eine Form von Lebenssinn, ohne zu erkennen, daß die Außenwelt nur das Echo auf unsere Gedanken ist. Dadurch identifizieren wir uns mit der sonnenhaften Verkörperung unseres Willens, was immer dann zu Ich-Krisen führt, wenn die alten Sichtweisen durch neue Perspektiven ersetzt werden müssen. Genau das aber ist das Dilemma der unentwickelten Sonne: daß sich das Ich in seiner eigensten Entwicklungsabsicht nicht erkennt und Schmerz und Leid nicht als die Wirkungen erfährt, die es zur eigenen Transformierung sucht und findet!

SONNE IN KREBS

FEUER/WASSER: DIE REFLEXION DES LICHTS
 
 

Thema: Gefühle, Einfühlung, seelische Einbindung

Ziel: Innere Heimat, Selbstvertrauen in den eigenen Ursprung

Wenn du deine Geburtssonne im Zeichen des Krebs hast, dann sind für dich Seele und Geist unauflöslich miteinander verbunden und deshalb ist es dir auch wichtig, einen Ausgleich zwischen dem ideellen Streben des Willens (Sonne) und dem unbewußten inneren Träumen (Krebs) zu finden. Du liebst es, in die Bilderwelt deiner Seele hinabzutauchen, bis sich das Licht in deinen Haaren fängt, denn als Gott sprach: 'Es werde Licht!', wurde deine Sonne in Krebs geboren. Und als Gott das Licht aus den Wassern hob, da verschmolzen Geist und Seele mit solcher Macht, daß die Himmel zitterten und die Meere kochten. Das zeigt, daß du dich gezielt in dein Inneres versenkst, um deine unbewußten Kräfte in der Tiefe zu wecken und ins Tageslicht hinaufzuführen. Auf der hellen Seite zeichnen dich Mitleid, Hilfsbereitschaft und Fürsorglichkeit aus, auf der dunkleren wirst du von Selbstsucht und Gefühlsübergriffen (Einbindung des anderen in deine Vorstellungswelt) umschattet. Manchmal willst du aber auch eine Welt leben, die ideeller sein will als es die Realität zuläßt. Das kann dann zu schweren Enttäuschungen in deinem nächsten Umfeld führen (Helfersyndrom), besonders, wenn du dich in deiner Hilfsbereitschaft von den anderen unverstanden und zurückgestoßen fühlst.

DER SCHÖPFERISCHE WILLE AUS KARMISCHER SICHT

Durch die bewußte Auseinandersetzung mit deinem Tierkreiszeichen kannst du die Sonne aber auch dazu benutzen, dich den höheren inneren Dimensionen zu stellen: den Beweggründen, die dich zwingen, dich so zu verhalten, wie deine Sonnenposition im Horoskop dies anzeigt. Der spirituelle Sinn ist natürlich, die äußere Sonne auf eine höhere innere Ebene zu heben und dich damit deinen seelischen Prägungen bewußt zu werden.

Anders ausgedrückt: Du müßtest dein Feuer mit den Umrissen jener galaktischen Glut in Verbindung bringen, von der die Sonne nur ein Abziehbild ist, und auf den Strömen dieser Verschmelzung ins innere Milchstraßenbewußtsein eindringen, indem du dich als kleinen Teil eines unendlichen inneren Schöpfungswillens erkennst, von dem dein dir vertrautes Ich nur ein unbedeutender Ausschnitt ist.

Wer aber ist das Ich, dieses Gefühl von Individualität, welches eine unterscheidende Wahrnehmung zwischen sich und anderen erst ermöglicht? Materiell betrachtet ist es eine Illusion. Weder der Leib, die Seele oder der Geist beinhalten ein "Ich". Da ist nichts und trotzdem ist es da! Es resultiert aus dem Zusammenspiel des Seins, aus der Freude heraus zu sein: aus dem innersten Schöpferwillen, der sich aus sich selbst heraus gebärt. Dabei erhellt es sich durch sein eigenes Leuchten und stellt sich sofort in den Mittelpunkt, denn es verkörpert sich auf eine Weise, in der die kindlich unschuldige Freude am eigenen Strahlen zur Sucht nach Bewunderung durch die anderen wird.

Das unerlöste Ich, das sich gern mit der Sonne identifiziert ("Ich bin!"), realisiert nicht, daß es selbst ein Sammelsurium von Trieben und Wünschen, Minderwertigkeitskomplexen und ungelösten Autoritätskonflikten ist, das sich beständig umschichtet und erweitert. Es ist nichts anderes als eine gegenwärtige Momentaufnahme, ein Zeit- und Raumausschnitt des Menschen auf dem Wege zu sich selbst.

Und dieses Ich wird von der Sonnenstellung in den sogenannten "Häusern" auf der materiellen Ebene gespiegelt, da es die Hausstellung der Sonne ist, die dir erläutert, wie du die seelische Prägung deiner Tierkreis-Sonne in der Welt anstrebst.

SONNE IM 9. HAUS

DER TEMPEL DER VORSTELLUNG

Hier finden wir die Bundeslade, die Abendmahlsschale, die Erleuchtung durch universale Erkenntnisse oder den ritualisierten Zugang zu höheren Mysterien, denn das neunte Haus ist das Haus des Glaubens, der Tradition und der Moral, kurz: das materielle Dach über dem spirituellen Tempel der Wahrheit. Diese Wahrheit suchst du aber nicht dort, wo sie ist, sondern dort, wo du sie vermutest; dabei vermutest du sie dort, wo du gelernt hast, sie zu vermuten, nämlich dort, wo du sie suchst. Und weil du sie immer dort findest, wo du sie suchst, suchst du sie immer dort, wo du sie vermutest, und damit findest du immer das, was du vermutest: nämlich die anerzogene religiöse Erkenntnis nach den Mustern der überlieferten kollektiven Vorstellung! Deshalb kommt der Mensch auch nie über seine Himmelreiche im Schrebergartenformat hinaus, aber wenn er das erkennt, erkennt er - und das wäre Erkenntnis! Denn Sonne in Haus 9 zeigt einen inneren Drang, die Umwelt geistig zu erziehen und zur "wahren" Erkenntnis hin zu dirigieren.

Das führt zu einem Streben nach verstandesmäßiger Ausweitung, denn dieser Aspekt verkörpert intellektuelles Sehnen mit einer Vision von Zukunft, die das Ideal einer weltumspannenden Perspektive schon in sich trägt, und das wiederum entspricht der Fähigkeit des schöpferischen Geistes, sich den Flammen seines eigenen Erkennens zuzuwenden. Doch die Suche nach dem Licht ist wie eine Sucht: Die Droge, die einem dabei im Nacken sitzt, ist der Schatten selbst!
 
 

Symptome: Aufgeblähtes Ich-Empfinden, Melancholie aus Überfülle (Leberstörungen), Blasphemie, Standesdünkel, Drang nach Macht und Anerkennung

Ritual: Predigt

Archetyp: Amfortas, der siechende keltische Gralskönig, der durch Parzival erlöst wird

Analogie: Abendmahl; Gralsrunde

Kraftort: Vor dem beleuchteten Kirchenfenster in der Nacht

Kultstätte: Peterskirche und Petersplatz in Rom

Kraftfarbe: Kardinalsrot, Blauviolett

Kraftstein: Amethyst

Räucherwerk: Basilikum-Weihrauch-Mischung

DER SPIRITUELLE ANSATZ

Die Sonne symbolisiert neben Eigenschaften wie Selbstüberschätzung, Angeberei und Arroganz aber auch die innere Mitte, die spirituelle Basis oder den direkten Zugang zur mehrdimensionalen inneren Persönlichkeit. Sie ist das erste und wichtigste Urprinzip, die Quelle allen Lebens, Mittlerin zwischen Himmel und Hölle, und repräsentiert dieses starke, aus sich heraus strömende Gefühl von Vollkommenheit. Ihr entspricht nicht nur das äußere Licht, das man direkt sehen kann, sondern auch das innere, unsichtbare, das aber die ganze Sichtbarkeit in sich birgt (weil es alles sehend macht), und in ihr vereinigen sich alle Lebensströme und alle elementaren Bestandteile des Seins. Erst wenn wir alle planetaren Energien im Herzzentrum der Sonne zur Entfaltung gebracht haben, können wir uns mit dem identifizieren, was wir sind und was mehr als ein Schnappschuß unseres Momentanbewußtseins ist.

Erst wenn wir uns mit allen Aspekten unseres Seins identisch fühlen, kommt unser Herz mit allen unseren inneren Schöpfungsformen in Berührung. Dann brauchen wir uns auch nicht mehr länger nach innen zu konzentrieren, um uns zu spüren, sondern können direkt nach außen expandieren, weil wir dann in jedem anderen immer auch den Teil unserer eigenen Schöpferkraft mitfühlen.

Erst, wenn ich in der Berührung mit der Umwelt meine eigenen Schöpferkräfte spüre, kann ich eine liebevolle und kollektive Verantwortung für alle Kreaturen übernehmen, die ja immer für die "innere Seite" der Sonne stehen. Dann erst bin ich in der Lage, angstlos aus meiner Mitte zu agieren, wenn Kreis und Punkt, die Symbole der Sonne, eins geworden sind. Erst dann kann ich mich dem Hier und Jetzt hingeben, wenn ich mit dem Ganzen, an dem ich teilhabe, wieder ganz verschmolzen bin.
 

MOND

DAS SEELISCHE ERLEBEN

Der Mond, dessen 'Bild sich in hundert mit Wassern gefüllten Schüsseln spiegelt' (Tschögyam Trungpa), verkörpert die unterirdischen Räume der Seele, die tiefen Brunnenstuben der Mütter und die unergründlichen Wasser weiblicher Geheimnisse. Er verleiht ein besonderes Hingabeverlangen.

Um die Strahlen der Sonne in der Tiefe der Nacht zu empfangen und zu den düsteren Hainen Persephones hinunterzuziehen, um die verborgenen Quellen der Ungeborenen zu erschließen und die Wasser des Lebens mit dem Schöpferlicht zu verbinden, müssen die gefährlichen Kräfte und geheimen Schätze der Tiefe entdeckt und das innere Licht wieder ins Sonnenlicht heraufgeführt werden. Wenn die Sonne als Symbol jenes Prinzips betrachtet werden kann, das in den sichtbaren Auswirkungen menschlichen Verhaltens seinen Ausdruck findet, dann symbolisiert der Mond die geheimnisvolle Mondgöttin Selene (Luna), Schwester und zugleich Gemahlin des lebensspendenden Sonnengottes. Die Legende berichtet von ihrer abgöttischen Liebe zum schönen Endymion, den sie in seiner Höhle auf dem Berge Latmos im Schlaf zu küssen pflegte. Um dieser göttlichen Liebkosung ewig teilhaftig werden zu können, hatte sich Endymion von den Göttern ewigen Schlaf gewünscht.

So, wie sie Endymion zwischen den Welten begegnet, so begegnet sie auch dir auf der Schwelle zwischen Innen- und Außenwelt, denn Luna ist die Ahnin, die die Geheimnisse seelischer Innenräume berührt und die Tiefenbilder der Seele beschreibt, die auf das Unbewußte ausgerichtet sind: auf den "Urbronnen" der Mütter, in den Faust hinabgestiegen ist, um den Ungeheuern zu begegnen: um in den Kröten, Würmern und Spinnen die Schattenanteile des verdrängten Weiblichen zu erkennen, das gleichzeitig die Basis allen Lebens ist.

Der Mond ist ein Symbol der Mütter, im hellen wie im dunklen Sinn, und die lunarische Seite in jedem Mensch strebt danach, sich mit dem Prinzip der Großen Mutter zu verbinden, um wieder einen Zugang zu den Urwurzeln zu finden. Er symbolisiert das Ungesehene in dir, die abgespaltenen Teile deines Selbst, die du ins Exil der finstersten seelischen Korridore verwiesen glaubtest, die jedoch in den Negativprojektionen deines Tagesbewußtseins ihr bequemes Domizil gefunden haben und dich von dort bedrohen, ohne daß du es wahrhaben willst.
 
 

Sie sind aber nicht nur ein Symbol des Schreckens, sondern symbolisieren auch den Schrecken des Erkennens, wenn sich deine Angst in den Schächten des Abgründigen selbst begegnet und die negativen seelischen Bilder erkennt, die sie in den Raum um sich herum aussendet. Was im Schlaf die Träume bewirken, wenn sie die seelischen Schwingungen in Bilder umsetzen, das bewirken im Wachbewußtsein die mondhaften Launen, die dir alles in die Realität übertragen, was dir deine inneren Gesichter vorgaukeln.

MOND IN JUNGFRAU

WASSER/ERDE: DIE SOZIALE HYGIENE

Thema: Anpassung, Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit, Sorgfalt

Ziel: Ordnung durch Kontrolle, Läuterung durch Pflichterfüllung, Umsicht durch Neutralisierung der Gefühle

Dein Jungfrau-Mond steht für den harmonischen Einklang von Körper, Seele und Geist und bedeutet, daß du dich im Für und Wider mit dir selbst im Einklang wähnst, weil du die Schwingung jeder Situation neutralisieren und daher realistisch beurteilen kannst.

Du suchst das richtige Maß und die fließende Harmonie und verzichtest dafür gern auf die Geste einer feurigen Gebärde, weil du glaubst, daß niemand Aussicht auf inneren Frieden und harmonische Liebe haben wird, der sich planlos den Gefühlen (anderer) überläßt. In deiner seelischen Ausrichtung finden wir ein übertriebenes Streben nach Ordnung, die Angst vor Chaos und der damit verbundene Drang, die Gefühle zu organisieren und zu analysieren, um sie vermeintlich besser zu kontrollieren.

Das Fließen des Mondes ('Die Wahrheit braucht keinen Halt, keine Struktur, alles geschieht unmittelbar aus sich selbst heraus') kümmert die Jungfrau nicht, weil ihr das zu verschwommen und abgehoben ist. Sie widerspricht: 'Nur wer das Ziel der vollkommenen Lauterkeit in sich spürt, der ist in der Lage, die Triebinstinkte zu läutern und sein inneres Tier zu bändigen.' Deshalb verhindert Mond in Jungfrau das freie Fließen von Gefühlen und repräsentiert Pflichterfüllung, Unterwerfung und die behutsame Anpassung der Gefühle an die Bedingungen der Umwelt.

DIE TRÄUMENDE SEELE AUS KARMISCHER SICHT

Die Welt des Mondes ist nicht die Welt, die du durch deine Rationalität erfahren kannst. Sie ist kein dreidimensionales Gebilde, durchschaubar bis in die Haarspitzen der Mikrostrukturen, sondern sie enthüllt sich dir in der Trunkenheit der Sinne oder in deinen Träumen - und zwar in all ihren Paradoxien, Dichotomien und Antinomien.

Während die Sonne nach Gestaltung und Ausformung des Willens strebt, geht das Streben des Mondes umgekehrt in Richtung Auflösung der Identität. Das hat weniger mit Realität zu tun als mit den Formen der Materie, deren Erscheinungen er widerspiegelt. Er symbolisiert die "gespiegelte Erscheinungsform der Welt", was nur innerhalb des Denkens einen Widerspruch bedeutet. Jenseits polarer Denkvorstellungen versinnbildlicht er jene tiefe Einsicht in die Abläufe des Ewigen, aus dem sich deine Träume nähren und die dadurch zum Rahmen werden, in dem sich dir die Wahrheit darstellt. Jenseits solarer Denkvorstellungen symbolisiert der Mond die Urbilder, die sich über Traumerinnerung in dein Bewußtsein übertragen. Das entspricht dem Rahmen, in dem sich dir das Chaos zeigt, das teilweise zu erahnen ist, weil es einem übergeordneten Ganzen entspricht, von dem deine Träume wiederum ein Ausschnitt sind. Der Träumer träumt, und der Träumer im Traum träumt sein Geträumtes, denn der Träumer ist sowohl Beobachter als auch Akteur, denn es gibt nichts, was außerhalb seines Traumes liegt. Er träumt die Urwasser des Lebens, aus denen sich alles Leben zeugt, was gleichermaßen göttlich und dämonisch ist, wenn man den Zyklus von innen her begreift.

Somit wird die Illusion der realen Erfahrung an die Seite gestellt, und zwar im Grunde als gleichberechtigte existenzielle Erfahrung. All unser äußeres Streben dient im Prinzip nur dem Versuch, das Innere zu erhellen und es in seinen sphinxhaften Verschleierungen dem Vorstellungsbild des analysierenden Denkens einzuverleiben, denn die sichtbare Welt und ihr unsichtbarer Gott sind das Erscheinungsbild unserer Träume, weil alles, was wir wähnen, nur die Materialisation dessen ist, was wir träumen. Der Mond trinkt sein Licht aus dem unerschöpflichen Born des Unbewußten, das unseren Träumen, bevor sie sich zu erlebbarer Wirklichkeit gestalten, die inneren Urbilder und Archetypen zur Verfügung stellt.

Sobald wir erkennen, daß die äußeren Handlungen nur das eine Ziel vor Augen haben - nämlich alle Vorstellungsinhalte auf die Ebene hinunterzuziehen, auf der sie sich selbst reflektieren, und sie dann damit in Übereinstimmung zu bringen, was sich tatsächlich in der Außenwelt vorfindet -, verbirgt sich die Wirklichkeit nicht mehr hinter der Ambiguität der Frage: "Was träumt Gott?", sondern sie offenbart sich in der überraschenden Antwort: "Uns!"
 

MOND IM 11. HAUS

DIE GLÄSERNE WAND

Die bildhafte Manifestierung der sich selbst erkennenden Seele, die sich selber ins Herz hineinschaut, das ist der Spiegel des Betrachters: Mond in Haus 11. Er repräsentiert eine geistige Stufe, auf der die Sinne die Polaritäten des Empfindens durchbrechen und über die Grenzen der menschlichen Vorstellung hinaus ins Unermeßliche vorstoßen. Seine energetische Schwingung in den Abgründen des Unbewußten wirkt wie seelischer Klebstoff, das dich mit dem Faszinosum des Unerkannten verbindet, das du, an deinem Bewußtsein vorbei, hinaus in die Welt projizierst und dessen Spiegelungen du dann im Strudel der äußeren Geschehnisse erliegst.

Du befindest dich in der schizoiden Situation, in der dein Mond an den Projektionen seiner Gefühle zwar interessiert teilnimmt, aber mehr, um die Welt wie aus einem Glashaus zu betrachten. Es ist die Sichtweise eines Außenstehenden, der das Geschehen rapportiert, ohne sich seelisch einzubringen. Gerade der Abstand, aus dem du dich beobachtest, ermöglicht dir die Sichtweise, um dich gleichzeitig innerhalb und außerhalb deines eigenen Standpunkts zu begaffen. Damit distanzierst du dich gleichermaßen von deiner eigenen Gefühlsnatur!
 
 

Symptome: Seelische Erregbarkeit, sexuelle Verspannungen, Insuffizienz der Sexual- und Bauchspeichelhormone (Angst vor Weiblichkeit und Sexualität)

Ritual: Schatzsuche (die Suche nach dem Goldtopf am Ende des Regenbogens)

Archetyp: Der Geist in der Flasche; der verzauberte Prinz

Analogie: Das blaue Licht (Gebrüder Grimm)

Kraftort: Unter dem Wasserfall

Kultstätte: Niagara-Wasserfälle

Kraftfarbe: In allen Regenbogenfarben schillernd

Kraftstein: Alexandrit

Räucherwerk: Lilien-Orchideen-Mischung

DER SPIRITUELLE ANSATZ

Esoterisch gesehen erschließt die Mondstellung jenen Bereich, in dem du dich gern deinen triebhaften Reaktionsstrukturen auslieferst, in dem du dich nicht mehr als vernünftiges, zielorientiertes Wesen, sondern als instinktgebundene Wunschnatur begreifst, in der sich die innersten Urbilder nach Entfaltung sehnen, denn in der Begegnung mit der Mondgöttin entziehen sich dir die rationalen Bilder. Sie versinken in lunaren Perspektiven, wo sich jede Wirklichkeit als Maya, nämlich als materielle Verdichtung bloßer Denkvorstellung zeigt. In der Begegnung mit der Mondin spiegelt sich das "Urseiend-Weibliche", in deren Formen alles fließend erscheint. Es ist, als ob du untergetaucht wärest in den Ozeanen des Unbewußten, und das entspricht auf der exoterischen Ebene dem Fötus im Mutterschoß, der noch wachsen muß, um ins Licht des Bewußtseins geboren zu werden. Es handelt sich um eine dunkle und dämonische Welt, die keinerlei Klarheit und Orientierung besitzt und die sich in Verwirrung und Gefühlsschwankungen ausdrückt.

Der Mond symbolisiert das unerschöpfliche Kraftpotential der Psyche, das die inneren Urbilder und Archetypen zur Verfügung stellt, aus denen du deine Sehnsucht schöpfst. In dieser Sehnsucht verbrennen alle Grenzen, und Realität und Träume verschmelzen zu jener unbewußten Absicht, loszulassen und mit dem Ewigen wieder eins zu sein. Es ist eine Ebene, die sich mit den Werkzeugen deiner Sinne nicht erfassen läßt und die sich in allen Wesenheiten spiegelt, so daß sie den Anschein erweckt, selbst rational zu existieren. Dabei existiert sie gar nicht wirklich, sondern umkreist in einer unbeschreiblichen Gebärde "Alles-was-da-ist", von dem deine begriffliche Welt nur ein Teil und deine Suche nach dir selbst wiederum ein noch kleinerer Ausschnitt ist. Der einzige Halt ist die innere Ahnung, die dich auf dem Pfad nach innen mit dem tiefen Wissen verbindet, daß alle Monumente menschlichen Strebens innerhalb des Ewigen nur ein Staubkorn sind.
 

MERKUR

DAS INTELLEKTUELLE ERKENNEN

Merkur oder Hermes wird in der Mythologie als eine hermaphroditische Gestalt umschrieben, die den Schlüssel zu den tieferen Wahrheiten in sich birgt. Er ist einerseits ein Symbol für die Art, wie wir wahrnehmen, andererseits aber auch, warum wir was wahrnehmen und wie wir die Wahrnehmung vergleichen und weitergeben.

Emotionslos, unparteiisch und objektiv beschreibt und rekonstruiert er kausale Zusammenhänge, verbindet Widersprüche und gleicht Gegensätze mit den glättenden Argumenten verbindender Sichtweisen aus. Damit ist er auch hervorragend geeignet, das vermittelnde und übertragende kommunikative Urprinzip zum Fließen zu bringen. Als Gott des Windes erscheint er flink, eilend, stürmend, mit Flügelschuhen und einem beflügelten Hut dargestellt und kann somit als Vorbereitung auf Reisen oder im Vorfeld wichtiger Besprechungen und Entscheidungen angerufen werden.

Als Gott der Schlauheit und des Geschäfts ist er der Schelm unter den Göttern und unterstützt Diebe, Kaufleute, Narren und Betrüger; und als Gott der Unterscheidung ist er der Ahnherr des Denkens ('Ich denke, also bin ich!'), der Erschaffer aller Realitäten, der die Menschen in ihre Weltbilder einbindet und damit aber auch gleichzeitig vom Erkennen der Relativität des Erkennens abhält: 'Ich bin, weil ich erkenne - deshalb erkenne ich mich als der, der ich bin!'

MERKUR IN KREBS

LUFT/WASSER: DER SPIEGEL DER SEELE

Thema: Erinnerungsvermögen, Vorstellungskraft, Austausch oder Neutralisation der Gefühle

Ziel: Tiefenseelisches Erkennen (verinnerlichtes Denken, vielschichtiger Intellekt)
 
 

Die Erkenntnis auf dieser Ebene ist wie ein visionärer Strahl des Lichts, auf dem dir deine Sehnsüchte entgegenblicken und auf dem das Geheimnis deiner Seele das höchste Ziel im Reich spiritueller Mysterien aufscheinen läßt. Dieser Prozeß ist bei künstlerischen Menschen, wenn das visionäre Bild vor ihren inneren Augen plötzlich Gestalt annimmt, genauso zu beobachten wie in der Psychotherapie, wenn sich aus den Gefühlsverstrickungen im Unbewußten plötzlich so etwas wie ein Zusammenhang herausschält. Wenn Verstand und Seele gut miteinander harmonieren, kann das Ergebnis nur Kreativität sein (oder Erkenntnis), also Schöpferisches, das sich aus den Urnebeln des Unbewußten nährt.

Auf der psychologischen Ebene kann man diese Stellung auch als Öffnung bezeichnen, wo sich das Unzusammenhängende jetzt strukturiert. Unterschwelliges Gefühlsverhalten wird in die Erinnerung hochgespült, um dort von den Denkmechanismen sortiert zu werden. Merkur in Krebs ist nichts anderes als ein Symbol, die unstrukturierten, unkontrollierten inneren Ströme in die vielfältigen Schubladen unserer Denkmodelle einzureihen.

DIE STRUKTUREN DES DENKENS AUS KARMISCHER SICHT

Spirituell betrachtet ist Merkur aber nicht nur ein Symbol dafür, wie du die Welt erfährst und wie du das Erfahrene in deine Bewußtseinsmuster einordnest, sondern er ist auch das Symbol des Musters selbst, alles, was du erfaßt, einordnen zu müssen und aus dem Eingeordneten gleichzeitig das zu gestalten, was du dann für die äußere Welt hältst.

Merkur entspricht dem denkerischen Gestalten, nämlich die unbildhaften, energetischen Ströme als Symbole zu erfassen und damit den Sinnen zugänglich zu machen. Damit wird seine Position in der Mythologie, nicht nur zwischen Göttern, sondern auch zwischen Menschen und Göttern zu vermitteln, einsichtig: Es ist der Austausch zwischen dem inneren und dem äußeren, zwischen dem bewußten und dem unbewußten Selbst. Aus den tieferen Schichten des kollektiven Menschseins dringen ungeformte Energiewolken herauf, die darauf warten, in Symbole umgedeutet und damit in menschliches Handeln übertragen zu werden.

Anders ausgedrückt: Deine Begriffswelt ist das Ergebnis der Wirkungen Merkurs, die aus dem Rohmaterial schöpferischer Ursubstanz materialisiert wurde, denn die Methode, Symbole zu schaffen und miteinander zu kombinieren, entspricht exakt deinen merkurischen Anlagen und Fähigkeiten. Damit erschaffst du dir eine begriffliche Welt, die du der instinktiven Welt überlagerst, bis du selbst überzeugt bist, daß die begriffliche, von dir selber geschaffene Realität der Wirklichkeit entspricht.

MERKUR IM 9. HAUS

DAS WELTUMSPANNUNGS-IDEAL

Hier bist du vom inneren Wunsch beseelt, Harmonie und Frieden durch den Austausch von Informationen herzustellen und aus der Erweiterung des Wissens neue Perspektiven zu gewinnen. Großflächiges Denken, das auch gegenteilige Meinungen erlaubt, ist angesagt; dein inneres Ziel ist die Erweiterung von Geist und Verstand, denn die Widersprüche im Leben wollen durch hinterfragendes Denken gelöst und darin gleichzeitig ein höherer Sinn erkannt werden. Dein Wissensdurst nimmt überhand, denn Merkur trägt - in seiner Rolle als Bote - Erkenntnisse von einem Teil der Psyche zum anderen und offenbart dir wertvolle Informationen, die du zu einer beeindruckenden Synthese verarbeiten kannst, wenn es dir gelingt, sie ins Bewußtsein zu integrieren (in seiner außerordentlichen Ambivalenz scheint er für das ungeheure Spiel gegensätzlicher Kräfte in der Psyche selbst zu stehen). In Haus 9 verkörpert er die intellektuellen Ziele einer weltumspannenden Perspektive, die das Ideal einer ungeheuren Vision von Zukunft aus sich gebärt.
 
 

Symptome: Ausdrucksschwierigkeiten (man will das Unfaßbare in Dualitäten pressen), Zersplitterung durch übertriebene Objektivität (Disposition zu Nervenstörungen), intellektueller Größenwahn

DER SPIRITUELLE ANSATZ

Das merkurische Prinzip basiert auf der Erfassung von Gesetzmäßigkeiten und Schlußfolgerungen und entscheidet darüber, ob ein Inhalt in seinem Zusammenhang erkannt werden kann oder in seine Einzelteile zerfällt. Was die Welt für unseren Verstand zusammenhält, ist die Gewißheit, daß die Welt so ist, wie wir gelernt haben, sie wahrzunehmen.

Die logischen Axiome des Aristoteles, seit mehr als zweitausend Jahren das Fundament des abendländischen Denkens, sind nicht nur die sichere Grundlage, auf der unser Weltbild steht, sondern sie sind auch der Preis für diese Sicherheit. Sie errichten die hohen Mauern der rationalen Wissenschaft, die alles ausgrenzen, was sich nicht in die Gesetze der Logik eingliedern läßt. Sie sind ein Filter unserer Erkenntnis, der alles aussondert, was nicht durch Stoff und Form, Bewegung und Ziel definiert werden kann. Platon dagegen ging davon aus, daß wir im sichtbaren Objekt nur das erkennen können, was wir an Informationen oder Vorstellungen über das betreffende Objekt in uns tragen. Aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet, ist auch das Modell der naturwissenschaftlichen Erkenntnis nur eine Vorstellung vom Leben, denn alles, was wir in unserer Anschauung der Welt erfassen, ist eine Vorstellung von Wahrheit, ein Abbild der Wirklichkeit, abhängig von Gesetzen, die wir uns selbst geschaffen haben.

Hier beherrscht die Vorstellung bereits die Wirklichkeit, und viele Suchende glauben, daß die Vorstellung die Wirklichkeit nur ausdrückt. Wie kann die Vorstellung aber die Wirklichkeit ausdrücken, wenn sie nicht weiß, was die Wirklichkeit ist? Darum können wir auch nichts erkennen, was außerhalb dieser Vorstellung liegt, und alle Wahrheiten und Erkenntnisse sind nie etwas anderes als mehr oder weniger interessante Denkmodelle. Unser denkendes Ich ist ein besonders raffiniertes Gebilde, das uns unsere Handlungen aufgrund der Betrachtungen vorschreibt, wie wir die Welt zu sehen haben: 'Die Welt zu sehen, wie wir sie sehen ... und das auch noch zu wollen!' (Hermes-Mercurius der Trickster)
 

VENUS

DIE LUST DER HINGABE / DIE WEIBLICHE SEXUALITÄT

Aphrodite (römisch Venus) ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Liebe, des Friedens und des Glücks. Sie wird als das höchste Ideal weiblicher Schönheit gepriesen. Als Venus-Urania verkörpert sie die reine, himmlische und idealisierende Liebe. Man nennt sie auch "die Himmlische", "die aus dem Schaume Geborene" oder "die aus dem Meer Aufsteigende".

Die Legende weiß zu berichten, daß Venus der Verbindung des gestürzten Himmelsgottes Uranos und seiner Gattin Gaia, der Erde, entsprang. Uranos, der seine Kinder verschlang, wurde von Saturn, seinem Sohn, mit einer Sichel entmannt. Aus dem abgeschlagenen Glied des Vaters, von Saturn ins Meer geschleudert, floß weißer Schaum, dem Venus an den Gestaden der Insel Kythera entstieg. In ihrer Manifestation als Venus-Pandemos hingegen regiert sie über die irdischen Triebe, denn sie ist genauso die Fürstin der Schönheit und der Kultur wie die Dämonin des Verfalls und der Genußsüchtigkeit.

Venus verkörpert die Flammen der Sehnsucht nach der sexuellen Vereinigung zwischen Mann und Frau und symbolisiert damit den paradiesischen Vorhof des körperlichen Verlangens: die verschlingende Hingabe, die zum Numinosum wird, indem sie das verlorene Gefühl der Ganzheit durch das Empfinden der Vereinigung wieder zu erreichen verspricht. Wenn der Mond für die Befruchtung steht, dann ist Venus der Kuß: die erste, vorsichtige Öffnung dem anderen gegenüber, gleichsam als seelische Eintrittskarte in das Körperinnere, aber auch die höllischen Zungenküße, jene Elixiere des Teufels, die in den uterinen Höhlen und tiefen Wassertümpeln gründeln und ihre Opfer porentief einsaugen.

VENUS IN LÖWE

LUFT/FEUER: APHRODITE UND DIE FEURIGE LIEBESGLUT

Thema: Ästhetisierung des eigenen Egos, schöpferische Entfaltung, expressive Demonstration oder Übertragung der inneren Weiblichkeit, sexuelle Selbstdarstellung

Ziel: Liebe als höchster Akt schöpferischen Gelingens.

Hier klingt der psychologische Hintergrund des Mythos vom Sündenfall mit an: Als sich Eva, durch die Schlange versucht, ihrer eigenen Lust ergab, verwandelte sich die kosmische Schwingung göttlicher Harmonie in die trennende Lüsternheit sexuellen Feuers.

Die Löwe-Venus, scharf wie Paprika und wild wie Attila, hat absolut nichts dagegen, wenn ihr Lust und Leidenschaft untergeschoben wird. In diesem Sinn ist sie eine körperliche Übertragung der göttlichen Aphrodite, die aus einer Mischung kosmischer Verschmelzung und sexueller Selbstdarstellung heraus handelt. In der Beziehungsrealität bedeutet dies oft nichts anderes, als daß du den anderen benutzt, um dein inneres Feuer zu entzünden, oder - wenn du es bist, der die Flammen entfacht - dir deine materiellen Ansprüche durch die finanzielle Präsenz deiner Umgebung abzusichern. Das entspricht der venusischen Bindung an das glanzvolle und prunksüchtige Selbstdarstellungsprinzip, denn der eine muß durch sichtbarem Glanz, Schönheit und guten Geschmack all das kompensieren, was der andere an Geld, Einfluß und äußerem Auftreten zu bieten hat.

DIE SEXUELLE HINGABE AUS KARMISCHER SICHT

Venus drückt die Anziehung der Gegensätze aus, die Sehnsucht zwischen Mann und Frau, die verlorene Einheit wiederherzustellen, den Zustand vor der Vertreibung aus dem Paradies. Mit dem Sündenfall zerbrach die Einheit zwischen Gott und Schöpfung, Mensch und Natur, und seither stehen sie sich als Polaritäten unversöhnlich gegenüber. Aufgrund ihrer inneren, wesenhaften Zusammengehörigkeit ziehen sich alle Gegensätze jedoch wiederum unwiderstehlich an. Jedes Wesen ist ein Teil des Ganzen und versucht deshalb immer wieder, mit dem Ganzen zu verschmelzen.

Im ewigen Schöpfungsplan, der die Vorgänge in der Natur steuert und auch für die Erhaltung der Arten sorgt, liegt der Drang nach Einswerdung in der Sexualität. In der alltäglichen Beziehungsrealität bedeutet dies oft nichts anderes, als daß du den anderen dazu benutzt, deine eigene innere Leere mit einer intensiven Erfahrung zu füllen, ohne jedoch dabei und - dies ist das Entscheidende - den anderen Menschen in seinem eigenen Wesen auch wirklich annehmen zu können. Was wir im Grunde erfahren wollen, ist die Erfüllung unserer eigenen Sehnsucht nach Liebe. Sie leben wir in unserem Inneren aus, und dazu benötigen wir oft mehr das Bild des Partners in uns als diesen selbst. In solchen Momenten scheint er uns all das, was wir bei uns vermissen, zurückzugeben, damit wir in uns diese Empfindung von Vollständigkeit, derer wir allein nicht fähig sind, erfahren können.

VENUS IM 11. HAUS
 
 

DER BIZARRE SEX ODER DIE NERVENKITZEL-PSYCHO-NUMMER

Venus in Haus 11 inszeniert ein irisierendes Spiel mit dem Feuer, das die Lust nach Abwechslung entfacht. Hier suchst du keine ewige Liebe, sondern originellen Sex, weil sich Seelen in Haus 11 besser öffnen können, wenn es sich weniger um individuelle Lust als vielmehr um nervenkitzelnde Psychospielereien handelt, die von dem ablenken, wovon sie wenig zu bieten haben: von ihrer emotionalen inneren Mitte.

Dabei fühlst du dich von eigenwilligen und verrückten Menschen angezogen, denn gewöhnlich drücken sich in deinem Wunsch nach Originalität und im Verlangen nach Experimenten oft bizarre oder andere unkonventionelle Neigungen aus. Doch hinter den Flammen lustvoller Nähe und Hingabe lauert ein kühles, distanziertes Liebesverlangen, und es ist gut um dich bestellt, wenn du ohne seelische Schäden aus den Betten hintergründiger Verweigerungen wieder an die Oberfläche kommst. Die Gefahr, die Venus in Haus 11 darstellt, ist die, daß sie dich zum Opfer deiner Sehnsucht macht, indem sie deine Lust nach Abwechslung festhält, denn es ist dein inneres Verlangen, das sich durch sie personifiziert, und das dich dazu bringt, daß du dich in deiner Sehnsucht nach ihr in ihrem Bild (in dir!) festhältst.
 
 

Symptome: Unkonventionelle Zuwendungen, bizarre Neigungen, hysterische Spasmen, Triebverweigerung; Magersucht, Eingeweidesenkung, Schilddrüsen-Überfunktion

DER SPIRITUELLE ANSATZ

Wie bei der Liebesgöttin Venus, so strömt auch deine Hingabe aus der unergründlichen Tiefe, die im Zauber der Liebe zwar die Gegensätze verbindet, ohne sich aber persönlich zu öffnen und sich den Menschen hinzugeben. Du glaubst, dich deinen inneren Sehnsüchten hingeben zu können, ohne selbst durch die Höhen und Tiefen menschlicher Leidenschaft zu gehen, denn die Venus-Qualität entspricht dem urinstinktiv-weiblichen Verlangen nach dem Spiel von Zu- und Abneigung, dem Reiz von Ablehnung und Gewährung, und nicht nur der drallen Lust einfältiger Hingabe.

Als Frau klingt in dir der Venus-Dämon an, nämlich den Mann zu einem Besitz deiner eigenen Vorstellung zu machen, denn nur, wer unerreichbar scheint, ist es wert, besessen zu werden. Was sich halten läßt, wird schal und nur, was sich nicht halten läßt, ist es wert, von dir erobert und einverleibt zu werden.

Umgekehrt kann das bei dir als Mann zu einer Abhängigkeit von deinen inneren Projektionen führen, wenn die jahrtausendealten Konfliktherde in den Tiefen des kollektiven Unterbewußtseins aufbrechen: Ist es die Erinnerung an die Höllenpriesterin und Urhexe, die dir die Einheit von Liebe und Leidenschaft mit der Peitsche einbleute, ist es die Kühle der Wasserfee, welche dich durch ihre Unberührtheit zur siedenden Lust antrieb, oder mit wem suchst du notdürftig den Riß zu kitten, der sich durch deine Seele zieht, um die seelische Hypothek abzutragen, unter deren Last die gebrandmarkten Jünglinge im Feuerofen stöhnen?

So verbinden sich Realität und Wahn in Venus' Liebe zur Vorstellung, der geformte Teil einer universellen formenden Kraft zu sein und an einem kosmischen Hintergrundgeschehen teilzuhaben, das dir als göttlich erscheint. In Wirklichkeit ist es aber nur der Stoff, aus dem deine Sehnsüchte gewoben sind.
 

MARS

DIE DURCHSETZUNG DES EGOS - DIE MÄNNLICHE SEXUALITÄT

Mars, in Rom als Sohn Jupiters und der Juno National- und Kriegsgott, galt als Vater von Romulus und Remus und wurde als Ahnherr der Römer verehrt. Von den Griechen Ares, den Germanen Thor genannt, ist er ein Symbol der blinden Vorwärtsbewegung und der unbeugsamen Durchsetzung, denn er ist der Herr des Krieges, der Zerstörung, des Streites und der ewigen Zwietracht. Als junger, kriegerischer Mann charakterisiert, behelmt und von Kopf bis Fuß bewaffnet, liebt er jegliche Form von Aufruhr, Sturm und Angriff, denn als Gott des Kampfes freut er sich am Getümmel und Geschrei der Schlacht. Dadurch wird er ständig in äußere Auseinandersetzungen verstrickt, die seinem inneren Ziel entsprechen, das sich nicht auf irgend etwas hinentwickelt, sondern sich aus der Spannung jedes Augenblickes nährt.

Mars symbolisiert nicht nur den Aufbruch des Sonnenhelden oder die sich fauchend entzündende Flamme als Sinnbild des triumphierenden Willens, sondern auch den Absturz, das Scheitern an Hindernissen. Er verkörpert auch die Rebellion gegen patriarchale Gewalt, den aktiven Animus, der den alten König stürzt, die pubertäre Phase der Suche und der Selbstfindung, oder die Vater-Sohn- Beziehung als Wiege nährender Konflikte der männlich-aggressiven Triebnatur.

In der mythologischen Umschreibung trennt Mars die Polaritäten, ohne sie allerdings zu werten, denn es ist ihm gleich, auf welche Seite er sich stellt, wenn nur Krieg und Streit dabei gewinnen. Jede Auseinandersetzung bietet ihm die Chance, Dinge durcheinanderzubringen und Gewohnheitsmuster zu zerstören, was immer wieder neue Perspektiven von Entwicklung und Erkenntnis mit sich bringt. Vom Wunsch nach Freiheit und Erlösung motiviert, versucht er stets, alles Einschränkende aus dem Weg zu räumen. Damit wird er aber in seinem Freiheitswahn gerade zu einem Teil jener Zerstörungskraft, die den Ursache-Wirkungs-Kreislauf entfacht und damit den Weg für Neuentwicklung und Erkenntnis frei macht.

MARS IN WIDDER

FEUER/FEUER: DER STURMBOCK ODER DER ROTE HAHN AUF DEM DACH

Thema: Triebhafte Selbstdurchsetzung (Wille zur Tat)

Ziel: "Ich will!" (Selbstverwirklichung)

Mit Mars in Widder bist du der feurige, extrovertierte Choleriker, der mit seinem unruhigen, spontanen Feuergeist immer wieder alles über den Haufen schmeißt. Wenn sich Feuer mit Feuer verbindet, dann ist der rote Hahn schon auf dem Dach: Wie von einer Horde besessener innerer Dämonen getrieben, ruhst du dich selten in deiner Arbeit aus, denn du handelst um des Handelns willen, um deine Umgebung zu "entzünden", ohne damit konkrete Ziele zu verbinden.

Im Handeln siehst du deine Aufgabe, nicht im Erreichen irgendwelcher Ziele; dabei wirst du von einer aggressiven inneren Kraft getrieben, die ohne Rücksicht auf Scherben ihre eigenen Wege geht. Kluges Abwarten und lange Strategie sind deine Sache nicht, denn du willst immer mit dem Kopf durch die Wand (die Römer nannten den Sturmbock "aries", mit dem sie die Tore belagerter Festungen niederrannten).

DIE DURCHSETZUNG DES EGOS AUS KARMISCHER SICHT

Ohne Mars gäbe es wahrscheinlich keinen Krieg. Aber ohne ihn könnten wir unsere individuellen Absichten auch nicht zum Ausdruck bringen.

Bevor wir also das marsische Prinzip zum Sündenbock erklären, sollten wir uns klarwerden, daß uns nur Aggressivität und Geltungswille zu einem eigenständigen Wesen machen, das sich durchsetzen und seine Entwicklung selber in die Hand nehmen kann. Daß sich diese Entwicklung nur über Krieg und Zwist abspielt, mag dem bedauerlich erscheinen, der die Abgespaltenheit des Egos von der Ur-Einheit nicht in Betracht zieht und dadurch den Menschen nicht in seiner Angst vor dem Getrenntsein mit dem Kosmos sieht (was dieser mittels Durchsetzung des Egos krampfhaft kompensiert). Er setzt sich durch, um wenigstens sein Ego zu spüren, da die Idee des Sieges ja das einzige ist, was ihm von der Verbundenheit mit dem All-Einen geblieben ist. Darum ist es auch töricht, wenn sich der Mensch gegen seine eigenen Grundlagen verbündet, denn wenn er gegen den Krieg protestiert, protestiert er in Wirklichkeit gegen sich selbst, denn Krieg und Mensch sind Synonyme.

Akzeptieren wir uns also, wie wir sind, damit die Kriege, die wir nicht verhindern können, nicht auch noch sinnlos werden. Denn wie sagte schon Heraklit: "Krieg ist der Vater aller Dinge!"

MARS IM 7. HAUS

DAS LÄCHELN DER LIEBE UND DIE SEXUELLE ANZIEHUNG

Es fällt dir nicht schwer, mit dem aggressiven Teil in dir Frieden zu schließen, denn deine offene, spontane Art, die Gunst der Umwelt zu gewinnen, sorgt für interessanten Umgang. Mars in Haus 7 ist ein Aspekt, der nicht nur einlädt, die vitalen Triebbedürfnisse zu leben, sondern auch der Tiefensehnsucht nachzuspüren, denn es ist der unstillbare Eiertanz der Geschlechter, der in dieser Konstellation aufscheint. Es ist die Verschmelzung mit der Liebe, die den Triebinstinkt anzieht, denn obwohl sie ihm nur ein Lächeln schenkt, dankt er es ihr mit unermüdlicher Hingabe. Mit der Liebe will sich die Seele in alle Variationen der Zuneigung vertiefen und in den Strom der Gefühle eintauchen, denn die Erotik zwischen zwei Menschen ist Energie aus Zärtlichkeit. Hier formt sich das Mysterium der Liebe, die Zweig eines unerfüllbaren inneren Anspruchs ist und nicht nur die Befriedigung eines von außen zu erfüllenden Bedürfnisses.
 
 

Symptome: Störungen in den Ausscheidungsorganen (seelische Konflikte verlagern sich in den Genitalbereich), triebhafte Aggressionen bei gleichzeitiger Impotenz (Gleichzeitigkeit von Hingabe und Aggression), vegetative Funktionsstörungen (Niere, Darm), Schmerzen im Unterbauch (Uterusverlagerungen, Blasenmuskulatur)

DER SPIRITUELLE ANSATZ

Mars verkörpert also das, was wir die Aggressionskräfte nennen (die Ausschüttung von Adrenalin ins Blut), und in dieser Position ist er der natürliche Feind von Hemmung und Blockade. Risikofreude, Kampfbereitschaft, Unternehmungslust und sexuelle Triebhaftigkeit sind seine Merkmale, und als männlich-aggressive Kraft steuert er alle Hindernisse auf direktem Wege an, wobei er den Gordischen Knoten nicht durch vergleichendes, reflektierendes Denken löst, sondern indem er ihn ganz einfach mit dem Schwert durchschlägt. Er verkörpert die instinktive Kraft, die stets aufs neue blüht, wenn der Zyklus karmagestaltender Umwandlung in dir erwacht.
 
 

In dieser Tollkühnheit und Abenteuerlust kannst du aber auch gleichzeitig die unergründliche Schöpferkraft erkennen, die dich auffordert, die äußere Welt zu erobern und über den Weg der Tat zur Einsicht zu gelangen, daß zwischen "Eroberung" (+) und "Zerstörung" (-) nur die individuelle Perspektive deiner Weltanschauung liegt. Mars treibt dich nicht nur aus den Bezirken seligster Verklärtheit, sondern er läßt auch durchblicken, daß diese aggressive Energie gerade der Treibstoff für deine geistige und seelische Entwicklung ist. Du bist nun einmal, wie du bist, und nicht einmal aus der Perspektive abgeklärter Greise ist es sinnvoll, Ego und Ich-Durchsetzung zu verteufeln, weil dann Entwicklung nicht mehr möglich ist.

In jedem Scheitern findet sich auch ein Samenkorn zu reiferer Entfaltung, und damit dient Mars in seinem zwanghaften Tatendrang gleichzeitig jener höheren Führung, die in der Zusammenfügung allen Wesens "Sein" und "Werden" überhaupt erst sinnvoll macht.

JUPITER

DIE INNERE SINNFINDUNG

Jupiter, milder Regent und harter Diktator, freundlicher Freund und feindlicher Feind, Hüter des Rechts und Brecher des Widerstandes, Gott der Gerechtigkeit und Gott der Rache, wird als höchster Himmelsherr verehrt. Als Gott der Wahrheit ist er Lichtbringer, Siegverleiher und Sitz der höchsten Weisheit der Welt, und als Vater der Götter und Menschen gilt er als Mehrer, Erhalter und Erretter in der Not.

Als allumfassender und universaler Gott nennt man ihn "höchste Macht", und als Beherrscher des Erdkreises ist er der oberste Gott, Regierer und Erhalter des Weltalls. Als innerer Guru und Wohltäter, der selbst aus den profansten Alltäglichkeiten kraftspendende und lebensbejahende Affirmationen zu ziehen vermag, steht er für den unstillbaren Drang nach geistiger Horizonterweiterung, und mit seinem unerschöpflichen Trieb nach Ausdehnung repräsentiert er eine guruhafte Omnipotenz in der Außenwelt, die das Wesentliche erst in der Übersteigerung durchscheinen läßt. Das Bestreben, die Dinge in einem größeren Zusammenhang zu sehen, krönt sich in der Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Daseinsfragen.

Auf unbewußter Ebene entspricht das einer Ein- und Rückbindung ins Zeitlos-Ewige. Dieses Empfinden eines Eingebettetseins in einen größeren Rahmen erlaubt ihm, ein Gefühl von Sicherheit und Wissen auszustrahlen, das ihn in den Augen seiner Umwelt als einen Übermittler spiritueller Einsichten erscheinen läßt.

JUPITER IN LÖWE

FEUER/FEUER: DER RITT AUF DEM SONNENSTRAHL

Thema: Anerkennung, Großzügigkeit, Optimismus

Ziel: Schöpferanspruch, geistige Führung (der Priesterkönig identifiziert sich mit Gott)

Jupiter als Licht des Geistes erscheint im Löwen als Inbegriff der Tageshelle, denn beide werden vom schöpferischen Willen umstrahlt und alles unter ihrem Einfluß stellt sich sofort in den Mittelpunkt des Lichts.

Dieses Licht ist die Kraft des Lebens selbst, eine Kraft, durch die Jupiter nicht nur die aktiven, in klarer Bewußtheit angestrebten Lebensziele repräsentiert und ein optimistisches Gefühl in allen Lebenslagen, sondern auch grelle Selbstgefälligkeit, manisch übertriebene Freude und die bis zur Unerträglichkeit reichende Selbstdarstellung, stets im Glanz der eingebildeten Größe zu erscheinen. Aber wie sagte schon der Gott des Mescal zu Schwarzhaar, einem kleinen Indianerjungen, im Hinblick auf dessen Suche nach Licht: 'Du kannst auf einem Sonnenstrahl reiten, dreißigmal tausend Weltzeiten lang quer durch die Welt der Götter, durch dreißigmal tausend Türen und Tore magst du eilen und wirst doch nicht mehr wissen als ich, denn je heller das Licht, um so dunkler sind die Schatten, die es wirft.' (Georg Schäfer/Nan Cuz, "Im Reiche des Mescal")

DIE INNERE SINNFINDUNG AUS KARMISCHER SICHT

In seiner positiven Prägung zeugt Jupiter von einer Haltung, die von Güte, Optimismus und lebenszugewandter Expansivität nur so strotzt. Man glaubt ihm den offenen und großzügigen Menschen, der "leben und leben lassen" zum Credo seines persönlichen Verhaltens kürt. Als Hüter väterlich-milder Autorität dient ihm Freiheit und Selbstverwirklichung zur höchsten Prämisse, aber nur solange, wie man die gnädigst zugewiesenen Freiräume nicht überschreitet.

Solange man seinen Führungsanspruch nicht in Frage stellt, ist er der gütigste, gerechteste und wohlwollendste, Reichtum und Fülle über die Menschen ausstreuende Gottvater. Scheinbar befreit von den äußeren Zwängen vermag Jupiter ein kolossales Gemälde des Universums zu malen und sich gleichzeitig als spiritueller Befruchter darzustellen, der die Gestirne dirigiert. Er strebt nach einem inneren Erkennen, das sich selbst höchstes Gesetz ist. In diesem Sinne ist er nichts anderes als eine Wiedergeburt des alten Priesters, der die Schaffung seines inneren Gottesbildes selber in die Hand genommen hat, denn Jupiter verkörpert das Verlangen, der Sehnsucht nach Gott ein inneres Bild zu widmen und dieses in die Welt zu schicken, damit er es "draußen" finden und wieder in die Seele zurückspiegeln kann. Diese veräußerlichte Sinnbildung dient ihm als Ziel, außen zu finden, was er innen sucht. Gleichzeitig läßt er das gefundene Bild wieder nach innen verschwinden, weil dieser Gott, den er außen findet, sich in seiner inneren Sehnsucht ja "erkennt"!

Was der Mensch aus dieser Not heraus "Gott" nennt, ist in Wahrheit sein eigenes, von ihm allein geschaffenes Ebenbild, weil er sich an Gott selbst nicht (mehr) erinnern kann. Und was er als Ziel bezeichnet, enthüllt im Grunde nur seine Absichten, und zwar in Form des von ihm selbst entworfenen Schöpfungssinns. Finden ist seine spezifische Form von Suchen - und daraus ergibt sich ein im Suchen selbst liegender Lebenssinn!

JUPITER IM 10. HAUS

DIE FÜHRERNATUR ODER DER WIRTSCHAFTS-TYCOON

Ebenso wie große Politiker oder Wirtschaftsbosse, deren privater Charakter oft diametral zu ihren äußeren Fähigkeiten steht, ohne daß dadurch die Wirksamkeit ihrer Führungspositionen berührt würde, trägt Jupiter in Haus 10 alle Schatten seiner überragenden Tugenden auf sich. In deinem Bemühen um äußeren Erfolg tust du dich schwer, deine bewußte Autorität zurückzunehmen, weil du nicht ahnst, daß die wirklichen Gefahren von innen kommen.

Dein Verständnis der kosmischen Gesetze reicht kaum über die Erreichung deiner eigenen Ziele hinaus und deine Wahrnehmung kann nicht zur Stimme der Natur in die Tiefe dringen, die oft glückliche Erlösung von Entscheidungen und Verantwortlichkeit schenkt, sondern zielt immer zu den Gipfelspitzen, wo du dich wie selbstverständlich in die Mitte stellst und dich in einem Akt der Selbstverherrlichung selbst krönst.

Glück und Überzeugung sind deine ständigen Begleiter, du strahlst Anerkennung, Erfolg und großes Vertrauen aus und kannst andere gut motivieren. Andererseits setzt du deine Ziele rücksichtslos gegen die anderen durch und ziehst dir die gesammelte Mißgunst deiner Umwelt zu.
 
 

Symptome: Leberbeschwerden und Gallenkomplikationen, Depressionen und Sinnlosigkeitsgefühle aus Streßsituationen, von Zeit zu Zeit große Motivationsprobleme

DER SPIRITUELLE ANSATZ

Du selbst bist der Schöpfer, der nicht wahrhaben will, daß er seine eigene Schöpfung sucht, denn seine eigene Schöpfung entspricht ja der Sehnsucht, ohne das nicht leben zu können, was er immer wieder "findet": einen im Suchen selbst versteckten Lebenssinn! Finden ist deine eigene Form von Suchen, und solange du dies nicht erkennst, wird dein eigener Gott dir ein Rätsel bleiben, weil du dich selbst nicht erkennst. Erst wenn du merkst, daß das eigene Ziel du selbst bist, wirst du das Rätsel lösen, denn im Rätsel verbirgt sich die Wahrheit, die nur deshalb als Rätsel erscheint, weil du dich selbst in ihr nicht siehst: 'Gott ist überall! Der einzige Weg, ihn nicht zu finden, ist der, ihn suchen zu wollen!' (Der Geist der Wahrheit) Die Wahrheit versucht immer, aus sich herauszutreten, doch in immer neuen Bildern und Erklärungen hältst du sie gefangen. Aber in allen Schmerzen und Enttäuschungen erfährst du sie ein bißchen mehr:

'Und je mehr du deiner selbst wüst und leer bist und aller Dinge unwissender, um so näher kommst du dem. Ihn kann man nur sehen in Blindheit, in Nicht-Erkennen, ohne Form und Laut und ohne Gemächte der Vernunft. Gott wird geboren in dem Nichts...' Meister Eckehart
 

SATURN

DER STACHEL DER VERHINDERUNG

Saturn ist der gestrenge und unerbittliche Gott der Reife und Zeit, der Hüter der Schwelle, Gott des Karmas, der Erbsünde und der Tugend, der die Menschen an ihr Schicksal, an das Abbüßen ihrer Sünden ohne Vergebung oder Gnade bindet, bis daß die Sünden getilgt und der Leidenszyklus abgeschlossen ist.

Als Gott der Kargheit und Askese weist er alle Übertreibungen in die Schranken, züchtigt die Übermäßigen und läutert die Edlen, er achtet auf die Einhaltung der Gesetze, die durch die Vergangenheit strukturell gewachsen sind, ungeachtet ihrer Berechtigung und jenseits seiner persönlichen Meinung, und als Gott der Verhärtung zeigt er die Stelle an, wo jegliches Fließen der Lebensströme und jegliches Sichöffnen gegenüber den intuitiven Eingebungen der karmischen Bilder versiegt - wo die Bereiche des Lebens zur Bürde und die Schritte im Alltag zur Qual werden und wo jegliches Entfalten und Höherstreben der Seele schon im Keime erstickt wird, solange du die Ebenen deiner Verhinderungen noch nicht erkannt und in dein persönliches Erleben eingebunden hast, kurz: wo du dich ans Inventar seiner Bilder gebunden hast, die dir Sicherheit und Ruhe garantieren. Das ist das weltliche Geschenk von Saturn. Der Preis aber ist die Angst um diese Sicherheit. Durch seine Position im Radix zeigt dir Saturn das Maß dessen an, was du bis zum Überschreiten dieser Schwelle zu zahlen hast!

SATURN IN ZWILLINGE

ERDE/LUFT: DIE LANDKARTE

Thema: Blockierte Subjektivität, kompensierende Objektivität, intellektuelle Zweifel, sprachliche Ausdrucksschwierigkeiten

Ziel: Anerkennung durch Informationen, Wissen und strukturelles Denken

Diese Konstellation zeigt eine von der Außenwelt abgekapselte und in innere Emigration gegangene, völlig auf sich selbst gestellte, sprachlose Gestalt. Die kalte Härte ihrer metallisch glänzenden, skelettartigen Erscheinung verdinglichen die erstarrten Strukturen und die synthetische Natur der (Re-)Konstruktion der Wirklichkeit durch das menschliche Denken, denn Saturn in Zwillinge ist ein Symbol deines vergeblichen Bemühens, die ständige Veränderung des Denkens und der Weltbilder zu verhindern.
 
 

Erst der Zusammenbruch, der immer auch eine Chance zum Neuanfang bereithält, wenn sich der angestaute Druck im Inneren entlädt, kann zu Befreiung und Wachstum führen, denn es ist nie das Böse, sondern die notwendige Entwicklung, wenn sich dir die Veränderung in der Maske des Zusammenbruches in den Weg stellt. Denn unsere ganze Bindung an Modelle ist im Grunde nichts als ein überlebensnotwendiger Trick, damit wir uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen (Anarchie).

Da wir unser Leben immer nur im Guten nachvollziehen möchten, entspricht das Streben nach Klarheit dem kindlichen Wunsch, in den Modellen stets die eigenen Wünsche zu erkennen - und das ist nicht Wahrheit, sondern infantiles Wunschdenken. Jedes strukturelle Modell ist lediglich eine Landkarte, um die tieferen Seelenlandschaften in uns mit Hilfe von Symbolen von außen her zu betrachten. Solange du dich diesen Modellen nicht auslieferst - also die Landkarte nicht zur Wirklichkeit machst -, ist dagegen auch nichts einzuwenden. Wenn du aber das Modell zur erkannten Wahrheit machst, lieferst du dich der Verlogenheit des Denkens aus; denn da du die Welt nur so siehst, wie du sie im Denken erlebst, brauchst du Modelle, die dich überzeugen. Dieses Wissen ist das weltliche Geschenk von Saturn. Deshalb darfst du von den Modellen auch keine Wahrheit erwarten, da sich in den Modellen immer nur das Denken selbst erkennt - dieses aber vermitteln dir wiederum die Modelle!

DIE KRISTALLISIERENDE SPIEGEL AUS KARMISCHER SICHT

Saturn gilt seit jeher als der Inbegriff des Bösen. Dies nicht etwa aus dem Grund, weil Saturn ein Übeltäter wäre, sondern ganz allein, weil wir aus unserer Welt des Dualen, in der wir uns stets für das Gute und gegen das Böse zu entscheiden haben, der Wahrheit nicht gern ins Gesicht schauen. Denn Saturn ist gerade nicht die transzendierende, höherschwingende Erlösung, sondern die sich zusammenziehende, pragmatische und eine die Bindungen unseres Planeten in den Mittelpunkt stellende Wahrheit, die alle höherstrebenden Ideale, Hoffnungen und Wünsche auf ihre Verwirklichungsmöglichkeiten reduziert - auf ihre Umsetzbarkeit verkleinert oder auf die Sichtbarkeit ihrer Ewigkeit kristallisiert. Das beinhaltet aber auch die Abwesenheit von idealistischen Hirngespinsten und geistig-verklärten Höhenflügen. Der Maßstab, mit dem alles ausgemessen wird, ist die Sichtbarkeit (im geistigen Bereich die Wirksamkeit), und diesen Wirkungen haben sich die Ursachen zu stellen.

Aus diesem Gesichtswinkel heraus läßt sich erkennen, daß es hier um die Konfrontation mit deinem Schatten geht, dem Verdrängten, mit dem, was du an dir nicht wahrhaben willst. Der Betroffene erkennt die wahre Natur seiner eigenen Wahrheit nicht, denn das würde ja voraussetzen, den erkenntnispsychologischen Mechanismus, der zur inneren Erschaffung der erkannten Wahrheit führt, zu durchschauen. Das aber gerade kann er nicht, denn der schattenhafte Teil des Saturns erkennt immer nur den Schatten seines eigenen Unerkannten. Und weil er die Unvollkommenheit seiner Erkenntnis nicht erkennen kann, schließt er sich in den Panzer seiner subjektiven Überzeugungen ein. Seine Wahrnehmung dringt nicht in die Tiefe des Seins, sondern verbleibt in den Untiefen seines eigenen Geistes, und indem er die Welt ansieht, sieht er doch immer nur sich selbst im Spiegel seines eigenen Erkennens. Er ist in seiner Selbsterkenntnis gefangen wie der Einsame in seinem Gefängnis tief unterhalb der klaren Transparenz des Bewußtseins. Sein dumpfes Verständnis der kosmischen Gesetze reicht nicht über den auf sich selbst fixierten Geist hinaus, der sich in allem, was er sieht, nur immer selbst betrachtet.

In allem, was du siehst, kannst du immer nur dich selbst sehen, und im Umgang mit der Außenwelt kannst du immer nur mit der nach außen projizierten Innenwelt umgehen. Indem du die Verantwortung für dieses In-sich-selbst-Kreisen deiner Erkenntnis aber übernimmst, konfrontierst du dich schrittweise mit den von dir selbst geschaffenen Wirkungen und siehst schließlich auch, was an deinem Handeln richtig ist und was nicht. Das Thema ist aber nicht nur die Vorstellung von Schuld oder die Konfrontation mit den inneren Ängsten: Diese sind ja die Grundlage für alle Handlungen, die wiederum die Ursachen und die Wirkungen bilden, durch die hindurch die Entwicklung des Menschen voranschreitet. Thema ist auch - und hier kommen wir zur Metamorphose, die eine abgearbeitete Ebene transzendiert - der immerwährende Beginn, die Zukunft, die in der Vergangenheit beginnt, oder apokalyptischer: die Gegenwart, die morgen für uns gestern sein wird. Saturn führt die in den Taten der Menschen verborgene Struktur vor Augen, die gleichermaßen Ursache und Wirkung ist. Doch ist die Position Saturns auch nicht als unbedingt hilfreich zu bezeichnen. Man könnte sie als einen Weg der Wahrheit umschreiben, als einen Drang vielleicht, hinter die Dualität zu kommen und den Mechanismus zu erkennen, der zu unseren Problemlösungen führt.

SATURN IM 9. HAUS

DIE UNBEANTWORTBARE FRAGE

Unter diesem Aspekt wird dir jede Antwort auf die Frage verwehrt, denn die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens ist gerade das Dilemma, in dem du dich bewegst: Du besitzt zwar die Kraft, die Wahrheit zu sehen, aber du besitzt nicht die Macht, dich vor dieser Wahrheit zu schützen, weil du nicht erkennst, daß deine Wahrheit ein Akt der Selbstbetrachtung ist, ein Akt, wie die anerzogenen Denk- und Vorstellungsmuster über sich selbst reflektieren, oder ein Akt, wie der menschliche Geist über den menschlichen Sinn nachdenkt.

Vom Licht entfernt, vom Selbst abgewandt und vom Leben getrennt, hast du dich in deine eigene Bilderwelt versponnen, die dir dein Unbewußtes reflektiert. Dennoch: Wenn du dich betrachtest und im eigenen Betrachten erkennst, vermagst du auch dein Bemühen zu erkennen, die inneren Sehnsüchte in die Welt zu projizieren und als erkannte Wahrheit wieder in dich selbst zurückzunehmen. Damit hast du dich im Spiegelbild der Fragen wenigstens erkannt.
 
 

Symptome: Hepatitis (fettige Degeneration), Depressionen und Lebensunlust durch Lebererkrankung, Sinnlosigkeitsgefühle aus Unverstandensein, Desillusionierung maßloser Übertreibungen (zu hohe Erwartungen, nicht zu verwirklichende Ziele)

DER SPIRITUELLE ANSATZ

Die Relativität saturnaler Zwänge kannst du erst dort richtig verstehen, wo du auch erkennst, daß Zwang nicht nur Einschränkung, sondern im Gegenteil auch Freiheit sein kann. Nämlich die Freiheit, dich innerhalb von fest strukturierten Grenzen frei zu entfalten. Die Konsequenz liegt jetzt darin, daß bei Wegfall dieser Zwänge ein anderer Zwang an deren Stelle tritt, nämlich der Zwang, die Verantwortung für die eigene Begrenzung selbst übernehmen zu müssen. Und diese Verantwortung kann nur der übernehmen, der den Mechanismus in der menschlichen Psyche zur Schaffung der Bilder, die der Mensch dann als die erkannte Wahrheit bezeichnet, erkennt. Und zwar als das, was diese Bilder sind: die Relativität der Welt, geschaffen aus der menschlichen, begrenzten Perspektive. Wenn du erst erkennst, daß echte Sicherheit nicht in den äußeren Verwandlungen der materiellen Welt zu finden ist, sondern nur in den Abläufen ihrer Gesetzmäßigkeiten, dann erst hast du die Funktion Saturns als des Hüters der Zeit erfaßt. Er befindet sich als Wächter genau an der Grenze zwischen materieller und geistiger Welt, und läßt dich erst passieren, wenn du in der Veränderung durch die Zeit gerade die Unveränderlichkeit des Ewigen erlebst.
 

URANUS

DIE SPRENGUNG DER NORM

Uranus ist die Personifizierung des Himmels, des Urmännlichen und der alle Formen sprengenden Entwicklungskraft. Als Sohn und Vater der Gäa (Erde), Ahnherr aller Götter, Ursprung und Zeuger der Natur- und Himmelsgewalten ist er ein Symbol des sich immer neue Wege bahnenden Schöpfungsstroms. So wie er selbst aus dem Nichts entstanden ist, umhüllt ihn eine Aura des Plötzlichen, Neuen und Unerwarteten. Er haßt Struktur und Norm, denn die kontinuierliche Entwicklung ist ihm zuwider; er springt aus der Form, denn er liebt das Sprunghafte, Unberechenbare, denn er ist das Symbol des Urknalles an der Wiege von Zeit und Raum, an der Schwelle zum Schöpfungsanfang. Er ist "der Blitz aus heiterem Himmel", der die natürliche Entwicklung stört, der die Veränderung einleitet und generell das Alte zugunsten des Neuen stürzt, der aber plötzliches und unverhofftes Glück genauso wie unvermutet über den Menschen hereinbrechendes Unglück bedeuten kann.

Mit anderen Worten ist Uranus also ein Gestalter sowohl der Zeit als auch des Raumes, nur daß seine Visionen von Raum und Zeit sich in viel größeren Dimensionen gestalten, als wir uns das durch die irdisch-saturnale Brille vorstellen können. Seine Berührung mit der menschlichen Psyche ist anschaulich verkörpert in der Symbolgestalt des Prometheus, dessen plötzlich aufbrechendes Bedürfnis nach Erweiterung seines Horizontes ihm den Wunsch eingab, das Feuer der Götter vom Himmel zu holen und es für die Menschen nutzbar zu machen. Uranus überfällt uns wie ein plötzlich hereinbrechendes Gewitter, das das Inventar, also das, was wir vorher für unsere Wirklichkeit gehalten haben, hinwegfegt, und zwar so gründlich, daß die Welt nachher nie mehr so aufgebaut werden kann, wie sie vorher war.

Diese losgelassenen und unkontrollierten Kräfte sind vonnöten, um der nach Wachstum strebenden Psyche gegen die Denkbarrieren und Abwehrmechanismen der inventarisierten Welt im Durchstoßen der Grenzen den nötigen Schwung zu geben. Damit avanciert Uranus zum großen Befreier aus den Fesseln der Materie, zum Erwecker aus dem Schlaf der eigenen Bilder oder zum Wegweiser aus den Polaritäten des Denkens, denn er zwingt uns zu einer durchgreifenden Veränderung unserer Sichtweisen und zu der damit verbundenen Neubeurteilung der Welt, die der vergrößerten Perspektive Rechnung trägt. Psychologisch könnte man dies veranschaulichen, indem man sagt, daß das zur Integration bereite Unbewußte in Form von noch unstrukturierten Gefühlen und Erkenntnissen als Vision oder Idee ins Bewußtsein schimmert und den Zwang auslöst, diese auf eine umfassendere Weise jetzt verstehen zu wollen und ihrem Drängen nachzugehen, ganz egal, wohin der Weg jetzt führt.

URANUS IN DEN ZEICHEN
 
 

Die äußeren Planeten bewegen sich sehr langsam. So braucht Uranus durchschnittlich 7 Jahre zur Durchquerung eines Tierkreiszeichens. Insofern sagt seine Position im Zeichen auch weniger etwas Spezifisches zu deiner persönlichen Geschichte aus, sondern erzählt mehr über die Prägung und den Hintergrund des Kollektivs, in das du innerhalb eines betreffenden Zeitraumes hineingeboren wurdest (siehe dazu die vermerkten Jahreszahlen). Die individuelle Bedeutung des Uranus-Einflußes kannst du aus der Häuserstellung ablesen und aus der Vernetzung mit Aspekten zu persönlichen Planeten.
 

URANUS IN ZWILLINGE

1942-1949: DIE FREIDENKER

Gedankenfreiheit, intellektueller Unabhängigkeitsdrang, neue Horizonte, Sprengung verkrusteter Denkmodelle, Ideenschmiede, freie Selbstverwirklichung, Interessenvielfalt

DIE REVOLUTIONIERUNG DER NORM AUS KARMISCHER SICHT

Mit einer starken Uranus-Betonung im Horoskop träumst du von einer idealen Welt und kämpfst für sie, ohne zu bemerken, daß das Ideale nur das Produkt deiner eigenen Vorstellung ist, denn Uranus verkörpert auch einen inneren Zwang zur seelenlosen Technologie, die jegliches Maß verlieren kann. Dann wird aus dem Wunsch, dich selbst außerhalb der Gesetze neu zu entdecken, der persönliche Größenwahn, dich mit diesem erkannten Größeren zu personifizieren und dich als "erleuchtet" zu erleben. In deiner subjektiven Schöpferrolle stellst du alles in Frage und nährst so den Keimungsprozeß des Irrationalen im Rationalen, des Geistigen im Zeitlich-Räumlichen, der Vorstellungsüberwindung im Vorstellbaren. Diese Visionen können völlig von dir Besitz ergreifen und die ganze Macht deines Unbewußten heraufbeschwören, auf deren Altar du am Ende aber selber geschlachtet wirst. Denn näherst du dich dem Strom deines inneren Feuers aus einer persönlich eingeengten Perspektive, dann wird dir die Wucht des Erkennens die Perspektive zertrümmern.

Das wahre Geschenk der von Uranus dimensionierten Möglichkeiten aber ist, dich als ein kleines Wassertröpfchen im riesigen Meer des Ewigen zu erfassen und gleichzeitig die innere Struktur des Ewigen zu erhaschen, welche umgekehrt ein Teil in dir ist. Um dieses uranische Bewußtsein aber zu erreichen, mußt du deine geschlechtsspezifische Rolle überwinden, um eine androgyne Wesensart zu leben, die den Kanälen polarisierender Spannungen entzogen ist. Denn das uranische Spektrum filtert aus dem kosmischen Reigen eine Perspektive, in der alles mit allem verbunden ist. Je mehr du dich vom Alltag vereinnahmen läßt, desto mehr entfernst du dich von deiner uranischen Möglichkeit, die Dinge ohne seelische Verbundenheit und persönlichen Kommentar einfach geschehen zu lassen, um aus dieser meditativen Gelassenheit blitzartig den inneren Plan jeglichen Geschehens in einem größeren Zusammenhang zu erfassen.

Deswegen tragen Visionen auch den Mantel plötzlichen Erkennens. Zur Veranschaulichung läßt es sich auch so ausdrücken, daß du nicht mit dem Fernrohr in der Welt herumreisen mußt, um die Wirklichkeit zu sehen, wenn du nur die richtige Brennschärfe einzustellen hast. Denn du bist nicht außerhalb der Wahrheit, du bist innerhalb von ihr, auch wenn du deine Denkfrequenz nicht auf sie auszurichten vermagst. Nicht das Unsagbare ist das Irreale, sondern deine begrenzte Weltvorstellung, deren selbstbemessenen Rahmen du als kulturelles Erbe zu bewahren hast und nicht in die Luft zu jagen wagst.

URANUS IM 8. HAUS

DAS LICHT DER HÖLLE

Mit Uranus in Haus 8 kannst du den Ursprüngen der Hölle ins Auge blicken und die Voraussetzungen des Schreckens in dir selbst entdecken, das tödliche Vakuum, das die Seele in die erschöpften Hüllen der menschlichen Entwicklung hinabzieht, wo nicht mehr die Kraft des Individuums herrscht, sondern die Depression des Scheiterns. Als Vision jener ultimativen Zukunft, die sich Zerstörung nennt, läßt diese Verbindung, um dich eindringlich vor den Konsequenzen deines Handelns zu warnen, keine Scheußlichkeit aus. Du wirst Zeuge großer Veränderungen und Umwälzungen, weil die Tarnungen und Verdrängungsmechanismen, mit denen sich der Mensch bisher vor den Auswirkungen seiner Handlungen schützte, hinter ihren dunklen Masken langsam sichtbar werden. Dadurch kannst du dir plötzlich bewußtwerden, wie die kollektive Vorstellung hinter den entschleierten Bildern zusammenbricht, weil sie nur noch eine taube Hülle ist, um die schreckliche Wahrheit zu verbergen. Doch nicht nur die Hölle ist in dir, im Dämmer der Apokalypse, sondern auch das Licht der Erkenntnis, weil du dich nirgends so gezielt wie hier mit deiner dunklen Seite beschäftigst, um dich aus der Gewalt der Schatten zu befreien.
 
 

Symptome: Bedrohungsängste, Dauererregungszustände, apokalyptische Gesichter, Zerstörungsvisionen, umwälzende Veränderungen, spastische Krampferscheinungen

DER SPIRITUELLE ANSATZ

Die uranische Dimension kann allerdings nicht abgehandelt sein, solange wir nicht auch die Identifikation mit dem Besonderen und Ewigen, wie sie durch uns Menschen in den Alltag übertragen und in unsere Motivationen hineingetragen werden, in ihren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft angesprochen haben. Denn gerade seit der jüngsten Vergangenheit befindet sich unsere Welt einer Situation der Umwälzung, in der ökologische Perspektiven (Umweltschützer, Rüstungs- und Atomkraftgegner) langsam beginnen, den materiellen Interessen entgegenzutreten.

Überspitzt ausgedrückt macht es für Uranus allerdings keinen Unterschied, ob ich mich um meinen persönlichen Wohlstand kümmere oder mich gegen die Armut in der Welt einsetze, ob ich einem technischen Fortschrittsglauben huldige oder mich gegen die Umweltzerstörungen stark mache. Immer handelt es sich um eine Fixierung auf ein inneres Bild, das einen Beziehungsrahmen benötigt, aus dem heraus es sich als einzig richtig taxiert und alles ihm sich Widersetzende als falsch ansieht.

Diese Philosophie wird bei vielen Lesern aus moralischen Erwägungen heraus Widerspruch erzeugen: "Wie kann das Streben um den eigenen Vorteil mit der Bekämpfung sozialer Ungleichheiten gleichzusetzen sein?" Das aber ist es gerade, was uns die Uranus- Komponente mit unendlicher Gelassenheit beizubringen versucht. Es gibt außerhalb der Perspektive unserer moralischen Wertungen gar keine Unterschiede, und die moralischen Werte sind wiederum gebunden an den herrschenden Zeitgeist, der sie beurteilt, und dieser setzt sich in seiner Identifikation mit dem erkannten Neuen von dem überwundenen Alten immer ab, egal, welche moralischen Werte hinter dessen hochgehobenen Parolen stehen.

Wenn ich durch meine innere Anlage also gebunden bin, etwas zu tun, was die herrschende Meinung als gut bezeichnet, so tue ich es nicht, weil es gut ist, sondern weil die Verkörperung von etwas Gutem der Lösung meiner inneren Spannungen gut tut (beispielsweise Mutter Teresa, Albert Schweitzer, Rudolf Steiner). Glück hat also der, dessen Verwirklichung seiner inneren Anlagen ihn zu Lösungsmöglichkeiten zwingt, die mit den Verwirklichungen der kollektiven Psyche, die sich im Zeitgeist niederschlagen, übereinstimmt.

Wir müssen bei allen uranischen Höhenflügen darauf achten, daß wir die Vision für eine bessere Welt nicht als Rechtfertigung für die eigene Verdrängung nehmen, die Kämpfe und den Einsatz für mehr Gerechtigkeit nicht als bloße Projektion hochheben, um den inneren Schweinehund zu bekämpfen und unser eigenes Problem dem politischen oder sozialen Gegner aufzubürden, der damit wirklich nichts am Hut hat.
 

NEPTUN

DIE AUFLÖSUNG DER FORM - DIE VISUALISIERUNG DER SPHÄREN

Neptun repräsentiert die unergründlichen Tiefen der Seele und als Gott der Meere und der visionären Geheimnisse ist es sein Ziel, die gefestigte Ordnung aufzuweichen und die Materie in ihre Urbestandteile aufzulösen. Doch hinter Neptuns Fähigkeit, Wunder und Illusionen zu erwirken, steht neben der Absicht, die Polaritäten aufzulösen und das materieorientierte Denken und Handeln ad absurdum zu führen, auch das hellsichtige Verlangen, den Menschen durch den vordergründigen Alltag zum transzendenteren Hintergrund zu führen, um die Sehnsüchte in den tieferen Schichten seines Unterbewußten selbst zu entdecken, die wiederum die Grundlage seines Strebens sind.

Wenn Uranus die Relativität ist, die sich an den Beschreibungsversuch des Unsagbaren heranwagt, dann ist Neptun der unbeschreibliche Inhalt des so Beschriebenen. Denn die Absicht, sich als unbeschreiblich darzustellen, entspringt dem menschlichen Bestreben nach dem Inventarisieren selbst des Unsagbaren. Neptun stellt die große Sehnsucht dar, in der sich unsere kleine Sehnsucht spiegelt, und deren Schatten Pluto ist. Neptun versinnbildlicht die Drehscheibe im göttlichen Schöpfungsplan, weil er einerseits das Nichts an der Nahtstelle zum Werden verkörpert, andererseits aber gerade durch sein Werden zu etwas wird, was sich nach dem so verlorenen Paradies zurücksehnt.

Er ist der Gedanke Gottes, der dem Nichts entspringt, in das er auch wieder zurückkehren muß, und damit begegnen wir gleich am Anfang der berühmten Frage nach dem letzten Sinn: 'Warum muß etwas werden, nur um sich selbsterkennend wieder aufzulösen und daraus wieder neu zu entstehen?' Die Antwort wäre: 'Neptun ist nicht nur der Anfang, der werden muß, sondern auch das Ende, das vergehen muß, um neu zu werden, damit es wieder werden kann, um aufs neue zu vergehen,' denn er entspricht dem schöpferischen Willen, der keine Absicht hat und ohne Pluto weder kommt noch geht, weil er in sich absichtslos ist und ohne die Strukturen des göttlichen Planes einfach die Potenz des sich selbst aus sich heraus gebärenden Urnichts darstellt.

NEPTUN IN DEN ZEICHEN
 
 

Die äußeren Planeten bewegen sich sehr langsam. So braucht Neptun durchschnittlich 14 Jahre zur Durchquerung eines Tierkreiszeichens. Insofern sagt seine Position im Zeichen auch weniger etwas Spezifisches zu deiner persönlichen Geschichte aus, sondern erzählt mehr über die Prägung und den Hintergrund des Kollektivs, in das du innerhalb eines betreffenden Zeitraumes hineingeboren wurdest (siehe dazu die vermerkten Jahreszahlen). Die individuelle Bedeutung des Neptun-Einflußes kannst du aus der Häuserstellung ablesen und aus der Vernetzung mit Aspekten zu persönlichen Planeten.

NEPTUN IN JUNGFRAU

1928/29-1942/43: DIE GEISTIGEN RECYCLER

Großes Intuitions-, Einfühlungs- und Assoziationsvermögen, sensibles Aufspüren verborgener Wirklichkeiten und feine Antennen für die Schwingungen kosmischer Zusammenhänge, Realitätsverschleierung durch Verfeinerung und Überdifferenzierung der Einzelteile, große Einbildungskraft und abstrahierende Vorstellungsauflösung

DIE ZERSETZUNG DER FORM AUS KARMISCHER SICHT

Neptun steht also nicht für ein festes Ziel, auf das du dich hinbewegen kannst. Vielmehr erschafft er dir einen geistigen Raum durch bestimmte Assoziationsfelder, in denen dein Bewußtsein um sich selbst schlingernd unbemerkt versinken kann. Er ist dein letzter Blick auf den inneren Sternenhimmel, im letzten Moment vor dem Einschlafen, wenn du den "Hüter der Schwelle" passiert und dein Wachbewußtsein losgelassen hast, und er versucht, dich auf intuitive und mystische Weise verstehend in den Kosmos einzuführen.

Ständig damit beschäftigt, dein Inneres ahnend und träumend zu ergründen, handelt er eigentlich von der Sehnsucht der Seele nach einem Einblick in ihr eigenes Wesen, einem Einblick, der vom rational-logischen Gesichtspunkt aus als unmöglich erscheinen muß: 'Ich bin der Geist, der die Polaritäten überwunden hat, indem er Gott ins Auge blickte und darin die Wahrheit fand. Du bist der dem Schoß des Geistes entflohene Sproß, der wieder vom Geist aufgenommen werden will, damit er das aus sich selbst Entfernte erneut in sich zurücknehmen kann als das, was es ist, nämlich ein Teil von sich selbst.'

Er verkörpert die Auflösung des rationalen Denkens, um sich im Grenzenlosen zu ertränken, denn seine Sehnsucht nach dem Unendlichen ist gerade das verdrängte Gegengewicht zu den materiellen Zielsetzungen unserer gesellschaftlichen Prägungen: 'Das Durchbrechen dieser Wahrnehmungsbarriere ist das höchste Ziel unseres göttlichen Erkennens, das sich innerhalb und außerhalb des eigenen Sehens sieht. Von dem Augenblick an, da der Mensch diese Schwelle überschritten hat, kann er sich in seinem eigenen Betrachten betrachten und erkennen, welche innere Wahrheit hinter seinen äußeren Bildern liegt. Er überschreitet die Schwelle und geht unangefochten an den Masken und Projektionen vorbei, die ihm auf der feinstofflichen Ebene entgegentreten.

Sein Ziel ist der wahre Wesenskern in allen Erscheinungsformen, und sein Streben liegt darin, im Zustand des Wachbewußtseins in seine Träume hineinzugelangen und die Wahrheit zu ergründen - denn es gibt nichts, was außerhalb seiner Träume liegt. Der Traum ist das gespiegelte Bild der Wahrheit in der Seele des Menschen; der Mensch ist der Rahmen, und das Bild ist die Seele selbst. Wenn du das Bild im Rahmen bewegst, kannst du bis an die Enden dieser Welten reisen - oder darüber hinaus, wie es auch die alten Mystiker taten. Sie verschwanden aus dieser Welt, nachdem sie ihre Wahrnehmung über den Rahmen hinausschoben.'

In einem solchen Moment vermagst du im schemenhaften Glanz der Sterne tatsächlich Gott und die Engel zu erkennen. Wir können - etwas simplifizierend - auch sagen, daß Neptun dich einlädt, die Sehnsucht nach der Gegenwart Gottes zum Himmel hinaufzusenden. Wir werden dadurch auch daran erinnert, daß das, was wir für Gott halten, nicht Gott, sondern nur ein Bild unserer eigenen Vorstellung ist: Darin nehmen wir unsere eigene Wahrnehmung wahr, glauben sie aber als "Gott" zu erkennen. Wenn wir aber, der Wirklichkeit entsprechend, erkennen, daß sich unsere Wahrnehmung aus unserer Sehnsucht nährt, erkennen wir in der als Gott "erkannten" Wahrnehmung in Wahrheit die göttliche Formel des Menschen, die Gott in allem, was sie sieht, nach ihrem eigenen Bild wahrnimmt. Aus der Sicht des Mystikers gesprochen: Das Universum ist hier der unzerstörte Teil der Erinnerung an das kosmische Bewußtsein oder jener Splitter göttlicher Sehnsucht, der im Menschen inkarniert ist. Damit ist Neptun auch die Verkörperung dessen, der du bist, wenn du glaubst, Gott oder der Schöpfer deiner Vorstellung zu sein!

NEPTUN IM 12. HAUS

DAS HIMMLISCHE JERUSALEM

Jetzt geht das Tor zum Höchsten auf, wo Uroboros, die sich in den Schwanz beißende und sich selbst zeugende Schlange, dir das Bild deiner Seele zeigt, die, vertrieben von den faden Alltagsgestaden, in den körperwarmen Gewässern des Unbewußten sanft dahintreibt. Damit steht das milde Glühen deines Herzens für den Drang nach Auflösung des Egos zugunsten dessen, was man die göttliche Vision nennen könnte: Ahnungsvermögen, Meditationsfähigkeit, Ewigkeitssehnsucht und Transzendenz (Haus 12).

Ein neues Besinnen dringt in dein Empfinden und treibt dich über die Grenzen hinaus, weit hinaus in die Sonne. Schon leuchtet in elysischen Sphären das himmlische Jerusalem auf, die Vision einer neuen Zeit, durch die der göttliche Energiestrom des Universums hindurchfließt. Damit lernst du statt des "Ewigen im Göttlichen" das "Göttliche in dir selbst" erkennen, das erneuerte Selbst, das sich aus dem Kokon untauglicher Lebensmuster herausgeschält hat und nun ins Gelobte Land aufbricht. Doch Neptun verkörpert auch das aus den Tiefen der Mütter geborene und mit den Zielen der Väter verknüpfte Gottesbild, das nicht nur die Antworten auf die Rätsel des Lebens, sondern auch ein noch nicht gereiftes, an regressiven Mustern orientiertes, sehnsuchtsvoll-romantisches Streben zum Göttlichen darstellt.

So verbinden sich Realität und Wahn in Neptuns Gewässern zur Vorstellung, in einen mythischen Schicksalsgrund eingewoben zu sein, der als unendlich erscheint. In Wirklichkeit werden deine Visionen in ein sich auflösendes Weltbild eingefügt, in dessen Zersetzungen die Formatierungen deines Bewußtseins zugunsten einer höheren Erkenntnis liquidiert werden können.
 
 

Symptome: Handlungslähmungen, Realitätsauflösungen, Bewußtseinstrübungen, religiöse Wahnzustände, irrationale Lebensängste (Unterfunktion des Nebennierenmarks)

DER SPIRITUELLE ANSATZ

Neptun verkörpert sowohl das Nichts an der Schwelle zum Werden wie auch die grenzenlose Leere des Alls, die am Ende jeder Entwicklung das Sein wieder in sich aufnimmt. Er zeigt ein Sehnen nach Verschmelzung mit der Seele an und die Auflösung aller Einschränkungen. Sein wahres Streben, durchwebt von den Mustern des Ewigen, mit denen er sich in frommer Übereinstimmung wähnt, führt dich zu den Pforten mystischer Wahrnehmung, zu den Gipfeln göttlicher Erkenntnis, wo die Visionen die Wirklichkeit auf ihrer Seite haben und die Realität zur reinen Fiktion zerschmilzt. In seiner positiven Erscheinungsmöglichkeit kann er die Absicht zeigen, nach Dingen zu streben, die jenseits der Grenzen des Erfaßbaren liegen. Dabei reichen seine Wirkungen von den finstersten seelischen Abgründen zu höchster geistiger Klarheit. Seine Entsprechungen sind die ätherischen Schleier der Seelenbilder, die die inneren Bilder lebendig werden lassen, die Zaubergärten der Delirien und Drogenräusche, die den Gespenstern als Zwischenwelt dienen, oder die Ahnungen und Botschaften aus dem Reich der Tiefe, die zu den Quellen der Träume und den Schwellen des Unbewußten hinabführen. Sie sind das versunkene Atlantis für das aus den Tiefen leuchtende Licht, der über dem Wasser schwebende Geist Gottes als himmlische Wahrheit oder der Sternenhimmel für die Einstrahlung des Kosmos in den erahnenden menschlichen Geist.
 

PLUTO

DIE TRANSFORMATION - DER ABSTIEG IN DIE UNTERWELT
UND DIE BEFREIUNG DES INNEREN SELBST

Pluto, Gott des Totenreiches und der Unterwelt, ist oberster Gebieter über die Seelen der Abgeschiedenen und Richter über die Menschen nach dem Tode. Im griechischen Mythos ist er der Herrscher der Unterwelt, der auf einem schwarzen Thron sitzt, und sein Reich umfaßt das ganze geheimnisvolle Innere der Erde. Da alles Leben zu ihm zurückkehrt, alle Menschen nach ihrem Tode ins Schattenreich hinab müssen, repräsentiert er die Schwelle zwischen Leben und Tod. So wie in zahlreichen Überlieferungen der Abstieg des Helden in die Unterwelt die Voraussetzung dafür war, um nach vielen Auseinandersetzungen mit Ungeheuern und Dämonen vollständiger in die Welt zurückzukehren, so ist auch der Tod Voraussetzung für die Wiedergeburt und die geistige Entwicklung im Leben.

Pluto symbolisiert den Lebenskreislauf, wo das Ende bereits im Anfang jedes Werdens keimt. Ohne den Tod hätte das Ende kein Ende und der Anfang keinen Anfang, denn der wahre und einzige Anfang ist der Tod, der hinter uns eine Vergangenheit und vor uns eine Zukunft bildet. Aus lauter Angst vor dieser Macht, die wir nie beherrschen können, weil sie, einmal entfesselt, alles überrollt, verdrängen wir den Tod und verbinden uns lieber mit der damit verbundenen Angst vor der Zerstörung, die den dunklen Teil des Lebens ausmacht. Im Grunde werden wir betrogen - nicht vom Leben, sondern von unserer eigenen Sichtweise, mit der wir den Tod betrachten: Denn nichts ist lebendiger als der Tod, und er ist die Grundlage des Lebens!

PLUTO IN DEN ZEICHEN

Die äußeren Planeten bewegen sich sehr langsam. So braucht Pluto durchschnittlich 21 Jahre zur Durchquerung eines Tierkreiszeichens. Insofern sagt seine Position im Zeichen auch weniger etwas Spezifisches zu deiner persönlichen Geschichte aus, sondern erzählt mehr über die Prägung und den Hintergrund des Kollektivs, in das du innerhalb eines betreffenden Zeitraumes hineingeboren wurdest (siehe dazu die vermerkten Jahreszahlen). Die individuelle Bedeutung des Pluto-Einflußes kannst du aus der Häuserstellung ablesen und aus der Vernetzung mit Aspekten zu persönlichen Planeten.

PLUTO IN LÖWE

1939-1957: DIE FAUSTISCHEN ÜBERWINDER

Bewußtseinsausdehnung durch magische Einweihungen oder psychogene Höhenflüge und Aufbruch in unüberschaubare Bewußtseinsdimensionen, kämpferische Dynamik, starke suggestive Ausstrahlung, Führungs-anspruch, Weltverbesserung, spiritueller Größenwahn

DAS SICH EWIG ERNEUERNDE AUS KARMISCHER SICHT

Mit Pluto greifen wir nicht irgendeine Dimension des Lebens auf, sondern fassen sozusagen mitten in den Schöpfungskern hinein, denn Pluto steht für die Unerbittlichkeit des Ewigen, das den Rhythmus des Sterbens und Geborenwerdens verkörpert und das schraubenförmige Eindringen des Lebens in Raum und Zeit als Folgerichtigkeit des Schöpfungsplans anzeigt. Er steht für die Transformation schlechthin und ist damit ein Symbol der ewigen Erneuerung und der Auferstehung.

Wir sollten ihn mit dem unzerstörbaren Phönix vergleichen, der sich selbst verbrennt, um aus der Asche neugeboren wieder emporzusteigen. Seine Wirkung ist so komplex, daß er, aus tiefsten Urgründen gespeist, die Abgründigkeit des Unfaßbaren wie einen Feuermantel um sich trägt. Auch unser faustischer Geist zielt nach der flammenden Erleuchtung, in der Hoffnung, in die Bedeutung seines eigenen Wirkens und den Sinn seiner eigenen Existenz eingeführt zu werden. In seinem ewigen Erkenntnisstreben trachtet er danach, den wahren Sinn der Schöpfung zu erfassen. Aber er erreicht sein Ziel nicht mit der Emphase des Faust, sondern nur mit der klaren, kühlen Geisteskraft des Mephistopheles, der ohne Schrecken die Doppelnatur der höchsten Erkenntnis erkennt.

Mephisto verfügt, anders als Faust, über die Fähigkeit, bis zu den Quellen der Erkenntnis vorzudringen. Ihm öffnen sich Ebenen der Erfahrung, die dem gewöhnlichen Verstand unergründlich bleiben müssen. Da Pluto aber nicht nur Vernichtung, sondern auch Befreiung und Erkenntnis bedeutet, verkörpert der Herr der Tiefe nicht nur das menschliche, in seine selbstsüchtigen Ziele wie in einen Kokon versponnene Ego, sondern auch den mephistophelischen, sich selbst in Frage stellenden und dadurch alles erkennenden Geist. Der sich selbst erkennende Schatten ist gleichzeitig das sich selbst vernichtende und zerstörende Licht! So ist es unausbleiblich, daß jede echte Gotteserfahrung mit einer tiefgreifenden plutonischen Erschütterung verbunden ist.

PLUTO IM 10. HAUS

DIE ELIXIERE DES TEUFELS

Im Schatten dieses zwielichtigen Gestirns mag sich ein Alchemist oder eine Zauberfrau verbergen, die aus der Hölle kommen und die Elixiere des Teufels in die Welt mitbringen, um sie in den Tiegel einzugeben, der ihre düsteren Seelen auf dem Feuer transformiert. Die Elixiere sind der Stoff, der dir hilft, die Gegensätze in der Seele als verschieden voneinander zu erkennen und zu erahnen, daß das Licht, in dem du dich gern badest (also deine Ich-Ideale), immer auch einen Schatten wirft. Weil dieser Schatten wiederum dem entspricht, was wir gern verdrängen, helfen dir diese Elixiere zu erkennen, wie untrennbar Gut und Böse sind.

Doch erst die Seele, die soweit geläutert ist, daß sie nicht mehr nur dem Streben nach mehr Einfluß und Kontrolle frönt und ihre besitzergreifende Macht gegen andere rücksichtslos ausspielt, sondern die auch gelernt hat, loszulassen und den Dingen ihren Lauf zu lassen, zeigt die Bereitschaft, der inneren Stimme zu folgen, welche in die äußeren Grenzbereiche führt, wo Einsicht in die Gesamtzusammenhänge genommen und jedes Geschehen als folgerichtig empfunden werden kann: "So bin ich die Hölle jenseits der Hölle, die du kennst, und gleichzeitig der Himmel selber. In mir ist die Vitalität des Wissens, die Muster, anhand derer du gelernt hast, die Welt zu erschaffen, sowie die Muster der Veränderung, die das verändern, was du aus diesen Mustern geschaffen hast.

Vielleicht erscheine ich dir unpersönlich; doch da es meine Energien sind, mit denen du die Muster deiner Vorstellung tränkst, bin ich da nicht der Gott des Lebens, der dir die Elixiere des Teufels enthüllt!" (Pluto in Haus 10) - Somit kannst du das Prinzip dieser Konstellation als tiefste und letzte Wahrheit verstehen, als den Urgrund und den Sinn allen Wesens und Seins, denn sie verkörpert jene Energie, die die Materie transformiert und den Geist zu immer höheren Bewußtseinsebenen aufsteigen läßt, die Seele aber in die Wirkungen ihrer eigenen karmischen Ursachen einbindet. Sie hebt sie gebieterisch über sich selbst hinaus, indem sie sie gleichzeitig auf sich selbst zurückschmettert.
 
 

Symptome: Zwangsneurosen, blockierte Transformationsprozesse, unwillkürliche Angstausbrüche (Todesangst)

DER SPIRITUELLE ANSATZ

Als Herrscher der Unterwelt ist Pluto aber auch ein Symbol für den Teufel, der das korrigieren muß, was du im Leben versäumt - der also die Fehler ausbügeln hilft, die du im Bewußtsein machst. Du fühlst dich dann durch den Teufel persönlich bedroht, ohne die Einsicht, daß dieser genau der Abweichung deines Fehlverhaltens entspricht und durch sein schicksalhaftes Walten gerade dein Manko wieder ausgleicht. Willst du die Begegnung mit ihm vermeiden, mußt du deine Sichtweise erweitern, weil das übliche Verhalten immer vom Teufel begleitet wird, der doch nichts anderes ist als die Schattenseite deines materiellen und egoistischen Verhaltens. Du mußt begreifen lernen, daß die plutonischen Kräfte nicht böse sind, sondern nur die Auswirkungen deiner eigenen Taten darstellen, für deren Zusammenhänge du kein Auge hast. Statt deinen Pakt mit dem Teufel einzulösen und den fälligen Tribut zu zahlen, spaltest du das Böse von dir ab und lagerst es aus, damit du es unbemerkt dort draußen bekämpfen kannst, und merkst nicht, daß du das Böse gar nicht auslagerst, sondern nur sein Bild, das du in Form von Sündenböcken in der Außenwelt bekämpfst, denn du bist jetzt selbst zum Bösen geworden und verwendest im Kampf gegen das Böse genau die Mittel, wofür du das Böse bekämpfst.

Erst wenn du merkst, daß die Ursachen aller Probleme in dir selbst liegen, dann bist du dem Schatten nicht mehr hilflos ausgeliefert, denn dann weißt du, daß er die andere Seite der Dualität verkörpert, die unsere Welt unerbittlich polarisiert. Erst dann kannst du ermessen, wie unlösbar du an deinen verdrängten Schatten gebunden bist, der dich immer wieder in unlösbare Situationen führt, wenn du erkennst, daß gerade in der Zerstörung auch Erlösung oder ein Anstoß zur Heilung liegen kann, um die eigene Mitte zu finden und um die Ganzheit des göttlichen Selbst zu erfahren. Darin erahnen wir die ewige Weisheit des Leidens: Chaos und Zerstörung machen nicht nur ehrlich, weil sie immer Auswirkungen unserer eigenen Handlungen sind, sondern sie machen auch vollständig, weil sie eben auch jenen Teil unserer selbst in die Welt bringen, demgegenüber wir in unserem Innersten blind sind.
 

ASZENDENT - DAS AUFSTEIGENDE ZEICHEN

Der Aszendent repräsentiert das Zeichen, das bei deiner Geburt am östlichen Horizont aufstieg. Es steht für die äußere Maske, die du in die Welt abstrahlt, das Erscheinungsbild, mit dem du dich identifiziert, die Art, wie du auf Menschen zugehst oder den Magnetismus deiner Ausstrahlung, den die Umwelt als ersten Eindruck von dir aufnimmt.

AC IN WAAGE

DIE HARMONISCHE VERBINDUNG

Weg: Verbindend, liebenswürdig, berechnend, freundlich

Ziel: Ausstrahlung, Kontaktfähigkeit, guter Umgang, Ergänzung

Zum Leben brauchst du die Berührung mit anderen Menschen, um dich in ihnen spiegeln zu können und deinen Standpunkt mit ihrer Meinung in Übereinstimmung zu bringen. Doch für deine Umwelt ist es nicht immer ungefährlich: Wer erst einmal in den Bann der dunkel-verzaubernden Waage geraten ist und sich im verschleiernden, Entscheidungen umkreisenden, Anfang und Ende miteinbeziehenden und den Weg in die Tiefe weisenden Oktober-Nebel verfangen hat, dem dämmert überm Abyssos die Liebesröte und Aphrodite gibt höchstpersönlich ihren Segen. Denn dein Waage-Aszendent verkörpert neben guten Umgangsformen, diplomatischem Geschick auch einen verführerischen Blick für neue Wege und interessante Lösungsmöglichkeiten.

MEDIUM COELI - DIE MITTE DES HIMMELS

Das Medium Coeli ist die Achse an der Spitze des zehnten Hauses, der höchste Punkt (Mittag) im Horoskop und damit - symbolisch betrachtet - der Höchststand der Bewußtheit eines jeden Menschen. Es zeigt die Berufung, das Entwicklungsziel und das Schicksal an und damit alle Themen, Eigenschaften und Neigungen, die es gilt, im Laufe des Lebens aus der Latenz zu heben und im Sonnenlicht der Bewußtheit durch ihre Verwirklichung in der Welt zu krönen.

MC IN KREBS

DIE GEFÜHLSTIEFE

Empfindsamkeit, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl, Fürsorge, weiches, weibliches und mütterliches Verhalten (Mutterrolle), starke Identifizierung mit Familie, Herkunft und Heimat, großes Verlangen nach Wärme und Geborgenheit, Verantwortungsgefühl gegenüber Abhängigen, gluckenhaftes Bevormunden
 

DAS KARMA IM HOROSKOP

 **** Sonne in Halbquadrat zu Venus

VORGEBURT

Um zu merken, unter welchen inneren Gesichtspunkten (Karma) wir uns eine doch so positive Verbindung wie die von Sonne und Venus vorzustellen haben, müssen wir uns klarwerden, daß die vordringlichste Aufgabe der Venus-Komponente ist, die Gegensätze auszugleichen. Da durch den Sonneneinfluß dieses Verhalten sozusagen in den Brennpunkt des Geschehens rückt, Venus aber weder die nötige Kraft noch Tiefe aufweist, die Polaritäten auszugleichen, sondern höchstens ein hübsches Arrangement von Harmonie darstellt, zeigt sich unter dieser Konstellation das frustrierende Unbehagen, das innere Problem nicht in den Griff zu kriegen. Gleichzeitig lenkt Sonne/Venus vom Unbehagen ab, weil das Unbehagen ja selber eine ungelöste Polarität darstellt, die der Sonne/Venus-Mensch weder wahrhaben will noch kann. So wird er das Problem in einem Lösungsmodell verstecken und in seiner eigenen Inszenierung auftreten, in der er alles Problematische bewältigt hat. Um sich die eigenen Verdrängungen zu erhalten, vollführt er wahre Zauberkunststücke, um die Wirklichkeit darin verschwinden zu lassen.

MANN

Trotz sympathischster Ansprechbarkeit und überpräsenter Kontaktbereitschaft zeigst du dich von einer inneren Zerrissenheit, welche geradezu diametral zu deinem äußeren Harmonieempfinden steht. Du hast dich sozusagen hinter dem Betragen verschanzt, der Umwelt mit stoischer, gleichbleibender und unverbindlicher Freundlichkeit entgegenzutreten. In dir finden wir den geborenen Unterhalter/Diplomaten, dem es gelingt, alle Kanten in Verhandlungen und Gesprächen abzuschleifen und dem anderen das Gefühl zu geben, sich als Mittelpunkt zu wähnen, um den sich das Geschehen dreht. Du verfügst über das innere Gespür, über alle Verschiedenheiten hinaus Brücken zu bauen und das gemeinsam Verbindliche herauszustreichen. Dadurch fällt es dir leicht, gesellschaftliche Beachtung zu finden und in der Außenwelt zu glänzen. Doch in Wirklichkeit leidest du sehr an deiner inneren Diskrepanz, und im idealistischen wie naiven Wunsch nach harmonischer Verschmelzung schwankst du zwischen Ernüchterung und Euphorie, Realität und Einbildung. Gleichzeitig versuchst du, einen eigenen Zugang zu den inneren Schöpfungskräften der Seele zu finden und den Wunsch nach allumfassender Liebe, Frieden, Schönheit und Vollkommenheit auf eine Ebene zu heben, wo die Realität dem nicht entgegenwirken kann.

* Sonne in Sextil zu Mond

VORGEBURT
 
 

In indischen Märchen werden Sonne und Mond als Rutschbahn umschrieben, auf deren Strahlen die Seelen der Ungeborenen in die Fleischlichkeit hinabgleiten. Draußen im All sind die Seelen ungebunden. Aber wenn sie in den materiellen Körper und damit in die Zweiheit der Geschlechter eintreten, werden sie in die Dualitäten eingezwängt und damit entsprechend den Gestirnständen polarisiert.

Mond und Sonne stellen die beiden Hälften einer gleichen Sache dar, die darauf warten, wieder vereinigt zu werden. Auf einer anderen Ebene entspricht das einem Prozeß, den Alchimisten als "Chymische Hochzeit" umschreiben. Hier handelt es sich um das psychische Manöver, die innere Ausgeschlossenheit des Kindes zu bewältigen: Mami und Papi vereinigen sich - das Kind "bleibt draußen"!

KIND

Bei einer harmonischen Beziehung aber stimmt das Bild, das du in der Kommunikation mit deiner Umwelt reflektiert sahst, mit dem überein, was du sein wolltest. Voraussetzung dazu war ein gutes Elternhaus, das es dir ermöglichte, dich in deinen inneren Gefühlen zu entwickeln, und zwar in Übereinstimmung mit deinen inneren Zielen.

Wenn nicht, so zeigt dieser Aspekt gleichwohl an, daß es dir durch dein inneres Gleichgewicht zwischen Wollen und Empfinden gelang, nur auf die harmonischen Seiten der Erwachsenen zu reagieren und dadurch in der Reflexion der Projizierungen gute Rückwirkungen zu erzielen (d.h. du nahmst aus der Gefühlsbeziehung deiner Eltern nur den für dich günstigen Teil heraus).

MANN

Unter positiven Vorzeichen zeigt sich im inneren Gefühlsbild das Bemühen, dich in Übereinstimmung mit dem Weiblichen zu spüren. Es ist dir ein Anliegen, dich (in Übereinkunft mit den "inneren Eltern") in harmonischer Verbundenheit zur Außenwelt zu fühlen, denn diese Form von Selbstverwirklichung entspricht deinem Bedürfnis, im Gleichklang mit dem Kosmischen zu sein.

Da eine traumatische Verletzung oder Zurückweisung durch die Eltern nicht stattfand (auch wenn wir uns darüber im Klaren sein sollten, daß dieser Aspekt deine Sichtweise und nicht notwendigerweise die Objektivität der Situation widerspiegelt), warst du als Kind in den Gefühlsaustausch deiner Eltern eingebunden, und so fällt es dir im Erwachsenenalter entsprechend leicht, das ergänzend Weibliche in deine mentale Ich-Struktur harmonisch einzubringen.

**** Mond in Quadrat zu Uranus

VORGEBURT

Es sieht so aus, als ob du in deinen vergangenen Leben den Menschen zu wenig Aufmerksamkeit gegeben hättest, besonders jenen, die dich liebten. Du hast sie angeschaut, ohne sie wirklich sehen zu können, weil du nur dein eigenes Bild anschautest, welches du auf sie übertragen hast. Nun wird dir erneut die Chance eingeräumt, zu lernen, die anderen wieder anzuschauen, weil du sonst immer davonlaufen mußt, wenn du die eigene Maske vor dem Gesicht der anderen siehst. Denn in dieser Maske sind deine eigenen Erinnerungen verborgen, die du nicht erträgst, die dir aber immer wieder vorgehalten werden, so daß du gezwungen bist, immer und überall davonzulaufen, weil sich in allem immer das eigene Davonlaufen spiegelt, welches dich aus der Vergangenheit immer wieder einholen wird.

FRAU/MANN/KIND

Erst wenn du die Idee erkennst, die dein Karma ausmacht - die Idee, gefühlsmäßig davonzulaufen, weil dir der menschliche Kontakt zu eng geworden ist bzw. du dieses Gefühl auf die anderen projizierst -, hast du das ganze Problem erfaßt. Wenn nicht, schließt du dich seelisch von der Umwelt ab, weil du dich innerlich als nicht dazugehörig fühlst. Du entwickelst ein starkes Bedürfnis, einen eigenen Weg zu gehen und erträgst autoritäre Zwänge schlecht. Dabei mag das Verhalten deiner Mutter mit hereinspielen, ihre eigenen unerlösten Vorstellungen auf dich projiziert zu haben, ohne aber Wärme und Gefühlstiefe geben zu können.

Das Ergebnis dieser frühen Prägung ist eine merkwürdige Schizophrenie zwischen dem Gebot nach absoluter Freiheit und dem inneren Bedürfnis nach Bindung und Geborgenheit. Deshalb tust du dich auch mit der Erziehung deiner Kinder schwer, weil sie dich an deine eigene Kälte erinnern und an die Bereitschaft, dich gegen alles gefühlsmäßig querzustellen. Da du aber damals mit allen Mitteln in die Schranken gewiesen wurdest, spürst du heute das Bedürfnis, es deinen Eltern nicht gleichtun zu wollen und deinen Kindern einen größeren Freiplatz einzuräumen. In Wirklichkeit verdrängst du hinter dieser Großzügigkeit aber die Tatsache, die Kinder überhaupt geboren zu haben, denn unter diesem Gestirn willst du dich nicht in Verantwortung einbinden und verharrst lieber in unverbindlicher Beziehungslosigkeit.

SEXUALITÄT

Da du es unter diesem Gestirn besonders schwer hast, das kreative Feuer deiner Sexualität in eine spirituelle Dimension zu heben, weil deine innere Gefühlsebene irgendwie verletzt ist und du das Selbstvertrauen für eine starke, sich hingebende Liebe gar nicht aufbringst, wäre es für dich besonders wichtig, dich selber zu akzeptieren und lieben zu lernen, um die Liebe der anderen annehmen zu können. Die Schwierigkeit ist, an jenen Punkt zu gelangen, wo vergangenheitsbezogene Projektionen nicht mehr existieren, wo die uneingeschränkte Aufmerksamkeit dem fließenden, unzentrierten, innen und außen gleichzeitig existierenden "Sosein" gilt. Erst dann kann die Wahrheit aus den eigenen Verdrängungen herausdestilliert werden, in einem alchimistischen Vorgang sozusagen, der in der Hexenweihe so umschrieben ist: "Ich erkenne dich, oh Fürst der Hölle, als einen Aspekt meiner selbst!"

Mond in Sextil zu Merkur

VORGEBURT

Auf der Tiefenebene kann man diesen Aspekt auch als Öffnung bezeichnen, durch die man das "Modell des Kosmos" sieht, denn er symbolisiert die Transformationsfläche, wo sich das Unzusammenhängende jetzt strukturiert. Unterschwelliges Gefühlsverhalten wird in die Erinnerung hochgespült, um dort von den Denkmechanismen "sortiert" zu werden. Mond/Merkur ist nichts anderes als der Versuch, die unstrukturierten, gefühlsmäßigen Taten und Entscheidungen in die vielfältigen Schubladen unserer Denkmodelle einzureihen.

Wenn Sonne/Merkur dem Verhalten entspricht, die Welt so zu beurteilen, wie man sie sieht, dann ist unter Mond/Merkur das Prinzip dominierend, die Welt so zu sehen, wie man sie fühlt. In Abänderung des Sonne/Merkur-Zitates "Der Mensch soll streben, zu werden, was er ist" (Goethe), könnte man Mond/Merkur mit der Zeile postulieren: "Der Mensch soll endlich aufhören, zu fühlen, was er denkt!" Der Zustand unter dieser Konstellation wird von einem starken Mißverständnis geprägt zwischen dem, was man fühlt und dem, was man zu fühlen "denkt".

Nach Gurdjieff könnte man das Gefühl (Mond) mit einem Droschkenpferd vergleichen, den Verstand (Merkur) aber mit dem Kutscher, der das Gefährt für jeden antreibt, der bezahlt. Der Fahrgast schließlich, unser Ego, wechselt ständig. Und so wie die Motivationen und Ziele im Leben ständig wechseln, so wechseln auch Ziel und Richtung der Fahrt: "Das Universum selbst ist nur ein Spielwerk des Bestimmten und des Unbestimmten, und das wirkliche Bestimmen des Bestimmbaren ist eine allegorische Miniatur auf das Leben und Weben der ewig strömenden Schöpfung. Mit ewig unwandelbarer Symmetrie streben beide, auf entgegengesetzten Wegen sich dem Unendlichen zu nähern und ihm zu entfliehen. Mit leisen aber sicheren Fortschritten erweitert das Unbestimmte seinen angeborenen Wunsch aus der schönen Mitte der Endlichkeit ins Grenzenlose. Die Natur selbst will den ewigen Kreislauf immer neuer Versuche; und sie will auch, daß jeder einzelne in sich vollendet einzig und neu sei, ein treues Abbild der höchsten unteilbaren Individualität." (Friedrich Schlegel)

KIND

Ein Geburtsschock (der Fötus wurde bedrängt, als der Gebärmutterkanal noch nicht offen war; vgl. "Krankheitsdispositionen") könnte der Grund gewesen sein, der das Vertrauen in die eigenen Gefühle untergrub. Deshalb konntest du keine emotionalen Bindungen zur Außenwelt aufbauen. Es bestanden keine gefühlsmäßigen Beziehungen zu den Eltern, die Nähe wurde bestenfalls "gespielt", alle Kontakte hatten eine zweckbestimmte Färbung.

Durch diese schon früh auftretende Gefühlsabwehr entstand natürlich auch keine Beziehung zum eigenen Körper. Da du dich selbst nicht spürtest, wurde das fehlende Gespür durch ein Gefühlsmuster ersetzt. Das innere Gefühl, ins Bodenlose zu fallen, wurde durch einen "begrifflichen" Rahmen aufgefangen, der die Leere "ausfüllte": Alles wurde definiert, jede Unklarheit in den Gefühlen unterdrückt und nach speziell dafür erarbeiteten Kriterien katalogisiert. Der Körper wurde abgelehnt, alle körperlichen Funktionen abgewehrt und die Absonderungen und Ausscheidungen als ekelerregend empfunden. Im spontanen Entfalten gehindert, wurdest du aber nicht von den Eltern unterdrückt, sondern du unterdrücktest dich selber, indem du den Machtapparat der Eltern für die eigene Unterdrückung benutztest. Du wurdest nicht gedrillt, sondern drilltest dich selber, indem du dich von den Eltern drillen ließest!

MANN

Die Beziehung zur Mutter ist stark gefühlsorientiert und von gegenseitiger Sympathie geprägt, was aber in unbewußter Übereinstimmung verdeckt wird. Das führt zu einem partnerschaftlichen Verhalten, das trotz gegenseitiger Resonanz von einem Gefühl des Unverstandenseins begleitet wird, weil du nicht gelernt hast, deine Gefühle anzunehmen. Die innere Entfernung zu den eigenen Empfindungen, die du in der Kindheit über die Eltern reflektiertest, wird später stellvertretend über die Vernunftskanäle ausgelebt. Du bist mit Argumenten schnell zur Hand, wenn es gilt, über Gefühle zu reden. Du versuchst dir die Gefühle, die du durch dein Abwehrverhalten nicht spüren kannst, einzureden, bis du sie zu spüren glaubst. Damit hast du die Gefühle zum Teil jenes "Vorstellungsrahmens" gemacht, mit dem du die Gefühle gleichzeitig "kontrollierst". Gelingt es dir nicht, dieses Verhaltensmuster abzulegen, so können diese Sublimierungen in den somatischen Bereich abgleiten, wo sich "gefühlsmäßige Sprachlosigkeit" z.B. in Form von Asthma und Erstickungsanfällen zeigt.
 
 

In weniger akuten Fällen können diese angestauten Gefühlsblockaden aber auch zu unkontrollierten Redekrämpfen ausufern, die vom bewußten Willen kaum zu bremsen sind. Dann wirst du durch den Strom deiner überfließenden Gedankenmuster gezogen und hörst dich selber reden, ohne in der Lage zu sein, auf dein eigenes Mundwerk Einfluß zu nehmen.

Im harmonischen Brennpunkt dieser Wirkungskräfte verfügst du über eine geistige Beweglichkeit, die es dir erlaubt, dich mit den verborgeneren Dingen in deiner Psyche auseinanderzusetzen. Es wird dir nach und nach gelingen, mit dem reinen Intellekt Annäherungen an den ungreifbaren Gefühlsbereich zu finden, wo sich Fühlen und Denken nicht mehr so stark gegenseitig behindern. Du hast die Fähigkeit, seelische Tiefen zu ergründen und sie mit einer allegorischen und gleichnisreichen Sprache in symbolische Bilder zu hüllen, die das rationale Denken übersteigen und über begriffliche Erklärungen hinausreichen.

Die Grundmerkmale dieser Erfahrung sind das Überschreiten der Grenzen von Zeit und Raum, bei einem religiösen Hintergrund der Aufstieg in die himmlischen Gefilde. Die Bilder stammen aus dem kollektiven Unbewußten, und über einen harmonischen Merkur können sie unbeschadet ihrer Schönheit direkt in die Bildvorstellungen des Denkens übertragen werden, einzig und allein abhängig vom persönlichen Bildungsniveau.

Im Begegnungsbereich könnte man von einer Flucht in die idealisierte Partnerschaftsbeziehung reden, wo die Gefühle nicht mehr gelebt, sondern durch die "Vorstellung des Erlebens" ersetzt werden. Eine gefühlsmäßige Öffnung gegenüber dem anderen ist nicht möglich, aber man kann intellektuelle oder soziale Ziele verfolgen, die eine gemeinsame Basis auf der denkerischen Ebene haben. Aber auch wenn keine intellektuellen Beziehungen vorliegen, ist man immerhin bestrebt, eine gute Ehe wenigstens nach außen hin zu führen, um zumindest selber an die Ehe oder an die Beziehung oder an die "eigene Vorstellung des Zusammenlebens" glauben zu können.

*** Merkur in Halbsextil zu Jupiter

VORGEBURT

Mit Merkur/Jupiter hast du die Aufgabe, die inneren Sehnsüchte auszumessen und in die Ratio zu integrieren. Jupiter ist dabei die Vorgabe, die ihr eigenes Gottesbild in der Welt der Wunder sucht, und Merkur der Koordinator, der das jupiterhafte Sehnen in den kollektiven Mustern findet. Er forscht in den alten Mythen und Archetypen und findet darin das passende Kleid, in dem sich Jupiter gefällt. Deshalb steigst du auf der Suche nach Erlebnistiefe in die Labyrinthe der Vergangenheit zu den Pharaonen oder Aztekenpriestern hinab, ohne zu erkennen, daß sich dahinter oft nur ein verlorener Lebenssinn (Vergangenheitssuche als Ich-Findung) verbirgt.

HINTERGRUND

So kannst du alle Mythen mit neuen Zielen zu Pseudowahrheiten verbinden, deren Zwecke einzig darin liegen, die innere Leere auszufüllen und von den eigentlichen Zielen abzulenken. Das richtige Ziel aber wäre, in der Vergangenheit das Zeitlose zu erkennen und daraus reale Gegenwartsbezüge zu gewinnen. Dazu bieten sich neben der Tiefenpsychologie, der Religionsphilosophie und vielen esoterischen Disziplinen auch die moderne Physik (das Wissen um die gleichzeitige Richtigkeit sich widersprechender Theorien) an.

Wenn du dein eigenes Unfaßbares also in dir selber finden willst - und nichts weniger als das ist es, was du unter dieser Konstellation anstrebst -, dann mußt du alle Werte aufgeben, die dir heilig sind, ohne aber die Form zu zerbrechen, worin du die neuen Inhalte auffängst. Wenn du erfahren willst, was dich noch trägt, wenn dich die allgemeinen Modelle nicht mehr tragen (und das ist es gerade, was wir "Jupiter" oder "Gottvertrauen" nennen), mußt du die Modelle aufs Spiel setzen, ohne aber die Form zu riskieren, in welche wir uns selber hineingestellt haben.

FRAU / MANN

Merkur/Jupiter erweitert Geist und Verstand, denn die Widersprüche im Leben wollen durch hinterfragendes Denken gelöst und darin gleichzeitig ein innerer Sinn erkannt werden. Die merkurial-jupiterhafte Form des Denkens ist vom inneren Wunsch erfüllt, Harmonie und Frieden durch den Austausch von Informationen herzustellen und aus der Erweiterung des Wissens Perspektive zu gewinnen. Die Verschmelzung von Seele und Geist muß über die Denkkanäle vollzogen werden, was mystische Ergriffenheit und seelische Bewegung nur in Modellen zuläßt. Mit einem gutgestellten Mond kann dennoch auf die überindividuellen, kollektiven und mythischen Bilder zurückgegriffen werden, weil sich in den lunarischen Kräften das archaisch oder magisch Unbewußte verborgen hält. In der Regel aber mußt du dein seelisches Manko, die Gefühlswelt transparent zu machen, durch denkerische Klimmzüge ausgleichen. Die seelische Transparenz muß über die Handhabung der Sprache geschehen, was natürlich einen Widerspruch in sich darstellt.

Tiefenpsychologisch finden wir hier das Streben, die "Dreidimensionalität des Ewigen" in die "Zweidimensionalität des Intellekts" hineinzuzwängen, was zu verschachtelt-vernebelten Gedankengebilden führt, die sich kristallisierend auflösen. Die kristallinen Verschwebungen finden sich in den gedanklichen Widersprüchen, die aber Anreiz zur Vereinigung bieten und damit das Unaussprechliche oder Undenkbare spiegeln, für das sie in der Dualität Symbol sein wollen. Du verstehst dich als ein nach Objektivität strebender Architekt des Ewigen, welcher die Grenzen der Vernunft "vernunftmäßig" sprengt, um das "Unaussprechliche" darin unterbringen zu können. Dabei bist du nur der Biograph (im Akt des Erfassens deiner eigenen Seelenkräfte), der sich in den Möglichkeiten seiner Bilder selber untersucht.

Unter harmonischen Aspekten gelingt es dir besser, die Rolle deiner Doppelnatur, nämlich die des "engagiert Handelnden" und gleichzeitigen "Beobachters der eigenen Handlungen" miteinander zu verbinden. Die Fähigkeit, dich nicht nur innerhalb deiner eigenen Denkmuster zu leben, sondern dich auch außerhalb in der Handhabung deiner eigenen Weltbilder zu beobachten, führt dich zu einem von außen beobachtenden Handeln, das sich (innerhalb des Freiraums aus dem inneren Abstand) mehrdimensional gestaltet.

Du denkst dich locker ein, wo andere ihre Gefühlssensoren voll beanspruchen. Logisch-intuitives Denken ist angesagt (das sich ständig hinterfragt, ohne sich selber in Frage zu stellen), denn du siehst die Welt als ein Netzwerk gedanklicher Abläufe, die gesichtet, geordnet und in einen Gesamtzusammenhang gebracht werden müssen, ohne aus den eigenen Erkenntnissen jetzt eine Religion zu machen. Wissen ist nicht mehr ein Machtmittel privilegierter Individualität, sondern nur noch Kanal, über den sich Kommunikation vollzieht. Einerseits zwischen Mensch und Mensch, andererseits aber auch zwischen Seele und Geist, weil unter Merkur/Jupiter den dunklen Schichten im Innern nur über das äußere Erfassen (Wissen) begegnet werden kann.

WELTBILD

Heute wird der Sinn unseres Daseins nicht mehr im Gottesdienst empfangen, sondern in den Denklaboren der Biochemie oder der Atomphysik. Die moderne Erkenntnisfindung berücksichtigt die Relativität ihrer eigenen Axiome, und die schnellen Medien verbreiten jede neue Sinnfindung in Windeseile in jedem Wohnzimmer. Unglaubliche Wirklichkeitseinbrüche pochen laut an die Pforten unserer Weltvorstellung, und die Phantastik durchdringt langsam den Alltag. So ist es nicht verwunderlich, daß durch die zunehmende Abhängigkeit von der sich immer schneller entwickelnden Technik sich auch die gefühlsmäßige Abwehr anstaut: daß sich in der Sehnsucht nach den Hochblüten vergangener Kulturen trotz Hochtechnisierung nur die seelische Verunsicherung zeigt. Das innere Empfinden ist nicht mehr in der Lage, die Verantwortung für das äußere Gestalten zu übernehmen, und die zunehmende Bewußtwerdung, das Wissen um die Grundlagen der Umweltkatastrophen, welche die Auswirkungen des menschlichen Verhaltens widerspiegeln, stärkt die innere Revolte, sich den Bedingungen dieser Gesellschaft zu entziehen. Die Welt ist aus dem Lot geraten, die Epoche der naiven Fortschrittsfreude ist vorbei und nun schießen die tastenden Versuche wie Pilze aus dem Boden, die Wirklichkeit umzuinterpretieren, also neu zu definieren.

Unter harmonischen Gestirnsverbindungen setzt du dich mit Gott auf eine Weise auseinander, die dich alle Bereiche von Sein und Werden durchstreifen läßt. Dabei löst du dich von den Grundlagen der Polaritäten des Ja und Nein (der Shakespear'schen Frage nach Sein oder Nicht-Sein), denn du erkennst jetzt die Parallelität von Ja und Nein, Sein und Nicht-Sein. Vielfach wendest du dich auch fernöstlichen Lehren zu. In Vorwegnahme der Einstein'schen Relativitätstheorie wird schon in den buddhistischen Systemen die Relativität von Zeit und Raum, die Relativität von Wahrnehmung und Denken in einen philosophischen Mittelpunkt gebracht und die Lösung darin gesehen, daß man den Zustand der Leere durch meditative Techniken erfahrbar macht.

** Merkur in Sextil zu Mars

VORGEBURT

Wenn sich kämpferische Durchsetzung oder jugendliche Unbekümmertheit mit dem Akt des Denkens verbinden, dann begegnen wir dem radikal Denkhandelnden in dir, der sich die Motivation zum Handeln aus seinem eignen Tun kreiert. Damit brauchst du keinen "Grund mehr zum Handeln", sondern du brauchst das "Handeln als Grund" zur Selbstverwirklichung. Der Drang ins äußere Leben ist dir deshalb Grund genug, die eigene Aggressivität zu leben (dies zu erkennen ist wiederum der Grund, warum du in die Welt geboren bist), und durch Merkur fließen die marsischen Energieströme auf die Mühlen der Sprache, wo sie sich zu durchsetzungsbetonten Verstandesangelegenheiten auswirken.

HINTERGRUND
 
 

Reden, Denken und trotzdem Tat - ganz mit sich selbst identisch will jedes Handeln sein! Das gelingt nicht immer leicht, weil Merkur die marsischen Instinkte in eine rationale Form eingießt. Jede Aggression trägt deshalb den Stempel intellektueller Ich-Besessenheit, die sich bestätigen will (oder zu erkennen sucht), aber immer nur "vor sich selber davonläuft", weil hinter allen Zielen ja bloß das eigene Suchen steht. Aus diesem inneren Antrieb, der dich zeitweise für jede (falsche) Einsicht unzugänglich macht, quillt kreatives, expressives Aufbegehren, die Ausdrucksformen werden übersteigert bis zum inneren Kollaps. Das Ich implodiert, stürzt in sich selber ab und überholt sich ständig selbst.

FRAU / MANN

Unter dieser Konstellation fühlst du dich in Situationen wohl, wo schnelle Entscheidungen verlangt werden, ohne dich an zementierte Standpunkte zu klammern. Ständiges Fluktuieren und Infragestellen der akquirierten Standpunkte zeichnet dich aus, und du suchst dir dein Weltbild aus den unterschiedlichsten Perspektiven zusammen. Du bist tief im Diesseitigen verhaftet, konzentrierst dich auf das augenblickliche Handeln und hast keinen Anspruch an die Ewigkeit. Deinen Lebenssinn findest du in den Erfolgsmomenten, auch wenn es nur Sekunden sind, die du aber immer wieder auskostest, weil sie auf unmittelbare Erfolgserlebnisse ausgerichtet sind.

Ohne erkenntnisbezogene Tiefenperspektive ist es für dich nicht schwer, Risikobereitschaft zu zeigen, weil für allzugroße Ängstlichkeit der gefühlsmäßige Rahmen fehlt. Auf dem Grat zwischen Sein und Nicht-Sein bewegst du dich in kindlicher Unbefangenheit, denn dein historisches Bewußtsein ist jung und die Fermente deines Denkens noch viel zu sehr in einem Entstehungsprozeß begriffen. Für dich ist das Leben in jedem Augenblick ein Abenteuer, und da ist jede einengende Form von Standpunkt hinderlich.

** Merkur in Sextil zu Venus

VORGEBURT

Durch die Kommunikationskanäle strömt ständig das Gefühl des Gleichklangs, denn das Streben nach Harmonie bedingt, daß du dich beständig nach der Umwelt ausrichtest. Dahinter versteckt sich der innere Konflikt, dich in deinen vergangenen Inkarnationen mit deiner Subjektivität noch zuwenig auseinandergesetzt und dir statt dessen das Leben in den "Gefäßen" erschlossen zu haben, an die du dich in der Außenwelt "angepaßt" hast. Es war dies der Versuch, dich in die Lebensströme einzuschleusen, ohne dich am Leben selber zu beteiligen. Dazu bedurfte es eines Verhaltens, das sich hinter den Motiven selbstloser Mitverantwortung versteckte, um von allem abzulenken, was die seelische Androgynität betrifft.

Diese Verbindung schürt das spirituelle Glimmen geläuterter Jungfräulichkeit, weil sie die Erkenntnisse nur aus den äußeren Reflektionen zieht ("Anpassung nach außen"), ohne zu bedenken, daß die Abwehr individueller Wünsche ja gerade dem Verhalten entspricht, die eigene Subjektivität vor sich selber zu verstecken. Auf einer moralischen Ebene hängt dieser Aspekt auch mit deiner inneren Absicht zusammen, dich mit dem "Charisma von Objektivität" zu ummänteln, indem du die "Subjektivität der andern" ausgleichst.

FRAU / MANN

Merkur und Venus verleihen dir die Gabe, dich gut auszudrücken und auch komplexere Aussagen in poetische und einfache Bilder zu übertragen, die von der Umwelt leicht verstanden werden. Athene ist die Schutzherrin der Dichter, Denker und Philosophen, was die Tragweite dieses Aspektes gut umschreibt, auch wenn wir es ohne transsaturnische Einstrahlungen natürlich mit weniger tiefgründigen Auswirkungen zu tun haben (wenigstens was die Bewußtwerdung der Zusammenhänge in deinem Hirn betrifft). Trotzdem schenkt dir die innere Auflehnung dieses Aspektes gegen alles Beengende eine poetisch-pointierte Ader, auch wenn aus einer inneren Naivität heraus die Widersprüche meist nur bei den anderen gesehen werden können.

Um dieses innere Dilemma zu verstehen, mußt du dir hier über die Wirkungen dieser beiden Komponenten Klarheit verschaffen: Merkur stellt sich in den Dienst des prüfenden Erkennens, der natürlich immer nur die Voraussetzung seiner inneren Modelle ausmißt (die Unstimmigkeit sucht er meistens bei den andern); Venus wiederum ist eine Kraft, die sich krampfhaft bemüht, Reibereien und Zwistigkeiten zu verhindern und so versucht, die von Merkur bei anderen diagnostizierten Fehler auszugleichen. In ihrem Zusammenwirken versuchen beide, sich über die Außenwelt zu heilen. Das verleiht ihnen (und dir!) im Umgang mit der Umwelt viel Geschick und diplomatisches Gespür. Dieses Ablenken von sich selber ist deshalb auch der Kanal für menschliche Kultur, denn was sollte sich besser eignen als die Kunst, sich mit seinen inneren Problemen auseinandersetzen zu können, ohne sie als seine eigenen erkennen zu müssen?

BEZIEHUNG / SEXUALITÄT

"Das eigne Ungesehene" also therapeutisch "von sich selber in Distanz zu bringen" (und in der Außenwelt zu manifestieren), ist ein Akt der inneren Verunsicherung. Aber was sich in der Kunst zu kompensativen Schöpfungsmonumenten auswachsen kann, ist in partnerschaftlicher Hinsicht nur die erschöpfende Erkenntnis, ohne Projizierung auf den Partner aus seiner inneren Mitte heraus gar nicht lebensfähig zu sein.

Es ist also keine innere Tiefe, welche deine Beziehungen kennzeichnet, sondern nur die Darstellung eines vermeintlichen Beziehungsglücks. Unter dieser Konstellation hast du dich an die äußere Form verloren, welche du zum Inhalt machst, und damit lieferst du dich der Form jetzt aus. Wenn du dir vor Augen hältst, daß jede Form nur soviel wert ist, wie ihr an gesellschaftlicher Zustimmung zufließt, kannst du erfahren, wie du dich in deinem Gefühlswert an die Umwelt klammerst. Und da dein Gefühlswert ja wiederum von den Bildern abhängig ist, wie die anderen über dich denken, haben wir hier eine vollständige Auslieferung an die eigene Vorstellung, die sich aus dem "Denken, was die andern denken" zusammensetzt.

Damit ist aber auch schon klar, warum Sexualität nicht funktionieren will. Statt die eigenen Triebe zu leben, setzt du dich mit der Geilheit deiner Umwelt auseinander und suchst durch kulturelle Überhöhung zu entschärfen, was du an eigenen Triebinstinkten nicht erträgst. Indem du dein Augenmerk auf Styling, Ausgewogenheit und äußere Schönheit richtest, formalisierst du die Gefühle und machst sie hinter ästhetisierenden Ideen ungreifbar. Du biederst dich Begriffen wie "ästhetische Androgynität" an, damit du den anderen kastrieren und dich den eignen Trieben gleichzeitig entziehen kannst!

* Merkur in Quadrat zu Neptun

VORGEBURT

In vergangenen Inkarnationen könnte sich in dir ein visionärer Denker verborgen haben, der sich mit der Darstellung des Unfaßbaren oder Unwirklichen befaßte und dem ungeheuren Dilemma nur dadurch entging, daß er es in Bildern und Symbolen darstellte. Diese Kunst der Übertragung ist so alt wie Platons Dialoge, indem mittels Metapher und Symbole das wiedergegeben wird, was durch den bezugsetzenden Geist der Vernunft nicht zerstört werden kann, auch wenn es sich den Zugriffen des Verstandes entzieht. Die Darstellung in Symbolen gestattet es dem Unsagbaren nämlich, aus dem Unbewußten hervorzutreten und in übertragenem Sinn das auszudrücken, was durch unsere Logik gar nicht erfaßt werden kann - daß alles, nämlich was wir in der äußeren Welt vorfinden, auf der Ebene unserer Vorstellung begann.

Kollektiver Glaube und kollektive Bilder schaffen jenen Teil der Wirklichkeit, den wir Realität nennen, gestalten astrale Energien zu sichtbaren Formen, die wir als gegenständlich empfinden und formen schließlich uns, die wir die Welt formen, damit die Welt, in der wir leben, immer genau unserer Wirklichkeit entspricht.

KIND

Dieses unbewußte Wissen ist ein schweres Erbe, und so ist es auch verständlich, wenn du dich schon früh der Welt entziehst, entfliehst, im Denken gar nicht erst auftauchst, weil du die Vorstellungsinhalte deiner Umwelt durch die vorgeburtlichen Prägungen ablehnst. Da du dir dieser Voraussetzungen aber nicht bewußt bist, zieht es dich aus der Welt zurück, indem du deine intellektuellen Reaktionen schon in der Schule unterbrichst, um dich von den menschlichen Verhaltensbildern gar nicht erst einnehmen zu lassen. Seelen unter diesem Signum befinden sich alle auf einer Reise in die innersten Bezirke des Mysteriums. Dabei bedürfen sie des Schutzes der inneren Zurückhaltung gegenüber den rationalen Gepflogenheiten der Gesellschaft, um die Selbsteingrenzungen der kollektiven Bilder auflösen zu können.

FRAU / MANN

Deshalb weiß man bei dir oft nie, was du als nächstes tun und lassen wirst. Du scheinst unfähig, das, was wir unsere Welt nennen, in den richtigen Proportionen zu sehen und neigst in einem gefährlichen Maß zu Launenhaftigkeit und Unbeständigkeit. Dein Denken geht leicht in einen somnambulen Zustand über, und endlose Abfolgen von medialen Bildern erscheinen dir. Aber damit stimmst du dich auf die unbewußten Ebenen anderer Menschen ein. Genau das aber gibt dir wiederum die Kraft, den Fragen anderer auszuweichen, weil du deren Motivation erahnst. Du kannst sozusagen einen Menschen dadurch ergründen, daß du ihn dauernd ins Leere laufen läßt und sein Verhalten hinter den Reaktionen analysierst, ohne ihm die eigene Absicht je zu zeigen.

Du bist also keineswegs nur in chaotische Gedankenmuster verstrickt, wie es von außen bisweilen den Anschein hat, sondern du kannst ganz im Gegenteil die Beziehung zu dir selber finden, indem du deine eigenen Visionen lebst und deiner eigenen Vergangenheit darin begegnest. Die eigene Vergangenheit versperrt dir den Weg, bis du erkennst, daß nur die Abkehr von den intellektuellen Verstrickungen materieller Zielrichtungen dir die Voraussetzungen erfüllen, dein eigenes Schicksal anzunehmen und zu einem Sprachrohr des Unsagbaren zu werden.

Dies kann eine Eignung für die Fiktionen mathematisch-mystischer oder okkult-utopischer Richtung anzeigen, in denen weniger das Detail, sondern mehr der Sinn fürs Ganze herausgehoben werden will. Denn durch Neptun kannst du den Mitmenschen den Weg zu einem Mythos zeigen, der wahr und doch nicht wahr ist, da sein Inhalt, da symbolisch, für alle Zeiten unerschöpflich ist. Denn faßt man ihn symbolisch auf, ist er der Anfang und das Ende, untersucht man ihn aber konkret, dann stellt er sich als das Nichts heraus, aus dem alles Göttliche hervorgegangen ist.
 

** Venus Spiegelpunkt zu Mars

VORGEBURT

Ohne die triebhafte Präsenz des Mars bliebe Venus formlos, unerfüllt und leer. Erst durch die Einbeziehung der phallischen Opponente wird sie zur inneren Quelle, aus der es flüstert, daß wir alle Voraussetzungen in uns tragen, um das Ewige auch über den Körper zu erfahren. Dazu muß man aber die Spreu vom Weizen trennen. Damit die Energien der Liebe nicht mehr unkontrolliert im Feuer sexueller Glut verbrennen, muß man die Freude am Spirituellen wiederentdecken und die Inspiration in die bloße Fleischeslust zurückbringen, denn wenn sich Venus und Mars verbinden, dann kommt das Feuer tief von innen!

HINTERGRUND (ANLAGE)

Hier finden wir den emotionalen "Break". Komplimentäres wird zusammengefügt, was in seinen Auswirkungen ein unberechenbares Ausmaß an Energie freisetzt. Um die Rückwirkungen im persönlichen Erleben festzustellen, muß bei Venus/Mars-Konstellationen zwischen Venus-Betonung und Mars-Dominanz unterschieden werden (in den Häusern dominiert im Gegensatz zu den Zeichen immer der entsprechende Planet: also Venus-Dominanz bei Venus im 1. Haus, Mars-Betonung bei Venus in Widder).

Schwache Mars-Anlagen wirken sich in einer zunehmenden Abhängigkeit von den Erwartungen der Umwelt aus, in einem Verhalten also, Durchsetzung nur noch dort zu zeigen, wo sie von der öffentlichen Meinung auch ausdrücklich gebilligt wird. Männliche Eigenart versteckt sich hinter kollektiven Zielen, was die Gefahr heraufbeschwört, zu übertreiben, wo sie sich gegenüber einer Minderheit aufbläht (Polizistenwillkür, Staatsgewalt). Die Rollenanpassung, die versucht, persönliche Eigenart vor sich selber zu verbergen, gelingt bisweilen so perfekt, daß die Individualität, die nur getarnt werden sollte, sich unter der Maske ganz verliert.

Venus wiederum leidet unter der Vorstellung, gesellschaftlich nicht die gebührende Beachtung zu finden. Das unterschwellige Empfinden, etwas Besonderes darzustellen, wird von der Umwelt nicht wahrgenommen und liefert die verletzte Venus ebenfalls der Anpassung nach außen aus. Sie ist versucht, sich der Umwelt auf eine um Anerkennung heischende Weise zu präsentieren, um über diesen Rahmen die Bestätigung zurückzubekommen, die sie sich selbst nicht zu geben vermag. Im Extremfall wünscht sie erniedrigt, geschlagen oder gar verletzt zu werden, um sich in der totalen Hingabe an äußere Gewalt spüren zu können und damit wenigstens zur Scheinbefriedigung ihrer geopferten Identität beizutragen.

SEXUALITÄT

Kein Aspekt ist der Sexualität mehr verbunden als Venus/Mars (kein kleiner Anspruch in einer Zeit, wo Sex und Liebe das ungelöste Thema Nummer eins sind). In der Regel sorgen Venus/Mars-Verbindungen für Durchsetzungsstörungen beim Mann oder Hingabeverwirrungen bei der Frau, und da dieser Zustand nicht nur bei den Betroffenen, sondern fast in jeder Beziehung auftritt, sehen wir, wie diese Störung zu einem Teil des Partnerschaftsverhaltens allgemein geworden ist.

Das ist auf die Rollenerziehung zurückzuführen, wo die Mädchen lernen, sich als weich, empfangend (bei gleichzeitiger Abwehr) und passiv wahrzunehmen, die Knaben dagegen als stark, unnachgiebig und gefühlslos. Der äußere Geschlechterkampf besteht unter anderem darin, daß die Frau durch ihre sexuelle Anziehung den Mann erst lockt und dann ablehnt, und das entspricht der Fehde Venus/Mars. Die abwehrende Venus zwingt Mars zur Verdrängung seiner inneren Gefühle und zur Annahme, Sexualität habe etwas mit äußerer Durchsetzung zu tun. Venus/Mars-Störungen können die sinnliche Liebe nicht einbeziehen, und dadurch säen sie Gewalt.

MANN

(Blockierte Venus-Dominanz)

Wenn du in deiner inneren Männlichkeit von deiner eigenen Venus bedroht wirst (unterdrückter Mars), dann siehst du dich in der ungemütlichen Situation, in der sich das Männliche durch das unaufhaltsame Vordringen des Weiblichen allgemein befindet. Zwar begehrst du, läßt dich aber gleichzeitig von deiner dominanten Venus dazu zwingen, das eigene Begehren abzulehnen und statt dessen Befriedigung in der Unterwerfung unter deine "übertragenen" Aggressionen zu finden. (Wahrscheinlich hattest du deiner Mutter geglaubt, die dir beibrachte, daß gute Jungens keine Aggression zu haben bräuchten!) Nun kannst du deine Triebe nur noch gegen diese innere Verhinderung durchsetzen, und dazu bedarf es einer Partnerin, der du deine Hingabe opfern darfst, deine Schmerzen, deine Lust ... - der du dich mit jeder Pore deines Körpers überlassen mußt bis hin zur schmerzlichen Vereinigung, welche für dich aber Vollständigkeit bedeutet!

(Blockierte Mars-Dominanz)

Hier drängt die Triebnatur des Mars zum Feuer, aber weil der kreative Ausgleich fehlt, kannst du die Spannungen nicht lösen. Das muß zu Aggressivitäten führen, weil du die aufgepeitschten Kräfte nicht beherrschst. Es fällt dir schwer, mit dem weiblichen Teil in dir Frieden zu schließen, denn zu zelebrierst das Sakrament der Liebe auf dem Altar der Kriege. Im Umgang mit dem anderen Geschlecht läßt du jeden Takt vermissen und zwingst dein Triebleben deiner Umwelt auf. Weil jede Möglichkeit zur Ruhe fehlt, weichst du oft in Sexualneurosen aus. Die aktiven, zur Entwicklung drängenden Aggressionskräfte können nicht in Wachstum umgeleitet werden, was zu Perversionen ("Sex ohne Entspannung") führt.

Tief in den Flammen deines inneren Feuers begegnest du der animalischen Wut schmerzender Liebesglut, denn aus karmischer Vergangenheit erwacht, dich den Frauen physisch unterworfen zu haben, dämmert hier die aggressive Lust, es den "Weibern" wieder heimzuzahlen. Du spürst eine unbändige Freude beim Gedanken, die äußere Frau zu quälen und stellvertretend für die unterdrückte Venus ihr Fleisch so richtig durchzuwalken und zu dehnen, dich tief in ihren Leib zu drehen und sie wie ein Tier zu "nehmen".

***** Venus in Trigon zu Mars

VORGEBURT

Ohne die triebhafte Präsenz des Mars bliebe Venus formlos, unerfüllt und leer. Erst durch die Einbeziehung der phallischen Opponente wird sie zur inneren Quelle, aus der es flüstert, daß wir alle Voraussetzungen in uns tragen, um das Ewige auch über den Körper zu erfahren. Dazu muß man aber die Spreu vom Weizen trennen. Damit die Energien der Liebe nicht mehr unkontrolliert im Feuer sexueller Glut verbrennen, muß man die Freude am Spirituellen wiederentdecken und die Inspiration in die bloße Fleischeslust zurückbringen, denn wenn sich Venus und Mars verbinden, dann kommt das Feuer tief von innen!

HINTERGRUND (KOMMUNIKATION)

Die offene, spontane Art, die Gunst von Aphrodite zu gewinnen, sorgt für Abwechslung und interessanten Umgang, denn der Wunsch nach Anbindung ans andere Geschlecht ist stets vorhanden. Weil ständiges Werben aber nicht nur zwingt, gegenüber der Umwelt Transparenz zu zeigen, sondern bei Enttäuschungen auch hilft, über die eigenen Erwartungen zu reflektieren, ist das für emotionale Menschen keine schlechte Wahl. Venus/Mars ist ein Aspekt, der nicht nur einlädt, die vitalen Triebbedürfnisse zu leben, sondern auch der Tiefensehnsucht nachzuspüren, die Zweig eines unerfüllbaren inneren Anspruchs ist und nicht Teil eines von außen zu erfüllenden Bedürfnisses.

MANN

Unter harmonischen Bedingungen dürfte es dir leicht fallen, Frieden zu schließen mit dem andersgeschlechtlichen Teil in dir. Denn für dich sind die Lustgefühle, die dich angesichts weiblicher Formen überkommen, der Inbegriff tiefster innerer Verbundenheit mit dem Leben. Es ist dir ein Anliegen, dich in liebkosendem Gleichklang mit dem Ganzen zu spüren. Die seelische Verstümmelung wird aufgehoben, der gegengeschlechtliche Elternteil erlöst (Vater darf die Potenz behalten, Mutter die Hingabefähigkeit). Sobald du deine Verhinderungen aus der Kindheit überwunden und die verlorene Spontanität zurückbekommen hast, besteht kein Grund mehr, die elterliche Übertragung zu leben oder stellvertretend das Gegengeschlecht zu quälen, denn positive Aspekte zielen darauf, aus den gegensätzlichen Reibungen harmonische Spannungen aufzubauen, die Freiräume für zusätzliche Lebensenergien schaffen. Es geht darum, Sexualität kreativ zu entfalten und sie mit dem Körper harmonisch zu gestalten. Dazu mußt du aber erst Venus und Mars ins Gleichgewicht bringen, denn nur wer seine Spannungen im Herzen entpolarisiert hat, setzt keine Kriege mehr in die Welt! Damit treibst du den inneren Energiepegel in ungeahnte Höhen und kontrollierst somit die Gewalt, weil sie jetzt ein Teil jenes tiefen Friedens geworden ist, der aus der Resonanz zwischen Erregung und Entspannung fließt.

SEXUALITÄT (DIE ALCHIMIE DER TRIEBE)

Die Triebplaneten sind das Symbol für körperliche Liebe. Allein für sich betrachtet dienen sie dem Lösen sexueller Ströme, also dem Binden überschüssiger Energie! Unter Mitwirkung der Sonne finden wir die Liebe, die nicht nur durch den Körper geht, sondern auch das Herz miteinbezieht. Hier geht es um die Sexualität als Ausdruck der Freude, wenn Ausdruck und Gefühl miteinander verbunden sind. Ist den Triebplaneten Neptun beigestellt, dann liebt man sich wie Gott und Göttin. Die Liebe stilisiert sich zum Gebet: ohne Ejakulation kann sie zum Tempel innerer Übereinstimmung werden. Wenn man aber nur das "Göttliche in sich" im andern liebt, dann ist Pluto aufgerufen, um das aufgeblähte Ego über schmerzliche Transformationsprozesse wieder auf seine Grundlagen zurückzustufen. Diese alchimistische Verwandlung entspricht dem höchsten Ziel der körperlichen Triebe (Venus/Mars), denn sie entspricht dem "Sich-Einbeziehen in die höchste Schwingungsenergie" (Neptun/Pluto) und damit der "Verschmelzung der sexuellen Triebinstinkte mit dem Kosmos". In dem Augenblick, wo der Geist mit der Seele verschmolzen ist, braucht der Mensch keinen physischen Partner mehr, weil er jetzt direkt an der Urquelle Anteil hat, die sich mit allem Wesenden in einem ewigen Liebesakt befindet.

**** Venus in Halbsextil zu Neptun

VORGEBURT

Hier entsteht das Bild einer Seele, die, vertrieben von den faden Alltagsgestaden, in den körperwarmen Gewässern des Unbewußten sanft dahintreibt. Die schlummernde Psyche ist befriedet, jedoch vom wirklichen Geschehen abgeschnitten; auf die Herausforderung des Lebens erfolgen keine persönlichen Reaktionen mehr. Daraus resultiert irgendwann das Gefühl, der Realität ausgeliefert zu sein, weil der Wunsch nach Vergeistigung nicht in wirkliche Transzendierung der menschlichen Begrenztheiten mündet, sondern letztlich das Gefühl der eigenen Schwäche nährt. Unter dieser verführerischen Konstellation bildet sich vor unserem geistigen Auge eine bezaubernde, betörende Frau in einem seltsam irisierenden und opalisierenden Licht heraus. Sie ist aus den Tiefen der Wasserfluten hochgestiegen, um das Feuer einer Sehnsucht in die Welt zu tragen, in dem wir unsere Sehnsucht nach dem Mutterschoß erfahren. Es ist der Archetyp der inneren Sehnsucht, der da ins Licht des Bewußtseins dringt und uns mit unserem inneren Bild der Weiblichkeit verbindet, das mit der Mutter und dem Bild des Ewigweiblichen beginnt.

KIND

Diese Sehnsucht, die aus dem Verlangen des Säuglings herrührt, mit der Mutter eins zu werden, wird unter diesem Signum so sehr mit dem Vorgang der Verschmelzung verbunden, daß sich das Kind immer mehr mit seiner Mutter identifiziert, bis die Mutter nicht mehr als eigenständige Person, sondern nur noch als Außenteil des Kindes (wenigstens in den kindlichen Gefühlen) existiert. Das entspricht einer verantwortungslosen Sehnsucht nach grenzenloser Wonne, wie sie das Neugeborene in den Armen der Mutter empfing.

MANN

Da die Venus durch den Kontakt mit Neptun zur Wassernixe wird, die Umarmung einer Nixe aber auch für das trügerische Ringen mit infantilen Traumvorstellungen steht, die dich in die Fluten unbewußter Sehnsüchte hinunterziehen, begegnest du hier den sirenenhaften Verführungskünsten, mit welchen dich deine inneren Frauenbilder in die Tiefe locken. Was du gewinnen kannst, wenn du zu den "Quellen" zurückfindest, ist der "Segen der Mütter" (womit Goethe den vielgestaltigen Archetypus des Ewigweiblichen umschrieb), doch nur, wenn du genügend abgenabelt bist, um in den Urgründen baden zu können, ohne von deinen aufsteigenden Sehnsüchten (wieder in den Mutterbauch zurückzuwollen) verschlungen zu werden. Denn durch die übermäßige Mutterimago wirst du das menschlich Weibliche mit dem Ewigweiblichen verwechseln und das Alltagsweibliche so sehr mit der Vorstellung überirdischer Liebe belasten, daß dich nur schlechte Erfahrungen mit Frauen erwarten und du schließlich enttäuscht in die Umarmungen der Wassernixen flüchtest, die dich zu den Gründen ewiger Träume hinunterziehen. Die Gefahr unter dieser Konstellation ist groß, normale Liebe nicht mehr erwidern zu können.

Auf der geistigen Ebene führt das Schürfen nach dem letzten Sinn tief in die Urgründe der Spiritualität hinein. Die vehementen Kreisbewegungen um das lockende Unbekannte herum sind aber kaum noch von anderen nachvollziehbar. Unter dem Einfluß dieses Gestirns strebst du nicht nach klaren Zielen, sondern nach einem Mythos, der in seinen metaphorischen, symbolischen und allegorischen Ummäntelungen ebenso unerschöpflich wie für das pragmatische Denken unverständlich ist. Erfaßt man ihn abstrakt, umgreift er nichts weniger als Anfang und Ende von allem in allem, untersucht man ihn aber konkret, dann stellt er sich als das rätselhafte Nichts heraus, aus dem alles Göttliche hervorgegangen ist.

HINTERGRUND

Venus/Neptun ist der Archetyp der inneren Sehnsucht nach den göttlichen Wassern des Lebens, die den Schöpfungsquellen des Ewigweiblichen entspringen, der kindliche Urgrund der Seele oder die Sehnsucht nach dem Numinosen, der zugleich Vertrauen und Schauer erweckenden Macht des Göttlichen. Du strebst in kosmische Höhen, erarbeitest dir zumindest eine bildliche Vorstellung davon, verlierst dich jedoch in deiner Sehnsucht, die fade Realität in schönen Bildern zu verbrämen. Das Ziel, die Bilder aus dem Rahmen der irdischen Wirklichkeit herauszusprengen, führt in Verbindung mit dem lebensspendenden, dämonisch-verschlingenden Neptun/Venus-Prinzip in die Rückbindung an das ungeformte Ur-Anfängliche in den Tiefenschichten der Seele, wo die Erinnerung an das kindliche Eins-Sein mit den noch ungerichteten und deshalb unschuldigen Triebkräften aufbewahrt ist.

Um dieses Karma aber in das Leben hochzuheben, brauchte es eine gewisse Angst vor der Geburt. Die Angst vor dem Leben kann aufgefangen werden durch ein Verhalten, welches die eigene Ich- Darstellung lähmt, um die Bedrohung gegen die eigene "Person" zu verhindern. Ein Teil der eigenen Persönlichkeit wird aus sich selbst heraus gewissermaßen antriebslos, die Erlebnisfähigkeit wird aufgelöst. Es kommt zum inneren Wunsch, sich seelisch in einer "unpersönlichen Abgehobenheit" zu tarnen und man wird empfindlich gegen jede Art Berührung: fremde Gefühle und Empfindungen werden nicht mehr mit der eigenen Person zur Deckung gebracht. Man fühlt sich psychisch "draußen", außerhalb der Menschen, und wird gerade dadurch verteidigungsunfähig, weil es ja nichts mehr gibt, was es zu verteidigen gilt.

*** Mars in Quincunx zu Neptun

VORGEBURT

In deiner Seele hält sich ein potentieller Drachentöter versteckt, der den Kampf mit dem Ungeheuer zwar wagen möchte, diesem selber aber noch nicht begegnet ist. Da der Drache auch den verschlingenden Aspekt der Frau darstellt, symbolisiert er die schreckliche Gefahr, die für den Ritter unter Mars/Neptun von der Mutterimago ausgeht. Das Problem dabei besteht, daß deine Seele durch die lähmende Angst, die vom Mutterbild ausgeht, bei der Begegnung hypnotisiert wird und vergißt, den Drachen zu durchbohren und den von ihm gehüteten Schatz (mythisch: Jungfrau oder Gold) zurückzuholen.

FRAU / MANN

Als Mann mußt du den negativen Attributen deines Mutterbildes entgegentreten und dir die Libido zurückerobern, damit du nicht deine negativen Bilder (Kastrationsängste) auf die Frauen projizierst und in der Machorolle deine eigenen Wurzeln zerstörst. Du mußt den Drachen überwinden, der ein Teil deiner eigenen Psyche ist, und nicht in supermännlichem Verhalten schwelgen, das die wirklichen Probleme nur verdeckt. Du mußt den Helden in dir selber finden, deinen Ängsten gegenübertreten und sie überwinden, wenn du nicht selbst verstümmelt bleiben willst.

Als Frau solltest du versuchen, dir bewußt zu werden, daß du dich auf der Beziehungsebene nur von Männern angesprochen fühlst, die aufgrund ihrer inneren Anlagen ihre Männlichkeit unbewußt ablehnen und dadurch glauben, sich gegenüber Frauen besonders behaupten zu müssen. Du genießt ihre Angst nicht nur, sondern läßt sie geradezu stellvertretend für dich ausleben, indem du die Männer in ihrer Schwäche provozierst und in ein kompensierendes Verhalten hineintreibst, das jede Möglichkeit einer wirklichen Beziehung ausschließt.

HINTERGRUND

In seiner positiven Erscheinungsmöglichkeit kann dieser Aspekt anzeigen, nach Dingen zu streben, die jenseits der Grenzen des Erfaßbaren liegen. In ihrem negativen Ausdruck kann sich diese Kombination aber auch als Selbsttäuschung darüber manifestieren, was du real erreichen willst oder als Bestreben, jede Auseinandersetzung zu umgehen, welche dich aus den Traumreisen auf den Boden der Realität jetzt zwingt.

Die Wirkung Neptuns reicht von den finstersten seelischen Abgründen bis zu höchster geistiger Klarheit. Die Motivation bleibt stets dieselbe. Es ist das Sehnen nach Unendlichkeit, die Verschmelzung mit Gott. Der Alkoholiker und Drogensüchtige, der Meditierende und Yoga-Übende, der Mystiker und auch der Wissende sind alles Kinder eines Vaters, der ihnen das unbewußte Streben nach den letzten Dingen mitgegeben hat. Nicht der Stammbaum ist es, der sie voneinander unterscheidet, sondern die persönliche Kraft im Umgang mit diesem höchsten aller Ziele. Es ist auch nicht das Inventar der Weltanschauung, das einen Heiligen von einem Schwindler unterscheidet, es ist der Umgang mit der Psyche, der den Unterschied zwischen einem Mystiker und einem Trinker ausmacht.

Es kommt ganz darauf an, wie stark die Verwurzelung im Weltlichen ist, um einen wohltätigen Idealisten und hilfreichen Visionär von einem launischen Tagträumer zu unterscheiden, der das Blaue vom Himmel herunterverspricht. Die Umsetzung von Mars/Neptun auf reale Ziele erfordert eine solide weltliche Grundlage. Erst dann wird es dir möglich sein, deine persönlichen Eingebungen in die Wirklichkeit zu integrieren, Inhalte aus dem Unbewußten ans Tageslicht zu heben oder dich in die verdrängten emotionalen Probleme anderer Menschen einzufühlen.

** Mars in Quadrat zu Jupiter

VORGEBURT

Auf dem Heimweg unter diesem Karma begegnest du deinem mächtigen inneren Vaterbild, das dir mit seinen Schöpfungskathedralen, diesen behindernden Monumenten an Größe und Selbstüberschätzung, den Weg verstellt. Wenigstens solange, bis du die Verantwortung übernimmst und die religiösen oder gesellschaftlichen Dogmen zerstörst, die dir die Entwicklung stören, denn die eigenen Wurzeln erschließen sich dir erst viel später in der Aufarbeitung des besiegten Vaterbilds.

Psychologisch ist die Sache klar: Jupiter ist der übriggebliebene Teil der Erinnerung an das kosmische Bewußtsein, also Gott oder jener Splitter göttlicher Sehnsucht, der im Menschen individualisiert ist. Dieser Gott - nennen wir ihn einmal Gott - ist sich nun seiner eigenen Schöpfung überdrüssig geworden, die zwar Wirklichkeit geworden, aber eben nicht Wahrheit ist, weil sie ja nur der körperlich-materiellen Realität deiner inneren Bilder entspricht. Nun wünschst du zur Urquelle kosmischen Bewußtseins zurückzukehren, aber weil du gleichzeitig erkennst, daß sich das "Urverlangen nach der Quelle" im "Hervorbringen eigner Schöpfungen" erfüllt, mußt du, willst du darüber hinausgelangen, dich in einem Akt der Selbsterneuerung zerstören.

HINTERGRUND

Hier zeigt sich der Versuch, das heldenhafte Ich (Mars) mit dem zu verbinden, was dich als Schwingung einer größeren Kraft (Jupiter) umzingelt, denn du hast in deinem Leben sicher schon die Erfahrung gemacht, daß etwas Größeres und Mächtigeres dich umfaßt, durch dich hindurchwirkt und deine Zielvorstellungen bestimmt. Diese Kraft, die wir nicht dem Mutteraspekt der Natur zuordnen, sondern als "Wille" oder "Geist" umschreiben, der in der Lage ist, die Welt nach seinen inneren Vorstellungen zu gestalten, bringen wir mit unserem archetypischen Vaterbild in Verbindung. Das geistige Bewußtsein ist eine patriarchalische Modifikation des chaotischen, den Sinn in sich selber findenden Natur-Matriarchats.

FRAU / MANN

Die aktiven, nach Entwicklung drängenden Aggressionsflammen des Mars verlangen nach Wegen, die von den konventionellen Gestaden weg zu neuen Zielen führen. In den unbekannten Tiefenschichten deiner Seele lodert das Feuer, das sich mit der "Sehnsucht nach dem Vater" in der Außenwelt verbindet und auf den unfaßbaren Gott zusteuert, der sich "seines Seins in dir" bewußt ist, weil er dem "Ganzen" entspricht, das sich "in dir als Teil seiner selbst" erkennt!

Du mußt über deine Prägung hinauswachsen, indem du dich im bildhaften Gestalten, die Welt durch deine Vorstellung zusammenzuhalten, durchschaust. D.h., du mußt die Form anschauen und dich gleichzeitig in diesem Verhalten betrachten, denn nur im objektiven Hinterfragen deines Verhaltens kannst du die Form zerbrechen, ohne gleichzeitig von den zusammenstürzenden Trümmern erschlagen zu werden. Im "objektiven Betrachten deiner Weltbetrachtung" kannst du deine Bilder anhalten und dich gleichzeitig in die Rolle des Beobachters retten, der sich als "gespiegeltes Bild im Spiegel seiner eigenen Vorstellung" erkennt.

Unter Mars/Jupiter bist du in der Lage, dich trotz gesellschaftlicher Bewahrung in Bezirke vorzuwagen, die dem menschlichen Auge normalerweise nicht zugänglich sind. Du mußt nur den Mut aufbringen, die "Inseln deiner Bilder" aufzulösen und gleichzeitig den Akt der Auflösung zu "bebildern", also einen neuen Kommentar zu finden, wie die Welt sein könnte und dabei die alten Muster überwinden, welche dich zwingen, Zerstörung anstatt Leben anzunehmen. Die Liebe ist nicht abhängig von Atomen und Molekülen, sie ist lebendiges Bewußtsein und führt dich zu den Gipfeln deiner angestrebten Wesenheit. Sehen heißt hier, die Vergeblichkeit einzusehen, irgendetwas ändern zu wollen und trotzdem "Teil jeder Veränderung zu sein": Erst wenn du diesen Widerspruch in deinem Inneren gelöst hast, bist du zum Aufbruch (Mars) in die Ewigkeit (Jupiter) bereit.

** Jupiter in Konjunktion zu Pluto

VORGEBURT

Wenn du erkennst, daß alles, was dir aus der Welt entgegentritt, nur besteht, weil du es vordem in die Welt hineingedacht hast, dann erkennst du, daß dir in allem immer Gott entgegentritt, dem du deine Sehnsucht entgegenstellst, damit du die verdrängte Sehnsucht nach Gott als Heimweh nach dir selbst erfährst. Denn dein Empfinden kann den Sinn des Lebens nur dort finden, wo du bist, aber dein Verstand kann dich dort nicht suchen, wo Gott ist, also findest du dich in dir, indem du Gott im eigenen Bild von dir suchst ... oder du suchst dich in Gott, indem du dich im eigenen Bild von ihm findest. Symbolisch ließe sich unter diesem Gestirn ein alter aztekischer Mysterienpriester vorstellen, der die Menschen zum Gebet aufrief, um die Maße in seine eigene Ausdehnung miteinzubeziehen und über den Resonanzkörper der Gläubigen seine eigenen Gottesvorstellungen als Rückkopplung zu erfahren.

FRAU / MANN

Unter diesem Einfluß bist du vom Bedürfnis erfüllt, dich direkt auf die innerste Seinsebene zu begeben und dich mit den Urmustern alles Seienden auseinanderzusetzen. Du siehst zwar nur Bilder, die aber trotzdem Wahrheit in sich tragen können, wenn du bereit bist zu akzeptieren, daß dir die Wahrheit nur so lange nützt, wie sie in dein Weltverständnis einzubringen ist. Denn was nützt dir zum Beispiel zu wissen, daß alles Energie ist? Um mit dieser Erkenntnis etwas anzufangen, mußt du wissen, daß diese Energie nicht nur ist, sondern schon immer war und immer sein wird. Dadurch kann sie in ihrer energetisch-kosmischen Qualität dem menschlichen Übervater- und Gottesbild zugeordnet werden.

Kehren wir die ganze Fragestellung um: Wenn alles Energie ist, dann wäre ohne Energie nichts. Also mußt du dich darauf verlassen können, daß diese Energie ewig ist, und das wiederum nennt sich Gottvertrauen. Denn wenn es sie nicht mehr gäbe, würde alles in sich zusammenfallen. Und weil gerade das nicht sein darf, lieferst du dich diesem Gottvertrauen aus, nicht um der Wahrheit ins Auge zu schauen, sondern um die Winzigkeit deines persönlichen Anteils am göttlichen Schöpfungsplan um eben dieses Gottvertrauen zu erweitern!

Wenn es Jupiter nicht gelingt, diese schwindelerregenden Erkenntnisse zu transformieren und in die Begrifflichkeit zu integrieren, so daß sie vom Bewußtsein verarbeitet werden können, dann kommt es zur "geistigen Zirrhose". Dann geht dir jeder Lebenssinn verloren, und du möchtest wieder "in die Urbausteine" zurück. Du möchtest aus der Gebundenheit in Zeit und Raum entfliehen und dich wieder "atomatisieren". Es handelt sich aber nicht um innere Leere, die nach Erfüllung strebt, sondern eher um eine geistige Völle, die sich überdrüssig geworden ist und die sich nach dem Ende sehnt. Du willst aus den Mustern heraustreten, weil sie dir zu eng und schal geworden sind. Dies entspricht dem inneren Wunsch nach psychischer Verwandlung, der erst im Tod Erfüllung findet und erinnert ein wenig an Schopenhauers "Verneinung des Willens zum Leben".

HINTERGRUND (MYTHOLOGISCHER VERGLEICH)

Auf einer anderen Ebene kann man diesen Aspekt aber auch als den Abschluß einer Entwicklung betrachten, die bei der Annahme der Herausforderung durch den Drachen begann (Mars/Neptun). So wie erst unter Mars/Pluto die endgültige Überwindung des Mutterbildes realisiert wurde, so kann erst unter Jupiter/Pluto das Vaterbild angenommen werden, mit dem man unter Jupiter/Neptun erstmals konfrontiert wurde. Ging es dort noch um den Streit der Söhne mit den Vätern um den Besitz der Mutter, so geht es hier um den Streit der Väter um die Identifikation mit Gott.

Die Söhne sind zwar Väter geworden, aber sie sind immer noch Söhne, weil sie ihr inneres Vaterbild noch nicht gefunden haben und es nach außen projizieren auf Gott. Hier findet sich die "Summe menschlicher Erkenntnis", die am Ende ihrer Weisheit angelangt ist und die sich jetzt ihr Vatersein erzwingen will durch Vernichtung, die sich mit Gott verschmelzen will im Tod.

* Jupiter in Sextil zu Neptun

VORGEBURT

Die zentrale Bedeutung dieses Aspektes liegt in der Möglichkeit, die eigene Weltanschauung zu durchschauen und zu erkennen, daß sie nur dem eigenen kulturellen Erbe entspricht. Durch die Relativierung dieses Gebildes und die Einbeziehung von Räumen, die sich der euklidischen Geometrie weder einfügen noch sich in ihren Ursachen aus der Logik eines Aristoteles erklären lassen, kannst du deine Perspektiven nicht nur sehen, sondern auch sehen, wie du sie siehst! Jupiter/Neptun zeigt ein Fluidum seraphischen Elysiums an, das schnell zur Hölle werden kann, wenn du geistig abhebst oder deinen Rahmen materiell zu sehr ausdehnst. Geistig gilt es, aus einer Sache und ihrem Gegenteil keinen Unterschied zu machen, weil das einzig Objektive die Subjektivität der persönlichen Wahrnehmung ist. Dadurch kannst du zu philosophischen Einsichten vordringen, die sich aus der Relativität des Sehens und der Einbeziehung dieser Relativierungen nähren. Denn alle Wege sind gleich und müssen gerade deshalb makellos begangen werden, weil sie nirgendwohin führen. Nur wer in seinem eigenen Leben den langen Wegen bewußt gefolgt ist, kann ermessen, daß es kein Ziel gibt, zu dem sie hinführen.

MANN

Die Gefahr dieser Konstellation liegt darin, daß deine inneren Ziele so hoch in den Wolken schweben, daß sie nur schwer zu verwirklichen sind. Dabei zeichnest du dich durch besonders abgehobene Vorstellungen von dir und der Welt aus. Dein innerstes Streben entspricht einem Prozeß der Suche, in dem du aber nicht nur suchst, was du verloren zu haben glaubst, sondern auch das, was es nirgends zu finden gibt. Der Enthusiasmus, der dich erfüllt, katapultiert dich in Gefilde, in denen deine Psyche nicht immer stabil genug ist, zwischen Realität und Irrealität zu unterscheiden. Aber gerade in religiösen und mystischen Bereichen, in denen das Ego zugunsten transzendenter Auflösungen zurückgelassen wird, kannst du jene schimmernde Insel erreichen, die aus den Wassern des Unbewußten aufscheint. Hier kannst du über die Schwelle, die das Licht vom Dunkel trennt, hinter die Illusionen deiner Dualität gelangen, in welcher du deine gesellschaftlich-kulturelle Rolle neu erfährst. Patriarchat heißt zwar "Herrschaft der Väter", doch war es auch in vergangenen Tagen den meisten "Vätern" verwehrt, eine bedeutende Rolle innerhalb der Gesellschaft zu spielen. Da durch die Herausarbeitung eines hierarchischen Prinzips die meisten Männer in den unteren Bereichen der väterlichen Macht agierten, war es ihnen höchstens vergönnt, ihrer Position im engeren familiären Rahmen nachzukommen, wo sie dann ihren Frust in der Arbeitswelt kompensativ an den noch schwächeren Familienmitgliedern loswurden.
 
 

Unter diesem Gestirn besitzt du aber eine noble Art, solches Tun zu hinterschauen und dich den Auswirkungen eines solchen Verhaltens zu entziehen. Du besitzt eine feine Antenne für Sexualität ohne Gewalt, Spiritualität ohne Enthaltsamkeit und für das freundliche Zusammenbinden des in Körper und Geist gespaltenen Selbst.

Jupiter in Sextil zu Uranus

VORGEBURT

Du bist der geistige Wanderer auf den einsamen Straßen des Unbewußten und suchst das Unfaßbare aus deinen Träumen, dem du auf deinen nächtlichen Streifzügen so viele Male begegnet bist. Aber solange du suchst, hat die Straße kein Ende, weil du im Suchen das Finden suchst, welches du nur im Suchen findest und das nur auf die Wirren deiner verirrten Vorstellung zurückzeigt. So mußt du den Teufelskreis des Denkens überwinden, um in den Wäldern des Unbewußten jenen Regenbogen zu finden, dessen unterirdisches Glimmen in deinem Bewußtsein die Herausforderung des Ewigen entfacht. Denn nichts ist zu groß oder zu mächtig, um nicht von dir herausgefordert zu werden.

KIND

Schon als Kind trägst du unter diesem Einfluß eine unbewußte Erinnerung in dir, etwas suchen zu müssen, was du aber längst vergessen hast. Kinder tragen diese Visionen des Vergessenen im Herzen, was sie zu einem Verhalten anspornt, die Mysterien zu entschleiern und in die Katakomben ihres Unbewußten einzutreten.

Dabei trat bei dir schon recht früh die Begabung zutage, eine Situation durch verschiedenste Perspektiven mit immer anderen Augen zu betrachten, was den Pragmatikern unter den Erziehern nicht immer sehr geheuer war. Diese Weitsicht, nicht der Routine zu verfallen, brachte dir den Ruf eines Nonkonformisten ein, obwohl du nur die Aspekte der Realität erkanntest, die den Erwachsenen entgingen. Kinder unter diesem Zeichen müssen früh angeleitet werden, die Realität der anderen zu akzeptieren, damit später nicht die Gefahr besteht, an den anderen all das zu kritisieren, was sie von den eignen Zielen selber nicht verwirklicht haben.

FRAU / MANN

Heute schenkt dir dieser Einfluß Einsichten vom besten, was durch Planeten überhaupt symbolisiert werden kann. Da Jupiter alle Ansichten erweitert, so daß ihr Sinn durch die Form hindurchscheint, Uranus aber neue Dimensionen anzeigt, so haben wir hier die göttliche Voraussetzung, daß neue Dimensionen durch das Fenster der Weltanschauung hindurchscheinen und Menschen unter diesem Zeichen für neue Formen religiöser oder philosophischer Ziele begeistern.

Diese Ziele führen zu ungeheuren Tiefen, weil es für dich nicht mehr nur ums Essen oder die Fortpflanzung geht, sondern es viel wichtiger für dich zu wissen ist, wie sich das archetypische Muster aller Schöpfung intuitiv erspürt. Gerade weil du erkennst, daß du die Wahrheit nie erfassen kannst, sondern höchstens eine individuelle Perspektive davon (in der sich dein eigener Gesichtswinkel spiegelt), sind visionäre Einsichten zu erwarten.

Der Schatten dieser Konstellation liegt in der Ruhelosigkeit und Hektik, welche dich befallen, wenn es dir nicht gelingt, dein Spektrum auf die Bedürfnisse der Welt zu übertragen. Dann kann es passieren, daß du deine Gaben nur noch benutzt, um dich über die Umwelt zu erheben und deine Mitmenschen für dumm zu erklären. Eine breite Allgemeinbildung wäre eine gute Voraussetzung, die visionären Einsichten real abzusichern, um von den anderen nicht schon in den Grundlagen angegriffen zu werden und ihnen umgekehrt das vorzuwerfen, was du vor lauter Erkenntnissen vielleicht selber versäumt hast: die Entwicklung eines pragmatischen Wissens!

* Saturn in Halbquadrat zu Pluto

VORGEBURT

Im Zwielicht dieser dunklen Sterne mag sich in dir ein Alchimist oder eine Zauberfrau verbergen, die aus der Hölle kommen und die Elixiere des Teufels in die Welt mitbringen. Du solltest versuchen, dein Leben in den Tiegel einzugeben, der deine düstere Seele auf dem Feuer in die göttliche Glut einschmilzt. Daß dies nicht ohne Schmerzen wird geschehen können, wird jeder bestätigen, der den Prozeß der alchimistischen Verwandlung kennt. Alle besessenen und schwarzmagischen Emanationen müssen sterben, ehe du wie Phönix aus der Asche neu geboren werden kannst.

In deiner Sehnsucht nach Umwandlung hattest du weder Verständnis für deine noch für die Werte anderer. Dein vergangenes Karma, in dem du ohne Rücksicht auf die Umwelt deinen persönlichen Zielen nachgingst, kann sich in diesem Leben auf einer höheren Stufe wiederfinden, wenn du ohne Rücksicht auf deine eigenen Motive der inneren Stimme nachspürst, die dich zu jenem Umwandlungsplatz der Psyche führt, wo du durch völlige Zerstörung erlöst und umgewandelt wirst.

HINTERGRUND

Saturn/Pluto verkörpert die Katastrophe, die die natürliche Ordnung wiederherstellt. Obwohl dies aus übergeordneter Perspektive nicht nur folgerichtig, sondern auch buchstäblich lebensnotwendig ist, wird es von dir - auch dies scheint unausweichlich - nicht so empfunden. Ein solches Ereignis kann deine Psyche regelrecht zum Einsturz bringen, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt, um die starre, lebensfeindliche Haltung des Ichs aufzubrechen. Dann kannst du nur noch versuchen, dich mit deinem Schicksal abzufinden, um in der Vernichtung den Geist deiner Freiheit wiederzufinden. Denn unter diesem Gestirn greifst du nicht irgendeine Dimension des Lebens auf, sondern faßt sozusagen mitten ins Schöpfungsloch hinein, denn die Berührung mit dem Kern führt immer zur Begegnung mit der Frage nach dem letzten Sinn. Der Tod symbolisiert den Lebenskreislauf, wo das Ende bereits im Anfang jedes Werdens keimt, denn der Tod ist die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt, die innen beabsichtigt, was außen erscheint, und die außen zerstört, was innen schon keimt. Er hebt die Seele gebieterisch über sich selbst hinaus, indem er sie gleichzeitig auf sich selbst zurückschmettert. Somit kannst du das Prinzip dieses Gestirns als tiefste und letzte Wahrheit verstehen, als den Urgrund und den Sinn allen Wesens und Seins.

Wenn sich unter Saturn/Neptun die ängstliche Frage stellt: "Wer bin ich?", dann findet sich unter Saturn/Pluto die donnernde Antwort: "Der, der ich bin!"

"In dem, der ich bin" steigt die Flamme aus dem Stahlbad alchimistischer Transformation empor, welche alle Schlacken des Bewußtseins verbrennt. Das entspricht dem Durchbrechen des ersten Sonnenstrahles nach der "langen Finsternis der Nacht" und symbolisiert den freien Fluß der Seele, die in der Vorstellung gefangen war. Saturn/Pluto ist gleichsam der Flaschenhals, durch den sich die Schuld, die sich während der bisherigen seelischen Entwicklung angesammelt hat, gewaltsam in dein Leben ergießt. Mythologisch wird dieser innerpsychische Vorgang durch das Bild der sich häutenden Schlange oder den Phönix aus der Asche ausgedrückt. Jesus sprach: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben". (Joh. 11,25)

Wenn sich dem Saturnier unter Neptun das "Ewige im Göttlichen" anbietet, dann lernt er unter Pluto das "Göttliche in sich selbst" erkennen, und das erschließt sich ihm über den alchimistischen Prozeß der Umwandlung durch Zerstörung.

KIND / FRAU / MANN

Unter diesem Gestirn fehlt der Bezug zur Kindheit, weil die Überwindung des Fleisches, die Wiedergeburt des Geistes, welche diese Konstellation regiert, die spontane Entwicklung der kindlichen Gefühlswelt gar nicht zuläßt. Der Geist mag ewig sein und sich immer neue Formen schaffen, doch die Bindung an die menschliche Existenz ist der unbewußten Entwicklung unterworfen, und eine erlöste Form ist unwiderruflich dahin. Was vollbracht ist, ist dahin, und Spontanität und kindliche Gefühle gedeihen nicht unter Saturn/Pluto.

In diesem Lebenszyklus hast du dich mit dem Archetypus von Tod und Wiedergeburt auseinanderzusetzen. Du mußt lernen, dich mit deiner saturnischen Form zu identifizieren und diese gleichzeitig zu vernichten, um in der Asche den Geist deiner Freiheit wiederzufinden. Vor jeder Erfahrung lauert der Tod, der notwendig wird, um aus der Hülle herauszuwachsen, die du für dein Schicksal gehalten hast. Erst dann kannst du eine neue Mitte finden, die weit entfernt von dem liegt, was du innerhalb deines alten Rahmens für möglich hieltst. Denn in der Asche sind alle Fixierungen und Bindungen, die dich an diese Welt jetzt zwingen, überwunden, wie sie im befreiten Geist, der aus der Asche steigt, nur noch als Idee des menschlichen Verhaltens eingelagert sind.

SINN / ZIEL

Saturn/Pluto kündet vom Zusammenbruch des alten Weltbildes auf dem Weg zur inneren Erkenntnis bzw. vom Scheitern als notwendige Voraussetzung, um zu einer umfassenderen Wahrheit zu gelangen. Wenn diese Konstellation in deinem Leben "greift" (ausgelöst wird), dann bist du eingeladen, deinen Lebensweg neu zu überdenken, denn das von Pluto verkörperte Prinzip ist eine Reihe von immerwährenden Änderungen, deren Wechsel das einzige Beständige ist. Zeit und Leben stehen so zueinander, daß sich die Zeit an den Stationen deiner lebendig gewordenen Vorstellungen vorbeibewegt, wobei die inneren Bilder oder der Kern deiner Erinnerungen von ihr unangetastet bleiben. Bist du dazu nicht in der Lage, weil du dich nicht reflektierend über den Alltag hinausbegeben kannst, dann wirst du über die Erfahrung von Verlust und Schmerz dazu gebracht werden, dir neue Perspektiven zu erarbeiten und zu neuen Ufern aufzubrechen. Dies ist das Positive, Lebensbejahende an einer solchen Erfahrung: Sie schafft die Voraussetzungen für ein lebendigeres Leben. Nichts ist so schöpferisch wie der Tod - denn er ist die Voraussetzung zum Leben!

*** Uranus in Sextil zu Pluto

VORGEBURT / GEBURT
 
 

Da Uranus neben der Hervorhebung der eigenen Freiheit und der Herausstreichung der persönlichen Unabhängigkeit auch die Aufhebung der Realität anzeigt, verkörpert er im Verbund mit Pluto ein eigenes Inventar von Bildern, das sich so der Welt verkündet: "Das einzig Beständige ist gerade das ewig Unbeständige. Nichts bleibt bestehen - aber das bleibt beständig!"

Uranus ist das Regulativ des Unbewußten, das aufhebt und herausführt aus den Polaritäten, wenn diese für das Individuum nicht mehr lebbar sind. Es ist dies der logisch nicht mehr nachvollziehbare Versuch, eine Entfernung von seiner eigenen Subjektivität zu erreichen, ohne zu bemerken, daß gerade das wieder zum Bild der eigenen Subjektivität wird: nämlich zum Bild, über das Subjektive hinauszugelangen. Es ist dies der unbeschreibliche Versuch, sich selber außerhalb von sich selber zu begegnen!

Die Ouvertüre dieser karmischen Verstrickung löst sich schon während des Geburtsakts aus, denn die darin inkarnierte Botschaft signalisiert Abwehrbereitschaft gegenüber einer feindlichen Welt, was oft eine lebensbedrohliche Situation impliziert (Erstickungsgefahr). Sei es, daß du dich schon im Mutterbauch ausgestoßen fühltest, auf jeden Fall reagiertest du mit einer trotzigen Gebärde, dich nämlich jenem Leben gar nicht erst auszuliefern, dessen unbewußte Signale, unerwünscht zu sein, du bereits während der Schwangerschaft empfingst. Später möchtest du die Menschen zwingen, dir die vorenthaltene Anerkennung zurückzugeben, die nie erlebte Geborgenheit, was zu Vergewaltigungsabsichten und rohen Übergriffen führen kann, aus Angst vor der Angst im eigenen Empfinden.

MANN

Diese Angst tritt stets hervor, wenn du dich in die Gefühle bindest, denn als Mann fühlst du dich von deinem eigenen Aggressionspotential bedroht. Du wirst von den finstersten Alpmahren und Nachtgespenstern umzüngelt, denn um die Rückführung zu deinem inneren Frieden wieder zu erreichen, mußt du erst durch die Hölle. Die innere Angst, die eine immer wiederkehrende Paraphrase des Geburtstraumas darstellt, verwandelt deine lüsterne Triebenergie in die würgende Mutter, den Schatten deines weiblichen Selbst, der von einer Menge nackter Männer angebetet wird. Indem du deinen eigenen Untergang herbeisehnst, buhlst du nach der Hexe, damit sie dir deine inneren Höllenbilder zurückbringe. Dann öffnest du dich zur "Vereinigung mit Gott", in welcher du auch Satan anrufst, Tote beschwörst oder rituelle Leichenschändung vollführst, weil du auf die Verkörperung von Tod und Teufel keinesfalls verzichten willst, durch welche sich die Lebenskraft nach deiner Meinung inkarniert. Du suchst den Engel oder die Hohepriesterin, die ihren göttlichen Zorn durch ihre Peitsche verteilt, wenn du dich selbst als hilfloses Opfer ankettest auf dem Altar der Gewalt. So wird der Verzicht auf das lebendige Leben zur Voraussetzung überhaupt, leben zu können, und dir wird plötzlich bewußt, wie die Realität aus den eigenen Bildern entwichen ist, daß diese nur noch leere Hüllen sind, geboren aus dem Mitleid der Götter, den Ursprüngen deines inneren Verhaltens nicht ins Auge schauen zu müssen, um dem Schrecken der Wahrheit über deine eigenen Beweggründe zu entgehen.

Somit gehst du buchstäblich die Straße ins Nichts, den Weg zur Hölle; aber dies ist der einzige Pfad, den du mit deinen Augen erkennen kannst. Selbst wenn du spürst, daß dich dein Wahnsinn in den Abgrund führt, wäre es für dich noch schwierig, deine inneren Gedankenbilder "anzuhalten", deine Bestrafungsmuster zu erkennen und deine Selbstzerstörungsmechanismen zu unterbinden. Erst im Feuer deiner absoluten Krise, nach vielen Reinigungsprozessen, kannst du die Erfahrung machen, daß du alle deine Vorstellungsinhalte leicht zurücklassen und den Weg zu dir selber zurückfinden kannst, wenn du nur das eine beherzigst: alle Brücken hinter dir abbrennen und auf keinen Fall zurückschauen!

DIE HINTERGRÜNDE DES KARMAS

Willst du die Voraussetzungen deiner karmischen Beweggründe in die Sichtweise mit einbeziehen, durch welche du dein Schicksal interpretierst, kannst du auch bestimmte planetarische Tierkreis- und Häuserstellungen in die Deutung mit einfließen lassen. Unter dieser Rubrik findest du eine Handvoll von AKRON bevorzugter Zeichen- und Häuserstellungen, die dir helfen sollen, deine innere Seelenlandschaft weiter abzurunden.
 

MOND IM 11. HAUS

Es sieht so aus, als ob du in deinen vergangenen Leben den Menschen zu wenig Aufmerksamkeit gegeben hättest, besonders jenen, die dich liebten. Du hast sie angeschaut, ohne sie wirklich sehen zu können, weil du nur dein eigenes Bild anschautest, welches du auf sie übertragen hast. Nun wird dir erneut die Chance eingeräumt, zu lernen, die anderen wieder anzuschauen, weil du sonst immer davonlaufen mußt, wenn du die eigene Maske vor dem Gesicht der anderen siehst. Denn in dieser Maske sind deine eigenen Erinnerungen verborgen, die du nicht erträgst, die dir aber immer wieder vorgehalten werden, so daß du gezwungen bist, immer und überall davonzulaufen, weil sich in allem immer das eigene Davonlaufen spiegelt, welches dich aus der Vergangenheit immer wieder einholen wird.

VENUS IM 11. HAUS

Venus und Uranus weisen über das Verlangen, keine echte Liebe zu empfangen, auf die Strukturen in früheren Leben zurück, kalt und berechnend alles vernichtet zu haben, was den eigenen Plänen im Wege stand. Die Liebe (Venus) wurde eingesetzt, um die Liebe selber zu zerstören (Uranus) - sie wurde damit Zielen untergeordnet, die nichts mit Liebe, sondern ausschließlich mit persönlichem Ehrgeiz zu tun hatten (historisches Beispiel: Marquise de Montespan, Mätresse Ludwigs XIV.).

Man kann daraus ablesen, daß in der Art, wie du mit deiner Umwelt umspringst, immer noch ein karmischer Übertrag aus früheren Leben mitschwingt. Weil jeder Versuch, die Verbindung zu einem Partner (als Repräsentant des ungelebten Teiles in dir) zu verhindern, Ausdruck der Verhinderung selber ist, deine verlorengegangene Einheit wiederzufinden, was sich in zerstrittenen Persönlichkeitsanteilen niederschlägt.

Denn obwohl jeder spirituelle Meister darauf hinweist, daß keine Verbindung für alle Zeiten befriedigen kann, weil wir in der Liebe des anderen nur unsere eigene unerlöste Wesensart finden, die nach immer neuen Beziehungen dürstet, ist es unsinnig, auf tiefe Liebesbindungen zu verzichten, weil wir damit die Chance vergeben, das Glück der inneren Vollständigkeit wenigstens für einen kurzen Augenblick zu finden und darin das Antlitz unserer Schöpfung zu erkennen.

JUPITER IM 10. HAUS

Hier gilt es, die Erkenntnisse, die du in so vielen Leben zu suchen nie müde geworden bist, endlich als Illusion zu begreifen. Dieses geistige Nomadentum, ständig durch größere Gebiete des Bewußtseins zu reisen und dir stets größere Brocken an Erkenntnis einzuverleiben, bis du dich geistig überfressen hast, wird durch Saturn unterbunden. Damit ist dir die Chance gegeben, den Weg zum Wissen, den du stets gesucht und nie gefunden hast, als Pfad zu erkennen, der nur zur eigenen Vorstellung des Wissens führt; denn die Wege zur eigenen Mitte führen im Grunde auch nur wieder über unsere kollektiven Sehnsüchte nach den Göttern, die wir Menschen mit unserem Kommentar versehen und je nach Glaubensrichtung als persönliches Credo ausleben.

Saturn im 9. Haus

Beschreibung siehe weiter oben: Jupiter im 10. Haus
 

URANUS IM 8. HAUS

Da Uranus neben der Hervorhebung der eigenen Freiheit und der Herausstreichung der persönlichen Unabhängigkeit auch die Aufhebung der Realität anzeigt, verkörpert er im Verbund mit Pluto ein eigenes Inventar von Bildern, das sich so der Welt verkündet: "Das einzig Beständige ist gerade das ewig Unbeständige. Nichts bleibt bestehen - aber das bleibt beständig!"

Uranus ist das Regulativ des Unbewußten, das aufhebt und herausführt aus den Polaritäten, wenn diese für das Individuum nicht mehr lebbar sind. Es ist dies der logisch nicht mehr nachvollziehbare Versuch, eine Entfernung von seiner eigenen Subjektivität zu erreichen, ohne zu bemerken, daß gerade das wieder zum Bild der eigenen Subjektivität wird: nämlich zum Bild, über das Subjektive hinauszugelangen. Es ist dies der unbeschreibliche Versuch, sich selber außerhalb von sich selber zu begegnen!

Dieses Thema scheint schon auf in der Erfahrung der Geburt. Die darin enthaltene Lebensgefahr (wahrscheinlich Sauerstoffmangel) verlagerte sich in eine bedrohliche, unterschwellige Lebensangst. Sei es, daß du dich von der Mutter unbewußt nicht angenommen sahst, auf jeden Fall übertrugen sich unbewußte Ablehnungsbilder bereits während der Geburt auf das Kind. Daher willst du später die Frauen zwingen, dir die vorenthaltene Anerkennung zurückzugeben, die nie erlebte Geborgenheit, was zur Vergewaltigung der eigenen Empfindungen und zu rohen Vorstellungsbildern führen kann, aus Angst vor der Angst im eigenen Empfinden.

PLUTO IM 10. HAUS

Im Zwielicht dieser dunklen Sterne mag sich in dir ein Alchimist oder eine Zauberfrau verbergen, die aus der Hölle kommen und die Elixiere des Teufels in die Welt mitbringen. Du solltest versuchen, dein Leben in den Tiegel einzugeben, der deine düstere Seele auf dem Feuer in die göttliche Glut einschmilzt. Daß dies nicht ohne Schmerzen wird geschehen können, wird jeder bestätigen, der den Prozeß der alchimistischen Verwandlung kennt. Alle besessenen und schwarzmagischen Emanationen müssen sterben, ehe du wie Phönix aus der Asche neu geboren werden kannst.

In deiner Sehnsucht nach Umwandlung hattest du weder Verständnis für deine noch für die Werte anderer. Dein vergangenes Karma, in dem du ohne Rücksicht auf die Umwelt deinen persönlichen Zielen nachgingst, kann sich in diesem Leben auf einer höheren Stufe wiederfinden, wenn du ohne Rücksicht auf deine eigenen Motive der inneren Stimme nachspürst, die dich zu jenem Umwandlungsplatz der Psyche führt, wo du durch völlige Zerstörung erlöst und umgewandelt wirst.
 

PSYCHOLOGISCHE STRUKTUR

 **** Sonne in Halbquadrat zu Venus

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Sonne und Venus verkörpern in ihrem Zusammenspiel keinesfalls die bloße Freude und den Optimismus, wie es in vielen astrologischen Rezeptbüchern geschrieben steht, denn hinter der Fassade von Höflichkeit und Harmonie klafft auch ein Gefühl von Leere, weil der Mensch ahnt, daß er die Schönheitsideale, denen er in der äußeren Welt nachjagt, in der Tiefe seines Herzens nie wird finden können. Unter diesem Zeichen verbirgt sich neben dem Streben nach äußerem Glanz auch eine Annäherung an das Tiefenselbst, an die Seele als Ganzes oder an Gott. Die völlige Abhängigkeit der Venus von der äußeren Begegnung symbolisiert nämlich die nicht zu erfüllende Vereinigungssehnsucht mit dem Ewig-Göttlichen oder den Wunsch nach Wiedervereinigung der Polaritäten, deren Trennung durch den Sündenfall mythologisch gut bebildert ist. Das ganze äußere Bestreben ist darauf ausgerichtet, Harmonie herzustellen, um von der inneren Unerfülltheit abzulenken, und man muß attestieren, daß dies hervorragend gelingt. Sonne/Venus-Typen sind die geborenen Vermittler, wenn es darum geht, zu schlichten. Geht es darum, die Mitte in irgendeiner Form zu finden, sind sie sogar bereit, kurzfristig gegenteilige Ansichten zu übernehmen und, um von der Augenblicksituation abzulenken, für einen kurzen Moment das Muster eines zeitloseren, überräumlichen Verstehens durchschimmern zu lassen.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Hinter deinem Verhalten, jeder Auseinandersetzung und Entscheidung auszuweichen, verbirgt sich das lebensfeindliche Prinzip, das körperliche Leben in seinen Auswirkungen gar nicht annehmen zu wollen. Hier versteckt sich der Wunsch, dem Leben in allen Lagen ein ästhetisch-verlogenes Mäntelchen überzuziehen, um das nicht wahrhaben zu müssen, was menschliches Verhalten oft mit sich bringt: Chaos und Zerstörung. Damit sitzt du aber in der Falle: Ewiges will erspürt und dann von der Begrifflichkeit deiner Gefühle vereinnahmt werden. Gleichzeitig sehnst du dich nach Liebe, um den materiellen Zwängen zu entgehen und merkst nicht, daß du, indem du nach Erfüllung strebst, deine Vorstellung von Glück bewegst, die stets gesucht, aber nie gefunden werden darf, damit die menschliche Entwicklung nicht stillhält. Glück und Liebe sind ewige Bewegungen und halten nie ein; alles befindet sich in einer "ewig fließenden Offenbarung der Absicht Gottes", und Evas Versuch, die Absicht anzuhalten (Sündenfall) und das Ewige in sich hineinzuessen (Paradiesapfel), mutet im Angesicht des Unerbittlichen bisweilen naiv und kindlich an.

* Sonne in Sextil zu Mond

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Wenn die Sonne den Willen verkörpert, sich zu entfalten und damit das zu verwirklichen, was man gemäß seiner inneren Anlage in die äußere Welt mitbringt, dann entspricht der Mond dem Rückzug zu den Ufern des Unbewußten. Der Mond ist das Sinnbild der nährenden Mutter in realer wie symbolischer Gestalt, und jener Teil der Psyche, der sich mit diesem Symbolgehalt verbindet, sehnt sich danach, in die Unschuld und Unverantwortlichkeit des Mutterbauches zurückkehren zu können, denn der erste Schrei ist unausweichlich mit der Geburt aus dem Mutterschoß verbunden, mit dem Entsteigen aus den unergründlichen Wassern oder aus den tiefen Brunnenstuben der Natur.

Das erste, von dem sich das Kleinkind ablösen muß, ist die Mutter, die "Große Mutter", denn zu allererst ist für das Neugeborene "der Körper der Mutter" die ganze Welt, Mutter und Welt sind völlig eins. Das Ich des Neugeborenen ist noch vollständig mit dem verschmolzen, was man "das innere Bild der Großen Mutter" nennt.

Da die Sonne das Streben symbolisiert, eigenständig zu werden und damit das zu verwirklichen, was man von seiner inneren Anlage her ist, sehen wir hier, wie das von der Sonne symbolisierte Ego einen intensiven Kampf gegen die Mondverkörperung der "Großen Mutter" führt.

Hierin erkennen wir auch das kollektive Problem des Mannes, sich von der Brust der Mutter abzulösen, und es ist nur allzuleicht verständlich, daß er sich dabei seines Selbstverwirklichungsdranges bedient. Es bedarf des maskulinen Prinzips der Sonne, um das instinktive, unstrukturierte und gefühlsmäßige Umfeld der (Großen) Mutter mit materiellen Zielen aufzufüllen. Dadurch gelingt es dem Ich, aus seiner somnambulen Verschmelzung mit der Mutter zu erwachen und sich zu einem abgenabelten, eigenständigen Wesen zu entwickeln. Trotzdem bleibt die unbewußte Sehnsucht, sich zur Einheit mit dem Weiblichen zurückzuentwickeln, und da sich das Männliche dieser Sehnsucht bewußt ist, beginnt es, das Weibliche systematisch zu unterdrücken. So entwickelte sich die Herrschaft der Väter, das Patriarchat.

Die Gesellschaftsform des Patriarchats oder die Unterdrückung der Instinkte entspricht der Angst des bewußten Ichs, in die Schlünde des Überwundenen zurückzusinken und von den Urgründen des Unbewußten wieder verschlungen zu werden ("Das Ewigweibliche zieht uns hinab!"), impliziert dieses doch einen Rückfall in die unkristallisierte, undifferenzierte und verfließende Embryonalität.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Sonne und Mond verkörpern die Erbsünde, ohne die es im Leben keine Entwicklung gäbe. Sie sind die Pfeiler, auf denen die Vertreibung aus dem Paradies beruht, der Sturz in die Polarität und damit die menschliche Entwicklung. Wenn die Urmutter auch noch dem Pluto- Prinzip entspricht ("Stirb und Werde"), aus dem sich der Schöpfergeist (Uranus) gebärt, so macht die "Große Mutter" nach und nach den individuellen Eltern Platz (Sonne/Mond-Prinzip), wobei das Kind sich in den geschlechtsungleichen Elternteil verliebt und gegen den gleichgeschlechtlichen Rivalität empfindet. Daher auch sein Versuch, die beiden zu trennen, was ja gerade seinem inneren Zustand entspricht, in seinem seelischen Energiestrom "getrennt zu sein".

Tiefenpsychologisch zeigt sich hier der Wille zur Konfrontation mit dir selber. Du willst dich aus der Ruhe bringen, um mit deinem unbekannten (verdrängten) Teil konfrontiert zu werden. Bis du den Weg aber gefunden und dem anderen Teil begegnet bist, wirst du deine Selbstdarstellung immer wieder ändern, weil du nicht merkst, daß die "gesuchte Hälfte" ja mit der "suchenden" identisch ist. Ein auffallender Lebenshunger ist vorhanden, verbunden mit dem Gefühl, im Leben einiges verpaßt zu haben. Das nährt das innere Bedürfnis, neue Wege zu gehen, und so änderst du deine alten Verhaltensmuster, was auch das Risiko verstärkt, dich auf unbekannte Pfade zu verirren. Es ist dies eine Suche nach neuen Ufern, die nicht unbedingt zum Finden führen muß, sondern über den Umweg eines möglichen Scheiterns, über das Betreten schwankender Lebensstege Einsicht in die unentwickelten Dimensionen der Individualpsyche vermitteln kann.

**** Mond in Quadrat zu Uranus

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Alle Berührungen mit Uranus konfrontieren uns mit dem Symbol der Wende, der Umgestaltung und der Aufhebung. Wird dabei der Mond mit angesprochen, so bezieht sich die Wende auf die Gefühlsebene. Das Seelenleben fließt plötzlich nicht mehr ruhig daher, sondern zeigt sich äußerst sprunghaft und unbeständig.

Um diese inneren Ziele im normalen Alltag zu verankern, hat sich die Seele eine Mutter erkoren, die ihre unerfüllten Sehnsüchte in das Kind hineinerzog, so daß dessen eigene Gefühle sozusagen "fremdbesetzt", durch die Gefühle der Mutter überlagert wurden. Damit wurde die Voraussetzung geschaffen, daß das Kind sich in sich selbst verlor resp. keine Grundlage mehr hatte, auf der es sich emotional entfalten konnte. So blieb ihm nur die Möglichkeit, diese übertragenen Gefühle abzuwehren und sich in die Beziehungslosigkeit zu retten. Was das Kind aber nicht wußte, war, daß es nur den Übergriff seiner Bezugspersonen abwehrte: die Zudringlichkeit der Eltern, ihre eigenen Wünsche aus dem Kind herauszulesen, um die verpaßten Möglichkeiten im Kind neu nachzuleben. Somit blieb es beim hilflosen Versuch, die Gefühle, die es nie entwickeln konnte, als minderwertig abzutun und das Kompensieren dieser Beziehungslosigkeit, ein Sehnen nach Gott, ins Zentrum seines Lebenswegs zu rücken. Denn die Gefühle zu Gott symbolisieren gerade die emotionale Schwäche, die sich im Streben nach dem Ewigen nie zu entschleiern braucht, weil das Göttliche im Gegensatz zum Menschlichen sowieso nie zu erreichen ist und wenn, dann nur als Bild.

Unter diesem Stigma ist man ständig auf der Hut und entwickelt ein psychologisches Gespür, um alle Angriffe von außen parieren zu können. Mit seinen feinen Antennen spürt man schon im voraus, was die anderen jetzt vorzubringen haben und läßt sie gar nicht erst zu Wort kommen. Uranus schenkt die Fähigkeit, in Sekundenbruchteilen die Gefühle von außen blitzschnell zu erfassen und auf alle Situationen gefaßt zu sein. Und das mondhafte Empfinden sieht sich in der abstrakten Situation, in der es an den Projektionen der Gefühle zwar interessiert teilnimmt, aber mehr, um sich wie in der Hauptrolle eines Filmes zu betrachten und ohne am Geschehen seelisch teilzunehmen. Durch die kindlichen Erfahrungen gewarnt, bestehen die Gefühle jetzt darin, sich selber aus der Perspektive eines Berichterstatters zu betrachten, welcher über die Gefühle zwar berichtet, ohne sich aber persönlich festzulegen. Man distanziert sich gleichsam von sich selber!

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Voraussetzung zum uranisch-mondhaften Verlangen, emotional immer aus der Rolle zu fallen, dürften die Übergriffe der Mutter (oder die der weiblichen Erziehungsperson) in frühester Jugend schon gewesen sein. Das kann zu einem Verhalten führen, den weiblichen Teil in sich nicht anzunehmen, weil mit diesem Teil die Erinnerungen an die psychische Zudringlichkeit der Mutter verbunden sind und in der Vorstellung immer wieder neu bebildert werden.

Als Frau legst du Wert auf lose Beziehungen, auf distanzierte Sexualität, keine bindende Liebe, weil verpflichtendes Einbeziehen des anderen die freie Entfaltung deiner Weiblichkeit behindert. Als Mann lebst du deine Verhinderung dadurch aus, indem du dominanten, starken Frauen aus dem Weg gehst und mehr den knabenhaften, instinktschwachen und daher ungefährlicheren Typ bevorzugst.

Aus dieser Zurückhaltung kann sich später das Verhalten bilden, die Blockaden loszulassen, indem du dich ans Umgekehrte klammerst: Als Frau lebst du deine abgewehrte Weiblichkeit dann dadurch aus, indem du dich dem Mann auf eine Weise öffnest, in welcher du ihn schuldig erklärst, sich dem "Weibe in dir" genähert zu haben und ihn aus dieser Rolle heraus nicht nur plagst und quälst, sondern ihm die Verantwortung dafür auch noch aufbürdest. Und als Mann kompensierst du dein Verhalten dadurch, indem du dich der instinktbetonten, animalischen Frau zwar körperlich auslieferst, dich ihr aber seelisch immer wieder entziehst und damit indirekt die Mutter bestrafst, indem du sie in ihrer seelischen Zudringlichkeit an deiner Kälte beständig auflaufen und leiden läßt.

Erst wenn du dein Abwehrverhalten durchschaust, dich aus jeder Körperlichkeit herauszuhalten, weil Körperlichkeit Gefühle provoziert und Gefühle an die Zudringlichkeit der Mutter erinnern, vor welcher du erschauderst, kann die Krise bewältigt werden. Erst, wenn du die Erfüllung in dir selber suchst und nicht ein aus Angst vor Entzug genährtes Liebesverlangen auf den anderen überträgst, findest du zu einer Form von Liebe, die dem Partner vollständige Freiheit zu lassen vermag und trotzdem das hohe Ziel wahrer Partnerschaft gewährleistet.

Mond in Sextil zu Merkur

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Der Mond ist jenseits polarer Denkinterpretationen mit einem geruchlosen und unsichtbaren Gas zu vergleichen, das jede Bildvorstellung wie einen Luftballon aufbläst. Seine polaritätsauflösende, Raum und Zeit transzendierende Energie ist unerklärt und läßt sich vielleicht am ehesten mit jenem inneren Gefühl umschreiben, das sich nach etwas Unbestimmten sehnt ...; nach der Dimension des Unbewußten vielleicht, was den diffusen Schmerz mit einer numinosen Sehnsucht stillt. Eine Kraft also, die vermittelt, selbst zu scheinen, wobei sie aber nur die Sehnsucht reflektiert; eine Kraft aber auch, die die Bilder unserer Seele zeugt, indem sie sie mit unseren unbewußten Energien anreichert und dadurch erst sicht- und spürbar macht.
 
 

In diesem Spiegelspiel ("dem Spiel der Schöpfung mit sich selber") wird der Mond durch die verstandesorientierten Merkurkräfte natürlich hinterfragt und strukturiert. Ohne die bezugsetzenden Kräfte des Denkens würden sich die unergründlichen Gefühlskräfte des Mondes zu einem kolossalen Ballon aufpumpen, weil es nichts mehr gäbe, was dieses Hochschaukeln am eigenen Empfinden unterbinden würde. Der Mensch verlöre jeden Halt, weil sich die Urgefühle in ihm überschlügen; alle Emotionen lösten wahre Kettenreaktionen aus, was auf der Gefühlsebene dem historischen "Urknall" gleichkäme. Der merkurische Intellekt hält diesem Chaos aber jene überlebenswichtige Verlogenheit entgegen, die diese infernalen Abgründe in verstandesmäßige Strukturen zu "verpacken" weiß. Auch dies ein Aspekt unserer verkehrten Perspektive, indem wir die Pole umgedreht haben, denn nicht der Mond entspricht den "Vernebelungen des Geistes", sondern es ist im Gegenteil Merkur, der die "Wahrheit in Denkmustern verschleiert", denen wir dann einfach das Etikett "Realität" umhängen. Wenn wir uns aber fragen, was das ist, das uns die "Wirklichkeit" kreiert, dann müssen wir erkennen, daß es das verstandesmäßige Denken selber ist, das sich zur Wahrheit kürt. In Wirklichkeit symbolisiert jedoch der Mond die Wahrheit, auch wenn uns dies durch die Brille kollektiven Denkens unfaßbar erscheint. Die Wahrheit braucht keinen Halt, kein Zentrum, alles geschieht unmittelbar aus sich selbst heraus. Dagegen sind alle unsere Gedanken "Fata Morganen", um die Wahrheit zu verschleiern und der Tatsache nicht ins Auge blicken zu müssen, daß alles zu Erfassende unseren eingeübten Denkmustern entspringt.

DIE KOLLEKTIVE STRUKTUR

Mond und Merkur symbolisieren in ihrem Zusammenspiel die Wechselwirkung von Gefühl und Denken (die rechte bzw. linke Hälfte des Großhirns). Du möchtest wissen, wie Gefühle entstehen, und du möchtest sie mittels deines Intellekts ausloten, damit du sie besser beherrschen kannst. Die meisten gefühlsmäßigen Reaktionen (Ängste, Abwehrverhalten) sind noch Relikte aus der Steinzeit der Entwicklung, was sie ihren Wirkungen aber keineswegs beraubt, denn die Steinzeit entspricht tiefenpsychologisch dem bewahrenden Matriarchat, das sich nach der Einbindung in die ursprünglichen Zyklen der Naturkräfte zurücksehnt. Wissen wir das, verstehen wir auch die großen Ängste, die plötzlich ausbrechen, wenn dieses innere Verlangen mit den Errungenschaften moderner Technologien in Berührung kommt.

In der Entwicklungsgeschichte des Individuums zeigen sich die durch Mond und Merkur repräsentierten Reflexe in ihrer Entstehung besonders deutlich. Direkt nach der Geburt schälen sich die mondhaften Saug- und Schluckreflexe heraus, unbewußte Gesten nach den Quellen innerer Heimat, die sich in der Berührung mit der Mutterbrust erfüllen. Später gesellen sich dann die merkurhaften Greif- und Haltungsreflexe dazu, indem sich der Säugling an der Mutterbrust festhält. Damit ist aus dem Sehnen ein Streben geworden und man sieht, wie aus dem hilflosen Sehnen (Mond) ein kontrolliertes Streben (Merkur) wird, das nach dem Objekt seiner ich-betonten Wahl verlangt.

Langsam beginnt sich ein persönliches Erleben herauszubilden, denn um das Ende des dritten Lebensjahres formuliert sich das Ego, das der dominierenden Umwelt ein eigenes Ich entgegenzustellen beginnt. Damit steht den "Reaktionen der Objekte" ein "erlebendes Subjekt" gegenüber, welches die Signale der Umwelt auswertet und auflistet. Die Realität erwacht und wird in immer deutlicheren Bildern wahrgenommen. So sprießen Gedächtnisinhalte (Merkur) aus dem unbewußten Reflexverhalten (Mond) und lassen das menschliche Verhalten aufblühen, das sich nach seinen eigenen Mustern ausrichtet.

Neugier und Nachahmungstrieb im Kind wachsen sich über ein ständig wachsendes Wissen schließlich zu den Erfahrungsmechanismen (Weltbildern) der Erwachsenen aus, nämlich die Welt so zu spüren, wie sie sie wahrzunehmen gelernt haben. In der reifenden Ausgestaltung seines Intellekts übernimmt es diese frühen Muster automatisch in sein Weltbild, ohne sich deren "Ausrichtung nach anderen" (Fremd-Eintrichterungen durch die Eltern) aber bewußt zu sein.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Wenn Verstand und Psyche harmonisch miteinander in Verbindung treten, kann das Ergebnis nur Kreativität sein (oder Erkenntnis), also Schöpferisches, das sich aus den Urnebeln des Unbewußten nährt. Das symbolisiert das Aufbrechen innerer Gesichter und das Hervorkeimen einer spirituellen Erkenntnis, in den scheinbaren Zufälligkeiten vergangener Ereignisse den inneren Zusammenhang zur eigenen Entwicklung zu ermitteln. Unter disharmonischen Aspekten können die Widersprüche zwischen Fühlen und Denken aber nicht so spielerisch ummäntelt werden (da bieten sich keine odell-Lösungen emotionaler Probleme an). DeinN Intellekt vermag die Gefühle nicht in den Griff zu kriegen, wodurch sich irrationale Handlungen in den Alltag einschleichen. Irrtümer und Fehleinschätzungen in den von Merkur dominierten Zonen sind die Regel, Nervenstörungen infolge psychischer Ursachen angesagt. Jede Orientierung am Machbaren verlorengegangen, nisten sich hartnäckige Fehlerquellen und Versagensquoten ein, deren Ursache einerseits in der Fehleinschätzung der Gefühle, andererseits in einer Vernebelung der Ratio liegt.
 

*** Merkur in Halbsextil zu Jupiter

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Merkur und Jupiter weisen auf eine kreative und schöpferische, wenn auch widersprüchliche Perspektive hin, aus deren Verbindung und Ineinanderfaltung sich große Erkenntnisse herausmodulieren lassen. Aus dem Widerspruch, sich das Unfaßbare durch Denken faßbar zu machen, kann Großes wachsen, wenn man mit diesen Gegensätzen umgehen kann, denn in der Verschmelzung dieser beiden Zeichen liegt ein nur von wenigen Menschen benutzter Realitätsbegriff, der, ohne seine Denkgrundlagen zu verlassen, trotzdem nicht an der Schwelle begrifflichen Verstehens haltmacht.

Man kann diesen Zustand so umschreiben, daß sich das Denken (Merkur) in die inneren Empfindungen der Sehnsüchte (Jupiter) einschleicht und sich damit über die eigenen Grenzen hinaustragen läßt (das Denken vergißt sich kontrolliert, ohne jedoch seine Wachsamkeit aufzugeben!). Und in dieses von seinen eigenen Mustern befreite Denken können neue Eindrücke fließen, die bei Rücknahme der alten Begriffsmuster als sphinxhafte Visionen, allegorische Vexierbilder oder poetische Futurismen hängenbleiben. Diese Konstellation will Grenzerfahrungen in Formen kneten, denen man sich begrifflich nähern kann. Damit hat der Mensch die Chance, die Schranken seines Weltbildes nicht nur weiter hinauszuschieben, sondern sogar zu sprengen, solange er sich wenigstens des Umstands bewußt ist, daß er sich selber auch mitnimmt: daß jede Erweiterung gleichzeitig auch immer seine Ängste und inneren Gegenkräfte vermehrt.

Wenn Jupiter dominiert, identifiziert sich der Mensch mit dem Ewigen und greift dadurch auf die von Merkur symbolisierte Erkenntnisfindung ein. Das sachlich Denkende wird vom intuitiv Schöpferischen unterbrochen und vom kosmisch inspirierten Ego in jenseitige Gipfelhöhen gehoben, in denen sich ihm seine Göttlichkeit reflektiert. Das, was wir aus der Jupiter-Perspektive mit Gottvertrauen umschreiben, ist in Wirklichkeit nur das übersteigerte Ich-Gefühl, das über seine Grenzen hinauszufliegen sucht. Für diese kolossale Aufblähung setzt es seine eigenen Grenzen aufs Spiel, indem es sich in ein überdimensionales Bild hineinsuggeriert, welches Gott darstellt (oder sich als überdimensionierte Kraft ansieht, die das Rad des Schicksals dreht).

Dominiert Merkur, dann werden die Teile eines Ganzen übergewichtet und das Mysterium bestritten, daß das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist. Damit scheint jedes Sakrament gebannt: Zwei und zwei sind vier, und die Winkelsumme eines Dreiecks beträgt 360°! Die ganze Welt ausgemessen und korrekt verstaut in den Schubladen der Logik, haben wir die Wunder fein säuberlich in die Phantasie zurückgelegt. Es gibt keine Engel, Geister, Ufos mehr und Götter. Die "weiße Frau" ist in der Kiste "Ammenmärchen" verstaut und der Poltergeist im Gruselkino untergebracht. Und auch Gott funktioniert höchstens noch als TV-Spot für die weihnachtliche Einkaufswerbung.

Verbinden sich aber die Gestirne, indem sich das denkerische Erkennen und das intuitive Erahnen nicht mehr aneinander aufreiben, sondern sich gegenseitig zu einem intuitiv-erfaßbaren Prozeß antreiben, dann mündet das in verstandesmäßig kontrollierte Futurismen oder nachvollziehbare Zukunftsperspektiven.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Auf der spirituellen Ebene ist Merkur/Jupiter auch ein Bild für die Fähigkeit deines Geistes, die intellektuelle Enge zu vertreiben und sich dem Höchsten zuzuwenden. Das entspricht dem Drang nach Freiheit, der allem Denkerischen innewohnt: der Sehnsucht nach Befreiung und dem Drang nach Einsicht in die Abläufe der Natur. Merkur und Jupiter verkörpern intellektuelles Streben mit einer Vision von Zukunft, die das Ideal einer weltumspannenden Perspektive schon in sich trägt.
 
 

Das zeigt sich in allen Arten von Verhalten, wo geistige Ziele eine Rolle spielen. Dein Wissensdurst nimmt überhand und dabei sammelst du Informationen an, die du zu einer beeindruckenden Synthese verarbeitest. Großzügiges Denken, welches auf sachliche Argumente reagiert und auch gegensätzliche Meinungen toleriert, beherrscht die Szene; du siehst die Dinge global, ohne daß Details verlorengehen. Aber auch die moralischen und ethischen Gesichtspunkte von Gedanken und Handlungen ziehst du in Betracht und bist dem zugeneigt, was man unter Esoterikern als "Kraft des positiven Denkens" umschreibt. Dieser Aspekt ist besonders hilfreich für Menschen, die nach Höherem streben, also mit religiösen und philosophischen Themen in Berührung kommen (Denker, Dichter, Philosophen). Wenn sich das praktische, logische Denken (Merkur) und das mentale höhere Streben (Jupiter) glücklich miteinander verbinden, dann ist auch das weltliche Augenmerk nicht weit. Das kann viel Aufmerksamkeit bedingen in einer Zeit, wo der große schöpferische Wurf nur darauf wartet, in die Sichtbarkeit vorzudringen.

Auch unter den sogenannten Spannungswinkeln findet sich Weltverständnis und Erkenntnis. Zwar wirken sich diese zuerst einmal nachteilig aus, weil die vielen Ideen und Pläne nie halten, was du dir von ihnen versprichst, da sie meistens realitätsfremd und übertrieben sind. Doch sind sie auch ein Zeichen für jenen Prozeß, der im wichtigsten Moment des Scheiterns einsetzt: eine Rückschau, in deinen Pleiten die Ursachen zu erkennen und damit die Auswirkungen der eigenen Taten als Teil jenes intelligenten Musters, das sich in den "Absichten des Handelns" ausdrückt. Es ist ein Prozeß der Reife, das menschliche Tun zu durchschauen, die verfehlten Ziele in einen Zusammenhang mit den inneren Absichten zu bringen und daraus Einsicht zu gewinnen, denn in den erkannten Fehlern liegt Erkenntnis und darin Lebensweisheit oder Wissen.

Bevor du diese hohe Ebene jedoch erreichen kannst, neigst du dazu, zu übertreiben und dich der Welt als jemand zu beweisen, der du in Wahrheit gar nicht bist. Übersteigerter Optimismus prägt dein Verhalten; eitles Denken und große Gesten zeichnen dich aus. Selbstüberschätzung gesellt sich dazu und eine Neigung zu maßlosen Erwartungen. Auch der Hang zum Risiko und lügenhafter Leichtsinn sind angesprochen.
 
 

** Merkur in Sextil zu Mars

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Auf der Alltagsebene finden wir unter diesem Aspekt die inneren Instinkte, die auf die Formmuster des Denkens stoßen. Das wirkt sich zur Aufgabe im Leben aus, die Durchsetzungskräfte an die Bedingungen der Umwelt anzupassen, ohne sie weder zu unterdrücken noch zu verhindern. Die Geborenen werden also zum Balanceakt aufgefordert, ihre widerstreitenden, animalischen Triebe in die gesellschaftlichen Modelle zu integrieren, um sich im Leben einerseits behaupten zu können, ohne die Umwelt aber andererseits zu brüskieren.

Diese Gestirnsverbindung verspricht nämlich einen aktiven, energischen Verstand. Die Menschen neigen dazu, in ihren Ansichten zu überhitzen und radikal zu denken. Sie schrecken die Welt aus ihrer lethargischen Verträumtheit, treiben sie mit dem Feuer flammender Worte aus den Refugien harmonisierender Weltvorstellung und wollen dabei nichts als die Einsicht herbeiführen, daß zum Gleichgewicht des Ganzen die Aggression des Einzelnen gehört, daß Triebenergien nie etwas Falsches sein können, wenn man sie im Ausmaß der ganzen Schöpfungsabsicht erkennt. Erst in der Summe allen Tuns wirkt sich die Ewigkeit aus. Anders ausgedrückt: Das Immerdauernde setzt sich aus den tiefsten Triebenergien zusammen, die sich in den Auswirkungen ihrer Handlungen von Raum und Zeit in Ewigkeit umwandeln.

Mars ist pausenlos in Auseinandersetzungen verwickelt und Mittellagen sind ihm Lüge, Abwägen Feigheit, kurz: In Sachen Sprache herrscht ein Ton äußerster Konsequenz. Er zerschlägt immer wieder die Ureinheit kosmischer Entwicklung, aber in seiner Aggressivität stellt er auch ein gewaltiges Potential kollektiver Verwirklichung dar, die den "Gordischen Knoten" nicht durch abwägendes oder bedächtiges Herumnesteln löst, sondern durch den ich-durchsetzenden Akt der Trennung (er zerhaut den Knoten mit dem Schwert). Dadurch verhilft er dem merkurhaften Streben, immer alles miteinander in Beziehung bringen zu wollen, zu einem schnellen Reaktions- und Koordinationsvermögen. Blitzhaftes Erfassen und augenblickliches Handeln sind Attribute, die unter dieser Gestirnsverbindung wuchern. Der Preis dafür ist aber auch nicht ohne: Merkur/Mars blutet sich oft in seinen eigenen Zersplitterungen aus.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Genauso wie es unter dieser Konstellation nicht nur um Recht und Ordnung geht ("Messer im Kopf"), sondern vor allem um die Verwaltung von Verhaltensnormen (kontrollierte Triebe, objektivierte Subjektivität), genauso ziehst du aber auch Konfliktsituationen an. Der kombinierte Aufbau ist verloren, reale Zielsetzungen sind verwischt und du bist den irrationalen Dschungelgesetzen ausgeliefert, die nach den kollektiven Triebanlagen ausgerichtet sind. Dadurch vermischen sich deine inneren mit den äußeren Aggressionen und schwitzen sich im harten Alltag aus. Du mußt in deiner persönlichen Eigenart Farbe bekennen als Teilnehmer eines Krieges, den du in weiter Ferne wähnst, dabei findet er in deinen eigenen Taten statt.

Aggression ist "Mars" und Spiel ist "Merkur", und damit Mars funktionieren kann, braucht er die Reflektion der Sprache. Gleichzeitig ist die Sprache aber auch Prothese, um mit der Wirklichkeit nicht konfrontiert zu werden. Somit können wir in dir die Aggression erkennen, die nicht "wirklich ins Leben hineingeht", sondern die nur "mit sich selber kokettiert". Dabei hast du öfters das Bedürfnis, die Denkgebäude anderer umzustülpen, weil du deine aggressiven Spitzen ja bloß gegen die Hirnmodelle richten kannst, denn statt eines mutigen Triumphators auf dem Schlachtfeld der Triebe bist du nur ein "Gladiator der Zunge" in der "Arena der Argumente", der seine Einsichten nach allen Seiten los wird. Dadurch werden alle Weisheiten zu tauben Worten ("Das Leben ist ein Spiel, und die Regeln sind wir selbst") und die Reden selbst zu jenen hohlen Sprüchen, die du brauchst, um deine innere Leere zu verstecken. In überspitztem Sinn entspricht das einem Plastik-Guru, der in der Tao-Show verkündet: "Einfach toll, was Menschen machen. Immer richtig, ganz egal, was sie tun!"

** Merkur in Sextil zu Venus

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Merkur/Venus ist die Vorstufe zur Auflösung, die, wenn auch noch unbemerkt, in ihren subjektiven Verfeinerungen und differenzierten Strukturierungen die Realität schon auszuhöhlen beginnt. Die übermäßige Subjektivierung, die sich unter diesem Gestirn in die Welt einbringt, versucht das Leben unter objektiven Gesichtspunkten zu gestalten, aber da sich das gegenseitig ausschließt, bleibt nur die Möglichkeit, in den eigenen Lebensbeschreibungen zu leben. Man lebt in dem Bild, das einem die Welt umreißt, d.h. man hat die Realität "erlebnismäßig" von sich selbst entfernt und lebt sie in der "Umschreibung der Umwelt" aus, was schon die Nebel der Auflösung anzeigt. Nur stülpt man diesem Nebel noch schnell eine Zielrichtung auf, um die Realität zusammenzuhalten, denn man glaubt, der Nebel sei die Wirklichkeit.

Merkur und Venus umschreiben also, was sie zu leben nicht gewillt sind, und dazu benutzen sie ein einfühlsames Denken, das vor allem ihre eigenen Empfindungen ("das eigne Ungesehene") in die anderen "hineinspiegelt". Sie versuchen sich an den Gipfeln "objektiver Klarheit", wobei sie sich selber überlisten, weil ihr Denken ja immer nach dem inneren Empfinden ausgerichtet ist. In der Selbsttäuschung verhangen, die anderen zu harmonisieren, sind alle Vermittlungs- und Schlichtungsabsichten schließlich bloß Versuche, die Realität sozusagen aus "der Entfernung von sich selber" über die "Divergenzen anderer" zu leben.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Hier läßt sich leicht erkennen, wie du aus dem inneren Unvermögen, deine Individualität zu leben, dich an die Umwelt anpaßt und diese Anpassung schließlich zum eigenen Persönlichkeitsmodell machst (die Auseinandersetzung mit den Problemen anderer wird zum eigenen Selbstwert). Du hast nicht die Absicht, die Umwelt zu erlösen, sondern suchst Harmonie im Gegenteil aus dem Verhalten, deine unterdrückten Spannungen in den Problemen anderer loszuwerden. Dein seelisches Bemühen, die "Spannungen der Umwelt" auszugleichen, entspricht im Grunde dem verdeckten Streben, durch "Harmonisierung der anderen" die innere Psyche zu stabilisieren. Und was als "Aufopferung an die Außenwelt" erscheint, ist im Grunde nur das stetige Bemühen, die anderen als "Projektionsfläche für die eigenen Ängste" zu benutzen. Damit befindest du dich auf dem Gipfel unbewußter Selbstverstrickung: Das Problem versteckt sich vor sich selbst, indem es sich in den Problemen anderer versteckt und sich im Bild der anderen von seiner eignen Lösung überzeugt.

In guten Zeiten kannst du einen Zipfel vom Bild des Ewigen erhaschen, wie es stets erstrebt wird und doch nie erreicht werden kann. Gerade die Einsicht, daß sich in den Bildern immer nur das eigene Erkennen "erkennt", gibt dir die Kraft, unbeirrt der großen Zusammenhänge deine eigenen Widersprüche zu leben. Indem du die Widersprüche zu akzeptieren beginnst, beginnst du die Probleme in ihrer Widersprüchlichkeit zu leben, die ja immer auch die Widersprüchlichkeit des kollektiven Geistes sind. Du spürst, daß in jeder Lösung schon wieder Keime neuer Fragen dämmern - daß in jedem Ende schon wieder ein neuer Anfang keimt!

* Merkur in Quadrat zu Neptun

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Mit Merkur/Neptun kommt das Rationale und Begriffliche mit den Ausflügen in die Welt der Träume und des Unbewußten zusammen und führt über die berühmte Frage nach dem letzten Sinn tief in den Brennpunkt des spirituellen oder religionsphilosophischen Denkens. Dieser ist aber außerhalb seiner selbst nicht erfahrbar, sondern höchstens in einer Vielzahl von Hinterfragungen konstruier- und in einer Reihe von Annäherungen mystifizierbar.

Man muß an diesen Kosmos entweder glauben oder sich seinen Schwingungen mit Hingabe ausliefern. Denn die Neptunerfahrungen entziehen sich immer dem zupackenden Verstand des unterscheidenden Merkurs. Andererseits kann sich Merkur unter dem Einfluß Neptuns der Relativität seines eigenen Denkens bewußt werden und damit die Voraussetzung erschaffen, volles Vertrauen in das Beständige des Vergänglichen jeden Gedankens zu entwickeln.

Gleichzeitig kann die Neptun-Komponente dieses Aspektes aber auch verdrängt und auf andere projiziert werden, so daß man bei anderen gerade das aufspürt, was man bei sich selber nicht wahrhaben will: Spiritualität und Mystizismus. Man schwingt sich dann zum Verteidiger des überlieferten Weltbilds auf, weil man sich durch die eigene Angst genötigt sieht, die Angreifer in seiner eignen Seele zu bekämpfen und sich mit jener Seite zu verbünden, welche einem Realität und Wahrheit suggeriert.
 
 

Was sich aus der einen Sicht mit "Auflösung der Wahrnehmung" und "Verwirrung im Bereich des Denkens" umschreiben ließ, zeigt sich auf der anderen als das innere Vermögen, intuitive Zusammenhänge in eine "höhere" Begrifflichkeit zu übertragen. Je nachdem kann ein Mensch mit neptunischem Denken einen auf höchste Ziele und größte Ideale ausgerichteten Verstand haben, oder er muß mit viel Phantasie die verschwommene Realität ersetzen, die sich vor seinen Augen aufzulösen beginnt.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Diese Konstellation manifestiert sich schon im Bewußtsein deiner Kindheit, dich in allen Spektren der Wahrnehmung zu verlieren, statt deinen Verstand zu disziplinieren. Die daraus resultierende Angewohnheit, allem Klaren und Eindeutigen auszuweichen und dabei jenes geistreiche, ja hinterhältige Spiel zu betreiben, entweder alles Rationale in Frage zu stellen oder umgekehrt das Irrationale des Visionären rational wegzudiskutieren (Merkur/Saturn/Neptun- Komponente), bringt oft jene Mitmenschen in Rage, die gewohnt sind, ihre Gedanken klar und eindeutig zu formulieren.

Es kommt aber auch vor, daß du durch konservative Bildungs- und Erziehungsmuster darin bestärkt wirst, gegen deine eigene Veranlagung ins Feld zu ziehen, weil du dich schämst, deinen verstiegenen Neigungen nachzugehen und die visionären geistigen Qualitäten deiner Träume und Visionen auszuleben. In diesem Fall wirst du den Geist der intuitiven Wahrnehmung, den du leichter in Symbolen und Metaphern als in logisch konstruierten Sätzen nachvollziehen kannst, nach außen projizieren und ihn dort gleichzeitig als jemand zerstören, der weiß, was es heißt, seine eigenen Träume nicht annehmen zu können.

Versorgungsängste und Verfolgungswahn führen entweder zum Rückzug aus der Welt oder zum Bedürfnis, dich deiner selber proklamierten Ratio durch Betäubung wenigstens für kurze Augenblicke zu entziehen. Aber statt das Opfer deiner eigenen Verdrängungen zu werden, was auch der Täuschung durch andere entspricht, könntest du unter dieser Konstellation zu einem viel besseren Ergebnis kommen, besonders dann, wenn du dir darüber klarwerden kannst, daß die Polaritäten nur zwei Seiten einer Medaille sind.

Dichtung und Wahrheit verschmelzen in Poseidons Gewässern zu jener Einsicht, nur Perspektive irgendeines Rahmens zu sein, der selber wieder Perspektive eines Rahmens ist, deren Hintergrund sich zwar Gott nennt, in Wirklichkeit aber nur der Stoff ist, aus dem unsere kollektiven Bilder sind. Denn alle religiösen und magischen Rituale sind als die der Ratio entgegengesetzten Bemühungen zu verstehen, zurück zum Geist als Ganzem zu gelangen.

** Venus Spiegelpunkt zu Mars

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Venus/Mars ist ein Bild für diejenige Seite in uns, die, überwältigt vom unbändigen Verlangen nach Liebe, sich den Triebinstinkten überläßt. Das Verlangen nach Kontakten ist so groß, daß man sozusagen "mit der Tür ins Haus" fällt (ins Haus der andern, wohlgemerkt!), denn das "Verlangen nach Begegnung" zwingt in den Konflikt. Wir möchten aber meinen, daß der Konflikt auch eine Chance unter Venus/Mars ist, die persönliche Entwicklung voranzutreiben, weil wir erst in den Auswirkungen den Ursachen begegnen können, für die wir letztlich einzustehen haben, denn die Triebinstinkte wirken sich auf allen Ebenen des Lebens aus.

Wenn wir Mars mit den Aggressionen gleichsetzen und Venus mit dem Prinzip, Aggressionen zu vermeiden, dann sehen wir, wie die Kutsche der Gefühle von den ambivalenten Trieben (Pferde) in verschiedene Richtungen gezogen wird. Die Pferde, die sich im Geschirr verheddern, sind ein deutlicher Hinweis auf die Unvereinbarkeit der beiden Triebrichtungen in uns. Es braucht schon eine gehörige Portion Einsicht und Lebenserfahrung des Kutschers (Bewußtseins-Wille), den Rappen "Sexualanziehung" und den Schimmel "Emotionsbindung" in den Zügeln zu halten und auf ein gemeinsames Ziel hinzutreiben. Andererseits bedeutet jedes erreichte Ziel aus der sich verbindenden Gegensätzlichkeit natürlich Energiegewinn und damit konkrete Nutzung der sich sonst bekämpfenden Triebnatur.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Dein sexuelles Streben strahlt einen stark magnetisierten Eros aus, denn der innere Widerspruch artikuliert sich in einer elektrisierenden Sexualität, die entpolarisiert werden will. Das führt unweigerlich zu Machtkonflikten, weil die Unfähigkeit zu echter Begegnung sich hinter einem starken Partnerwunsch versteckt. Da die marsische Triebenergie, beim anderen "ins Haus zu fallen", sich mit der venushaften Selbstbespiegelung "reibt", wird der andere vom "inneren Wollen" überrollt (Mars); oder du läßt dich lieben, ohne selber zu agieren (Venus), damit du dich nicht "preisgibst" und im anderen "verlierst".

Die diplomatische Venus tut sich schwer, Gefühlsentscheidungen zu treffen. Damit verdrängt sie die eigene Aktivität, die sie auf die Umwelt überträgt, um ihr inneres Hingabepotential ausleben zu können. Der in die Umwelt übertragene Mars fordert sich aber in der Begegnung zurück: Er verkörpert die Bedrohung von außen, der sich das Individuum auszuliefern hat, um doch noch in den Genuß der eigenen Vollständigkeit zu kommen ("... um so mehr mich der andere leiden läßt, desto anziehender wird er für mich!"). Da er ja das verdrängte Prinzip vertritt, wird er desto anziehender, je mehr er die übertragene Aggressivität zurückreflektiert: dich gewissermaßen "über die verdrängten Wünsche balbiert".

Ist Mars dominant, dann ist es für ihn selbstverständlich, die Umwelt zu erobern und den anderen in Besitz zu nehmen. Er zwingt dem Partner deine Liebe auf und besteht darauf, daß sie dieser auch erwidert. Er ist also darauf angewiesen, die verdrängte Hingabe vom anderen zurückzubekommen, das das macht ihn (in dir) für alle Vorspiegelungen von Gefühlen völlig hilflos. Da er diese Schwäche aber wiederum verdrängt, wird er in seiner "Demonstration von Stärke" zum Spielball seiner aggressiven Art, die er zur Selbstbespiegelung braucht und in die er all sein Liebesverlangen hineininszeniert. In der Position des Siegers liefert er sich jedoch den Dämonen aus, "denn je mehr sich der andere für mich quälen läßt, desto attraktiver wird er für mich!" Damit hat er sich an seine verquälten Liebesneigungen verloren.

Sind die Energien aber ausgeglichen, führt das zur magischen Verstrickung, denn die Gleichzeitigkeiten von Triebhaftigkeit und Erotik, Hingabe und Aggressivität sorgt für allerlei Verwirrung. Es wird ein Zustand des Verliebtseins angestrebt, da Venus/Mars nur dann andauert, wenn er im Eroberungsstadium verharrt. Nur im "Limerenz-Zustand" können Venus und Mars gleichberechtigt nebeneinander existieren, denn nur im "Zustand des Verliebtseins" ist der Drang nach Eroberung (Mars) mit dem gleichzeitigen Verlangen gepaart, vom anderen auch begehrt zu werden (Venus). Solange du ständig neue Liebesbeweise forderst, ist die Unvereinbarkeit im Lot, und ganz nebenbei öffnet sich auch der Kanal, die "Reibungsverluste" der gegensätzlichen Planetenkräfte über die "Sehnsucht nach unerreichbarer Liebe" (Streben nach Unerfüllung) auszugleichen.

***** Venus in Trigon zu Mars

Beschreibung siehe weiter oben: ** Venus Spiegelpunkt zu Mars

**** Venus in Halbsextil zu Neptun

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Wenn Venus "die sichtbare Liebe des Menschen" verkörpert, dann ist Neptun "die unsichtbare Liebe zu Gott". Neptun symbolisiert einerseits jenen grenzenlos größeren Teil unseres Ichs, der für uns völlig unerkannt die Sehnsucht nach dem Ewigen regiert, andererseits steht er aber auch für jenen Trug und Spuk, der nicht mehr himmlisches Verlangen ist, sondern nur noch die Fratzenhaftigkeit verhinderter Spiritualität. Zusammen verbinden sie sich zu einer Freiheit, die uns vom Irdischen wegführen und uns den Weg zum Himmel bahnen will, der aber oftmals in die Hölle führt.

Auf die Ebene des gewöhnlichen Alltags übertragen, umschreiben diese beiden Kräfte das Sehnen nach einer Liebe, die nicht mehr vom unbewußten Menschen kommt, sondern die aus den Strahlenquellen jener Gottesmenschen strömen, die in ihren innersten Erfahrungen mit dem Ewigen schon tief verbunden sind.

Unter dem irrlichternden Bann von Venus/Neptun scheint es für die Betroffenen gerade so, daß der Akt der Liebe so stark sensibilisiert und mit einer göttlichen Sehnsucht aufgeladen ist, daß es für sie unmöglich wird, diese Gefühle in der Beziehung zu einem normalen Menschen zu befriedigen. Es ist, als ob der Betreffende von der Vorstellung seiner Göttlichkeit ausgefüllt und von der idealen Gott-Liebe besessen der Verschmelzung mit dem Universum nachsinnt.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Venus in dir verkörpert die "liebliche Verführerin", die aus den Wassern gestiegen ist, um die Psyche daran zu erinnern, daß ihre wahre Heimat die Katakomben unter der Wasseroberfläche (Neptun) sind, in denen sie jederzeit wieder willkommen ist.

Das symbolisiert die Verstrickungen mit den unerlösten Sehnsüchten, die für das Bewußtsein nicht zu lösen sind, weil du dich ihnen aus dem Blickwinkel der Ratio nicht nähern, dich ihren unbewußten Auswirkungen aber andererseits auch nicht entziehen kannst. Deshalb steigt die Angst in deiner Seele auf, dich selber zu verlieren. Weil du mit dieser Angst auf die Dauer nicht leben kannst, löst du sie auf, indem du dich betäubst (körperliche Betäubung durch Drüsendysfunktionen). Damit hast du die Angst, dich zu verlieren, gebannt, weil du die Angst "im Ozean der Gleichgültigkeit" aufgelöst hast.

Indem du dein Leben träumst und deine Sehnsucht lebst, glaubst du, deinem Schicksal zu entrinnen und dich ungelebt deinen inneren Sehnsüchten überantworten zu können.

Das führt dazu, sogar das Gefühl der Liebe aufzulösen, um deine spirituellen Ziele nicht mit deinen instinktiven Trieben zu verbinden. Mit anderen Worten, um die Liebe venusischen Elysiums in den neptunischen Gewässern nicht zu verletzen, verzichtest du auf die Erfüllung deiner Triebe.
 
 

Auf der Suche nach Liebe hast du also nur die Vergleichsmöglichkeiten deiner unbewußten Sehnsucht. Es ist daher leicht verständlich, daß alle konkreten Bemühungen um intime menschliche Beziehungen immer in der Sackgasse deiner irrealen Wünsche landen und im Leben nicht zu verwirklichen sind.

Deshalb zieht es dich unterschwellig zur "Großen Mutter" zurück. Da diese aber als liebliche Verführerin verkleidet ist, die ja gerade für dein Dilemma verantwortlich zeichnet, bist du verloren, wenn du ihr erliegst; denn die Verführung ist gleichbedeutend mit dem Verschlungenwerden. Der Verführung zu unterliegen, bedeutet das Versinken in dem, was sich als ein Faß ohne Boden umschreiben ließe.

*** Mars in Quincunx zu Neptun

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Mars' direkte Absicht, die Objekte seiner Begierde möglichst rasch und ohne Umweg anzusteuern, wird durch Neptuns Brechungen und Vernebelung völlig irritiert. Der rote Kriegsplanet wird durch das Eintauchen in Neptuns Spiegelmeere seiner direkten Aggressivität beraubt, um über die unbewußten Kanäle mit jener kollektiven Zielgerichtetheit zu verschmelzen, die sich in karmischer Verstrickung zum persönlichen Schicksalsweg herauskristallisiert. Denn auf seine schillernd-unbegreifliche Art ist Neptun die Achillesferse jedes Horoskops. Und zwar aus dem Grund, weil alle von Neptun verkörperten Bereiche jenen Gebieten zuzurechnen sind, die nicht mehr von der Vernunft regiert werden. Wo Bezirke angesprochen sind, die Schranken von Raum und Zeit jetzt niederzureißen und auf die Barrikaden zu steigen, um die unbewußte Todessehnsucht wieder zu erreichen.

Gleichzeitig trägt Mars die neptunische Vision im Nacken, daß alles, was er als Realität akzeptiert, relativer Natur sein soll und stellt diesem die unzubeantwortende Frage, warum etwas überhaupt erst wird, wenn es schon am Anfang seines Keimens die Folgerichtigkeit des Endes in sich spürt?

Daraufhin wird Mars von Neptun eingeladen, sein nach außen gerichtetes Denken nach innen zu verlagern und in dem Bild der milden Dämmerung die strahlende Abendröte zu erfahren, welche nach des Tages Kampf und Sieg sich nach dem schlummernden Erlöschen sehnt. Damit lernt er erkennen, daß im ewigen Wechsel der Gezeiten, in der Aufeinanderfolge von Tod und Auferstehung Gott jetzt wohnt. Wie könnte er sonst wissen, daß Gott selbst in ihm thront, wenn er nicht weiß, daß die Unversöhnlichkeit von Tod und Leben das Wesen aller Schöpfung ist?

Die weise Seele ahnt, daß das Leben ein Traum ist, aber sie vermengt die Realität dieses Wissens nicht mit der Realität des täglichen Geschehens, damit aus dem Traum kein Alptraum wird. Leider ist das aber nicht so einfach, denn wir befinden uns (mit unserem Geist) in der Materie, aus der wir uns nur befreien können, wenn wir die Bedingungen ihres Wirkens zwar kennenlernen, ohne aber ihre Gesetzmäßigkeiten in Frage zu stellen, denn damit vernichten wir uns selbst.

Auch wenn wir die Materie als Illusion erkennen, die sich aus Energie und Kraft zusammensetzt, müssen wir doch lernen, die Wirkungen dieser Illusionen zu erfassen und ihren Ausdruck zu beherrschen. Denn wie könnten wir uns Neptun öffnen, wenn wir nicht vordem unser Ego (Mars) mittels strukturierter Grenzen (Saturn) gegen das Grenzenlose hin abgesichert hätten?

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Die durch deine inneren Versagensängste potenzierte Aggressions- und Willenslähmung (Neptun löst Durchsetzung auf) wirkt sich so aus, daß es dir nie gelingt, dich auf konkrete Bilder einzustimmen und materielle Ziele zu konkretisieren. Das führt dazu, allen persönlichen Entscheidungen und persönlicher Durchsetzung auszuweichen.

Das kann bis zu Reaktionen führen, die Realität nicht nur passiv zu erleben, sondern die Hemmung auszuleben und allen Verantwortungen zu entschweben (z.B. durch Alkohol oder Drogen). Da Sexualität als Befreiung von Begrenzung erlebt wird, erhält der Orgasmus unter diesem Aspekt enorme Bedeutung.

Der Orgasmus ist der entfernteste Zustand, den du mit deinen Sinnen nachvollziehen kannst - sozusagen ein Riß zwischen den Welten, an dem sich Mars und Neptun begegnen. Es ist natürlich schwierig, über diese andere Seite etwas auszusagen, weil sie von Mensch zu Mensch verschieden erlebt wird. Sicher wirst du unter diesem Aspekt in den sich überschneidenden Welten deiner erweiterten Perspektive zuerst einmal von den "Müttern" empfangen, die dir nicht eben freundlich entgegentreten, beinhalten sie doch deine eigenen Versagensängste, welche dir aus dem Schatten deiner verdrängten Libido entgegenschimmern.

Da du aber nicht auf deine inneren Bilder ("Mütter") triffst, sondern nur auf äußere Partner, die dich akzeptieren oder nicht, gibst du dich nur solchen hin, die du vollständig beherrschst (aus Angst, das innere Bild an ein äußeres zu verlieren, das dir irgendwann entwischt).

In ihrem positiven Ausdruck kann diese Konstellation anzeigen, daß du deinen Aggressionen bewußt entgegentrittst und sie dadurch besiegst, daß du sie als das erkennst, was sie jetzt sind: die eigenen Versagensängste (Neptun löst Mars auf). In ihrer negativen Auswirkung kann sich diese Kombination als ein Verhalten ausdrücken, vor deinen eigenen Verdrängungen so zu erschrecken, daß du den "Ausgang" nicht mehr findest und sozusagen "zwischen den Welten" vor deinen eignen Ängsten davonrennst.
 
 

** Mars in Quadrat zu Jupiter

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Mars/Jupiter symbolisiert die Kraft, den inneren Schöpfergeist aus sich hervorzubringen und in der Umwelt zu verwirklichen. Das entspricht dem Wunsch, das eigene Wollen zu gestalten und vor den Menschen zu verantworten. Auf einer anderen Ebene dient das der Suche, im Streben nach materiellen Dingen die höhere Absicht kennenzulernen, die sich in allen materiellen Zielen zu erkennen gibt. Unter diesem Einfluß sucht der Mensch nicht nur die materielle Fülle, welche die Beziehungen unter den Menschen regiert, sondern er sucht vor allem seine "innere Beziehung zu Gott" oder besser: seine Verbindung zu seinem "inneren Bild von Gott"!

Darum identifiziert er sich auch gern mit Rollen, die mit Bewußtseinsausdehnung zu tun haben und ist darauf erpicht, der Umwelt ein auf Horizonterweiterung ausgerichtetes Bild zu vermitteln, gerade weil es nicht um Wissen, sondern nur um die "Identifizierung mit dem Bild von Wissen" geht. Er versucht, den Lebenssinn im eignen (Guru-)Rollenspiel zu finden, ein kontraproduktives Streben, das von der eignen Suche ablenkt! So ist er immer auf der Suche, die "Antwort nach dem Sinn" im Suchen anderer zu finden (im Überzeugen anderer vom Lebenssinn), denn er wähnt sich an der "Quelle des Erkennens" angekommen und sieht nicht, daß sie ihm nur die eigene Maske reflektiert.

Gott muß es sein, selbst wenn man ihn selbst erfinden müßte, und dieser Akt wird wiederum verdrängt, indem man seine eigenen Inhalte auf Modelle überträgt, die geeignet sind, den Größenwahn vor sich selber zu verstecken. Das eigene Ich tarnt sich, indem es sich vom Geborenen scheinbar trennt und ihn damit zwingt, es durch die Identifizierung mit den Sinnfindungs-Modellen, auf die es sich überträgt, wieder zurückzuholen. In der Identifikation mit dem äußeren Gott erhält der Geborene in Wahrheit aber nur sein eigenes Ich zurück. Da er immer auf der Suche ist, die Antwort nach dem Sinn "im Suchen anderer" zu finden, muß er seinen Gott (Lebenssinn) unter die Leute bringen, damit ihn diese "finden" und ihm wieder zurückbringen können.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Mars verkörpert also das, was wir die Aggressionskräfte nennen, und in dieser Position ist er der natürliche Feind von Hemmung und Blockade. Risikofreude, Kampfbereitschaft, Unternehmungslust und sexuelle Triebhaftigkeit sind seine Merkmale, und damit steuert er (in dir) alle Hindernisse auf direktem Wege an, wobei er den "Gordischen Knoten" nicht durch vergleichendes, reflektierendes Denken löst, sondern indem er ihn ganz einfach mit dem Schwert durchschlägt. Jupiter hingegen spiegelt sich in dem, was man die "Suche nach dem Sinn" oder den "Glaubenstrieb" nennen könnte. Sein Sehnen, selbst in den profansten Angelegenheiten noch einen tieferen Sinn zu erkennen, läßt in dir den Esoteriker erahnen. Dein Bestreben, die Dinge in einem größeren Zusammenhang zu sehen, krönt sich in der Auseinandersetzung mit einer Ein- und Rückbindung ins Zeitlos-Ewige, was sich dann innerhalb des bewußtseinsmäßigen Erfassens zur horizonterweiternden Intuition ausdehnt. Das Schicksal ereilt dich nicht, du rennst auf das Schicksal zu, indem du durch das Ausleben der inneren Strukturen die Ereignisse in dein Leben ziehst, die als Projektionsträger deiner unerlösten Wünsche in der Außenwelt fungieren. Erst wenn du im äußeren Schicksal jene Teile deiner Personalität erkennst, die du im Tageslicht nicht siehst, kannst du die Verantwortung für deine äußeren Sinn- und Gottesbilder wieder übernehmen und zwar auf einer Tiefen-Ebene, die dich erschreckt, weil sie unendlich mehr ist, als was du in deinem Bewußtsein unterbringen kannst.

Die Welt, wie du sie siehst, ist nur das Modell deiner anerzogenen Vorstellungen. Darum kannst du auch nichts erkennen, was außerhalb dieser Vorstellung liegt, und alle Wahrheiten und Erkenntnisse sind nie etwas anderes als mehr oder weniger interessante Denkmodelle. Dein pausenloses Streben, diese Welt immer mehr in dem zu bestätigen, "wie du sie siehst", liefert dich nicht dieser Welt, wohl aber deiner Weltanschauung aus. Du hast dich auf dein eigenes Leid fixiert, aus dessen Mitte du dich selbst bedauerst, ohne zu merken, daß sich in dieser Haltung ja gerade dein Wunsch erfüllt: "Der Wunsch, vom Vater für die Ursünden bestraft zu werden ... oder vom Schicksal für das Fehlen, nicht wie Gott zu sein!"
 

** Jupiter in Konjunktion zu Pluto

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Jupiter/Pluto bedeutet in seiner höchsten Ausdrucksform einen tiefen und unerschütterlichen Glauben an die Schöpfung und an die Folgerichtigkeit ihrer Auswirkungen. So wie jeder von uns nur das sein kann, was er ist, so können wir in allem, was wir tun, auch immer nur uns selbst erfahren. Die Möglichkeit zur geistigen Hinterfragung und individuellen Selbstinfragestellung, wie sie durch diesen Aspekt angezeigt wird, verleiht dem Betreffenden die Fähigkeit, einen tiefen und unerschütterlichen Glauben an die Weisheit und den Sinn des Lebens zu entwickeln, der ihn mit dem Höchsten in Verbindung bringt.

Eine Verbindung zwischen Jupiter und Pluto zeigt die Möglichkeit an, die eigenen Handlungen immer wieder in Frage zu stellen und durch diese beständige Hinterfragung seine Psyche zu erkennen und mit höheren Bewußtseinsebenen in Berührung zu bringen. Dabei besitzen unter diesem Stern Geborene ein gutes Gespür für alles Verborgene, für die Strukturen, die unter dem Sichtbaren verborgen sind. Gleichzeitig entwickeln sie eine so starke psychische Kraft, daß sie ihre röntgenähnlichen Erfahrungen in die Realität übertragen können und diesem konkreten Rahmen inhaltlich auch Ausdruck zu verleihen vermögen. Damit neigen sie allerdings auch dazu, ihr eigener Maßstab zu werden und anderen ihre weltanschaulichen Erkenntnisse aufzudrängen.

Wir erkennen also in dem, was wir für die Welt halten, nicht die Welt, sondern nur unsere eigene Wahrnehmung, die sich als unsere Welt darstellt. Gleichzeitig ist unsere eigene Wahrnehmung, die sich als Welt darstellt, die Welt selber, weil sie der Schöpfer aller Dinge ist, die wir jetzt wahrnehmen, und außerhalb unserer Wahrnehmung die Dinge aufhören, das zu sein, was sie für uns sind. Die ganze Welt ist das Produkt unserer Wahrnehmung, und wir sind der Empfänger. Damit nehmen wir unsere eigene Wahrnehmung wahr, indem wir sie als "Welt" erkennen.

Somit wird jede Gottessuche überflüssig. Weil wir Gott als unbestimmte Sehnsucht in uns selbst erfahren, die wir seit Urzeiten in uns tragen. Solange wir das aber nicht erkennen, können wir Gott als hübsches Bild in unseren Glauben übertragen. Erst wenn wir uns der Wahrheit stellen, können wir das Gottesbild als jene Denkvorstellung erfahren, die unsere Wahrnehmung aus dem Nichts nach unserem Ebenbild "wahrnimmt".

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Hervorstechend unter dieser Konstellation ist dein frühauftretendes inneres Empfinden, eine besondere Persönlichkeit zu sein und in einer Selbstbezogenheit zu schwingen, die der kindlichen Umgebung ungeheuer ist. Das setzt sich darin fort, daß du später den Menschen das beibringen möchtest, was man als die "Beschreibung eigner Bilder" formulieren könnte.

Symbolisch ließe sich unter diesem Gestirn ein uralter hoher Würdenträger vorstellen, der sich in der "Vereinigung mit Gott oder der kosmischen Urkraft" wähnte und die Gläubigen "zur kosmischen Vereinigung" aufrief. Der sein Ego in das Bild eines Gottes verlegte und glaubte, Gott durch die Befolgung (eigener) Gebote selber repräsentieren zu können.

Wenn es dir durch widrige Umstände im Leben aber nicht möglich ist, dich im eigenen Glanz zu sonnen, dann wirst du deinen Frust, dich in der Erlöserrolle nicht darstellen zu können, auf die Umwelt übertragen, indem du alles in Frage stellst und kritisierst. Es mag aber auch vorkommen, daß du diese Abwehrhaltung zum Ziel erhebst und dadurch den Bock zum Gärtner erklärst bzw. den Teufel mit dem Beelzebub austreibst!

Der Wendepunkt steht erst ins Haus, wenn alle Widerstände beseitigt und aus dem Weg geräumt sind und das Ich auf seinem "Königspfad des Wissens" aus dem Dickicht der Niederungen Sichtkontakt zur Gipfelwand bekommt, um zu den letzten Dingen und bis zur Spitze vorzudringen.

Denn erst wenn du keine äußeren Widerstände mehr vorfindest, kannst du dich auf dich selbst besinnen, und erst wenn du dich auf dich selbst zurückgeworfen siehst, wirst du erstaunt feststellen, daß dir niemand gefolgt ist. Dann wirst du merken, daß dir nur die eigenen Bilder auf deinen einsamen Höhenflügen gefolgt sind, wenn du ganz allein vor dem "Altar des Höchsten" stehst. Dann erkennst du deine Hoffnungen und Wünsche, welche vielleicht die karmischen Überreste deiner Maya-, Tolteken- oder Inka-Zeit ausweisen, die im Hier und Jetzt aber keine konkreten Verwirklichungsmöglichkeiten erkennen lassen. Es sei denn die Möglichkeit vom Leben nach dem Tod.

* Jupiter in Sextil zu Neptun

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Jupiter und Neptun zusammen verkörpern die äußerste Spitze des Empfindens, wo sich das Sagbare mit dem Unsagbaren kreuzt. Das ist exakt der Schnittpunkt beider Welten, wo Unfaßliches faßbar wird. Es ist aber gleichzeitig auch der Ort, der das Bewußtsein von uns Menschen zu sich in die Tiefe lockt, wo der tägliche Kampf um die Materie nicht mehr ausgefochten werden muß. Denn in den Tiefen vereinigen wir uns wieder mit den unbewußten Quellen. Umgekehrt aber gibt es auch keine bewußten Höhen, die man unter Jupiter/Neptun nicht erreichen kann. In der Religionsphilosophie spricht man vom "Einswerden mit Gott".

Schlüsseln wir es auf: Das jupiterhafte Verlangen, Verkörperungen aus dem Unfaßbaren zu machen, kommt aus den Urtiefen des menschlichen Bestrebens, Gott nach seinem Bilde zu erschaffen. Das ist der Trick, mit dem sich unsere Vorstellung selber überlisten mußte, um das materielle Weltbild nicht zu gefährden. Nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Sondern die Bilder schufen den idealen Menschen und nannten ihn Gott. So haben wir das Ewige als Götzenbild zum Bestandteil unserer Weltvorstellung gemacht!

Das Wirken Neptuns aber geht noch tiefer. Das Meer, in dem sich alle Formen vereinigen und wieder auflösen, wo alle Farben zerfließen und alles uneindeutig und verschwommen ist, symbolisiert die Tiefen des Verlangens und der Sehnsucht, die für das Heimweh nach dem Tode stehen. Neptun bedeutet, sich im Kollektiven zu verlieren oder sich im Streben nach einem unbestimmten Ganzen aufzugeben, um sich durch Auflösung zu heiligen. Wenn Neptun einen Menschen packt, dann geschieht dies durch die Visionen ungestillter Wünsche und Begierden, welche sich erst zaghaft in den Träumen melden und sich dann langsam ins Bewußtsein bewegen und damit den Weg zurück zu den Quellen direkt ins Erleben bringen.

Im Zentrum der Überschneidung dieser beiden Kreise ist der erstrebenswerte Platz. Dort ergibt sich ein transzendentes Erahnen jenes Empfindens, das sich nur im Mitschwingen des sphärischen Atems in Gott verwirklichen kann. Dort findet sich jenseits aller Vorstellung auch der Geist, der dieses Leben erfüllt.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Unter Jupiter versuchst du gleichsam durch die "neptunischen Lücken" in die Räume jenseits deiner begrifflichen Realität einzudringen und dort jene Wirklichkeit zu finden, die den inneren Träumen angemessen ist. Da diese Konstellation auf hohen geistigen Frequenzen schwingt, kann sie sich besonders gut auf Kinder auswirken, die ihre Antennen nach dem Mystischen und Geheimnisvollen ausgerichtet haben. Diese können parallel zum Alltag im Bewußtsein eine eigene Welt schaffen, die besser für ihre sensiblen inneren Sehnsüchte paßt. Die Wahrnehmung öffnet sich dabei nach oben, nimmt Eingebungen aus höheren Kanälen auf, wobei zwischen oben und unten, Einsichten und Einbildungen nicht mehr unterschieden werden kann.

Jupiter/Neptuns spirituelles Streben, jedem rationellen Weltbild entgegenzutreten, das sich dem materiellen Fortschritt ausgeliefert hat, kann dich aber so verwirren, daß du die Realität bekämpfst und die Anforderungen der Wirklichkeit verdrängst.

Vielleicht aber wirst du auch versuchen, der Welt ihr Scheitern aufzuzeigen, indem du dich zum Spiegel proklamierst und auf die Umweltprobleme (Überbevölkerung, Naturzerstörung, Seuchen, Hochrüstung, Sozialgefälle usw.) hinweist. Du wirst dafür plädieren, zu den Wurzeln zurückzukehren und dabei kein Ziel vor Augen zu haben, sondern dir den Weg selber zum Ziel zu nehmen!

Es ist aber nie die Enttäuschung durch dich selber, die wie ein schleichendes Gift an der Seele nagt, sondern immer die Enttäuschung durch die anderen, weil du dein Rollenspiel nicht durchschaust, eine Welt zu leben, die idealer sein will als die Realität. Die Gefahr dieses Aspekts liegt in den hohen Idealen seiner Ansprüche, die sich kaum verwirklichen lassen. Das kann zu schweren Enttäuschungen führen, besonders, wenn du dich in deiner Hilfsbereitschaft von der Umwelt unverstanden fühlst.

Die Lösung besteht darin, daß du die eigene Enttäuschung erkennst. Denn die Enttäuschung ist auch nur eine Wahrnehmung und läßt deshalb nur einen Teil der Wahrheit durchschimmern. Nur mit der Behauptung "Es muß einen Sinn im Leben geben, damit nicht alles sinnlos ist!" hast du noch lange keine Wahrheit, denn dieser Satz steht nicht für Wahrheit, sondern nur für Hoffnung, die der eigenen Wunschvorstellung entspringt: "Wenn Gott Nichts ist" (Meister Eckehart), dann ist nichts das Ziel.

Jupiter in Sextil zu Uranus

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Dieses Gestirn steht für die Gabe, aus spontanen Einfällen heraus Neuland zu gewinnen (neue Perspektiven zu sichten). Die Beziehungen zur Umwelt werden unterbunden, um Absicherungen durch alte Verhaltensmuster zu verhindern und den Alternativen Raum und Zeit zu geben, sich ins Bewußtsein der Betroffenen neu einzubringen. Ihre Wirkungen werden nur dann als unangenehm empfunden, wenn man den Drang nach neuen Perspektiven unterdrückt. Wenn man seiner Freiheit aber freien Lauf läßt, muß das Schicksal nicht zum Vollstrecker werden, um über die uranische Komponente all das zu zerstören, was man vordem für seine Wirklichkeit ansah. Sondern es wird einen auf den Wellen der Entwicklung zu Wirklichkeiten und neuen Zielrichtungen tragen.
 
 

Bis dieses Schicksal aber reif und ausgebrütet ist, haben wir es unter Jupiter/Uranus mit einem überheblichen, wenn auch selbstreflektierenden Betragen zu tun. Jupiters breite und salbungsvolle Entfaltung wird durch Uranus' relativierendes Verhalten an die selbsterkennende intellektuelle Kette gelegt. Dieser springt nicht gerade sachte mit dem Göttervater um, aber schließlich ist Uranus der geistige Ahnherr aller planetarer Kräfte. Bis der Horoskopeigner das Gleichgewicht seiner ungeahnten Möglichkeiten gefunden hat und sich innerhalb der Gesellschaft nicht mehr zu bestätigen braucht, hat er große Mühe mit den Erklärungsversuchen der Umwelt, deren Wirklichkeitsmodelle er alle in die Tasche steckt, weil er durch seine innere Kraft die Wahrheit ahnt, daß die Welt, die wir betrachten, weniger der Welt entspricht, als vielmehr dem Akt unseres Betrachtens.

Jupiter wird von Uranus dazu stimuliert, Welten zu erkennen, die er durch seine Brille gar nicht sieht. Aber gerade weil er spürt, daß er für viele Wirklichkeiten blind ist, kann man sein Kompensieren mit dem Verlangen in Verbindung bringen, Bilder aus dem Unbewußten zu kreieren und sie in verständlichen Symbolen anderen aufzuzwingen. Das ist der Schatten dieser schöpferischen Verbindung! Erst wenn andere seine Visionen übernehmen, gibt ihm das die Sicherheit, an die eigenen Bilder auch zu glauben. Umgekehrt muß er jede Gelegenheit benutzen, anderen seine Botschaft aufzudrängen, damit er auf dem Umweg über deren Glauben seine eigenen Inhalte erkennt.

Jupiters Herausforderung ist die uranische Einsicht, daß es keine absoluten Werte gibt. Alles, was wir uns an persönlichen Erfahrungen erarbeiten, ist auf uns bezogen zwar immer richtig, aber gleichzeitig auch immer falsch. Denn jede Wertung ist von unserer persönlichen Erfahrungen abhängig und richtet sich in ihrer Schwingung nach dem Rahmen unserer Subjektivität, was umgekehrt aber wiederum bedeutet, daß wir im Erfassen einer Sache nie die Sache, sondern nur immer unsere Subjektivität begreifen.

Wenn wir erst einmal bereit sind, alle Wertungen gleichermaßen zuzulassen, unsere eigenen und jene, welche wir nicht gerne hören, dann erst sind wir in der Lage, eine Sache in sich selber zu erfahren. Die Wirklichkeit zu sehen, aber trotzdem unsere Subjektivität zu leben und dabei erst noch zu tun, als ob das alles uns nichts anginge, dies ist der Geist, der sich unter diesem Zeichen göttergleich vorkommt.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Unter dieser Konstellation wurdest du in ein Umfeld hineingeboren, in welchem dir alle nur erdenklichen Entwicklungsmöglichkeiten geboten wurden. Voraussetzung dazu könnten großzügige und wohlwollende Eltern gewesen sein, die schon älter und erfahrener und dadurch mit eigenen Problemen weniger konfrontiert waren.

Dadurch boten sich dir ungewöhnliche Entwicklungschancen. Nicht mit dem Problem konfrontiert, deine inneren Anlagen gegen äußere Widerstände durchboxen zu müssen, konntest du es dir leisten, auf herkömmliche Bildungsideale zu verzichten und dein Interesse auf die "progressiveren Glaubensbekenntnisse" wie Astrologie, Yoga oder Positives Denken auszurichten.

Bist du aber weniger in der Lage, eine eigene Weltanschauung zu entwickeln, dann überträgst du diesen Bildungsanspruch nach außen und lieferst dich einem Guru oder Lehrer aus, der dir die Seele "stellvertretend" rettet und dir den Heimweg "richtungsweisend" anzeigt. Da die sogenannten Gurus, welche vorgeben, die armen Seelen zu erlösen, wahrscheinlich den gleichen Aspekt oder eine ähnliche Frequenz in ihrem Geburtsbild haben, diese im Gegensatz zu dir aber kompensativ ausleben, haben wir hier wieder einmal das klassische Beispiel, wie Hemmung und Kompensation nur in der Wirkung auseinanderliegen, in der Voraussetzung aber die gleichen sind.

Wenn wir davon ausgehen, daß du das in der Umwelt suchst, was du nur bei dir selber findest, ist es auch verständlich, daß dich jede Krise aus deinem (falschen) Zentrum zwingt, um dich über den Rückschlag am äußersten Ende - im äußersten Schmerz, wo du den Sinn der Krise erkennst - wieder in der eigenen Mitte zu zentrieren! Lösungen sind da zu erwarten, wo du erkennst, daß deine Intuitionen und spirituellen Inspirationen ständig den realen Verhältnissen angepaßt werden müssen, um dich nicht zu schwindelerregenden Höhenflügen ohne Realitätsverbindungen zu verleiten ... um dich nicht in Gipfelhöhen zu versteigen und im Alltag Schiffbruch zu erleiden.

* Saturn in Halbquadrat zu Pluto

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Saturn und Pluto symbolisieren zwei verschiedene Dimensionen einer gleichen psychischen Entwicklung. Früher wurde Saturn als der personifizierte Tod oder wenigstens Erfüller unseres Schicksals beschrieben. Erst heute, wo sich der Tod langsam als Etappe in der Erfüllung eines ewigen Kreislaufes herausschält, sind wir bereit, ihn als einen Teil vom Ganzen in den gesamten Zyklus zu integrieren (Pluto) und Saturn als den weisen, alten Mann zu rehabilitieren, der dem Brennpunkt unserer bewußten Erfahrungen entspricht.

Pluto symbolisiert den inneren Schöpfungsplan, der im Men schen angelegt ist, sein inneres Wachstum, das durch die Anlagen in die Umwelt übertragen und realisiert wird, ungeachtet der Widerstände, die sich von außen entgegenstellen, weil diese Widerstände ein Teil des inneren Schöpfungsplans mit sind. Pluto symbolisiert also die Freiheit des Auges zum Sehen, und das bedeutet nur insofern Zwang, als das Bewußtsein um die Zusammenhänge nicht weiß. Vom Standpunkt des Unbewußten aus sind Freiheit und Zwang gewissermaßen identisch. Der Unterschied ist nur die Vorstellungsperspektive, von der aus man diesen Unterschied beurteilt.

Saturn hingegen ist der Rahmen, in welchem sich die Ewigkeit ausdrückt. Da aber ein Bild nur jenen Teil an Ewigkeit vermitteln kann, der zwischen dem Rahmen Platz hat, erfassen wir im Leben nur jenen Teil an Ewigkeit, der sich in der Faßbarkeit von uns selber befindet. Alles, was wir an Wahrheit je erkennen, ist immer nur die ins Erkennen emporgehobene Selbstbetrachtung: Die Welt durch den Bilderrahmen von uns selbst!

Auf den Alltag übertragen, bedeuten diese inneren Erfahrungen, daß der betreffende Mensch genötigt ist, auch entgegen seiner subjektiven Triebe der tiefen Wahrheit zu begegnen und den Drachen seiner instinktiven Kräfte zu besiegen. Saturn steht für die Begierde des Kontrollierens und Pluto für die Leidenschaft des Verschlingens. Darum nützt es mir auch nichts, den Drachen nur zu kontrollieren, wenn dieser mich im Gegenteil verschlingt und damit integriert - zum Drachen selber werden läßt, welcher die Besessenheit durch die eigenen Begierden symbolisiert und auf die Umwelt projiziert.

Um diese Bedrohung von außen zu verhindern, muß ich den Drachen in mir selbst besiegen: meine zerstörerischen Anlagen von Unbeherrschtheit und Gewalt. Diese archaische und ungezügelte Kraft in meinem Inneren muß sterben, und zwar als erste in einer Reihe von Toden, die mit der Freiheit enden, daß man durch niemand und nichts mehr beherrscht werden kann, wenn man sich aus der unbewußten Angst seiner inneren Vorstellung befreit hat. Dieses Ziel des inneren Sterbens ist dann erreicht, wenn das Ego völlig nackt dasteht, ohne Abgrenzung durch die Kleider der Vorstellung vom "allumfassenden Sein".

Der Orgasmus, der diesen Zustand anschaulich bebildert, ist vom Ego aus betrachtet wie ein kleiner Tod, weil das Ich von seiner Kontrollinstanz getrennt dem Strömen dieser Kräfte hilflos ausgeliefert ist. Jetzt wird uns das Paradoxon klar, daß der Mensch sein inneres Wirken erst dort finden kann, wo er den Kommentar seiner äußeren Vorstellungen aufgegeben hat. Denn dann erscheint er nicht mehr als ein in seinen Bildern eingegrenztes Wesen, sondern er erhebt sich wie Phönix aus der Asche bar seiner täglichen Sehnsüchte, Hoffnungen und Schmerzen.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Unter dieser Konstellation wirst du schon feindlich in die Welt geboren und dem inneren Leitbild unterstellt, dich allem Gedeihenden und Wachsenden zu widersetzen. Du trägst die Merkmale eines Herrschers aus der Dunkelheit in dir, der bestrebt ist, sich an einer Welt des Unterganges zu ergötzen. Auf diesem Weg stellst du dich den Mächtigen (Erzieher, Lehrer) schon in der Kindheit in den Weg, deren subjektive Hymnen positiver Werte du niemals akzeptieren kannst, auch wenn du ihnen unterliegst.

Das wirkt sich später aus, indem du den totalen Sieg um alles in der Welt erringen mußt, um vor dir selber zu bestehen. Trotzdem dürfte es nicht leicht sein, weil du nur die größten Hindernisse auf dem Umweg zu dir selber akzeptierst - die höchsten Hürden, die die Möglichkeit des Scheiterns in sich tragen, weil du in der Psyche unbewußt zu straucheln suchst.

Es ist aber nicht ganz richtig, wie in vielen Büchern geschrieben steht, daß du die Selbstzerstörung suchst. Das Risiko der Vernichtung ist vielmehr der Anreiz, ein Hindernis überhaupt annehmen zu können. Denn unter Saturn/Pluto mußt du dem Tod ins Auge schauen können, weil der Tod die einzige Instanz ist, vor der du dich im Grunde deines Herzens fürchtest und die du respektierst.

Darum wirst du alle deine Gegner auf das Schlachtfeld zwingen, um dir die Siege zu erringen, die für dich das Salz des Lebens sind. Die destruktive Seite der Gefühle verlangt nach Macht, die durch den Sieg über andere errungen wird. Gleichzeitig bringt dies den erbitterten Widerstand der Umwelt: ein schreckliches Manöver, welches deine eigene Besessenheit auf die Alltagsbühne zwingt.
 
 

Erst die Krise macht diesem Abnützungskampf ein Ende, wenn du - als Ergebnis der eigenen Projektionen - an der Übermacht der anderen zerbrichst. Die Krise ist der wahre Hauptdarsteller dieser Konstellation, welche auf totales Scheitern ausgerichtet ist, da sich nur im absoluten Mißlingen der Samen findet, aus dem die Einsicht wächst, das persönliche Ego zurückzunehmen und sich in der Heiterkeit des Geschehenlassens neu zu finden.

Denn erst die Seele, die durch den Tod in ihrem Innersten gelernt hat, loszulassen und den Dingen ihren Lauf zu lassen, zeigt die Bereitschaft, dem Ruf Saturn/Plutos nachzukommen und der unbesiegbaren Stimme zu folgen, welche in äußerste Grenzbereiche führt, wo Einsicht ins Räderwerk des Schicksals genommen und jedes Geschehen im Leben als folgerichtig angenommen werden kann.

*** Uranus in Sextil zu Pluto

DIE ENERGETISCHE STRUKTUR

Menschen mit einer starken Uranus/Pluto-Betonung im Horoskop träumen von einer idealen Welt und kämpfen für sie, ohne zu bemerken, daß das Ideale nur das Produkt ihrer eigenen Vorstellung ist. Wenn sich ihre Träume aber nicht erfüllen, würden sie eher die ganze Welt zerstören, als zu akzeptieren, daß ihre Wünsche nicht erfüllbar sind. Sie sind zu sehr in die Lösungen ihrer inneren Spannungen eingebunden, um Anregungen von außen aufzunehmen. Die Realität formen sie nach ihrem eigenen Bilde und bestimmen so, was gut und richtig ist. In ihrer subjektiven Schöpferrolle stellen sie alles in Frage und nähren so den Keimungsprozeß des Irrationalen im Rationalen, des Geistigen im Zeitlich-Räumlichen, der Vorstellungsüberwindung im Vorstellbaren.

So richten sie ihr Leben nach den Bildern ein, die sie sich von der Wirklichkeit machen. Sterben gewissermaßen in die Bilder hinein, um sie im Ich (wieder-)gebären zu können. Gleichzeitig sind sie darauf angewiesen, daß die "Kinder ihrer Vorstellung", denen sie ihre "menschlichen Bedürfnisse" gewissermaßen geopfert haben, wenigstens absolut und sicher sind, damit sie als Gegenleistung für die verlorene Subjektivität wenigstens Klarsicht und Objektivität gewinnen. Das entspricht der Vergewaltigung der Empfindung durch die Strukturen der eigenen Prägemuster.

DIE PERSÖNLICHE STRUKTUR

Schon als Kind fühltest du dich nicht angenommen, weil du dich zu Recht als Zankapfel zwischen deinen Eltern sahst. Du spürtest den Haß der Mutter gegen den Vater, ein Kind haben zu müssen. Und da du die psychische Belastung deiner Mutter nicht sehen konntest, ein Kind nur gegen den eigenen Willen gebären zu können, ist diese Konstellation für die meisten Menschen nur sehr schwer erträglich. Dabei hat sich die Mutter, um überhaupt ein Kind kriegen zu können, mit der Männlichkeit des Vaters gegen die eigene Weiblichkeit verbündet, um das Kind gegen die eigenen Gefühle zu erzwingen, welches sie durch Schwangerschaftsgeschiebe und -gestoße aber gleichzeitig gefährdet, weil ihre unbewußte Weiblichkeit zwischen Nähren und Verschlingen hin- und herspringt.

Die verdrängte Bedrängnis, die seit Urzeiten in deiner Seele gärt, auch wenn sie scheinbar in Vergessenheit geriet, löst sich immer dann in deiner Psyche aus, wenn du in eine enge, gebärmutterähnliche Lage gerätst (Konfliktsituation). Immer dann, wenn du durch Gedankenverknüpfungen die "Gebärmutter" assoziierst, in der du beinahe erstickt wärest, steigt Angst in deinem Inneren auf, der du nur dadurch entgehst, daß du die Voraussetzungen dazu in dir selber erkennst oder aber, was viel häufiger ist, sie in den äußeren Umständen bekämpfst. Und damit zwar wegschiebst, aber nicht löst.

Als Frau kannst du dich beispielsweise weigern, deine Weiblichkeit zu zeigen und viel lieber ohne Berührung leben, als dich dem Manne hinzugeben. Oder du magst dich als Mann dem Weibe verweigern, indem du in die Kinderrolle schlüpfst (wo du dich ihr entziehen kannst, ohne dich allzusehr zu gefährden). Und dich, damit du nicht kastriert wirst, für schwul, impotent oder transsexuell erklärst. Wenn du als Mann aus diesem Verhalten aber herausgewachsen bist und dir das Weibliche unterwirfst, das dich so lange demütigte, kannst du natürlich nicht wissen, daß du mit der Vergewaltigung der (äußeren) Frau doch das ureigenste Weibliche in dir vergewaltigst, was dir jede Selbstfindung verwehrt. Als Frau läßt du das Weibliche ebenfalls nicht zu, nur projizierst du es auf den Mann und bestrafst dich stellvertretend in ihm, falls er dir psychisch unterliegt. Du kämpfst zwar wie ein Mann, hoffst insgeheim aber doch, von einem Stärkeren überwunden zu werden, um dein verdrängtes Weibliches dadurch wieder zurücknehmen zu müssen. Wirst du nicht überwunden, dann wirst du den Mann zum Weibe machen. Wirst du aber überwunden und in die Weiblichkeit gezwungen, z.B. indem du schwanger wirst, dann wirst du deine Frucht ablehnen, um aus der Perspektive deines inneres Mannes über dich selber triumphieren zu können. Denn nur ein unerwünschtes Kind gibt dir überhaupt die Motivation, Mutter zu werden. Nur eine erzwungene Schwangerschaft läßt die Möglichkeit zu, die unerwünschte Weiblichkeit durch die Brille deiner Konfliktsituation wenigstens als Strafe annehmen zu können.

Da dir am anderen Geschlecht nur das mißfallen kann, was dich in dir selber stört, heißt die simple Lösung: Erkenne dich ... in deinem anderen Geschlecht! Denn wenn du erst einmal erkennst, daß dir nichts von außerhalb entgegenkommen kann, was nicht schon in dir selber liegt, kannst du erfahren, welchem Ziel die Auseinandersetzung mit dem anderen Geschlecht dient - nämlich der Vervollständigung deiner eigenen Persönlichkeit!
 

PSYCHISCHE HINTERGRÜNDE

In den folgenden Textpassagen findest du eine Anzahl gewichtiger, von AKRON bevorzugter Zeichen- und Hausstellungen, die dir helfen sollen, deine "inneren Personare" noch tiefer zu erkennen bzw. beim inneren Namen zu nennen.

MOND IM 11. HAUS

Voraussetzung zum uranisch-mondhaften Verlangen, emotional immer aus der Rolle zu fallen, dürften die Übergriffe der Mutter (oder die der weiblichen Erziehungsperson) in frühester Jugend schon gewesen sein. Das kann zu einem Verhalten führen, den weiblichen Teil in sich nicht anzunehmen, weil mit diesem Teil die Erinnerungen an die psychische Zudringlichkeit der Mutter verbunden sind und in der Vorstellung immer wieder neu bebildert werden.

Als Frau legst du Wert auf lose Beziehungen, auf distanzierte Sexualität, keine bindende Liebe, weil verpflichtendes Einbeziehen des anderen die freie Entfaltung deiner Weiblichkeit behindert. Als Mann lebst du deine Verhinderung dadurch aus, indem du dominanten, starken Frauen aus dem Weg gehst und mehr den knabenhaften, instinktschwachen und daher ungefährlicheren Typ bevorzugst.

Aus dieser Zurückhaltung kann sich später das Verhalten bilden, die Blockaden loszulassen, indem du dich ans Umgekehrte klammerst: Als Frau lebst du deine abgewehrte Weiblichkeit dann dadurch aus, indem du dich dem Mann auf eine Weise öffnest, in welcher du ihn schuldig erklärst, sich dem "Weibe in dir" genähert zu haben und ihn aus dieser Rolle heraus nicht nur plagst und quälst, sondern ihm die Verantwortung dafür auch noch aufbürdest. Und als Mann kompensierst du dein Verhalten dadurch, indem du dich der instinktbetonten, animalischen Frau zwar körperlich auslieferst, dich ihr aber seelisch immer wieder entziehst und damit indirekt die Mutter bestrafst, indem du sie in ihrer seelischen Zudringlichkeit an deiner Kälte beständig auflaufen und leiden läßt.

Erst wenn du dein Abwehrverhalten durchschaust, dich aus jeder Körperlichkeit herauszuhalten, weil Körperlichkeit Gefühle provoziert und Gefühle an die Zudringlichkeit der Mutter erinnern, vor welcher du erschauderst, kann die Krise bewältigt werden. Erst, wenn du die Erfüllung in dir selber suchst und nicht ein aus Angst vor Entzug genährtes Liebesverlangen auf den anderen überträgst, findest du zu einer Form von Liebe, die dem Partner vollständige Freiheit zu lassen vermag und trotzdem das hohe Ziel wahrer Partnerschaft gewährleistet.

VENUS IM 11. HAUS

Das persönliche Verhalten, die Zuneigung deiner Umwelt abzublocken, könnte seine Wurzeln in der Voraussetzung haben, daß du als Einzelkind (oder als sehnlichster Erfüllungswunsch der Eltern) maßlos verwöhnt und mit Zuneigung überhäuft wurdest. Durch diese Überhäufung mit Liebe neigst du zu einer Haltung, die normalen Genüsse sinnlicher Freuden als leer und sinnlos zu betrachten, was zu überspitzten Inszenierungen bizarrer Unterwerfungs- und Hingaberituale führen mag.

Wenn du dich nicht traust, deine inneren Gelüste auszuleben, dann suchst du dir einen anderen, der dir hilft, die verdrängten Süchte an dir zu erfüllen. Dann wirst du zum Opfer, dem übel mitgespielt wird und das doch selber schuld ist, weil es seine eigene Veranlagung nicht annimmt und daher den Täter braucht: "Die schöne Jungfrau opfert sich dem Biest", was natürlich ein anderes Licht auf Übergriffe (Vergewaltigungen usw.) wirft.

Oder es kommt zum aktiven Gebaren, alle Triebe auszuleben, welche die Perspektive in sich tragen, aus den engen Grenzen konventioneller Muster auszubrechen und in jene Bereiche einzudringen, die ihre Befriedigung aus sexueller Ausschweifung und Perversion ohne Bindungsabsicht schöpfen.

Aufgrund der inneren Angst, daß emotionelle Bindungen deine Freiheit behindern, läßt du gar nicht zu, geliebt zu werden, um im gleichen Atemzug aber zu beklagen, daß niemand dich liebt.

Die Schwierigkeit liegt darin, die Krise zu durchschauen, weil die Krise ja die Lösung und die Lösung die Krise ist. Denn jede Beziehung ist nur eine Wegmarke auf dem Weg zur letzten und höchsten Liebeserfüllung, und diese Erfüllung findet sich nur in einem selbst!

JUPITER IM 10. HAUS

Voraussetzung für diese Ausprägung dürfte die mangelnde Entwicklung deiner intuitiven, spontanen Mitte in der Kindheit gewesen sein. Das unbelastete, naive und fröhliche Verhalten deines Kindseins wurde durch die Realitätsansprüche der Erwachsenen schwer belastet. Du wurdest aus deiner Identität herausgerissen und sozusagen in die Polarität gedrängt, deine innere Mitte aufzuteilen in das, was für die Phantasie schöpferisch und befruchtend war und das, was im Alltag nutzbringend angewendet werden konnte, die schöpferische Phantasie aber nicht ausfüllte.

Dadurch fühltest du dich immer ein bißchen zwischen innerer Wahrheit und materiellem Streben hin- und hergerissen und trägst heute jenen Teil, den du nicht verwirklichen konntest, als feindliches Bild in dir, in welchem sich die Umwelt spiegelt. Wirst du dabei in deinem Jupiterbild gehemmt, so sind der innere Glaube, die schöpferische Phantasie und die intuitive Wahrnehmung verdrängt, und du setzt statt dessen auf die Tugend saturnaler Realitätsfindung, welche die Sicherung deiner Lebensbedingungen gewährleistet, gleichzeitig aber das Streben nach höheren Dingen den Zielen eines regelmäßigen Einkommens opfert. Das entgegengesetzte Manöver bringt dich in die umgekehrte Lage, den gesellschaftlichen Anpassungszwängen Lebewohl zu sagen und der Jupiter-Vision entgegenzufliegen, die dir sagt, daß alle realen Ansprüche aufzugeben sind, um das hinter der Realität liegende göttliche Licht anzuziehen.
 
 

Die Krise stellt sich für dich entweder als Verlust aller Lebensfreude (Jupiterhemmung) dar oder als Einbuße jeglichen Realitätsverständnisses (Saturnhemmung). Lösung kann nur aus der Einsicht kommen, die beiden entgegengesetzten Prinzipien wieder zu vereinen. Du mußt also versuchen, sowohl deine Träume zu realisieren, als auch deine Realität zu erträumen.

Das heißt, daß du deine Träume durchaus in die Realität einpassen kannst, wenn du nur lernst, deinen Alltag zu erfassen und demnach zu erfahren, wo du deine Träume verwirklichen kannst und wo nicht. Auf jeden Fall muß die Zukunft in den Träumen realistisch vorhanden sein, damit dieses Hin- und Hergerissensein zwischen Illusion und Wahrheit in jenen höheren Zustand überführt werden kann, wo beide zum sich ergänzenden Teil im anderen werden: Der Weg ist das Ziel in sich selber!

Saturn im 9. Haus

Beschreibung siehe weiter oben: Jupiter im 10. Haus

URANUS IM 8. HAUS

Schon als Kind fühltest du dich nicht angenommen, weil du dich zu Recht als Zankapfel zwischen deinen Eltern sahst. Du spürtest den Haß der Mutter gegen den Vater, ein Kind haben zu müssen. Und da du die psychische Belastung deiner Mutter nicht sehen konntest, ein Kind nur gegen den eigenen Willen gebären zu können, ist diese Konstellation für die meisten Menschen nur sehr schwer erträglich. Dabei hat sich die Mutter, um überhaupt ein Kind kriegen zu können, mit der Männlichkeit des Vaters gegen die eigene Weiblichkeit verbündet, um das Kind gegen die eigenen Gefühle zu erzwingen, welches sie durch Schwangerschaftsgeschiebe und -gestoße aber gleichzeitig gefährdet, weil ihre unbewußte Weiblichkeit zwischen Nähren und Verschlingen hin- und herspringt.

Die verdrängte Bedrängnis, die seit Urzeiten in deiner Seele gärt, auch wenn sie scheinbar in Vergessenheit geriet, löst sich immer dann in deiner Psyche aus, wenn du in eine enge, gebärmutterähnliche Lage gerätst (Konfliktsituation). Immer dann, wenn du durch Gedankenverknüpfungen die "Gebärmutter" assoziierst, in der du beinahe erstickt wärest, steigt Angst in deinem Inneren auf, der du nur dadurch entgehst, daß du die Voraussetzungen dazu in dir selber erkennst oder aber, was viel häufiger ist, sie in den äußeren Umständen bekämpfst. Und damit zwar wegschiebst, aber nicht löst.

Als Frau kannst du dich beispielsweise weigern, deine Weiblichkeit zu zeigen und viel lieber ohne Berührung leben, als dich dem Manne hinzugeben. Oder du magst dich als Mann dem Weibe verweigern, indem du in die Kinderrolle schlüpfst (wo du dich ihr entziehen kannst, ohne dich allzusehr zu gefährden). Und dich, damit du nicht kastriert wirst, für schwul, impotent oder transsexuell erklärst. Wenn du als Mann aus diesem Verhalten aber herausgewachsen bist und dir das Weibliche unterwirfst, das dich so lange demütigte, kannst du natürlich nicht wissen, daß du mit der Vergewaltigung der (äußeren) Frau doch das ureigenste Weibliche in dir vergewaltigst, was dir jede Selbstfindung verwehrt. Als Frau läßt du das Weibliche ebenfalls nicht zu, nur projizierst du es auf den Mann und bestrafst dich stellvertretend in ihm, falls er dir psychisch unterliegt. Du kämpfst zwar wie ein Mann, hoffst insgeheim aber doch, von einem Stärkeren überwunden zu werden, um dein verdrängtes Weibliches dadurch wieder zurücknehmen zu müssen. Wirst du nicht überwunden, dann wirst du den Mann zum Weibe machen. Wirst du aber überwunden und in die Weiblichkeit gezwungen, z.B. indem du schwanger wirst, dann wirst du deine Frucht ablehnen, um aus der Perspektive deines inneres Mannes über dich selber triumphieren zu können. Denn nur ein unerwünschtes Kind gibt dir überhaupt die Motivation, Mutter zu werden. Nur eine erzwungene Schwangerschaft läßt die Möglichkeit zu, die unerwünschte Weiblichkeit durch die Brille deiner Konfliktsituation wenigstens als Strafe annehmen zu können.

Da dir am anderen Geschlecht nur das mißfallen kann, was dich in dir selber stört, heißt die simple Lösung: Erkenne dich ... in deinem anderen Geschlecht! Denn wenn du erst einmal erkennst, daß dir nichts von außerhalb entgegenkommen kann, was nicht schon in dir selber liegt, kannst du erfahren, welchem Ziel die Auseinandersetzung mit dem anderen Geschlecht dient - nämlich der Vervollständigung deiner eigenen Persönlichkeit!

PLUTO IM 10. HAUS

Unter dieser Konstellation wirst du schon feindlich in die Welt geboren und dem inneren Leitbild unterstellt, dich allem Gedeihenden und Wachsenden zu widersetzen. Du trägst die Merkmale eines Herrschers aus der Dunkelheit in dir, der bestrebt ist, sich an einer Welt des Unterganges zu ergötzen. Auf diesem Weg stellst du dich den Mächtigen (Erzieher, Lehrer) schon in der Kindheit in den Weg, deren subjektive Hymnen positiver Werte du niemals akzeptieren kannst, auch wenn du ihnen unterliegst.

Das wirkt sich später aus, indem du den totalen Sieg um alles in der Welt erringen mußt, um vor dir selber zu bestehen. Trotzdem dürfte es nicht leicht sein, weil du nur die größten Hindernisse auf dem Umweg zu dir selber akzeptierst - die höchsten Hürden, die die Möglichkeit des Scheiterns in sich tragen, weil du in der Psyche unbewußt zu straucheln suchst.

Es ist aber nicht ganz richtig, wie in vielen Büchern geschrieben steht, daß du die Selbstzerstörung suchst. Das Risiko der Vernichtung ist vielmehr der Anreiz, ein Hindernis überhaupt annehmen zu können. Denn unter Saturn/Pluto mußt du dem Tod ins Auge schauen können, weil der Tod die einzige Instanz ist, vor der du dich im Grunde deines Herzens fürchtest und die du respektierst.

Darum wirst du alle deine Gegner auf das Schlachtfeld zwingen, um dir die Siege zu erringen, die für dich das Salz des Lebens sind. Die destruktive Seite der Gefühle verlangt nach Macht, die durch den Sieg über andere errungen wird. Gleichzeitig bringt dies den erbitterten Widerstand der Umwelt: ein schreckliches Manöver, welches deine eigene Besessenheit auf die Alltagsbühne zwingt.

Erst die Krise macht diesem Abnützungskampf ein Ende, wenn du - als Ergebnis der eigenen Projektionen - an der Übermacht der anderen zerbrichst. Die Krise ist der wahre Hauptdarsteller dieser Konstellation, welche auf totales Scheitern ausgerichtet ist, da sich nur im absoluten Mißlingen der Samen findet, aus dem die Einsicht wächst, das persönliche Ego zurückzunehmen und sich in der Heiterkeit des Geschehenlassens neu zu finden.

Denn erst die Seele, die durch den Tod in ihrem Innersten gelernt hat, loszulassen und den Dingen ihren Lauf zu lassen, zeigt die Bereitschaft, dem Ruf Saturn/Plutos nachzukommen und der unbesiegbaren Stimme zu folgen, welche in äußerste Grenzbereiche führt, wo Einsicht ins Räderwerk des Schicksals genommen und jedes Geschehen im Leben als folgerichtig angenommen werden kann.
 

MYTHOLOGISCHES MODELL

Um die Verbindungen zwischen den Gestirnen auch auf einer allegorisierenden Ebene erfassen zu können, findest du hier eine "mythologische" Bebilderung. Der Mythos ist dabei weder als eine konkrete Schilderung noch eine assoziative Umschreibung eines Planeten-Aspektes zu verstehen, sondern er verweist auf die Frequenzen der Bilder, die hinter den Konstellationen der Gestirne liegen und in deren allegorischen Tiefen sich menschliche Wahrheit verbergen mag.

**** Sonne in Halbquadrat zu Venus

DIE SCHÖNE HELENA

Als auf dem Olymp zwischen Hera, Athene und Aphrodite ein Streit ausbrach, wer die Schönste sei, wurde Paris die zweifelhafte Ehre zuteil, diesen zu schlichten. Vor die Wahl gestellt, zwischen Hera (die ihm Weltherrschaft bot), Athene (die ihm Weisheit, Tapferkeit und Gerechtigkeit antrug) und Aphrodite zu wählen, entschied er sich schließlich für die Liebesfürstin, die ihm dafür das schönste Weib der Welt versprach. Die Tatsache, daß die schönste Frau schon die Gattin König Menelaos von Kreta war und dieser nie und nimmer bereit sein würde, den Ehebruch ungestraft hinzunehmen, schien weder Aphrodite noch Paris zu berühren.

Helena, die Schönste unter den Sterblichen, symbolisiert das nie zu erreichende Traumbild, das den optisch Besessenen in seiner tiefsten Seele betört. Sie wird uns geschildert als eine zwielichtig-schillernde Gestalt: Zeugnis der Liebe zwischen Leda und Zeus. Zeus soll sich dem Ziel seiner Begierde in der Gestalt eines Schwanes genähert haben, da er offenbar nicht hoffen konnte, in seiner ursprünglichen Gestalt vor den Augen der schönen Frau Gnade zu finden.

Wir sehen hier auf eine anschauliche Weise die Unbekümmertheit des Sonne/Venus-Prinzips. Da Zeus nicht glaubt, von Leda auf die übliche Weise erhört zu werden, nähert er sich ihr aus der Vogelperspektive (Schwan), wo die Gegensätze in einem übertragenen Sinn durch die große räumliche Entfernung ineinander verschmelzen. Das Symbol des Schwanes zeigt nichts anderes als den Versuch, die Wirklichkeit hinter den eigenen Zauberkunststücken verschwinden zu lassen, um sich die eigenen Bilder zu erhalten.

Da die Frucht aus der Verbindung mit einem Schwan nicht leiblich ausgetragen werden kann, spricht die Mythologie von einem befruchteten Ei, aus dem Helena hervorging. In diesem Sinn ist Helena eine leibliche Übertragung der archetypischen Venus (Aphrodite), die ja auch nicht aus einem Mutterleib geboren wurde, sondern direkt dem Samen des Vaters im Kontakt mit dem mütterlichen Ozean entsprang.

Helena repräsentiert die auf die Fleischlichkeit des Leibes reduzierte, im Prinzip aber unstillbare Liebeslust. Damit entspricht sie der menschlichen Verkleinerung der mythologischen Venus, die nicht aus dem Gefühl kosmischer Verschmelzungssehnsucht heraus, sondern aus der drängenden Gewalt sexueller Selbstdarstellung handelt. Als sie ihrem männlichen Ebenbild in der Gestalt des Paris begegnet, ist es um die beiden geschehen.

Genauso, wie Helena nicht aus einem spirituellen Liebesbedürfnis heraus handelte, sondern dem Ruf ihrer inneren Triebe folgte, genauso entsprach das "Urteil des Paris" nicht der Weisheit eines reifen Liebesverständnisses, sondern der jugendlichen Spontanität sexuellen Übermuts.

FAZIT
 
 

Sonne/Venus steht für die unschuldig-naive Triebbefriedigung, welche die Folgen der eigenen Handlungen weder erkennen noch absehen kann. Statt also deinen geschwächten inneren Selbstwert zu stärken, damit die Abhängigkeit von Außenwerten abnimmt, suchst du dich unter diesem Zeichen an die Werte zu klammern, die du auf andere projizierst. So wirst du im Umweg über die Umwelt (ohne es zu merken) von deinen eigenen Ansprüchen abhängig, die du aber nicht ausleben, sondern nur über die Begegnungen mit anderen erfahren kannst. Umgekehrt liegt in dieser emotionalen Unbeschwertheit auch das Glück, durch eine gewisse kindliche Spontanität sogar noch die zu betören, die du schon belogen und an der Nase herumgeführt hast.

Unter diesem Zeichen kennt man kein böses Zerstörenwollen oder Schlechtsein, sondern es ist einfach ein gewisser Leichtsinn, der sich nicht um die seelischen Verknüpfungen und die moralischen Eingrenzungen der anderen kümmert. (Menelaos brachte es nach der Eroberung von Troja trotz ihrer Untreue nicht fertig, Helena zu töten. Er verzieh ihr und nahm sie als seine Gattin wieder zurück nach Sparta.)

* Sonne in Sextil zu Mond

ÖDIPUS

Ödipus ist die Verkörperung des Ichs, das zwischen dem mondhaften Matriarchat der Triebe (Gefühle) und dem Sonnen-Patriarchat der Götter (Verstand) aufgerieben wird. Er rebelliert gegen das Sonnenprinzip des Vaters und sucht die Vereinigung mit der "Großen Mutter", was der Flucht vor seiner Selbstverwirklichung entspricht. Ödipus wünscht sich (ähnlich wie "Tannhäuser" im Venusberg) in den Schoß des infantilen Ausgeliefertseins zurück, wo er keine Verantwortung zu übernehmen braucht. Denn der Mond steht für den Drang, sich mit den Emanationen der inneren Sehnsüchte zu verschmelzen und damit am kollektiven Gefühlsaustausch teilzunehmen, ohne persönliche Eigenart zu zeigen.

Um diesen Rückfall in die embryonale Phase zu vermeiden, müßte er seine innere Männlichkeit erwecken. Da die Selbstverwirklichung aber auch Abgespaltenheit (vom Naturprinzip) verkörpert, sehen wir hier, wie seine innere Weiblichkeit dies nicht zuläßt. Psychologisch läßt das auf eine starke weibliche Tendenz rückschließen, die das männliche Prinzip absorbiert (die Mutter läßt den Vater nicht!). Da der männliche Durchsetzungstrieb aber damit nicht verschwunden ist, sondern unter dem Diktat des weiblichen Bildes nur umgedreht wird, setzt er sich sozusagen "gegen sich selber durch", indem er sich gegen seine eigene Verwirklichung durchsetzt und damit selbst kastriert. Mit anderen Worten: Ödipus muß den Vater töten, um sich selber zu verstümmeln.

Wir können hier erkennen, wie sich der weibliche Teil gegen den männlichen Teil behauptet, indem Ödipus gegen das Sonnenprinzip in sich rebelliert und es schließlich zerstört, wodurch er den Instinktkräften seiner inneren Triebe (Inzest mit der "Großen Mutter") verfällt. Durch seinen Rückfall in die Embryo-Rolle (Sohn- Liebhaber der Mutter) wird er gezwungen, sich der inneren Rolle auch in der äußeren Form anzupassen, und so zersticht er sich die Augen. Blindsein entspricht auf der instinktiven Ebene dem mondhaften Gefühl des Ausgeliefertseins: der Verschmelzung mit den inneren Trieben.

Ödipus kastriert durch die Zerstörung des Vaters seinen eigenen Geist (die Augen symbolisieren Wissen und Verstand), um das Schicksal aller Gefährten der triebhaften Gefühle zu erleiden: Hilflosigkeit und Embryonalität. Dies entspricht dem Preis, welcher der verschlingenden Erdmutter zu zahlen ist: Entäußerung des individuellen Geistes und Auflösung im überpersönlichen Körper-Ich der Mutter Erde.

FAZIT

Psychologisch ist das klar: Ödipus begeht einen (verdrängten) emotionell-sexuellen Inzest. Die Voraussetzung dazu wurzelt in der ebenfalls unwissentlichen Erschlagung seines Vaters. Von außen betrachtet ist Ödipus ein Suchender auf dem Wege zu sich selbst. Da begegnet ihm das Schicksal in der Gestalt des Vaters (als ein ihm unbekannter Teil von sich selber: Er erkennt sich selber nicht!). Dadurch, daß er ihn umbringt, verstümmelt er sich selber, denn er trennt sich ab von der geistigen Entwicklung, sich auch in den tieferen Ebenen seiner Psyche zu erfahren, und fällt durch die Rebellion gegen die väterliche Macht in die Gewalt der verschlingenden, inneren Mutter zurück.

Ist der Beischlaf mit der Mutter erst vollzogen (die Verbindung zu seinem dominierend weiblichen Teil), dann ist die Männlichkeit in ihm gestorben. Alles, was ihm zur Schicksalserfüllung noch bleibt, ist der Zerstörungswille der verschlingenden Mutter, die auch das Männliche aus sich gebärt (Animus-Projektion seines inneren Frauenbildes). Dieser hilft ihm, sich zu blenden und damit die innere Absicht zu vollenden, die da heißt: Aufgabe des Ego und Verschmelzung mit den Müttern - Auslieferung an die allumfassende Natur!

Möglicher Auslöser könnte die unklare Machtposition der Eltern gewesen sein, welche sich über die pädagogischen Maßnahmen nicht einig waren. Da der Vater (Sonne) nach Differenzierung strebt und den Drang des Kindes wiederspiegelt, sich in seinem schöpferischen Sosein zu verwirklichen, befindet er sich oft im Widerspruch zur Mutter (Mond), die die Identität der Umwelt reflektiert und in ihre Weltanschauung einzugliedern sucht. So verhielten sie sich innerhalb der Erziehung recht unberechenbar und gaben ein gutes Spiegelbild für das "innere Elternbild des Kindes" ab: nämlich in einer emotionalen Unentschiedenheit zu verharren und dadurch widersprüchliche Kompensationsmechanismen im Kind zu fördern, die für sein Ich zwar schwierig zu ertragen, für die Entwicklung seiner Anlagen aber folgerichtig sind.

**** Mond in Quadrat zu Uranus

LILITH

"Es war einmal ein Mann, der wurde von Lilith verfolgt. Der Dämon hatte sich mit den Kleidern einer normalen, einfachen, angenehmen Frau verkleidet und besuchte Adam, als dieser allein war.

Warum bist du allein? fragte Lilith. Wo ist deine Frau, die kam, um mich zu ersetzen?

Sie ist draußen auf dem Land, sie ging, um Verwandte zu besuchen, und sie wird bald zurückkommen. Sie wird sich nicht freuen, dich hier zu treffen, denn sie fürchtet dich.

Warum sollte meine Schwester Angst vor mir haben? fragte Lilith. Ich bin im Herzen so einfach wie sie. Ich bin so gut und freundlich wie sie. Ich liebe meine Eltern und meine Kinder, genauso wie sie es tut. Doch ich denke nicht wie sie, der Unterschied zwischen uns ist im Geist verborgen, nicht in unseren Körpern.

Ich glaube dir, sagte Adam, und ich liebe dich, doch ich brauche ein friedliches Leben.

Mache das, wie du willst, sagte Lilith, führe dein friedliches Leben. Ich bin einfach nur deine andere Frau, und ich werde dich nicht verlassen, sondern werde dich lieben, wie ich dich immer geliebt habe.

Adam sah ihr in die Augen und sagte nichts mehr. Ihre Augen waren wie Türen, weit geöffnet in eine Welt, die er beinahe vergessen hatte, und er trat ein.

Ihre Arme und Münder umfingen einander, als Eva zurückkam. Sie dachte, Lilith und Adam sind vereinigt. Bleibe bei mir, Schwester. Ich werde etwas zu essen an euer Bett bringen. Sie brachte zu essen und zu trinken an ihr Bett, zog sich in eine entfernte Ecke des Hauses zurück, wo sie sich neben dem Ofen zusammenkauerte, um warm zu bleiben, und verfiel in Trance. Sie verließ ihren Körper und trat in den Körper ihrer Schwester Lilith ein, und so umarmte und küßte sie Adam und spürte seine Liebe zu ihr, wie sie sie vorher nie gespürt hatte.

Aber ich bin deine Eva, sagte Lilith. Warum liebst du mich so leidenschaftlich? Du hast mich noch nie zuvor mit so viel Leidenschaft geliebt.

Adam lachte und sagte: Du wirst in der Morgendämmerung fortgehen, und ich werde dich lange nicht sehen. Wenn ich leidenschaftlich bin, kommt das daher, daß unser Glück nur von kurzer Dauer ist.

Wie kannst du das sagen? erwiderte Lilith. Ich werde morgen und am nächsten Tag und auch weiter für den Rest deines Lebens hier sein. Warum liebst du mich so leidenschaftlich? Glaubst du, ich bin diejenige, die du siehst? Ich bin Eva, die durch den Mund ihrer Schwester spricht.

Du machst Witze, lachte Adam. Ich weiß, du wirst mich bei Tagesanbruch verlassen und wirst für ziemlich lange Zeit nicht wiederkommen.

Lilith, die jetzt Eva war, küßte ihn und sagte: Ich wünschte, das wäre so, doch leider kann ich dich nicht verlassen. Ich werde bei dir bleiben, weil du voller Feuer für diese andere Frau bist, deren Körper ich jetzt angenommen habe. Sieh mich genau an und sage mir, ob du nicht sehen kannst, daß ich deine Frau Eva bin?

Eva sitzt in einem abgelegenen Winkel des Hauses, sagte Adam. Doch als er nachsah, konnte er sie dort nicht sehen. Was er sah, waren die Flammen des Ofens."

(Jakov Lind: Lilith and Eve. Avon: New York 1976. Übers. nach Lilly Rivlin: Lilith))

FAZIT

Mond/Uranus ist eine komplexe Mischung aus der Offenheit gegenüber allem Neuen und der gleichzeitigen Fixierung an die für wahr erkannten Bilder der Vorstellung. Menschen unter diesem Aspekt haben zwar den Drang, ihr inneres Selbst loszuwerden, nur ist das, was sie als "inneres Selbst" bezeichnen, bloß ihre persönliche Bezeichnung für die in Wirklichkeit fremdbesetzte Vorstellung, welche aus den übertragenen Wünschen und anerzogenen Aufträgen seitens ihrer Eltern resultiert. Jetzt haben sie Angst vor ihren inneren Gefühlen, welche sie irrtümlicherweise für die eigenen halten, und möchten statt ihrer lieber Gefühle verwirklichen, von denen sie glauben, daß es nicht die eigenen sind. Sie wandeln durch die Räume wie im Schlaf, um dieses "Sich-zu-verlieren" zu erleben. Das verhindert persönliches Erleben. Und da sie sich nicht an andere Menschen binden wollen, ihrem eigenen Fühlen aber auch nicht trauen können, hilft ihnen hier nur noch ein "göttlicher Weg" aus dem Dilemma. Denn gerade die Distanz, aus der sie sich betrachten, ermöglicht ihnen umgekehrt den Abstand, um sich gleichsam innerhalb und außerhalb des eignen Leibes zu betrachten. Die "Überwindung des Subjektiven" könnte dazu führen, die Welt als Startbahn zu benutzen, in der sie den Lebenssinn aus dem Alltag entfernend als einen Zielpunkt der Heimkehr in die Ewigkeit darstellen.

Mond in Sextil zu Merkur

DIE DREI MOIREN
 
 

Im Mythos verkörpern die drei Moiren (auch Parzen oder Nornen) die Schwelle zwischen "Diesseits" und "Jenseits". Sie stellen das Unergründliche oder den symbolischen Schoß der Urmutter dar, aus dem das Leben entspringt und in den es nach Ablauf seiner Zeit wieder zurückkehrt (Mondsphäre). Sie drücken aber auch das bewußtseinsmäßige Erkennen aus, daß sich alles wandeln muß, um das Gleiche zu bleiben, und daß das stets sich Verändernde das einzig Beständige im Universum ist (Merkurebene). Wenn sich beide Sphären durchdringen, kann der Geborene in den Mustern des Gewebes (Erbmasse) die treibende Schicksalskraft erkennen, die jedes Individuum in sich birgt. Die gegenseitige Überschneidung ist die Schwelle, wo sich die bewußten und die unbewußten Kräfte begegnen. Das bedeutet einen Denkeinbruch in die Welt des Visionären, oder kurz: Erkenntnis!

Unter dieser Konstellation können wir einen Ausschnitt unseres Verhaltens erkennen, in dem uns das Ewige entgegentritt. Hier begegnen uns die drei Moiren, die bei Dichtern wie Homer oder Hesiod als Göttinnen beschrieben sind, die den Lebensfaden knüpfen und damit das Tun der Menschen zu einem Gewebe vernetzen, in deren Maschen sich die Zukunft spinnt. Die Fäden, die die dunklen Frauen weben, entsprechen den Zyklen von Geburt und Tod, in deren Rahmen wir sowohl unser individuelles wie auch unser kollektives Schicksal erleben, das wir aber nicht nur von außen erleiden, sondern auch von innen her durch unse eigenes Erbgut mitbestimmen.

Die Wurzeln liegen im Unbewußten, und die Fäden repräsentieren unsere Handlungen und deren Auswirkungen, deren Anfänge in unserer Tiefe gründen. Die Frauen verkörpern die geheimnisvollen Gestalten, die in unserer Psyche wirken, auch wenn sie nicht Teil unserer bewußten Persönlichkeit sind (Klotho hält den Spinnrocken, Lachesis spinnt den Faden und Atropos schneidet ihn ab). Sie sind ein Symbol der zyklischen Abläufe, die im Laufe der Zeit alle ungenützten Persönlichkeitsteile auslösen, indem sie sie in die "Maschen der Verwirklichung" einweben und dadurch in das sichtbare Leben hochheben. Das Spinnrad aber verkörpert den "Raum", in dem sich die Zeit "dreht", und damit das äußere Schicksal, das jeder von uns solange unbewußt in sich trägt, bis sich seine "Fäden" durch die "Bewegung des Rades" in die "Geschehnisse von Raum und Zeit" eingeflochten haben.

FAZIT

Wir haben nicht die Wahrheit zum Denken, sondern das Denken zur Wahrheit gemacht, und das entspricht gleichzeitig dem evolutionären Schritt, der uns zu Menschen macht. Darum dürfen wir weder das Denken verteufeln (das uns im Durcheinander der Gefühle einen Rahmen setzt) noch die Wahrheit verleugnen (die dem infernalen, immer noch krachenden "Bums" des Urknalls entspricht), sondern wir müssen versuchen, in einer verstandesmäßigen Annäherung an das innere Fühlen die eigenen Spiegelbilder zu erkennen, hinter denen die verdrängten Ängste und Instinkte lauern. Erst an den Überschneidungen zwischen den "inneren Ängsten" und den "äußeren Bildern" dämmert dann so etwas wie ein individueller Seeleninhalt auf.

*** Merkur in Halbsextil zu Jupiter

PROMETHEUS UND ZEUS

In der Urfehde "Prometheus/Zeus" reflektiert sich das unerlöste Merkur/Jupiter-Prinzip. Prometheus, Zeus' gewichtigster Widersacher, kämpfte gegen dessen oft arroganten Machtanspruch mit List und Witz. Er galt als die Urquelle des Menschengeschlechts (aus Lehm formte er den Menschen nach dem Ebenbild der Götter), und diese Bezeichnung trifft nicht schlecht. Er lehrte die Menschen, sich gegen die Naturgewalten zu wehren, Häuser zu errichten, Bodenschätze zu bergen, Tiere zu nutzen, Schiffe zu bauen und unterrichtete sie auch in der Kunst der Kommunikation (Sprache) und des materiellen Austausches (Zahlen).

Dem Riesentitanen Jupiter (Göttervater Zeus) schien dieses Wissen in den Händen der Menschen allerdings nicht sonderlich geheuer, denn für ihn war Wissen nichts Kühles und Abstraktes, das man einfach zur Verfügung hatte, sondern ein Machtfaktor, der nur von wenigen Auserwählten gehandhabt werden durfte. Als oberste Instanz vertrat Jupiter eine Weltanschauung, die kosmische Universalität und schöpferisches Gestalten umfaßte. Auf eine zeitgemäße Ebene übertragen, verkörpert er den Wissensmanager, der alle Entscheidungen für sich beansprucht.

Für das Wohlwollen also, das menschliche Geschlecht gewähren zu lassen, forderte Zeus die Darbietung von Opfergaben, und als Prometheus die Götter bei der Opferung eines Stieres hinterging, versagte er den Menschen das Feuer. Auf der psychologischen Ebene entspricht das dem Versuch, der äußeren Wissensform (Information) die innere Intuition zu verweigern, und als es Prometheus gelang, den Menschen selbst diese zu erschließen (indem er den Stengel eines Riesenfenchels an der Glut des vorbeirasenden Sonnenwagens entzündete), da entschloß sich Zeus, die Menschheit zu vernichten. Hier erkennen wir die Angst des Schöpfers vor der Schöpfung oder die Angst des Lehrers, vom wißbegierigen und schnellreagierenden Schüler überrundet zu werden.

Prometheus symbolisiert diesen Schüler, der den Lehrer zu überflügeln sich anschickt und damit den Haß des Gottes auf sich zieht. Prometheus verpflichtete sich nicht irgendwelchen Ideologien, sondern er nutzte sein Wissen auf geschickte Art, ohne sich in väterliche Perspektiven zu verstricken. Er identifizierte sich nicht mit dem Wissen, sondern er benutzte es, und so war er auch bereit, alles zu riskieren, um seinen Schützlingen den Fortschritt zu sichern. Um den Menschen die Teilnahme an der Entwicklung neuer Ideale zu ermöglichen (Raub des Feuers), lieferte er sich sogar dem Zorn des Göttervaters aus, der ihn darauf an eine Felswand schmieden ließ, täglich besucht von einem Adler, der ihm seine immer wieder nachwachsende Leber (ein Jupiter- oder Sinnfindungssymbol) auffraß.

FAZIT

Prometheus ist ein Symbol der Forderung, dem Fortschritt seinen Lauf zu lassen, auch wenn uns der Fortschritt irgendwann zerstört. Das Risiko ist aus jeder Form von Fortschritt gar nicht wegzudenken, weil der Fortschritt ja immer Bestehendes in Frage stellt. Das ist der Lauf der Welt, und Prometheus symbolisiert das innere Bestreben, aus dem Bestehenden immer neue Einsichten zu gebären, ohne sich um die Einbindung in eine universale Gesamtperspektive zu scheren.

Daher entspricht diese Konstellation dem inneren Empfinden, die menschliche Entwicklung zu vollziehen, auch wenn wir deren Auswirkungen nicht überschauen. Die Auswirkungen sind immer Teil des Folgerichtigen, das wir getrost sich selber überlassen können, weil wir, wie auch immer, stets nur aufgrund unserer Anlagen reagieren können, die wiederum ein Teil des Ganzen sind.

So sehen wir, daß im Grunde zwischen "Tun" und "Nicht-Tun" gar kein Unterschied besteht, weil beide Ausdruck eines jeweiligen Verhaltens sind, das seinerseits auf vorangegangene Ursachen reagiert und somit selber nur Auswirkung eines sich immer weiter "ausströmenden" universellen Musters ist. Alles, was wir beabsichtigen, ist ein Teil des Ewigen, das auf Vorangegangenem basiert, und die Reaktionen, die wir menschliches Bestreben nennen, sind im Prinzip die Auswirkungen der Folgerichtigkeit der Natur. Merkur verkörpert das Ineinandergreifen der Schicksalsrädchen sowie das Ausstanzen der Denk- und Entwicklungsmuster, mit deren Ursachen sich Jupiter identifiziert (auch wenn sie hinter den Drehungen des Schicksalsrades natürlich verborgen bleiben).

** Merkur in Sextil zu Mars

DIE GEHARNISCHTE PALLAS ATHENE / HERMES DER PSYCHOPOMPOS

Hier begegnen wir einem anderen Aspekt von Pallas Athene, die nicht nur die Schutzpatronin der großen Dichter und Denker ist, sondern auch die Göttin raffinierter Strategien und verstandesmäßiger Aggressionen. Dieser Umstand wurde im Mythos dadurch ausgedrückt, daß sie der Kopfwunde von Zeus in voller Kriegsrüstung entsprang (Merkur/Venus). So wurden ihr gewisse kämpferische Züge unterlegt, auch wenn diese weniger dem Hang zum Blutvergießen entsprangen als dem Drang, sich verstandesmäßig durchzusetzen. Mehr Kopfstrategin als Muskelkämpferin, verbinden sich in ihr das diplomatische Geschick von Merkur/Hermes mit der physischen Aggression von Ares/Mars. Dadurch wurde sie zum Beistand vieler antiker Helden, die sich nicht nur mit den Waffen, sondern auch mit Verstand und List zu helfen wußten (Odysseus, Perseus, Achilleus).

Ähnliche Eigenschaften kann man auch Hermes Psychopompos zuordnen, der die Verstorbenen in die Unterwelt führt (auch wenn es ihm ohne Plutos Einwilligung natürlich unmöglich ist, über den Styx zu gelangen). Wir finden in ihm aber das Bestreben, den Intellekt bis an die Grenzen auszudehnen sowie das unbotmäßige Verlangen, die Schöpfungsmechanismen, denen er sich anzupassen hat, hin und wieder zu umgehen.

FAZIT

Da Hermes Psychopompos die Aufgabe zufällt, die toten Seelen zum Gericht zu führen, erkennen wir in dieser Konstellation das innere Bedürfnis, über die Aggressionen Rechenschaft zu geben. Das "Jüngste Gericht" oder das "Weltgericht", bei dem die Toten Rechenschaft über ihre Vergangenheit ablegen müssen, ist ein Symbol, in dem sich die Angst der Menschen vor den Auswirkungen ihrer Handlungen ausdrückt. Diese verinnerlichte Angst ist eine unbewußte Reaktion gegen die drohende Saturn-Instanz, die Freud das "Über-Ich" nannte: Ein Normengefüge aus früh-kindlichen Erziehungsmustern, öffentlichen Meinungen und sozialer Moral, das sich wie ein mächtiger Wall gegen die persönlichen Bedürfnisse des Individuums stellt.

Angst ist zwar durchaus auch ein lebenserhaltender Instinkt und ein Sicherheitsfaktor, Angst ist aber vor allem einmal ein lebensverengendes und einschnürendes Erlebnis. Da unter Merkur/Mars die Instinkte direkt ans Denken angeschlossen sind, droht natürlich die Gefahr, daß bei entsprechendem Anstau die ausbrechenden Ängste in die Denkkanäle überlaufen. Die im Innern lauernde Gefahr zwingt in die Tat: Man glaubt sich aggressiv verhalten zu müssen, um die Kanäle "besetzt" zu halten, über die sich die unbewußten Ängste "einspeisen" könnten. Das ist natürlich ein Zirkelschluß, da der Abwehrplan, mit welchem man die Angst verhindern will, ja gerade dem Ausdruck dieser Angst entspricht: nämlich dem "Spiel der Aggressionen mit sich selbst"!

** Merkur in Sextil zu Venus

DIE GEBURT DER PALLAS ATHENE
 
 

In der Überlieferung wurde Zeus von Uranos gewarnt, daß die Frucht, welche die geschwängerte Metis von ihm im Leibe trug, zusammen mit der Mutter, der Göttin der Weisheit, seinen Machtanspruch einst behindern könnte. Um diese Pläne zu durchkreuzen, verschlang er Metis, noch bevor diese das Kind gebären konnte. Aber es dauerte nicht lange, da wurde der Gott von Schmerzen im Kopf befallen, die so heftig waren, daß er den Götterrat um Hilfe anrief, die ihm von Hephaistos auch gewährt wurde. Der Schmiedegott erbot sich, ihm den Kopf zu öffnen, damit sich das Übel verflüchtigen könne. Also spaltete er ihm mit einer scharfen Bronzeakt den Schädel - und der klaffenden Wunde entsprang Pallas Athene.

Da Merkur/Venus die menschliche Fähigkeit verkörpert, sich aus seinen reflektierenden Eindrücken Bilder zu schaffen, die für das Individuum die Wirklichkeit bedeuten, treffen wir neben dem Verhalten, sich in die eigene Tasche zu lügen, auch auf Eigenschaften wie Umwandlung und Kreativität. Für die alten Griechen war diese Gabe ein göttliches Geschenk, denn äußere Eindrücke zu immer neuen Inhalten umzugestalten war für dieses kultivierte Volk eine Fähigkeit, die sie mit ihrem höchsten Schöpfer-Sinnbild in Verbindung brachten. Deshalb schufen sie sich in "Pallas Athene" eine Symbolform, die den Dichtern und Denkern zugeordnet war und verehrten sie als eine Gottheit, die dem Allvater direkt aus dem Haupt entsprungen war.

FAZIT

Damit begegnet uns das Merkur/Venus-Prinzip nicht nur auf der äußeren (Venus entsprang dem Merkur-Hirn), sondern auch auf der inneren Ebene. Zeus gleicht die Gefahr von außen aus, indem er das Problem verinnerlicht. Hat er sich die Mutter einverleibt, kann sich die Ungeborene nicht mehr gegen ihn verbünden, und so verwandelt sich das, was ihn in seiner Machtentfaltung hindern könnte, zu einer Kraft, die ihn in seiner Machtentfaltung unterstützt (Athene wird also folgerichtig seine Lieblingstochter). Der Preis, den er für diesen Transformationsprozeß entrichten muß, ist die offene Wunde (das Vagina-Prinzip), durch die er seine Lösung in die Welt gebärt. Damit erzielt er zwar einen momentanen Ausgleich, aber natürlich nur innerhalb der Grenzen, die seine Strategie umfaßt.

In jeder Lösung aber immer auch die Wurzel eines künftigen Problemes zu erkennen, ist Sinnbild dieser Verbindung, die im Denken liegt. Das Denken kann sich nur im Denken "spüren", und da die Grundlagen des Denkens auch im Denken liegen, können wir hier sehen, wie hinter dem Wunsch nach objektivem Denken geradezu die "Wunde" blutet, die nach einem "Pflaster" sucht. Objektivität ist das Pflaster, worunter sich die Wunde versteckt; weil man die eigene Subjektivität nicht zu leben getraut, bringt man unter diesem Gestirn seine Problematik dahingehend zur Deckung, daß man sich mit der Subjektivität der anderen befaßt.
 
 

* Merkur in Quadrat zu Neptun

DAS ENDE DER VORSTELLUNG

Merkur: "Wenn ich mir meine Weltanschauung aufgrund der kollektiven Bilder schaffe, die man mir anerzogen hat, ist dann mein Realitätsbild nicht sinnlos, weil es immer nur die Voraussetzung meiner eigenen Vorstellung bestätigt?"

Neptun: "Richtig! Selbst wenn du die Wirklichkeit so sehen könntest, wie sie ist, könntest du dir mit deinen Sinnen gar kein Bild von ihr machen, weil die Wirklichkeit gar keinen Platz in dem Rahmen hat, den der Mensch mit seinen Sinnesorganen austastet ..."

Merkur: "Dann kann ich die Wirklichkeit ja nur durch jene Bilder erfahren, welche ich mir selbst geschaffen habe?"

Neptun: "Gewiß! Das entspricht dann jener Vorstellung von Wirklichkeit, die zwar sehr sinnvoll ist, auch wenn sie gar nicht stimmt. Nur wenn du sie zu hinterfragen suchst, das Bild als Bild entlarven willst, dann wird dein ganzes Denken sinnlos, denn damit läufst du ja deiner eigenen Wahrnehmung davon!"

Merkur: "Aber wo liegt das Ziel, wohin ich laufen könnte, wenn ich das Bild als Bild erfahren wollte? Gibt es irgend etwas, wohin ich fliehen könnte?"

Neptun: "Wenn du die Illusion als Illusion erfahren willst, dann gerätst du von der Illusion sinnvoller Ziele zum Bild sinnloser Wahrheit!"

Merkur: "Dann lande ich wieder bei mir selber?"

Neptun: "Bei einem Bild deiner Projektion! Du projizierst das Inventar deiner Bilder auf alles, was dir von außen entgegentritt und reagierst dann auf dein Bild anstatt auf das Geschehen. Du kannst deinem Denken aber nicht entfliehen, denn es färbt ja die Inhalte von allem, was du siehst: Du lebst also nicht in dem, was geschieht, sondern in dem von dir durch deine Vorstellung selber geschaffenen Raum/Zeit-Kontinuum!"

Merkur: "Dann wäre ja jede Erkenntnis sinnlos?"

Neptun: "Sie ist sinnlos, wenn du durch sie die Wahrheit zu erfahren trachtest, sie ist aber sehr segensreich und sinnvoll, wenn du erkennst, daß du gerade durch Erkenntnisse die Welt, in der du lebst, verändern kannst. Und da die Welt, in der du lebst, exakt dem Spiegelbild deiner Vorstellung entspricht, kannst du durch innere Erkenntnisse deine Lebensqualität verbessern und frei werden, indem du dein Gebundensein an die Qualität deiner inneren Vorstellungen freudig akzeptierst."

Merkur: "Ist das der Sinn?"

Neptun: "Der Sinn ist, dich in deine Illusionen einzubeziehen und dir ihrer voll bewußt zu werden, ohne aber irgend etwas ändern zu wollen. Denn du änderst dich in jedem Augenblick, wenn du dich dem freien Fließen deines Geistes überläßt, weil du dann frei wirst von deinen persönlichen Zielen und Vorstellungen, die doch auch nur wieder ein Produkt übertragener Verhaltensmuster sind." (Akron, Die Auflösung des Weltbilds)

FAZIT

Beziehungen zwischen Merkur und Neptun bewirken immer eine sensibilisierte Denkfähigkeit. Der Mensch ist dadurch in der Lage, Archetypen in ihrer schwer faßlichen Symbolik auf eine intuitive Weise zu verstehen, die nicht in Worte zu fassen ist. Denn Neptun zwingt den auskundschaftenden Verstand auf seiner Reise ins Unfaßbare durch Kanäle, die man mit den Werkzeugen des Denkens nicht mehr nachvollziehen kann. Der Gedankenaustausch gestaltet sich recht schwierig, da die Geborenen ihre visionären Einsichten in mystischen oder abstrakten Ideen zusammenfassen, die sich dem Verständnis anderer entziehen.

Gleichzeitig ist Merkur auch ein Täuscher und Neptun der Meister aller Schrullen, was zu einer verstiegenen "Eulenspiegelei" führen kann. Das mag manche Seele dazu bewegen, sich vor ihren eigenen Erkenntnissen zu tarnen, die sie als relativ abtut, und sich in "unpolarisierten Gleichgewichtszuständen" zu halten, in denen persönlichen Meinungen und Entscheidungen ausgewichen werden kann. Sie entzieht sich der Umwelt, um sich der Vielzahl ihrer Möglichkeiten zu versichern und keine persönliche Denkart zu entwickeln.

** Venus Spiegelpunkt zu Mars

DIE ENTSCHEIDUNG DES PARIS

Als auf dem Olymp zwischen Hera, Athene und Aphrodite ein Streit ausbrach, wer die Schönste sei, wurde Paris die zweifelhafte Ehre zuteil, diesen zu schlichten. Vor die Wahl gestellt, zwischen Hera (die ihm Weltherrschaft bot), Athene (die ihm Weisheit antrug) und Aphrodite zu wählen, entschied er sich für die Liebesgöttin, die ihm dafür das schönste Weib der Welt versprach.

Wenn Aphrodite dem Mythos von Sonne/Venus entspricht, so entspricht Paris' Entscheidung Venus/Mars. Es war Aphrodites verführerische Schönheit und ihr gefährliches Liebesangebot, das die Wahl zu ihren Gunsten entschied. Daraus entstand jedoch eine ungeheure Verwicklung, denn das Versprechen Aphrodites hatte einen vergifteten Stachel, weil die Schönste (Helena) schon die Gattin des König Menelaos von Kreta war.

Trotzdem kann man nicht behaupten, daß die Wahl des Paris falsch war. Mars wäre nicht Mars, könnte er Venus' erotische Anziehung gegen die langfristigen Folgen seines Handelns abwägen. Seine innere Absicht, der eigenen Spontanität freien Lauf zu lassen, macht ihn zwar ehrlich, aber unreif: auch nicht böse, aber aggressiv und töricht. Sein emotionales Streben, ohne planendes Handeln in Bestehendes einzugreifen, macht ihn zu einem Helfer ohne Absicht, zu einem Prüfer wider Willen, weil sein Handeln vor allem den Ordnungshüter (Saturn) auf den Platz ruft, um die Bruchstellen, durch die Mars eindrang, wieder abzudichten und zu flicken. Daß sich die Wahl des Paris aber zum "Trojanischen Krieg" auswuchs, lag weniger in der Triebhaftigkeit Paris, sondern in der Saturn/Uranus-Beziehung der beiden Völker (die sich den Anlaß zum willkommenen Funken machten, die Aggressionen zu entzünden).

Auch Aphrodites Versprechen war nicht falsch. Es ist nicht ihre Aufgabe, aus spontanen Entscheidungen auf Gesamtzusammenhänge zu schließen und für mögliche Auswirkungen die Verantwortung zu übernehmen. Als Liebesgöttin ist es vielmehr ihre Pflicht, die Vorzüge des Leibes und die Betonung körperlicher Reize in den Vordergrund zu bringen, und das hat sie vortrefflich getan. Da Paris nicht aus einer reifen Perspektive, sondern aus seinen inneren Trieben heraus wählte, konnte er sich gar nicht anders als für sie entscheiden. Aphrodite hat ihm die Entscheidung zwar erleichtert, aber nicht die Wahl verfälscht.

FAZIT

Daraus können wir ersehen, wie schwer es ist, Strategie und Klarsicht gegen die Triebinstinkte zu behaupten. Unter Venus/Mars gelingt das sicher nicht. Und wenn wir schon glauben, daß weder Aphrodites Versprechen noch Paris' Wahl falsch waren, sondern nur Teil eines Instinktverhaltens, das, wenn es ausbricht, zwingend ist, so können wir auch sagen, daß es sicher nicht der inneren Absicht von Venus/Mars entspricht, einen objektiven Vermittler abzugeben. Es ist nämlich gerade das Vorrecht dieser Konstellation, auszubrechen, ohne die Folgen abzuwägen, die in diesem Fall darin bestehen, daß man sich die Frau eines anderen nimmt. (Als Frau ließe man sich von einem anderen "nehmen", um aus den gesellschaftlichen Normvorstellungen auszuscheren, nicht nur des sexuellen Reizes, sondern auch des revolutionären Widerstandes wegen.) Venus/Mars befreit sich mit Geschrei, um auf das menschliche Vorrecht aufmerksam zu machen, Fehler zu verursachen, ohne dafür die Verantwortung übernehmen zu müssen.
 
 

In einem spirituellen Sinn verkörpert Venus/Mars das sexuelle Lustprinzip: das spontane, kindliche Empfinden, den instinktiven Trieben nachzugeben, ohne sich um eine harmonische Einbindung in die gesellschaftlichen Vernetzungen zu kümmern, also das Recht auf Entwicklung durch Konflikte und gleichzeitig die Abwehr von Verantwortung, für die die Seele noch nicht reif ist.

***** Venus in Trigon zu Mars

Beschreibung siehe weiter oben: ** Venus Spiegelpunkt zu Mars

**** Venus in Halbsextil zu Neptun

UNDINE

Dieses Gestirn symbolisiert Undine, den weiblichen Wassergeist, die ihre unsterbliche Seele erst dann erhält, wenn sie unter den Menschen ein Opfer (Gatten) gefunden hat. Auf der allegorischen Ebene entspricht sie der lieblichen Verführerin, die aber weniger für Liebe, sondern mehr für die unerlösten Sehnsüchte in uns selber steht, und die uns wieder zu den Urquellen hinunterziehen will. Die Sehnsucht nach dem Partner wird als Wahrheit auf dem Weg zur Lösung dieser eigenen Sehnsucht erfahren, was sich in jenem Maß erübrigt, als man die Partnerprojektion erkennt. Wir müssen also bereit sein, die Projizierung zurückzunehmen und in Undine die eigene Sehnsucht zu erkennen - d.h., in der Faszination, die uns aus ihren Verschleierungen entgegenschwingt, müssen wir die eigene Sehnsucht nach Gott begreifen. Hierdurch werden wir vom inneren Zwang befreit, unsere eigenen Sehnsüchte zuerst nach außen zu projizieren und sie dort draußen als numinoses Mysterium dann wieder zurückzunehmen. Psychologisch betrachtet verkörpert Undine das unberührbare Kind, das Männer verführt (in die Tiefe lockt), aber nicht, weil es ihnen schaden will, sondern weil es aus seiner inneren Arglosigkeit nicht sieht, was es gefühlsmäßig im anderen auslöst. Sie verkörpert das aus den Tiefen der Mütter geborene und mit den Zielen der Väter verknüpfte Gottesbild, das nicht die Antworten auf die Rätsel des Lebens, sondern eher ein noch nicht gereiftes, an regressiven Mustern orientiertes, sehnsuchtsvoll- romantisches Streben zum Göttlichen darstellt.

FAZIT

Die Tochter der Fluten repräsentiert das Bild der Seele, die vertrieben von den Gestaden des Alltags in den Gewässern des Unbewußten träumt. Neptuns Drang nach absoluter Freiheit (die man nur noch mit Auflösung und Abstreifung alles Irdischen umschreiben kann) verbindet sich mit Venus zu einer Passivität, die sich bis zur Aufgabe des persönlichen Egos auswachsen kann. Das führt natürlich zu Verwirrungen, weil Neptun die sinnliche Venus auf die Unendlichkeit der inneren Welt abstimmt, was im Alltag zu überzogenen Erwartungshaltungen, irrealen Liebesverstrickungen, pseudospirituellen Egospielereien und ich-zersetzenden Neurosen führt. Wie sagt doch Kühleborn, der Erlkönig, wenn er aus dem Nichts aufsteigt und in der Gestalt Undines den Träumer in die Tiefe lockt: "Du mußt erst sehen, um zu träumen, und dann mußt du im Traum nach dem Gesehenen suchen! Du mußt zuerst den Schatten suchen, damit du in den Träumen sein Licht findest. Gleichzeitig mußt du dich vom Schatten lösen und von der Sonne träumen, um den Schatten zu erkennen, denn womit vermagst du zu erkennen, wenn es nichts gibt, womit du zu erkennen vermagst? Das Ungesehene, das sich jetzt selbst sieht, das sich im eigenen Blick verliert und im Verlieren wiedersieht - ist Nichts!"

*** Mars in Quincunx zu Neptun

DIE GEOPFERTE LIBIDO (DER FEIGE HELD)

In allen Sagen speit der Drache Feuer. Das entspricht der männlichen Kraft, die vom Mutterbild zurückerobert werden will. Erst wenn es dem Helden gelingt, den Körper des Ungeheuers zu durchbohren, fließen ihm die feurigen Kräfte wieder zu, und indem er sich im Blut des Drachens wälzt, wird er in seiner umfaßenderen Männlichkeit, die das Weibliche nicht bekämpft, sondern miteinbezieht, wiedergeboren. Das ist zwar pure Sexualität, aber Sexualität von einer unschuldigen Kraft. Der Ruf seiner Instinkte erreicht den Mann dann nicht mehr über die Verbindung zu seinen frauenfeindlichen Tendenzen, die von der Ohnmacht gegenüber dem übermächtigen Mutterbild herrühren, sondern in der kraftvollen und natürlichen Unterstützung seiner Männlichkeit. Es ist die Kraft gelassener Stärke und das Urbild dessen, was Männer sein könnten, müßten sie nicht ihre eigene Weiblichkeit in der Außenwelt bekämpfen. Oder wären sie von den patriarchalischen Leistungs- und Gefühlszwängen befreit.

FAZIT

Auf der inneren Ebene versinnbildlicht das Durchbohren mit dem Schwert einen (versteckten phallischen) Prozeß, der auf einen psychischen Inzest hinausläuft, da er das Eindringen in das Mutterbild darstellt. Darum muß der Akt verschleiert werden, auch wenn er konstruktiv genutzt zur Wiedergeburt und Erlösung führt. Wenn sich der Geborene dem Inzest mit der Mutter widersetzt und sich der symbolischen Geschlechtsberührung schämt, muß er sich jeder Sexualität enthalten, um einer Auseinandersetzung mit dem Drachen zu entgehen. Da die Stärke der Frau über den Mann der Stärke seines Verlangens nach ihr entspricht (immer droht im Hintergrund das janusköpfige Muttergesicht), kann er versuchen, den Drachen auszuhungern, indem er Enthaltung übt und die Libido, die sonst immer zum unbewältigten Mutterbild hinströmt, zurückhält.

** Mars in Quadrat zu Jupiter

DIE QUELLE DER WEISHEIT (DIE WELTESCHE YGGDRASIL)

In der germanischen Mythologie mußte Wotan ein Auge als Pfand einsetzen, um am Fuß der Weltesche Yggdrasil aus dem Brunnen der Weisheit trinken zu können. Die durch die Quelle symbolisierte Tiefeneinsicht ist introvertiert und dem Unbewußten um den Preis abgerungen, daß sich die Weltsicht des Erkennenden nicht nur nach außen, sondern zur Hälfte auch nach innen richtet. Yggdrasil ist ein Symbol der Weisheit und der inneren Erkenntnis und steht in enger Verknüpfung mit dem Kreuz, an dem Christus hing, denn auch Odin verletzte sich mit einem Speer und hing sich an der Esche auf. Nach neun Tagen und Nächten konnte er die in den Baum geritzten Runen lesen. Die Parallele zum christlichen Erlöser ist nicht zu übersehen, denn beide suchten nicht die individuelle, sondern die kollektive Erkenntnis.

Mars/Jupiter verkörpert die "Erneuerung des Alten" und der Tod Christi und seine Auferstehung bedeuten die "Vereinigung mit dem Vater" (Ich und der Vater sind eins!). Der Ahnenkreis wird geschlossen und die Schöpfung ist zur Erneuerung bereit.

Damit sind wir am Ende unseres Weges angelangt, denn wir treffen hier wieder auf den alles umfassenden Ödipus-Komplex, von dem unsere Reise ausgegangen war und der schon an der Wiege unserer Entwicklung stand (Sonne/Mond): Ödipus erschlägt den Vater. Von außen betrachtet ist er ein Suchender auf dem Wege zu sich selbst. Da begegnet ihm das Schicksal in der Gestalt des Vaters als "ein ihm unbekannter Teil von sich selber", doch er erkennt sich selber nicht!

Wo er aber unter Sonne/Mond durch die Rebellion gegen die väterliche Macht in die Gewalt der verschlingenden Mutter zurückfiel, um das Schicksal aller Gefährten der triebhaften Gefühle zu erleiden, nämlich Hilflosigkeit und Embryonalität, kommt unter Mars/Jupiter jetzt das geistige Erkennen: Er akzeptiert die Unausweichlichkeit seines zukünftigen Endes und steht zu seiner Tat. Nicht nur, weil sie unabänderlich, sondern weil sie auch notwendig und sinnvoll ist für seine Entwicklung und für den ewigen Lauf der Dinge, denn aus der Vernichtung des Alten durch das Junge schöpft sich der Kreislauf der Natur. Da er weiß, daß er den Vater "opfern" muß, um selber zum "Schöpfer" zu werden, kann er die Tat ausführen, ohne von den "Müttern" verschlungen zu werden. Es ist das Wissen, das es ihm ermöglicht, gleichzeitig auf Distanz zu bleiben und die Tat trotzdem zu vollbringen, und dieses Wissen entspricht dem "integrierten" Vater, "der sich selbst zum Sohn geworden ist".

FAZIT

Unsere abendländische Kultur fußt auf dem Kult, die Väter umzubringen, damit in "Abgeltung der Strafe" die immer höheren Normen gesellschaftlicher Anforderungen von den immer "schuldigeren" Söhnen erbracht werden können. Das wäre auch eine Erklärung dafür, warum wir die Erde verwüsten und im gleichen Atemzug den Talar anziehen und Gott den Herrn zu uns sprechen lassen, wir sollen brav und gut sein, sonst müsse er uns bestrafen. Aber wenn wir in Wirklichkeit die Strafe suchen, wie sollen wir da gut sein, wenn wir dafür nicht das bekommen, was wir brauchen?

Schon die biblische Schöpfungsgeschichte beschreibt den Akt der Selbsterkenntnis so, daß die Menschen vom "Baum der Erkenntnis" aßen und dafür mit der "Vertreibung aus dem Paradies" bezahlten. Nun war es aber nicht so, daß sie "wegen" der Erkenntnis aus dem Paradies verstoßen wurden, sondern es war im Gegenteil die Erkenntnis "selber" (das Erkennen der Polarität), die sie veranlaßte, das Paradies zu verlassen. Aus allegorischer Sicht erkennen wir hier das aufflammende "Bedürfnis nach Ergänzung" (Sexualität) mit dem unbewußten Wunsch, gleichzeitig von Gott für den Verrat am "All-Einen" bestraft zu werden. Sigmund Freud hätte das als ursprüngliches Inzest-Verlangen mit der Mutter gedeutet, das, vom Bewußtsein entdeckt, sich in das Schuldgefühl verwandelte, vom Vater für den Drang bestraft zu werden (und ihn dafür dann umzubringen: Mars/Saturn!).

Wir müssen uns die Strafe verdienen, aber da wir das kaum erkennen wollen, müssen wir die Sache gleichzeitig vor uns verbergen, indem wir (aus Furcht vor Strafe) die Aggressionen unterdrücken und damit für ihr sicheres Eintreffen sorgen.
 
 
 

** Jupiter in Konjunktion zu Pluto

ZEIT UND EWIGKEIT

Plötzlich ging die Türe auf. Eine Lichtgestalt trat auf mich zu. Sterne breiteten sich aus im Zimmer. Ich fragte sie: "Wer bist du?"
 
 

Eine Stimme sprach: "Wer ist hier 'du'? Du bist aus dir herausgegangen, weil du dich selber nicht in dir gefunden hast ... - ich aber bin in dich hereingekommen, weil ich mich draußen nicht erkannt habe!"

Ich schrie: "Und wie bist du hereingekommen?"

"Ich bin durch dich hindurchgekommen!"

"Was heißt das: 'Ich bin durch dich hindurchgekommen?'"

"Das heißt: daß ich durch die Tür gekommen bin!"

"Wenn du aber durch die Tür gekommen bist: Wie kannst du dann durch mich selber kommen?"

"Indem du die Türe selber bist!"

"Dann zeig mir diese Tür ...!" - schrie ich empört. Mich nervte seine kalte Art.

"Die Frage aller Fragen gilt der Tür", hörte ich ganz leise sagen und jemand blickte mich mit sanften Augen an, "die sich dem Blick entzieht, weil dieser Blick sie selber ist. Doch wer die Antwort selber wäre, könnte auch die Frage nicht erkennen, wie man sein eignes Auge ja ohne Spiegel auch nicht sieht. Erst wenn sich deines hier in meinem findet, lernst du erkennend deinen Doppelblick zu trennen, wo Gott aus Menschen durch die Türe findet, durch die der Mensch in Gott einkehrt: Ich bin das Auge ... - doch der Blick bist du!"

(Akron, Die Fünfte Wand)

FAZIT

Unter dieser Konstellation richten wir uns nicht mehr nach äußeren Dingen, sondern nach unserer inneren Autorität. Erkenntnis wird als geistige Individualität empfunden; man strebt nach einem autonomen Denken, das sich selber Gesetz ist. Es ist der Ruf Jupiters, aufzubrechen und alle menschlichen Räume zu entdecken, denn diese Reise ist gleichzeitig der Weg, sich lebendig zu fühlen und das Leben in Übereinstimmung mit dem Ewigen zu bringen.

Wir beschäftigen uns daher mit dem Erkennen von Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten, also mit dem, was die Esoterik "die Erkenntnis der großen Weltgesetze" nennt. Um diese Erfahrungen aber in unsere Realität zu übertragen, müssen wir die inneren Ahnungen, die sich dem unmittelbaren Erfahren durch die Sinne entziehen, in verständliche Bilder übertragen, ohne zu vergessen, daß die Bilder, mit denen wir zu tun haben, nur die persönliche Übertragung überpersönlicher Wahrheiten sind.

Es ist also durchaus legitim, die "unvorstellbare Wahrheit" in Bilder zu fassen, solange wir uns bewußt sind, daß wir nie mehr als das Bild erfahren, das den faßbaren Teil dieser Wahrheit ausmacht. Damit können wir auch gleich erkennen, daß wir Menschen es kaum jemals mit Wahrheit, sondern immer nur mit dem faßbaren Teil der Wahrheit zu tun haben, der sich in der Symbolik unserer Bilder ausdrückt. Man könnte diese Konstellation als kennzeichnend für das menschliche Bestreben bezeichnen, Bilder zu schaffen und sie als Symbol des Ewigen zu betrachten.
 

* Jupiter in Sextil zu Neptun

DER NUMINOSE GOTT

Jupiter symbolisiert das innere Bild jenes von uns in die Außenwelt übertragenen Gottes (Wotan, Zeus, Gottvater), der die Notwendigkeit aufzeigt, jenes Unfaßbare in uns dadurch zu erfassen, daß wir es in menschliche Formen gießen und nachher anbeten. Neptun hingegen steht für das Unsagbare selbst, das Jupiter zwar darstellen möchte, das im Grunde unserem menschlichen Bewußtsein in seiner unvorstellbaren Größe aber unerfahren bleibt.

Aus der Sicht des Mystikers gesprochen: Jupiter/Neptun ist hier der unzerstörte Teil der Erinnerung an das kosmische Bewußtsein oder jener Splitter göttlicher Sehnsucht, der im Menschen inkarniert ist. Fast jeder Mensch hat irgendwann einmal die Erfahrung gemacht, daß etwas Größeres und Mächtigeres durch ihn hindurchwirkt, als er sich gewöhnlich vorzustellen wagt, und daß dieses Etwas aus dem seelischen Hintergrund heraus seine Pläne, Absichten und Ziele bestimmt. Diese Kraft ordnet er nicht dem Mutteraspekt der Natur zu, sondern er bezeichnet sie als "Willen" oder "Geist": "Gott ist Nichts. Nicht daß er ohne Sein wäre. Er ist ein weiseloses Sein, eine seiende Nichtheit." (Meister Eckehart) - Aus diesem Grunde gibt es keinen Anfang und kein Ende; alle Formen von Entwicklung existieren gleichzeitig, getrennt nur durch das Raum/Zeit-Verständnis unseres Bewußtseins, denn Jupiter und Neptun tragen in sich das Ende, das seine Erfahrungen aus der Zukunft in die Vergangenheit einprägt: So sind sie nicht nur Höhepunkt und Ende des universalen Lebenszyklus, sondern auch der Funke, in dem schon wieder der Keim zu einer neuen Leuchtspur des Lebens glüht. Sie ermöglichen es uns, aus der Zeit herauszutreten und unseren Geist im seligen Reigen mit Gott zu erleben.

FAZIT

Für unseren bewußten Verstand tönen solche Schalmeienklänge außerhalb der Polaritäten der strukturierenden und formgebenden Gegensätze jedoch schrecklich. Fast könnte man vermuten, daß es sich bei dieser Gottesvorstellung um die Kristallisierung eines sichtbaren Lebenszieles handelt, um unserem Erdendasein einen Sinn zu geben, denn Jupiter und Neptun verleihen eine grenzenlose Phantasie, die in allen Bereichen der Kunst und Kreativität ihren Niederschlag findet. Menschen unter ihrem Einfluß reagieren in ihrem Gefühlsleben sehr sensibel und neigen zu einer schwärmerischen Ekstase mystischer Versenkung. Dabei sind ihre Glaubensvorstellungen seltsam verzerrt. Ihre religiöse Sentimentalität läßt sie an Zeremonien und Mysterien großen Anteil nehmen: sie lieben das Empfinden kindlichen Versinkens in einer Woge kollektiven Gefühls, das nicht selten zu einem Wahn ausartet, wenn es sich zur kultischen Anbetung eines spirituellen Meisters ausweitet. Dabei kann es sich um die Projektionen eigener Verdrängung handeln. Sie fühlen sich selbst als Auserkorene, die zu den höheren Weihen zugelassen sind.

Jupiter in Sextil zu Uranus

DER JUNGE UND DIE GROßMUTTER

Es war einmal ein Bub, der glaubte nicht an Gott. Seine Großmutter sagte ihm, Gott existiere nicht. Und da er Gott nie zu Gesicht bekam, glaubte er seiner Großmutter.

Aber eines Tages verlief er sich im Walde. Viele Stunden lief er kreuz und quer, ohne einen Weg zu finden, und als die Dämmerung hereinbrach, legte er sich unter einen Baum und schlief vor Hunger und Erschöpfung ein. Plötzlich begann ihn mitten in der Nacht ein milder Lichtschein anzustrahlen, und als er seine Augen auftat, sah er einen Mann in einem weißen Mantel vor ihm stehn.

"Wer bist du?" fragte ihn der Junge.

"Ich bin Gott!" sagte der Fremde.

"Großmutter hat mir gesagt, es gibt keinen Gott, also kannst du nicht Gott sein", erwiderte der Junge.

"Ich will dir Zeit lassen, deine Großmutter zu fragen", antwortete der Mann und war verschwunden. Der Wald war ebenso verschwunden, und der Knabe stand vor Großmutters Tür.

"Wo hast du die ganze Zeit gesteckt?" fragte ihn die Großmutter.

"Ich war im Wald und habe Gott getroffen", erwiderte der Knabe und schaute die Großmutter fragend an.

"Es gibt keinen Gott", sagte die Großmutter bestimmt.

"Ich habe ihn aber gesehen, er trug einen weißen Mantel", beharrte der Knabe.

"Trug er einen Bart?" fragte ihn die Großmutter.

"Nein, er hatte keinen Bart", erwiderte der Junge.

"Das war nicht Gott, mein Junge, das war der Tod!"

Bald wurde der kleine Bub schwer krank. Das Fieber stieg, und die Ärzte hatten ihn längst aufgegeben. Der Junge lag im Bett und dachte an den Tod. Da ging plötzlich die Türe auf, und Gott im weißen Mantel trat herein.

"Meine Großmutter hat mir gesagt, wer du bist", hub der Bub mit schwacher Stimme an, "du bist nicht Gott, du bist der Tod."

Gott im weißen Mantel lächelte.

"Deine Großmutter lügt, sie ist eine Hexe!"

"Das ist nicht wahr", kam es schwach zurück, "du lügst, denn du willst mich mitnehmen!"

"Ich will dir abermals Zeit geben, deine Großmutter zu fragen", sagte Gott und war verschwunden.

"Ist es wahr, daß du lügst?" fragte der Junge die Großmutter, als sie in das Zimmer trat.

"Natürlich ist es wahr, daß ich lüge", antwortete die Großmutter ungerührt und sah ihn lange an, "es ist gelogen, daß es keinen Gott gibt, denn es gibt im Gegenteil überhaupt nichts außer Gott!"

Da begann ihn mild ein Lichtschein aufzunehmen, und er sah eine wunderschöne Frau mit offenen Armen vor ihm schweben: "Aber wenn du das einmal selbst herausgefunden hast, dann kannst du bei uns im Elysium bleiben und mußt nicht mehr in die Welt hinaus ..."

Der Knabe flog ihr jubelnd in die Arme.

Großmutter aber legte seinen Körper sanft zurück, schloß ihm die Augen zu, zündete eine Kerze an und verließ leise das Zimmer. (Akron, "Peterchens Himmelfahrt")

FAZIT

Mit Uranus kommt zu der Fähigkeit Jupiters, Visionen zu entwickeln, auch noch die Begabung, die Relativität der Visionen zu verstehen. Das heißt die Wirklichkeit der Welt, die hinter den Dingen unserer Bilder liegt, in den Dingen selbst zu sehen. Man könnte das so veranschaulichen, daß dieses kosmische Fließen, das wir den göttlichen Willen nennen, durch Jupiter/Uranus in seinem inneren Plan plötzlich erfaßt werden kann, was in den Gesichtern der alten Mystiker die "Berührung Gottes" zeigt, die sich in Worten etwa so umschreibt: "Jedes Verstehen lebt im Bewußtsein anderer Dimensionen fort, und für viele Wesen sind diese Gedanken leuchtende Sonnen. Umgekehrt ist das, was du als leuchtende Sterne am Himmel siehst, das lebendige Bewußtsein Gottes, von den Cherubinen der menschlichen Sehnsucht geträumt. Dabei bin ich mehr als nur der Teil, zu dem du Verbindung hast, und du bist mehr als nur der Teil, dessen du dir bewußt bist, denn gleichzeitig sind wir beide miteinander verbunden. Nach deinen Begriffen bin ich deine Zukunft, aber die Begriffe deiner Zeit sind für mich bedeutungslos. Ich bin dein höheres Selbst und habe auf dich gewartet - nun bist du durch die Tür gekommen, durch die meine Erinnerung ins Leben fließt, und damit ist die Reise zu Ende und Gott erlöst: in der Auflösung von Anfang und Ende!"

* Saturn in Halbquadrat zu Pluto

DER PHÖNIX AUS DER ASCHE

Saturn/Pluto kündet vom Zusammenbruch des alten Weltbildes auf dem Weg zur inneren Erkenntnis bzw. vom Scheitern als notwendige Voraussetzung, um zu einer umfassenderen Wahrheit zu gelangen. Dieses dunkle Gestirn verkörpert die wahre Kultur, die sich selbst erneuert, wenn die vom Zeitgeist zersetzte Kultur ihrer kreativen Vitalität verlustig gegangen ist, und läßt eine zwanghafte Hartnäckigkeit erkennen, gegen alle Mauern anzurennen und sich den Schädel einzuschlagen, denn das Augenmerk des Menschen unter dem Einfluß dieser Konstellation richtet sich auf die Ausweglosigkeit der eigenen Existenz: Das Fehlerhafte, leblos Gewordene soll mit Gewalt verändert werden. Es ist das überkommene Weltbild, das zunichte gemacht werden wird, wenn die innere Schicksalsuhr die Stunde der Abrechnung mit der Vergangenheit anzeigt. So wie sich das Saatkorn durch seine eigene Kraft zerstört, um im Schößling aufzugehen, so wird auch die menschliche Willkür zerstört, wenn der geistige Wachstumszyklus in Erscheinung tritt und das altgediente Weltbild zerbricht. Erst dann kann die Seele aus den Trümmern ihres Kerkers entrinnen und wie ein Phönix in die Sonne fliegen.

FAZIT

Zerstörung bedeutet immer einen Wendepunkt. Sie ist ein sicheres Zeichen dafür, daß man ans Ende des bisher beschrittenen Weges gelangt ist. Ohne Zerstörung würden die fälligen Umwälzungen, das Eröffnen erweiterter Lebenschancen und die solchen kreativen Veränderungen notwendigerweise vorangehenden Entkrampfungen gar nicht möglich sein. Es ist der Mensch selbst, der in sich selbst die Saat der Zerstörung ausbringt! Wollten wir die Zerstörung vermeiden, müßten wir ständig und freiwillig unseren Horizont erweitern, doch dazu sind wir nicht in der Lage. Also wird unser Leben immer unter dem Schatten der Verbindung von Saturn und Pluto stehen, die somit nichts anderes sind als die Schattenseite unseres eigenen Tuns und Lassens, denn alle negativen Schilderungen der zerstörerischen Aspekte der aufbauenden Lebenskräfte spiegeln uns nur unsere Angst vor unseren eigenen inneren Dämonen wider. Dieses Gestirn ist wie ein Spiegel, in dem wir unser Unbewußtes erkennen können, für das wir sonst blind sind. Wir müssen begreifen lernen, daß diese Konstellation nicht "böse" oder "negativ" ist, sondern einfach die notwendige Gegenkraft zu unserem eigenen, sonst krebsartig wuchernden Wachstum bildet.

*** Uranus in Sextil zu Pluto

DIE VERTREIBUNG AUS DEM PARADIES

Symbolisch gesehen entspricht dieser Aspekt dem Schöpfungsvorgang, wo Gott von Adam eine Rippe nahm, um Eva damit zu erschaffen. Somit ist Adam gewissermaßen unvollständig aus sich selbst geworden, weil ein Teil von ihm in die Welt gesetzt (im Weibe wirksam) wurde, welchen er sich bis ans Ende aller Tage wieder zurückerobern muß.

In diesem Beispiel liegt gewissermaßen die Vertreibung aus dem Paradies verborgen. Die Ganzheit wurde geteilt in die Anlagen, die innerhalb von einem selber und diejenigen, die außerhalb von einem liegen. Damit wurde als das Ziel gestellt, die auseinanderliegenden Kräfte wieder zu vereinen.

Diese Rippe, die außerhalb von uns ist, entspricht der Urschuld. Sie ist aber gleichzeitig auch die Gnade Gottes, die uns geschenkt wurde, als wir das Paradies verlassen und in die Dualität hinabsteigen mußten, um sie wiederzufinden und dadurch vollständig zu werden.

FAZIT

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, die größten Gegensätze innerhalb der astrologischen Palette unter einen Hut zu bringen, handelt es sich bei Uranus/Pluto doch um das Symbol der Feindschaft zwischen Himmel und Hölle, der Urfehde zwischen Schlange und Gott. Denn die Schlange ist der Gott, dem die Menschen in jeder Vorstellung zu dienen haben, denn die Schlange ist die Struktur im menschlichen Bewußtsein, die den Menschen mit jedem Gedanken näher an sich bindet. Weil es nichts mehr gibt, was außerhalb der Schlange liegt. Das ist das Geheimnis der Vertreibung aus dem Paradies.

Wir Menschen haben den Apfel des Wissens vom Baum der Erkenntnis gegessen, weil wir über den unbewußten Paradieszustand hinauswachsen wollten. Damit haben wir den Schatten Gottes, das Ego, in das Paradies hineingeboren. Das Ego ist die Schlange, die uns vom Lebensbaum entgegenzüngelte, und personifiziert die menschliche Hybris: die Absicht, wie Gott werden zu wollen. Wir Menschen wollten die Identifikation mit Gott, also erschufen wir uns ein Bild von ihm und nahmen es in Besitz, indem wir uns selbst damit identifizierten. So erlangten wir mit Hilfe unserer Vorstellung Macht über Gott oder Macht über das Bild unserer Vorstellung, die wir Gott nannten - die aber im Grunde das Bild der Schlange war. Dieser erkannte Teil eines Ganzen hat sich durch die Einverleibung (Apfel) nun sofort erkannt als der, der er ist: nämlich ein herausgerissener, bewußtgewordener Teil aus einem unbewußten, in sich ruhenden Ewigen. Gleichzeitig wurde mit diesem Erkennen aber auch die Angst heraufbeschworen, weil das Bewußtgewordene durch das Bewußtwerden ja die Verantwortung für seine Freiheit selber übernehmen mußte. Eine Freiheit, die ja erst durch das Erkennen möglich wurde und welche das Paradies verdrängen und die Vertreibung daraus an den Anfang seiner eignen Weltanschauung stellen mußte. Das ist die Schlange, die sich in den eignen Schwanz beißt, indem sie Eva verführte. Damit ist der Kreis geschlossen.
 

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AKRON FÜR SOLANOVA ist eine Software-Umsetzung von Akrons

"Astrologie-Handbuch, Charakteranalyse und Schicksalsdeutung",

erschienen im Hugendubel/Kailash-Verlag (ISBN 3-88034-798-0).

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